Montag, 14. Oktober 2019

 

Ein afrikanischer Fridolin wird Kardinal

 

Erzbischof Fridolin Ambongo Besungu, Kinshasa

 

 

Am 5. Oktober 2019 wurde Erzbischof Fridolin Amongo Besungu zum Kardinal erhoben. Offenbar ist erstmals ein "Fridolin" Mitglied des Kardinalskollegium geworden. Ein Blick auf seine Biografie des Kapuziners ist spannend:

 

FRIDOLIN AMBONGO BESUNGU OFMCap

 

 

Geboren am 24. Januar 1960 in Boto, Belgisch-Kongo

Eintritt in den Kapuzinerorden am 12. November 1980

Ewige Profess am 4. Oktober 1986

Studium in seiner Heimat und in Rom

Abschluss in Moraltheologie an der päpstlichen Academica Alfonsiana

Priesterweihe: 1988

Funktionen:

Pfarrer

Professor an der katholischen Fakultät in Kinshasa

Ordensoberer und Vizeprovinzial der kongolesischen Kapuzinerprovinz

Vorsitzender der ASUMA und der CONCAU

(Regionale Zusammenschlüsse der Kapuziner in Afrika)

Ernennung zum Bischof am 22. November 2004 Bistum Bokungu-Ikela

Bischofsweihe am 6. März 2005 (Fridlistag!) durch Erzbischof von Mbandaka-Bikoro, Joseph Kumuondala. Mitkonsekratoren: Giovanni d'Aniello, Erzbischof der Demokratischen Republik Kongo und Apostolischer Nuntius, und Frédéric Kardinal Etsou-Nzabi-Bamun-gwabi, Erzbischof von Kinshasa

 Apostolischer Administrator des Bistums Kole 30. Oktober 2008 bis 9. August 2015 Apostolischer Administrator des Erzbistums Mbandaka-Bikoro

Ernennung zum Erzbischof von Mbandaka-Bikore am 12. November 2016

Berufung als Apostolischer Administrator nach Bokungu-Ikea;

Amtseinführung am 11. Dezember 2016

Ernennung zum Koadjutor-Erzbischof von Kinshasa am 6. Februar 2018

Ernennung zum Erzbischof von Kinshasa am 1. November 2018

Amtseinführung am 25. November 2018

Kardinalkreierung am 5. Oktober 2019,

Zuweisung der Titularkirche San Gabriele Arcangelo all'Aqua Traversa

 

 

Erzbischof Fridolin Ambongo Besungu war bis 2019 Leiter der Partnerdiözese von Salz-burg, Bokungu-Iketa im Kongo.

 

"Der Kongolese gilt als engagierter Seelsorger und Kommunikator mit einer hohen Sernsi-

bilität für Menschenrechte. Als stellvertretender Vorsitzender der Kongolesischen Bischofs-Konferenz war Ambongo einer der Väter des sogenannten Silvesterbakommens von 2016, das den friedlichen Übergang der Macht im Land einläuten sollte. Im selben Jahr sagte er vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag über die Aktivitäten lokaler Warlords aus.

Herausforderungen benannte er zudem auf pastoraler Ebene - so müsse die Kirche junge Menschen stärker ansprechen, etwa über soziale Medien."

(Verlautbarung Bistum Salzburg)

 

 

Daten aus seiner Priesterkarriere

 

 

Date

 Age

Event

Title

24 Jan 1960

 59.72

Born

 

1981²

 20.9

First Vows

Member of Order of Friars Minor Capuchin

1987²

 26.9

Perpetual Vows

Member of Order of Friars Minor Capuchin

14 Aug 1988

 28.5

Ordained Priest

Priest of Order of Friars Minor Capuchin

22 Nov 2004

 44.8

Appointed

Bishop of Bokungu-IkelaCongo

6 Mar 2005

 45.1

Ordained Bishop

Bishop of Bokungu-IkelaCongo 

30 Oct 2008

 48.7

Appointed

Apostolic Administrator of KoleCongo 

9 Aug 2015

 55.5

Ceased

Apostolic Administrator of KoleCongo 

5 Mar 2016

 56.1

Appointed

Apostolic Administrator of Mbandaka-BikoroCongo 

12 Nov 2016

 56.8

Appointed

Apostolic Administrator of Bokungu-IkelaCongo 

12 Nov 2016

 56.8

Appointed

Archbishop of Mbandaka-BikoroCongo 

11 Dec 2016

 56.8

Installed

Archbishop of Mbandaka-BikoroCongo 

6 Feb 2018

 58.0

Appointed

Coadjutor Archbishop of KinshasaCongo 

6 Mar 2018

 58.1

Ceased

Apostolic Administrator of Bokungu-IkelaCongo

11 Mar 2018

 58.1

Installed

Coadjutor Archbishop of KinshasaCongo 

1 Nov 2018

 58.7

Succeeded

Archbishop of KinshasaCongo 

25 Nov 2018

 58.8

Installed

Archbishop of KinshasaCongo 

5 Oct 2019

 59.6

Elevated and apointed to Cardinal

Cardinal-Preist of San Gabriele Arcangelo all’Aqua Traverso

 

 

Quelle: http://www.catholic-hierarchy.org/bishop/bbesu.html

 

 

Preisfrage:

Woher hat der neue Kardinal seinen Namen "Fridolin"?

 

Ich bin am recherchieren...


Donnerstag, 10. Oktober 2019

 

Zwei ähnliche Wappen

 

Kanton Glarus und Saint Tropez

 

Der „Sankt Fridli“ der Côte d’Azur

 

oder

 

Erstaunliche Parallelen der Legenden in Saint-Tropez?

 

 

Er trägt eine Kutte, ein Buch in der Linken, eine Tasche von der rechten Schulter zur linken Lende umgehängt, einen Heiligenschein... und in der Rechten statt des Wanderstabes ein Schwert, das er als Gehstock zu benutzen scheint... auf den ersten Blick eine „welteinzigartige Wappenverwandtschaft zwischen dem echten Fridli und dem Stadtheiligen von Saint-Tropez!“. So schrieb mir auf einer Grusskarte ein Schulfreund, der seit vielen Jahren dort eine Absteige hat und aus dem Alltag abtaucht.

  

Beide, Sankt Fridli und der heilige Torpes (aus dem „Saint-Tropez“ geworden ist) kamen über das Meer! Fridolin aus Irland, Torpes aus Pisa über das Mittelmeer. Davon später.

 

Unterschiedlich ist der Farbhintergrund. Während das schönste Rot dem Glarner Wappen den emotionellen Hintergrund gibt, ist dieser beim Wappen von Saint-Tropez blau.  Die französische Schriftstellerin Colette (1873-1954), die der kleinen Küstenstadt 14 Jahre treu blieb, schwärmte von einem „Blau, das anderswo nur in Träumen vorkommt“.

 

Unterschiedlich ist der geschichtliche Hintergrund, der sich weitgehend auf Legenden abstützt. Stellen Sie sich vor, sie sässen im „Café-Pâtisserie Sénéquier“ direkt am Hafen mit seinen roten Tischen und Stühlen und ergötzten sich genüsslich an einem Nougat, das seinen Namen von „tu nous gates » (du verwöhnst uns) haben soll, oder gleich nebenan im „Le Gorille“, seinerzeit Stammbistro von Brigitte Bardot, oder nicht weit davon bei einer Pizza im „Café de Paris“ und  schauten auf den Hafen über die ungezählten Schiffe und Luxusjachten hinweg auf den Golf nach Süden, wo Himmel, Land und Meer ineinander übergehen.

 

Sie sind um 1943 Jahre nach Saint-Tropez zurückversetzt, das damals noch Heraclea heisst, ein verlassenes Nest, aber bereits Anlegestelle. Plötzlich entdecken Sie eine auf den Wogen des Mittelmeers auf- und abwogende Barke, die auf das Land zutreibt. Sie erkennen einen Hund, der sich mit heiserem Bellen bemerkbar macht, und mit im Boot einen Hahn, der aus Leibeskräften kräht. Beim genaueren Hinsehen gewahren sie einen reglosen menschlichen Körper ohne Kopf.

