Alex Grendelmeier's

 

Dichtkünste


 Ohrwürmer

 

Die Ohrwürmer kriechen als munt'rer Verein

durch unsern Gehörgang zur Schnecke hinein.

Von dort aus spazieren sie fröhlich und heiter

gemeinsam in Richtung des Grosshirnes weiter.

 

Dort hocken die Viecher und wollen auch bleiben.

Sie lassen sich tatsächlich kaum mehr vertreiben.

Und fragst du, wer dafür verantwortlich ist,

so lautet die Antwort stets  - ein Komponist.

 

 


Nachbar

 

Sie hiessen früher Hofmann, Niggli, Scherrer, Schär,

auch Brunner, Byland, Bohnenblust, Brack oder Bär,

von Wartburg, Fehlmann, Lüthy, Aerni, Trächsel, Hutter,

dann Hofer, Stocker, Sommer, Winter oder Sutter.

 

Inzwischen leben hier auch Thais und Afrikaner,

dann Jugoslawen, Türken, Syrer und Albaner,

Afghanen, Serben, Kosovaren und Rumänen,

um nur die wichtigsten Ethnien zu erwähnen.

 

Sie alle kommen aus der grossen weiten Welt.

Was ihnen wohl an unserm Schweizchen so gefällt?

Nun, die Bewohner hier sind fleissig und naiv,

und das macht dieses Ländchen eben attraktiv.

 

Wohl deshalb kenne ich beim besten Willen nicht

 die Sprache, die mein neuer Nachbar eben spricht.

So leben wir - wie Menschen in der Bibel schon -  

 

in einem ziemlich dicht gedrängten Babylon.

Und das vor der Abstimmung...


Schlangen

 

Viele Menschen sehn mit Bangen

die Vermehrung jener Schlangen,

die durch unsre Lande kriechen

und dabei gar übel riechen.

 

Zudem dringt aus den Gedärmen

ein Getöse und ein Lärmen.

Wartet deshalb ja nicht länger, 

holt den Autoschlangenfänger!


Schöpfung

 

 

 

 

 Wir Menschen sind in unserm Leben

vom Geist der Schöpfung stets umgeben.

 Sein Hauch hält alle Welt lebendig.

 Er wirkt in jedem Ding beständig

und doch bleibt er dem Intellekt

 

 


 

Ferien

 

Wir machten kürzlich Ferien im Ticino;

dort schätzt man Pasta, Sugo und den Vino. 

Ja, auch der Süden unsrer lieben Schweiz

hat wirklich seinen ganz besondern Reiz.

 

Sei's unten etwa der Luganersee,

sei's oben der markante Monte Brè:

Zu sehen ist natürlich Altbekanntes, 

doch gibt es stets viel Neues, Int`ressantes!

 

Die Ticinesi lieben mancherlei

hinsichtlich der Musik und Malerei!

(So trifft man einen, der den Trubel mied,

zum Beispiel im Museo Wilhelm Schmid.

 

Und wenn’s die Sonne durch die Wolken schafft,

dann ist die Landschaft einfach zauberhaft.

Doch regnet es - das darf man wohl erwähnen -

gar nicht so selten auch in grauen Strähnen!


Teleskope

 

Durch Teleskope aus dem All

erscheint die Erde als ein Ball,

der durch das weite Weltall reist

und dabei um die Sonne kreist.

 

Im Gegensatz zum Blick von oben

zeigt uns den Kosmos der Mikroben

das Mikroskop; ein Instrument,

das jeder Biologe kennt.

 

So könnte man doch wirklich meinen,

es sei im Grossen wie im Kleinen

das Wesen unsrer Schöpfung endlich

recht klar und allgemein verständlich.

 

Doch leider stellt man fest derweil:

Es gilt genau das Gegenteil!

Die Forschung all der Wissenschafter 

macht diese Welt nur rätselhafter.

 


 

 

Aprikosen

 

Ach, wie lieb' ich Aprikosen,

sei's aus Gläsern, sei's aus Dosen,

als Kompott, als Panaschee

oder Konfitürengelee!

 

Für die kalte Jahreszeit

steh’n Konserven längst bereit,

aber einfach frisch vom Strauch

munden sie natürlich auch!

 

 

 

 


Mai

 

Die Kinder singen Frühlingslieder.

In Gärten blüht der lila Flieder,

und durch die frische Waldesluft

weht unverkennbar Bärlauchduft.

 

Die Vögel pfeifen in der Frühe,

schon weiden auf den Feldern Kühe,

erwacht sind nun des Morgens wieder

ganz allgemein die müden Glieder.

 

Und Junge spüren zweifelsohne

das wilde Kreisen der Hormone.

Die Alten treibt kein neuer Schwung;

was bleibt, ist die Erinnerung.

 

 

Maiäriisli im Gaartä


 

April

 

Einst war doch sicher: Der April

macht wettermässig was er will.

Ja, diese alte Bauernregel,

die kannten alle, Kind und Kegel.

 

Jetzt hat die Wissenschaft bewiesen

mit Forschung und mit Expertisen,

so dass man ’s nicht bezweifeln kann:

Der „Climate change“ ist schuld daran.

 

Blühender Rosmarn


 

Der Ehrenbürger oder "Sic transit gloria mundi"

 

Hier ist der Ort, wo kürzlich noch ein Grabstein stand,

da, wo ein Ehepaar die letzte Bleibe fand.

Der Mann, bekannt und sehr erfolgreich hierzuland,

tat viel, was ihn mit unserm Städtchen einst verband.

 

Nun aber ist das schöne Grabmahl aufgehoben,

das ruhig lag im „Tiefelaach" am Waldrand oben.

Ja, in der zweiten Reihe ruhten sie und er,

 

doch bald schon weiss das sicher niemand mehr.

 


Osterfest

  Wir feiern bald das Osterfest,

das alle Christen hoffen lässt,

denn Gottes Sohn ist auferstanden;

er überwand des Todes Banden.

Ob wir dereinst auch auferstehen?

Geduld! Geduld! Wir werden sehen.

 

 

nsplash.com/de/fotos/ein-grosser-felsen-mit-einem-kleinen-loch-darin-HdLKEri3mm8


 

Die Forelle

 

Der Dichter Schubart schrieb einst „Die Forelle“;

vom Fisch, der flink in einem Bächlein helle

vergnügt in froher Eil' durchs Wasser schoss

und dort sein Leben voll und ganz genoss.

 

Ein Fischer mit der Rute fand: Fürwahr,

das wäre doch ein schönes Exemplar,

und zudem herrscht daheim derzeit ein Mangel:

Der Fisch muss unbedingt an meine Angel!

 

Tatsächlich! Diesem Fischersmann gelang

mit arger List der angestrebte Fang.

Wie sehr sich auch die Bachforelle wand,

sie war nun hilflos in des Fischers Hand.

 

Darauf servierte sie des Fischers Frau

mit Salzkartoffeln als Forelle blau.

Und dennoch lebt nun die Verspeiste weiter,

dank Schubert, Franz plus Sänger und Begleiter.

 

 

 

Forelle blau mit Salzkartoffeln

 

Hier Informationen zum Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart, dem Autor von „Die Forelle“  https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Friedrich_Daniel_Schubartx Grendelmeirer’s Dichtkünste