 

Es ist Torpes, der unter Kaiser Nero (37-58 n. Chr.) Beamter in Pisa gewesen war. Angeblich war der Apostel Petrus auf seiner Reise nach Rom abgetrieben worden und an der Mündung des Arno gestrandet. Dort habe er eine christliche Gemeinde gegründet. Torpes sei unter diesem Einfluss Christ geworden. Als Kaisers Nero nach Pisa kam, um den restaurierten Dianatempel einzuweihen, habe sich Torpes öffentlich als Christ bekannt. Nero liess Torpes auspeitschen, dann den wilden Tieren im Amphitheater zum Frasse vorwerfen und, da diese ihn verschonten, enthaupten. Das Haupt sei von Engeln geborgen und dem Bischof von Pisa überbracht worden. Die Kopfreliquie werde seit 1084  beim Hinrichtungsort in einem Kloster verwahrt. Später baute man dort zu seinen Ehren eine neue Kirche.

 

Der Rumpf von Torpes Leichnam sei mit einem Hund und einem Hahn in einer morschen Barke über das Mittelmeer getrieben,  in Fréjus  angespült und die sterblichen Überreste in „Castrum de San Torpe“ (dem heutigen Saint-Tropez) begraben worden. Seit 1056 ist der Kult des Märtyrers Torpè bezeugt. Von hier aus fand jährlich ein Pilgerzug nach Pisa statt. Torpè wird seither als Patron von Pisa, Fréjus und Saint-Tropez verehrt. Auch Ligurien (Genua) und auf Sardinien (Torpè di Posada) pflegen den Kult.

  

Bis ins späte Mittelalter ist dann kaum etwas über Saint-Tropez bekannt. Im neunten Jahrhundert sollen Sarazenen eine Ansiedlung in der Bucht grausam zerstört haben. Im 15. Jahrhundert hätten sich sechzig Genueser Familien in „Saint-Trop“ niedergelassen. Die kleine Stadt hatte über 200 Jahre den Status einer kleinen Republik mit zwei Konsulen und einem Zwölferrat. Als Seeleute erprobt besiegte eine kleine einheimische Flotte 1637 mit dem Glück und Geschick der Tüchtigen eine vermeintlich übermächtige spanische Armada. Dieser Sieg, aber auch das Andenken an Saint Torpès, wird heute noch in einem dreitägigen lautstarken Fest, der „Bravade“ gefeiert.

 

Der erste Tag beginnt mit „Fifres et Tambours“ („Trummälä-n-und Pfiiffä“). Die Waffen werden vor dem Rathaus geweiht, ehe die als Seeleute kostümierten Einheimischen in weiss-blau-roter Uniform mit Trommelklang und Pfeifenspiel unter dauerndem Geknalle und Pulverdampf zur Kathedrale ziehen und mit der Büste des Saint Torpès zurückkehren. Sechs knallrot als Henker gekleidete Männer aus Pisa tragen sie. Höhepunkt ist die „Grande Bravade“ am zweiten Tag. Mit geschwellter Brust defilieren die bunten „Truppen“ bis Mitternacht im Gleichschritt durch die Stadt. Akustisch herrscht andauerndes Trommel-Stakkato und dazwischen knallt und donnert es immer wieder. Die Bravadeure jagen mehr als 400 Kilogramm Schiesspulver in die Luft. Danach ist nachhaltig Volksfest in allen Cafés und Restaurants. Am letzten Tag ist eine feierliche Messe in der Sainte-Anne-Chappelle, wo die Reliquie des Stadtheiligen aufbewahrt wird.

 

Schlimm war es gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Häuser am Hafen im Kampf zwischen alliierten Landungstruppen und deutschen Besatzern in die Luft gesprengt wurden. Sie wurden allmählich originalgetreu wieder aufgebaut.

 

Anfangs des 20. Jahrhunderts entdeckten die Künstler „Saint-Trop“ (fast wie in der Schweiz in Ascona). Der Maler Paul Signac, „Erfinder“ des Pointilismus, machte 1892 den Anfang. Es folgten: Charles Camoin, Henri-Charles Manguin, Theo Van Rysselberghe, Henri Matisse und Pierre Bonnard. Zahlreiche Werke von ihnen sind im „Musée de l’Annonciade“ zu sehen. Stars wie Errol Flynn, die Anarchistin Emma Goldmann oder die bereits erwähnte Colette, Pablo Picasso, die schmollmundige  Brigitte Bardot, die Existenzialistenszene um Juliette Gréco und Françoise Sagan („Bonjour Tristesse“) machten aus dem verträumten Fischerdorf einen Treffpunkt der Künstler, Schönen, Reichen, Playboys und Starlets. Bisweilen verkam „Saint-Trop“ zum „Sündenbabel“. Weltberühmt machte das Nervenbündel Louis de Funès als Wachtmeister Ludovic Cruchot die Gendarmerie des St. Tropez, vor dessen Gebäude sich heute Scharen von Touristen fotografieren lassen.

 

Das 6000-Seelen-Städtchen besucht während der Saison eine halbe Million Touristen, an Spitzentagen bis zu 100'000, um wohl am Glamour und Glanz der Hautevolee teilzuhaben. Tatsächlich, so behaupten auch seriöse Reiseführer, lasse sich nirgendwo an der Côte d'Azur das Spektakel des Sehens und Gesehenwerdens besser erleben als in Saint-Trop’.

 

Vom Wappen aber grüsst der vermeintlich mediterrane „Fridolin“, und von Saint-Trop’ ist vielleicht gar nur noch das „trop“ übriggeblieben.  

À bientôt. Votre Pankraz F.

  

Erschienen 6. März 2008 Fridolin Nr. 10

 

Kanonen von damaös
Kanonen von damaös

Mittwoch, 9. Oktober 2019

 

Saint Hilaire

Nicht nur Kirchenpatron, auch Modekette in Frankreich

 

Bekanntlich ist Saint Hilaire de Poitiers der Ausgangspunkt für den heiligen Fri-dolin für seine Reisen durch halb Europa. In Poitiers hatte er das Grab des heiligen Hilarius entdeckt und die Vision erhalten, irgendwo in Europa ein Kloster zu gründen. Fridolin baute im süddeutschen Raum, im Elsass und auch an an-dern Orten Hilariuskirchen, bis er in Säckingen der Ort fand, ein Kloster zu Gründen. Im Zug des Fridolinskultes wurde in Näfels die Hilariuskirche gebaut und Fridolin Co-Patron.

Nun ruft mich eine Postkarte aus Saint-Tropez auf den Plan mit einer Abbildung einer Modeboutique Bruno Saint Hilaire.  Ein Click auf dem PC löst eine ganze Reihe von Bildern aus mit dem selben Namen. Offenbar sind in ganz Frankreich Boutiquen mit dem Namen "Bruno Saint Hilaire". Ein paar seien schnapp-schussartig hier aufgereiht.

Hauptsitz - Schneiderei
Hauptsitz - Schneiderei

Weitere Infos über Bruno Saint Hilaire folgen


Donnerstag, 19. September 2019

 

Drei Eidgenossen bei den drei Eidgenossen

 

oder

 

Zu Gast bei Ständerat Joachim Eder im Bundeshaus

 

Dominant begrüssen einem in der Eingangshalle der Bundeshauses in Bern die drei Eidgenossen Walter Fürst von Uri, Werner Stauffacher von Schwyz und Arnold von Melchtal von Unterwalden. Sie verkörpern den mythisch überlieferten Rütlischwur. Geschaffen von James André Vibert, Genf, wiegen sie 24 Tonnen.

Nicht ganz 24 Tonnen schwer, aber fröhlich und in alter Freundschaft posieren weitere drei Eidgenossen auf dem Balkon des Bundeshauses v.l.n.r. Fridolin Hauser, Gerhard Iten und Joachim Eder als ständerätlicher Gastgeber. Sie verbindet eine gemeinsame Zuger Zeit.

 

                                                    *                    *                     *

Angefangen hat es in Einsiedeln. Die Zuger pilgern jeweils an Maria Himmelfahrt in den Finstren Wald. So auch diesen 15. August 2019. Durch Zufall trafen wir selbdritt auf der Terrasse des Hotel Drei Könige zusammen: Joachim Eder, seines Zeichens Ständerat für den Stand Zug, Gerhard Iten, pensionierter Prorektor der Zuger Stadtschulen und meine Wenigkeit. Geri und ich hatten sich seit 58 Jahren nicht mehr gesehen, wir waren 1961 Lehrerkollegen im Burgbachschulhaus. Und bei Joachim Eder waren es wohl etwa 30 Jahre, seit wir uns jeweils als TCS-Vorstände von Zug und Glarus regelmässig zu fröh-lichen Austauschen getroffen hatten. Nach fröhlichem Hallo und echter Wiedersehens-freude kam Joachim die Blitzidee: «Ich könnte Euch beide ins Bundeshaus nach Bern einladen. Ich lege nämlich mein Mandat als Ständerat im Herbst nieder. 37 Jahre Politi-

sieren für den Kanton Zug im Kantonsrat, Regierungsrat und Ständerat sind eigentlich genug!»

 

                                                    *                    *                     *

     

Am 19. September 2019 pünktlich um 10 Uhr erhielten wir gegen Vorweisen der ID oder des Passes Ansteck-Badges, wurden von einer Bundeshaushostess auf die Ständerats-tribüne geführt und konnten den Ratsbetrieb von oben beobachten. Joachim Eder war als Kommissionssprecher gerade am Reden und stellte die sehr komplexe Materie der IV vor. Als Vorsitzender war der Bündner SR Hans Brand eingesprungen, und unmittelbar vor seinem Pult sassen der Schwyzer SR Alex Kuprecht und unser Glarner SR Thomas Hefti. Letztere dürfte in zwei Jahren zum Vorsitzenden der Kleinen Kammer gewählt werden. Schon sein Vater war seinerzeit Ständeratspräsident. Werner Hösli, unser zweiter Glarner Ständerat sass an seinem gewohnten Platz.

Die Schweizerische Depechenagentur fasste den von zwei Minderheitsanträgen begleiteten Kommissionsantrag wie folgt zusammen:

 

«INVALIDENVERSICHERUNG:

Der Ständerat hat am Donnerstag als Zweitrat eine IV-Revision gutgeheissen, die sich auf Jugendliche und psychisch Kranke fokussiert. Das Ziel ist, früher einzugreifen und die Betroffenen besser zu begleiten. Auch sollen Fehlanreize korrigiert werden. So wollen die Räte etwa das Taggeld für junge Versicherte der Höhe eines Lehrlingslohnes angleichen. Für Rentnerinnen und Rentner mit einem Invaliditätsgrad zwischen 40 und 69 Prozent soll ein stufenloses Rentensystem eingeführt werden. Umstritten ist zwischen den Räten, ab welchem Alter die Besitzstandwahrung für laufende Renten gelten soll. Der Nationalrat ist für 60 Jahre, der Ständerat für 55. Anders als der Nationalrat will der Ständerat ausserdem die Kinderrenten nicht senken. Die Vorlage geht zurück an den Nationalrat.»

 

Das «Züggerli» und der Bundesrat

Während der Diskussion erhob sich plötzlich die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer Wyss und schritt ans Pult von BR Alain Berset, unterhielt sich kurz, reichte ihm eine Tüte und entnahm ein «Züggerli», dass er kurz ein paar Mal drehte und dann – schwupps! – das Bonbon in den Mund schob.

 

Mehrere Mitglieder des Ständerates kamen und gingen, einer kehrte mit einem Kartonbe-cher mit Café zurück. Ein Bundespedell hingegen stellte dem Bundesat ein Tässchen mit Untertässchen hin, das Berset allerdings erst «kalt» zum Munde führte. Dass kalter Kaffee schön mache, soll auch für Bundesräte gelten.

 

Halb leerer Nationalratssaal – dennoch wie ein «Ameisenhaufen»

Die Grosse Kammer beeindruckte durch ihre gewaltige Grösse und durch das quirlige

ständige Kommen und Gehen, das an einem Ameisenhaufen mit emsigem Krabbeln

erinnert. An allen Ecken und Enden streckten einzelne Ratsmitglieder die Köpfe zusammen und unterhielten sich, während die Geschäfte am Mikrophon vorgestellt und diskutiert  wur-

den. Den Bundesrat vertrat Simonetta Sommaruga, auch sie wurde von Zeit zu Zeit mit frischem Café im Tässchen bedient. Auf hintersten Reihe vertilgte eine Nationalrätin einen Apfel, viele simsten auf ihren Handys, weitere tippten auf ihrem Laptop, dritte öffneten er-haltene Couverts und schmeissten nach kurzer Durchsicht viele Akten gleich wieder in einen Papierkorb, eine Dame warf alles auf den Boden, diverse lasen Zeitung. Im Moment waren wohl nur etwa 50 Ratsmitglieder (von den 200) anwesend.

 

Die Zuschauerränge waren recht gut besetzt, viele verliessen aber die Tribüne recht bald wieder. Auf der Diplomatentribüne tauchten plötzlich Diplomaten aus afrikanischen Ländern auf, hatten aber nicht lange Sitzleder und verschwanden nach wenigen Minuten wieder.

 

In den Ständeratsstühlen an der Hinterwand, wo die Standesherren Platz nehmen, wenn die Vereinigte Bundesversammlung tagt (z.B. bei Bundesratswahlen) tippte die grünliberale Frau Nationalrätin Tiana Moser intensiv auf ihrem Laptop, telefonierte zwischendurch, doch da tauchte der SP-NR Matthias Aebischer auf und die beiden unterhielten sich lebhaft und herzlich… ach ja, kürzlich wurden sie in den Boulevardmedien als glückliches Patchwork-paar präsentiert… auch dafür soll es in einem Parlament Platz haben dürfen.

 

Kurz bevor sich aber die Abstimmung näherte, füllte sich der Saal wieder. Vermutlich Par-teiorder, damit die Fraktionsbeschlüsse entsprechend auf die Abstimmungen Einfluss ha-nem sollten.

 

Im Gang traffen wir noch unsern Glarner NR Martin Landolt, der ebenfalls heute eine Füh-rung angesagt hatte, und eine Erinnerung  am seinen Besuch der "Näfelser Fahrt" ging an den Schaffhauser SR Hannes Germann  der Näfelser Fahrt sowie ein Gruss an seinen "Näfelser" Regierungspräsidenten Ernst Landolt, der bei uns schon im Tolderhaus zu Gast war.

 

Rundgang durch Bundeshaus mit SR Joachim Eder

Spannend war die Führung durch unseren Gastgeber. Er lotste uns durch die imposante Eingangshalle und die diversen Fraktions- und Parteiräume, die Parlamentarier-Arbeitsplät-ze, die Wandelhalle, wo sich Parlamentarier, Lobbyisten und Medienleute austauschten.

Im Grand Café der Galerie des Alpes gab’s an einer nur für uns reservierten, und nur bei uns mit weissen Tischtüchern ausgestatten Tafel ein leckeres Mittagessen. Kurz gesellte sich noch der junge Luzerner Ständerat Damian Müller zu uns… die spannenden und informativen Gespräche zum Parlamentsbetrieb und zu den kommenden Wahl bleiben unter der Bundeskuppel, deren Eisenkonstruktion von der Näfelser Firma Bosshard errichtet worden war!

 

Wir fühlten uns wie VIPs

SR Joachim Weder, unser lieber Freund von damals und heute, behandelte uns wie VIPs. Man spürte auch sein Engagement, empfand sein hohes Ethos und seinen hochfleissigen Einsatz… und man erhielt Einblicke in das harte und anspruchsvolle Schaffen, das sich hinter den Kulissen abspielt.

Ein Berner Tag mit Zugern, der sich lohnte und unvergesslich bleibt.

 

BIld links: Tischreservation im Grand Café der Galier des Alpes. Rechts: Solche Momente wollen festgehalten werden: "Mit herzlichem Gruss Geri  Joachim 19.9.19

 

Ein paar Daten zum Bundeshaus in Bern

 

 

Curia Confoederationis Helveticae

(Rathaus der helvetischen Confoederation)

 

Erbaut...……………………….1894-1902

 

Architekt/Bauleitung...………. Hans Wilhelm Auer, St. Gallen

 

                                                173 beteiligte Schweizer Firmen

                                                 33 beteiligte Schweizer Künstler

 

Materialien...………………….. 95 % aus der Schweiz

 

Bundeskuppel...……………… Grundriss = Schweizer Kreuz

                                                 Kuppel Eisenkonstruktion Bosshard AG Näfels

 

Innenansicht...………………... 22 Wappen (Halbkantone ein Wappen)

                                                 Kanton Jura (gegründet 1978) separat

 

                                                 Wandelhalle 44 Meter lang

Ständeratssaal Blick vom Präsidentenpult aus.

Fresko. "Landsgemeinde Nidwalden"……….. Albert Welti, Zürich und Willi Balmer, Basel

Leuchter...………………………………………. Ludwig Schnyder von Wartensee LU

                                                                         1, 5 Tonnen,  208 Glühbirnen,

                                                                         seit Beginn elektrisch                                                      

Archivbild: Ständeratssitzung. Hinterste Reihe dritter von Links SR Joachim Eder, ZG, am Bundesratspult BR Johannes Schneider-Ammann rechts.

Nationalratssaal. Hier tagt der Nationalrat (200 Mitglieder), bei Bundesratswahlen auch die Vereinigte Bundesversammlung (200 Nationalräte und 46 Ständeräte). Die Ständeräte haben an der Wand links ihre Plätze. Rechts, unter dem grossen Gemälde: der höchste Schweizer, der Nationalratspräsident. Das Gemälde zeigt die "Wiege der Schweiz", das Rütli, den Vierwaldstättersee und die beiden Mythen von Schwyz, eine Werk von Charles Giron, Genève (Bilder: Bundeshaus)


  Montag, 16. September 2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Bettagspredigt 2019

 

   von

 

   Landrat Bruno Gallati-Landolt

 

   St. Fridolinskirche Glarus

 

 

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Gottesdienstbesuchende

Als ich angefragt wurde, ob ich die Bettagspredigt anstelle meines geschätzten leider allzu früh verstorbenen Freundes und Landratskollegen Marco Hodel halten würde, habe ich es mir wohl überlegt und in Gedenken an meinen Freund zugesagt. 

 

Das Thema «Klima» Klimawandel derzeitig ein Thema, das in aller Munde ist, ist, wie sie bereits im Buch Genesis gehört haben, seit langem vorhanden. Im Buch Genesis wird die Entstehung der Erde beschrieben, wie Gott sie geschaffen hat. Sie war vollkommen. Sie bestand aus Erde und Feuchtigkeit. Dem Menschen wurde Lebensatem eingehaucht und er wurde beauftragt, der Lebensgrundlage Sorge zu tragen, sie zu bebauen und zu pflegen, respektive wie es im Bibeltext heisst: zu bebauen und zu behüten. Es war das Paradies auf Erden. Von diesem Paradies floss Wasser in die 4 Himmelsrichtungen, 4 Ströme, wie es heisst, gingen ins Land. 

 

Dies dürfen wir treffend auch auf unsere schöne, wenn auch vergleichsweise kleine Schweiz herabbrechen. Auch bei uns entspringen 4 Flüsse in den 4 Himmelsrichtungen, welche in verschiedene Weltmeere gelangen. Es sind dies Rhein, Rhone, Tessin und Inn. 

 

Nun gehen wir aber zurück zum Bibeltext. Die Welt war vollkommen und verbunden durch das Lebenselixier Wasser. Die Harmonie war vollkommen. Doch was ist passiert?  

 

Wie sie wissen und es ist wissenschaftlich begründet, ist die Welt in über hundert Milliarden Jahre entstanden. Die biblische Geschichte ist also eine über Jahrtausend überlieferte Geschichte mit Symbolgehalt. Ein Beweis, dass der Klimawandel ein aktuelles, aber kein neues Thema darstellt. Im Bibeltext hat der Mensch der Versuchung nicht widerstanden und vom Baum der Erkenntnis gegessen. Das Gebot von Gott, wurde gelinde gesagt «angeknabbert». Es wurde verletzt. Die Harmonie wird dadurch gestört und die Vollkommenheit kommt ins Wanken. Der Auftrag des Bibeltextes: die Erde zu bebauen und behüten ist im Ungleichgewicht. 

 

Was heisst das nun für die heutige und in der heutigen Zeit? Greta Thunberg, eine junge Frau, hat eine Welle ausgelöst. Viele Jugendliche sind aktiv geworden und fordern einen sofortigen Klimaschutz. Im Glarnerland sind dazu auch einige Vorstösse im Landrat eingegangen. Was aber viele vergessen, es wird bereits jetzt schon einiges umgesetzt in dieser Richtung, und dieses gilt es darum ebenfalls entsprechend zu respektieren und wertzuschätzen. Nicht zuletzt, sind wir als jeder Einzelne gefordert, uns einzubringen. Wie nachhaltig leben Sie? Haben Sie ein Handy, Tablet, Auto, usw. Ich könnte noch viel aufzählen. Verstehen Sie mich richtig, es ist gut, dass sie sie haben. Wichtig ist der ver-antwortungsvolle Umgang damit. Es ist also immer auch eine Sache des Masses. Schliesslich ist unser Verhalten massgebend. Nur entsprechende Forderungen nach einer Verhaltensänderung allein reichen also noch nicht aus. Unsere Ressourcen reichen weit, wenn wir sie mit dem richtigen Augenmass einsetzten.  

 

Ich bin zum Beispiel viel mit dem ÖV (dies natürlich nebst meinen berufsbedingten ÖV-Fahrten), dem Velo und zu Fuss, unterwegs. Dies sind einiger meiner persönlichen Beiträge, um die Welt zu behüten. Ich habe persönlich das gesundheitliche Glück, dass mir das Velofahren und das Marschieren leicht fallen, absolvierte ich doch seinerzeit das Alpenbrevet mit dem Velo mit dem Befahren einer bestimmten Anzahl Schweizer Alpenpässe in einer vorgegebenen Zeit und anderseits nehme ich auch schon viele Jahre zu Fuss an der Glarner Landeswallfahrt von Näfels nach Einsiedeln teil. Dabei sind meine Gedanken immer auch bei denjenigen Leuten, die aus gesundheitlichen Gründen in der Mobilität eingeschränkt sind und darum auf mobilitätshelfende Hilfsmittel angewiesen sind.

 

Ein grosses Wort ist Nachhaltigkeit. Aber was heisst das Wort nachhaltig eigentlich? Keine von uns verursachten Lasten den nachfolgenden Generationen zu übertragen, oder anders ausgedrückt so leben, dass wir nur diese Ressourcen der Erde verbrauchen, die sie uns jetzt hergibt. Oder nicht mehr Wasser verbrauchen als die Quelle hergibt. Oder finanziell ausgedrückt würde dies heissen, nicht auf Vorschuss leben.

 

Ist unsere Landesversorgung nachhaltig in Bezug auf Lebensmittel, Energie und Rohstoffe? Unterstützen wir die Landwirtschaft bei ihren Bemühungen um Nachhaltigkeit? Bevorzugen Sie Produkte aus der Region? Legen Sie wert auf saisonal? Geben sie acht auf die graue Energie? Das virtuelle Wasser? Alles Stichworte unserer Zeit.

 

Unsere Vorfahren sind sehr einfach aufgewachsen. Sie durchlebten zum Teil einen oder zwei Weltkriege. Eingekauft wurde dannzumal im kleinen Tante-Emma-Lädeli im Quartier, wo das Gemüse aus den Gärten der Nachbarn angeboten wurde. Der Transportweg also 10 Meter, vielleicht 100 Meter aber höchstens einen Kilometer. Wie lange Transportwege haben unsere Lebensmittel heutzutage? Der CO-2-Ausstoss beim Transport ist also massiv angestiegen seit der «Tante-Emma-Zeit». Die heutigen langen Transportwege verursachen neben der Umweltbelastung und dem zusätzlichen Ressourcenverbrauch zudem zusätzliche Risiken in unserer Versorgungssicherheit durch die langen oder zu langen Transportwege, was in Zukunft ebenfalls nicht zu unterschätzen ist. 

 

Unsere Ansprüche sind auch gewachsen. Der Sog der modernen Zeit umweht uns überall. Oder biblisch ausgedrückt, «der Baum der Versuchung» umgibt uns. Handeln ist dringend und wichtig im Grossen wie im Kleinen. Die Politik und die ganze Gesellschaft sind gefordert. Die Klimaabkommen müssen umgesetzt werden und zwar von allen und bevor es zu spät ist. Die Wirtschaft ist gefordert. Die Energieversorger sind gefordert, wir sind gefordert. Jede Forderung ist auch verbunden mit einer Förderung. Fördern wir unsere Lebensqualität, indem wir im Kleinen beginnen. Zum Beispiel tragen wir Sorge zum Wasser, zur Wasserversorgung. Wasser ist ein kostbares Gut und eines unserer wichtigsten Lebensmittel. Ohne Wasser können wir nicht überleben. Gehen wir bewusst damit um? Bereits als Kind wird darauf hingewiesen, dass beim Zähneputzen der Wasserhahn abgestellt sein soll. Bei mir ist das bereits automatisiert, also ein kleiner Beitrag meinerseits. Durch Forderung und Förderung habe ich also mein persönliches Verhalten angepasst.

 

Ich komme langsam zum Schluss meiner Ausführungen.

Wir Glarnerinnen und Glarner haben ein grosses Vorbild, was nachhaltiges Leben betrifft. Der heilige Fridolin, der Wandermönch aus Irland, schlicht, einfach und mit viel Motivation verband er Poitier in Zentralfrankreich mit Säckingen am deutschen Hochrhein und das Glarnerland vor zirka 1500 Jahren. Auch heute noch wirkt seine Ausstrahlung. Unser Landespatron Fridolin wurde in den vergangenen 1500 Jahren nie hinterfragt und ziert unsere Fahne und unser Wappen. Er hat alle herrschenden Stürme der letzten 1500 Jahre überstanden und kam sogar jeweils gestärkt daraus. Sei dies z.B. der Eintritt des Landes Glarus in die Eidgenossenschaft 1352, die erste Landsgemeinde 1387, die Schlacht bei Näfels 1388, die Reformationszeit, die Zeit des Staatenbundes und schliesslich die Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848. Aber auch in jüngster Zeit, der grössten Glarner Gemeindestrukturreform, umgesetzt auf 2011, ist dies nie ein Thema gewesen, den heiligen Fridolin als unser Landespatron und Symbolfigur zu hinterfragen. Es ist zu hoffen, dass dies auch in Zukunft so bleiben möge. Schauen sie die Fridolinsfahne, beziehungsweise unser Wappen an. Der heilige Fridolin schreitet in Sandalen und mit wachem Blick durch die Welt. Genau dies fordert der Klimaschutz. Bewusst werden, wo kann ich meinen Beitrag leisten, wo ist die Politik gefragt? Wo kann ich die Politik unterstützen? Machen wir uns also auf den gemeinsamen Weg, um die Welt «zu bebauen und zu behüten». Dazu sind Miteinanderdenken, Gemeinschaftssinn und Solidarität, aber auch gesunder Menschenverstand gefragt. 

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen schönen Dank-, Buss- und Bettag. Danken wir für unsere Lebensqualität. «Büssen» wir, indem wir uns bewusst um den persönlichen Beitrag für den Klimaschutz bemühen und beten wir gemeinsam, dass auch unsere Nachkommen ein zukunftsträchtiges Land mit einer schönen Bergwelt geniessen können. 

 

Kurz zusammengefasst, wie Erich Kästner sagt: «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.»  Einen schönen Sonntag und besten Dank für die Aufmerksamkeit. 

 

Näfels, 13.09.2019                                                   Bruno Fridolin Gallati- Landolt, Landrat*

 

*Bruno Fridolin Gallati-Landolt war Gemeinderat und Gemeindepräsident von Näfels, ist

 Gemeinderat und Gemeindevizepräsident in der neuen Gemeinde Glarus Nord, Landrat

 und war Landratspräsident 2018/19.

 

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Bettagsmandat 2019 im Zeichen des Klimawandels

 

Regierung des Kantons Glarus • Die Temperaturen steigen, die Gletscher schmelzen. Zum Dank-, Buss- und Bettag macht sich die Glarner Regierung Gedanken zum Thema «Klimawandel»

 

Der Klimawandel verlangt nach Verantwortung und Verzicht

 

Der vom Menschen verstärkte Treibhauseffekt führt zu einer Erderwärmung. Diese lässt sich nicht mit natürlichen Klimaschwankungen erklären. Die Folgen: Es steigen nicht nur die Temperaturen, auch die globale Schnee- und Eismasse schrumpft. Der Meeresspiegel steigt an. In der Schweiz und eben auch im Kan-ton Glarus schwinden die Gletscher. Permafrostböden tauen auf, was zu ver-mehrten Murgängen und Steinschlägen führt. Flora und Fauna verändern sich, die Schutzfunktion der Wälder wird beeinträchtigt.

 

Szenenwechsel: Im August 2018 setzt sich die Schülerin Greta Thunberg vor den schwedischen Reichstag und beginnt einen Schulstreik. Sie fordert eine Ver-stärkung der Klimaschutzbemühungen weltweit. Dieser Streik einer einzelnen Schülerin entwickelt sich zu einer weltweiten Bewegung. Auch in der Schweiz finden seither an Freitagen Klimademos statt. Im Kanton Glarus werden Unter-schriften für eine Klima-Landsgemeinde gesammelt, parlamentarische Vorstösse werden eingereicht.

 

Individueller Beitrag jedes Einzelnen ist Basis für besseren Klimaschutz

 

Eine Wirkung hat die Debatte allemal. Welche, ist offen. Die Forderungen sind zahllos. Offenkundig ist, dass für die Jugendlichen – die Treiber der Bewegung – nicht allein die Zukunft des Planeten im Fokus steht. Sie ärgern sich über die Masslosigkeit in verschiedenen Lebensbereichen und wollen nicht länger hinneh-men, dass die älteren Generationen auf ihre Kosten leben. Dies thematisieren sie geschickt im Kontext des Klimawandels. Der Dank-, Buss- und Bettag bietet Ge-legenheit, um sich differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es liegt in unser aller Verantwortung, künftigen Generationen gepflegte, natürliche Lebens-grundlagen zu sichern. Es kann Mensch, Flora und Fauna nur guttun, wenn dies stärker ins Bewusstsein rückt.

 

Adressiert sind die Forderungen hauptsächlich an die Politik. Der Fächer reicht von ambitionierten Zielen zur Reduktion von Treibhausgasen über Lenkungs-abgaben und neue Steuern bis hin zu Verboten. Zu kurz kommt hingegen das Besinnen auf die Eigenverantwortung, das Hinterfragen des eigenen Konsum-verhaltens. Ökologische Massnahmen können zudem – wie alle anderen poli-tischen Entscheidungen – nur dann nachhaltig sein, wenn sie auch sozial und wirtschaftlich vertretbar sind. So wirken sie, so lassen sie sich finanzieren, so werden sie akzeptiert und sind damit generationengerecht.

 

Die Basis für mehr Klimaschutz bildet folglich der Beitrag jedes Einzelnen an eine gut funktionierende Gesellschaft und an eine gesunde Wirtschaft. Beides er-möglicht uns den Wohlstand, dank dem wir auch einen wirksameren Umwelt-schutz finanzieren können. Zu Gesundheit und Stärke findet eine Wirtschaft, in-dem sie möglichst viele Freiräume bekommt, aber auch selbstkritisch die Gren-zen ihres Wachstums respektiert. Wir sollten hier ansetzen: Bei Eigenver-antwortung und bei der ausserordentlichen Innovationskraft der Menschen und Unternehmen in unserem Land.

 

Rückbesinnung auf das Wesentliche und Achtung vor der Schöpfung sind gefragt

 

Es geht letztlich also darum, dass Einzelne ihr Verhalten überdenken. Wer see-lisch ernährt und gesättigt ist, wird auch ohne neue Vorschriften auf unnötigen Konsum verzichten, weil er weiss: Der Verzicht nimmt nicht, er gibt. Auch die Unternehmen werden erkennen, dass sie nachhaltiger werden müssen.

Übermässiger Konsum und Produktion auf Teufel komm raus ruinieren hingegen. Sie sind verbunden mit einer geistigen Verwahrlosung der Gesellschaft, die zur Zerstörung unserer materiellen Lebensgrundlagen führt. Die aktuelle Klima-Krise ist auch eine Krise des Denkens und des Geistes.

 

Der Dank-, Buss- und Bettag ist deshalb Anlass, das Wort der Bibel «Macht euch die Erde untertan» neu zu verstehen. Es darf in unserem Verhältnis zur Natur nicht um eine Herrschaft über diese gehen. Ein solches Verständnis läuft auf die weitere Zerstörung unserer Lebensgrundlagen hinaus. «Untertan machen» heisst nicht «unterwerfen», sondern «achten» und «treuhänderisch regieren». Niemand soll aber das Gefühl haben, er müsse oder könne die Welt im Alleingang retten. Die Menschheit taugt nicht als alleinige Hoffnungsträgerin, sie verursacht die Katastrophe ja gerade. Die Menschen haben jedoch einen starken Verbündeten. Die Bewahrung der Schöpfung ist nämlich auch Chefsache. Gott hält die Welt und die Zeit in seinen Händen.

 

Gefragt sind angesichts der aktuellen Situation eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und die Achtung vor der Schöpfung. Es braucht weder Alarmismus noch Lethargie, sondern verantwortungsvolle Freiheit im Bewusstsein des Privi-legs, auf einem einzigartigen Planeten leben zu dürfen. Es ist Aufgabe der heu-tigen und künftigen Generation, eine Lebensart zu entwickeln, die massvoll und wandlungsbereit ist. Dies verlangt auf allen Ebenen der Gesellschaft Einsicht, Mut, Fantasie und den Willen, einen vorbildlichen Klimakurs einzuschlagen.

 

Für den Regierungsrat des Kts. Glarus

Andrea Bettiga, Landammann                              Hansjörg Dürst, Ratsschreiber


Bettagsonntag, 15. September 2019

 

Trouvaille

 

Fridolin Osterhazy (Pseud.)

 

g Glaarner Wallfahrt uff Äinsidlä

as Näflesser Büäbel

vor meh as drissg Jahre

 

Näfels / Einsiedeln, Dezember 1982

 

Fridolin Osterhazy:

g Glaarner Wallfahrt uff Äinsidlä - as Näflesser Büäbel, vor meh as driissg Jahrä, Biitraag zur Vernissasch i voorwiänächtlicher Schtimmig äm  fünftä Dezämber 1982 im SGU Näfels (Sportzentrum Glarner Unterland)

 

Voorbemerggig

 

D Äinsidler Wallfaht isch ä-n-uuraltä Bruuch vum Glaarner Volch, mä säit-erä au "Glarner Wallfahrt" will-si ä Landesbruuch isch we ä d Näflesser Fahrt.

 

Ä schpezielli Bedüütig hätt de Wallfahrt im Bruuchtum vom Dorf Näfels. Hiä isch zu miinä Buäbäziitä Modä gsii, as-mä des eerscht Maal as Eerscht-Komänikant hätt törffä mit.

 

Ganz früäner siged-si z Fuäss g'gangä, nuch vorem Chriäg i dä viärzger Jaahrä isch-mä zwee Taag gu wallfahrä. Au nach-em Chriäg hätt-si dr Kano-

nikus, der Näfelsser Pfarrer, uumäär iigsetzt, as d Lüüt schu äm Samstig gönd und eerscht ä Sunntigaabed wider zrugg chänd.

 

Anä 1949 ha-n-i des eerscht Maal törffä-n-ä-d Äinsidler Wallfahrt, und um diä gaht's iätz i-dä folgendä Värs: 

   

           gGlaarner Wallfahrt uff Äinsidlä

 

             as Näflesser Büäbel vor meeh as driissg Jahrä

 

1   Chänd-s’ uss dr Zwäitä-n-i -di Dritt,

            dä törffed-si  des eerscht Maal mit .

            Äm Samstig-Namitaag chäm nämä

            wer mitchuu well, bim Bahnhof zämä.

  

2    Alls chunnt im Huät und Sunntig-Gwand

             und ds Göfferli nuch i-dr Hand,

             ä Schirm äm Aarm’, im Faal, as’s rägni

            und pPiIger obä-n-abä sägni.

   

3    ‘s gitt wagger Lüüt, mä gseht daas schuu,

             wo waartet, bis dr Zuug will chuu.

             Mä gugget nuuch, öb d Sunnä schiini,

             und alls isch hütt ä chäibä friini.

   

       4   Mit Tinglä gönd pBariärä zuä.

            Mä wiirt etz gschpannt und hätt gkä Ruä.

            Im Tschachä-n-ussä gkör-p-mä’s pfiiffä

            und pBrämsänä dernaa dä schliiffä

   

5    Chuum hebet-‘r dä langsam oo,

             rüäft dä dr Bahnhoof-Voorschtand: «Soo!

             Iischtiigä bitte! Platz hätt’s hindä!»   

 (Wer p Fänschterplätz well usäschindä!)  

 

6    Und häsch diis Coupée dänn ärräicht,

             gseesch eerscht mit wem’s di zämä-präicht.

             «Hoo, ä-chlä daa? We gaaht’s ä immer?»l

            Iätz schnädäred de Frauäzimmer!

 

7    Isch g Chellä-abä, gitt’s ä Rugg

             und glii dernaa chunnt Ziägelbrugg.

             Vu dett-äwääg faht ja dä plötzli

             ds Wallfahrtä-n-aa bim eerschtä Gsetzli. 

 

8    Mä bättet iätz - und all Lüüt gsänd’s –

             i äiner Tuur drii Rosächränz

             Ä Litänii, und nachem Glaubä,

             törffsch-dr dä ds Redä dän-erlaubä.

      

9    Und bätted-s’ hantli und mit Trugg 

 sind-s’ fertig chuurz vor Biberbrugg. 

 Dr Zuug tuät zu dä letschtä Ränggä 

 Äinsidlä zuä dä-n-ummäschwänggä.   

 

10  Iätz gseh-p-mä dä vu wiitem d Türem; 

 d Lüüt schpringed uuf , äs gitt äs Gschtürem. 

 Si legged p Mäntel aa, verschpeered 

 ä Huuffä Platz, wänn-sä-si cheered.      

 

        11 Gad vor-em Bahnhof schtell-p-mä-n-ii, 

            schiär niämer will-dä z ' vorderscht sii. 

            Drum schtönd dä dett mit Chrüüz und Fanä 

            i rootä Mäntlä d Trääger hanä .

 

   

          12 ‘s gaht nümmä lang, chaa p Prozässiuu

                dä-n-afu bättä und dä guh.

                Ehrwürdig lauf-p-mä in'rä Schlangä

                dur ds Doorf und mag schiär nümmä plangä.

 

           13 's hätt Lädä-n-und schiär jedes Huus

                schtellt Schtatuä und Chrüüzli uus.

                Und Cheerzäschtögg und schüüni Bilder

                und allpott hät’s nuch Wiirtshuus-Schilder. 

 

           14 Ä herrlis Gloggäglüüt schtimmt aa

                und jublet: «g Glaarner sind etz daa!

                Bi üüs im Chlooschter sind de Frommä

                zum Bättä jederziit willkommä!»

 

          15 Und i ätz verschlaht’s mer schiär dr Schnuuf:

               Dr mächtig Chlooschterplatz gaaht uuf!

               Zmitzt innä schpiäglet ä dr Sunnä

               dr wunderschüü Mariiä-Brunnä.

 

         16 Derhinder zuächä g Chlooschterfront,

              wo rächterhand dr Abt schiint’s wont.

              Und p Fiischter hätt’s, mä müässt nüd wellä

              ä derä längä Front gu zellä!

 

        17 Dett ussem mächtägä Portaal

             tüünt innä-n-usä ä Choraal.

             Und iätz chänd Gwölb und Galeriiä

             mit ziitloos schüünä Maaleriiä.

 

       18 Alls isch so grooss und ä so prächtig.

            Ä-n-Oogälä schpilt schüü und mächtig.

            Ä schreegä Sunnä-Schtrahl dett obä!

            Altäär mit Samet – gschtiggt und gwobä!

 

       19 Äs schmöggt nach Wiirauch haarzig süäss.

            Und Cheerzä hätt’s mit Värs und Grüäss.

            Iigräämlet Schprüch und uufghängt Chruggä

            vu Ghäiltä, wo chänd wider juggä.

 

       20 Ä Huuffä-n-Ängel, wiiss we Schnee

            chaasch rund um g Chanzlä-n-ummä gseh.

            Vum-änä Gitter, prächtig gschmidet,

            wiirt voornäfüür dr Choor umfridet.

 

      21 gGnaadäkapäll schtaht zmitzt im Schiff

           uss Marmoor-Schtäi vum eerschtä Schliff.

           Dett chnüündled d Lüüt uff hertä Bänggä,

           wänn-s bätted und wänd naachätänggä.

 

      22 Di schwarz Madonna mit-em Chind,

           wo g Glaarner hütt chuu bsuächä sind,

           isch ds Zäntrum überhaupt vum Sägä

           und ninnt dä mängs Gebätt enggägä.

 

23 Ä schwarzes Gsicht, Brokaat und Gold. 

     Si lächlet offä, mild und hold. 

     Äs bruucht daa Gnaad, wo tuät erlaubä, 

     as’s diä betrifft, wo nuch chänd glaubä.  

 

24 Äs Wiili schpeeter suäch-p-mä glii 

     äs Reschterant und äs Loschii. 

     Di Riicherä gönd dä-n-i «Pfauä». 

     Miir händ’s i «Schwaanä» abä ghauä.  

 

25 Äs Fräulein und ä Portiee 

     empfönd üüs wägem Renommee. 

     Ä Schlüssel gänd-s’ is und dä simmer 

     dän-ebä-n-ufä-n-i-n-es Zimmer.  

 

26 Ä gmüätl is Schtübli und äs Bett 

     mit wiissä Teggänä schtaat dett. 

     Daa isch ä nuch ä-n-altä Läufer 

     und äs Johannes-Bild vum Täufer.  

 

27 Schtatt ämä Lawaboo da isch 

     ä hööchi Schüsslä-n-uffem Tisch. 

     Und g Chaschtätüür tuät zeerscht nuch chlämmä 

     mä pbringt-si uuf nüd uuhni schtämmä.  

 

 28 ‘s hätt hinder ener Nachttischtüür 

      ä porzelanigs Hafä-Gschiir. 

      Um p Fiischter hanged ächlä gschlampet 

      nuch Umhäng lödälig und glampet.  

 

 29 Gseesch hindä-n-usä-i-nä Hoof, 

      dett säiliriitet gad äs Goof. 

      Und voornä-n-ussä gseh-p-mä durä 

      diräggt uff ds Ziit vum Chlooschter-Turä.  

 

 30 Druufabä ga-p-mä mitänand 

      i Znacht im Hotel-Reschterant. 

      Mä ninnt Salaat, derzuä nuch Schpätzli 

      und waggeri paniärti Blätzli.  

 

 31 Zum Tringgä offnä Wii vum Fass, 

      und z Desseer nuch äs Wanill-Glass. 

       Äs schpaatet und mi Muäter macht-dä: 

      «So Buäb, mer gönd gu übernachtä!»  

 

 32 Glii lii-p-mä dä im Hoellbett 

      und chaa gliich nuch nüd, was mä sött. 

      Ä Schattä-n-a-dr Chamerteggi 

      wirft ds Liächt vum hööchä Wasserbeggi.  

 

  33 Und wämä dä siis Nachtgebätt 

       dän-ä-nuch öppä pbättet hätt, 

       dän-isch-mä täigg und uuhni Chummer  

       und gkiit allmääli inä Schlummer. 

 

 34 Verwachä tuä-p-mä abem Glüüt  

 und gäinet, jää, mä isch nuch nüüt. 

Gliich muämä usä ussm Bett-dä 

und macht dä hantli sii Toalettä 

                                  

                                     35 Verussä isch nuch frisch und grau, 

                                          dr Himel obä-n-usä blau. 

                                          Ich chlappärä gad mit-dä Zändä! 

                                          I Hosäsagg mit beednä Händä!  

 

                                     36 ‘so hau-p-mes dä und gaht gad gschnäll 

                                          dur d Schtägä-n-ufä i-g Kapäll. 

                                          Um diä Ziit tüänd-s’ dä daa gag-gäärä 

                                          still Mässä läsä-n-uf Altäärä. 

 

                                     37 Di äinä chänd und ander gönd, 

                                          und Pilger chnüündled oder schtönd 

                                          mit gsänggtä Chöpf, dr Bligg nach inä, 

                                          wer wäiss, was denä-n-alls erschinä!?  

 

                                      38 Wänn’s schtill isch, wiirsch da innä frii. 

                                           Daas Schiff soo hööch und du soo chlii! 

                                           Und p Mäss – Müschterium und Handlig, 

                                           äs glöggälet dä bi dr Wandlig.  

 

                                      39 Und gaa-p-mä dä zu Komäniuu, 

                                           dä muämä linggs gu haräschtuh. 

                                           Schüü isch zum Luägä, daa chänd nämä 

                                           di Riichä-n-und di Aarmä zämä. 

  

                                       40 Ä jedä chunnt dä naa-dis-naa, 

                                            und schüü dr Räihä-n-aa dä draa. 

                                            Und jedä-n-isch dä schtill und schtummä, 

                                            mä gkörti schiär äs Biindli summä.  

 

                                       41 Isch dä de Früähmässä nachhäär z Änd 

                                            und wänn-si dä dr Sägä gänd, 

                                            händ p Pilger nachhäär Apädiit, 

                                            i ds Hotell isch dä nümmä wiit. 

  

                                       42 ‘s isch t'tischet und ä groosä Chruäg 

                                            mit Milch und g Kaffi, Anggä gnuäg, 

                                            mit frischä Muräli und Püürli, 

                                            de fülled-dr dä diis Poschtüürli.                            

 

                                        43 Dernaa wiirt friili dä vu Hand 

                                             nuch gnäuset ämä Chaartä-Schtand. 

                                             Iätz chaa-mä-n-ä paar Chaartä schriibä. 

                                             Ä Gruäz und as-mä nuch wett bliibä.  

 

                                        44 Äs bliibt deraa nuch ächlä Ziit. 

                                             «Gang», seit dä p Muäter «nüg-gad z'wiit!» 

                                             Dr Abt, ich söll-mi nüd veriärä, 

                                             tüäg dä im Hoochamt zelebriärä.  

 

                                        45 De Chilchä isch – herjee - momoll! 

                                             bis z vorderscht voornä gschtoossä voll! 

                                             Dä chänd-si dä i wiissä-n-Albä, 

                                             bis z Bodä, ander nu gad halbä.  

 

                                         45 Und z hinderscht imä schüünä Gwand 

                                              und mit-em Chrummschtaab i dr Hand, 

                                              ä-n-Iiffälä und mit Begläitig 

                                              chunnt dä dr Füürschtabt schtramm und gläitig.                                    

                 47 So schriited dä de würdig Schaar

                       graad fürä bis a Hoochaltaar. 

                       p Mässdiäner, alles elter Chnabä,

                       de chnüündled-dä dett voornä-n-abä.

 

                 48 De Mannäschtimmä sind davoor

                      gag-glii schu bim Confiteoor, 

                      und wes da-n-isch bi hööchä Mässä,

                      bim Küriee wiirt wider gsässä.

 

                49 Au bi dr Läsig nimm-p-mä Platz.

                     Dr Diakoon list uuhni Hatz,

                     dernaa wiirt wagger Wiirauch g schwungä

                     und ds Evangeelium dä gsungä.

 

                50 Ä Paater hätt-dä d Wallfahrtspredig.

                    Deer tuät-dä, und daas tüünt dä bödig!

                    Isch gliich - der söl üüs g Chuttlä butzä

                    und d Höräli nu ächlä schtutzä.

 

               51 Zum Creedo singt ä schüünä Choor.

                    Mä mäint, soo schüü, we niä dervoor.

                    Mä gseht-nä nüüd, mä gkört nu singä;

                    dr Widerhall faht afu schwingä.

 

              52 Und naa-dr Opf’rig chunnt ja schuu

                   gag-glii di gsungä Prefaziuu

                   und ds Sanggtuss, d Wandlig, iätz wiirt’s schtill

                   und ds Wandligsglöggli tunggt äim schrill.

 

             53 Und we-n-es Wunder wunderbaar

                  schiint d Sunnä fürä-n-a-n-Altaar.

                  Äs glitzäret und we im Tungglä

                  fönd d Sunnäschtrahlä afu fungglä.

 

            54 Zum Vaterunser schtönd-dä d Lüüt.

                 Daas tüünt so schüü schiär we-nes Glüüt.

                 Mit Wiibervolch und Mannäpässä

                 und Chinderschtimmä tüünt daas psässä.

 

            55 Dernaa chunnt etz-dä Komäniuu.

                 Wer nüd schu gsii isch, muäs etz guh.

                 Viil Volch gaaht fürä, laht-si schpiisä,

                 derzuä schpilt d Org’lä würdig Wiisä.

 

           56 Glii wiirt’s äs Wiili müüslischtill,

                wil jedä nu nuch bättä will.

                Bis dä dr Abt will wider schtöörä

                und ä zum Schluss chuu und will höörä.

 

           57 Und hätt-r dä dr Sägä g’gii,

                will-eer dä hantli d Iif’lä nih,

                g Chnüübeugi und zum Uuszug cheerä

                und ds Volch schtaaht hantli uuf, in Ehrä.

 

           58 Alls drängt und scharet iätz zum Toor 

                und tünggt dr Finger nuch dervoor.

                Des prächti g Hoochamt isch etz durä,

                etz chaa-mä vor-em Chlooschter schnurä.

                                           

                                    59 Miir Goofä chänd etz, was mer wänd: 

                                         Gu ummä-schtriälä i-dä Schtänd. 

                                         Uff beednä Siitä vu dr Schtägä, 

                                         sind ja de groossä Bögä glägä. 

 

                                    60 Und we-n-i dett durdurä guh, 

                                         dä bliib-p-mer ds Muul wiit offä schtuh. 

                                         Daa isch äis Gmoscht. Mä muäs schiär pfluägä, 

                                         magsch chuum meh naachä nu mit Luägä.  

 

                                    61 Härrgöttessli und Cheerezäschtögg 

                                         und seggliwiis Äinsidler Bögg. 

                                         Häärzjesubilder, Schnitzeriijä, 

                                         äs Plaschtig-Chlooschter, wo chaa schniijä.  

 

                                    62 Gips-Schtaatänä und Porpmonee, 

                                         ä Thermomeeter mit’mä Reh, 

                                         Chrischtoferus i allnä Laagä 

                                         und Negerli mit Chöpf zum Gaagä.  

 

                                    63 Halstüächer, Hosäträäger, Hüät. 

                                         ä Plaschtig-Roosä, wo nuch blüäht, 

                                         all Sortä Schprüch uff chliinä Schildli, 

                                         ä Biigätä vu Heil’gä-Bildli.  

 

                                     64 ‘s hätt Roosächränz für jedä Gschmagg, 

                                          Schnupftüächäli für jedä Sagg 

                                          und Züggerli i Bonnbonnieerä 

                                          so süäss, mä chaa-si schiär nüd wehrä.  

 

                                     65 Wiichwassergschiir – ä ganzi Wand! 

                                          Jää, üüsers tuät’s bimäid nuch gkand! 

                                          Äs Schwiizerhüüsli mit Motöörli, 

                                          ä Tedibäär mit chliinä-n-Öhrli.                            

 

                                     66 Trääjöörgäli mit Edelwiiss 

                                           und alles fäil zum Wallfahrtspriis! 

                                           Duä gseh-ni, und das jugg-p-mi währli, 

                                           glaubsägälet ä schüüs Altäärli.  

 

                                     67 Soo öppis chaa-mä nüg-gad gseh. 

                                          Ich chlimperä im Porpmonee 

                                          und zellä hantli all mii Rappä, 

                                          ja, wänn’s nüd z tüür wäär, sött’s schiär klappä.  

 

                                     68 Füüffranggädriiäviärz sind daa. 

                                          Äm beschtä-n-isch, ich fraagä-n-aa. 

                                          Zwaar bin-i schüüch, doch dett ds Altäärli, 

                                          daas gfall-p-mer chäibä guät, jaa, währli!  

 

                                     69 Ich fraagä dän-ä-n-alti Frau. 

                                           Si wäiss’usswändig ä nüd gnau, 

                                           holt ds Läiterli und macht äis Wäsä, 

                                           si müäs zeerscht gu dr Priis abläsä.  

 

                                      70 «Mit zant-der Truggä viärzäh-zäh!» 

                                           Ich bi enttüüscht und sägä «Nää.» 

                                           Ich chämm-dä schpeeter wider zuächä 

                                           und müäs nuch p Muäter zeerscht gu suächä.  

 

                                      71 Mit Bättlä, Chiänä, Zwängä-n-au 

                                           wäiss p Muäter ja dä ganz genau: 

                                           Gäg ds Müädä-n-isch i denä Sachä

                                           bi Goofä mäischtens nüüt meh z machä!                                                                  

                                      72 Ha ds Brüälä z'vorderscht, mach’ ä Grind. 

                                           «Du tummä Buäb, ich chumä gschwind.» 

                                           Si chauft ds Altäärli uss Verbaarmä. 

                                           Iich nim-es hantli undrä-n-Aarmä.  

 

                                      73 Äm halbi Zwäi isch Väschper gsii, 

                                           dr Chrüüzwääg ä nuch hindädrii, 

                                           mä gaht zu allnä Schtaziuunä 

                                           und chaa dr Roosächranz nüd schuunä.  

 

                                      74 Dernaa gitt’s wider ächlä frii; 

                                           doch ds Glöggli lüütet wider glii 

                                           und rüäft, mä müäs etz gad-n-uch gschnäll 

                                           i ds Salve ufä-n-i-g-Kapäll.                                        

 

                                      75 I Zwäierräiä schüü im Schritt 

                                            chänd zeerscht d Schtudäntä, wo’s ä gitt. 

                                            Und hundert Pääterä chänd z schriitä 

                                            und bis-si daa sind, höört’s dä lüütä.                                        

                                       76 Si schtönd etz vor-em Gnadäbild 

                                            (die schwarz Madonna wundermild) 

                                            Viärschtimmmig singed-s’ i Akördä 

                                            vor Pilger, Volch und vor Behördä.  

 

                                      77 Di wunderschüü, sanft Melodii 

                                           macht Härz und Seelä froh und frii. 

                                           Eb-s' wider gönd, wiirt nuch venäiget, 

                                           we-si’s  sitt Jahr und Taag schu häiged.  

 

                                      78 Etz isch sowiit und jedä hätt 

                                           ä letschtä Bligg, ä letschts Gebätt. 

                                           Dr Uuszuug gaht dä zant üüs Chnabä 

                                           schu wider bis ä Bahnhoof abä.  

 

                                      79 Dett waartet schu dr Äxtra-Zuug. 

                                           Deer bringt-äim wider we im Fluug 

                                           mit Bättä und derzwüschet Gschnatter 

                                           uff Näfels zrugg und miich zum Vatter.  

 

                                     80 Dähäimä chumn-p-mä täigg-dä-n-aa: 

                                                «Häi, händ’s miir doch ä schüüni gkaa!»

                                           «Gäll, Muäter» säg-i dä nuch bider:

                                           «des nechscht Jahr gömmer ja wider!»

 


 Montag, 9. September 2017

 

Trouvaille

 

Dr. Emil Landolt-Ochsner

(1914-1993)

 

Er wäre in diesem Jahr 105!!! 

 

 

 In memoriam

 

 

Dr. Emil Landolt-Ochsner, alt Schulinspektor

(*31. Juli 1914 +15. März 1993)

 

  

Durch einen Irrtum bei der Manipulation der Wasserhahnen im Bad verbrühte sich Emil Landolt am Mittwoch, 10. März 1993, lebensgefährlich. Eine sofortige Einlieferung ins Spital und Verlegungen in weitere Krankenhäuser waren unvermeidlich. Am frühen Montagmorgen danach, am 15. März 1993, starb er trotz der ärztlichen Bemühungen nur 60 Tage nach dem Tod seiner Frau. Zurück bleibt die nicht zu beantwortende Frage, ob ein Missgeschick mit tödlichen Folgen gewissermassen zufällig das Ehepaar nach kurzer Trennung wieder zusammenführte oder ob sich ein gütiges Schicksal menschlichen Irrtums und Ungeschicks bediente, um das Paar, das vierundvierzig Jahre gemeinsam verbracht hatte, endgültig zum ewigen Frieden zu vereinen.

  

Geboren wurde Emil Landolt als "Walhalla"-Kind am 31. Juli 1914. Sein Vater war Josef, der "Walhalla"-Wirt, und die Mutter die überaus gütige und besorgte Magdalena Landolt-Morello, die im angebauten Lebensmittelladen, in dem es nach Landjäger, Salami, Frisch-gemüse, Spezereien und Spirituosen roch, bediente. Die fünf Kinder (Ludwig, Josef, Edwin, Elsy und Emil) waren von Jugend auf angehalten, gemeinsam mitzuarbeiten. In dieser Welt des Familienbetriebs und fleisserheischenden Geschäfts wuchs Emil auf.

  

Trotz dieser Bindungen schlug der aufgeweckte Junge eine akademische Laufbahn ein. Nach den üblichen Stufen Klosterschule Näfels, Kollegium Stans, wo er 1935 die Maturität A absolvierte, setzte er sein Studium an den Universitäten Freiburg, Zürich und Paris fort und erwarb 1939 in Zürich das Sekundarlehrerpatent.

  

Die ersten Wanderjahre während des Zweiten Weltkrieges bestanden aus Stellvertretungen in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Glarus. Dazwischen hatte "Trompeter Landolt" immer wieder Militärdienst zu leisten. Soweit es die Zeit zuliess, studierte er wieder und legte weitere Prüfungen ab. 1940 in Physik, 1941 folgte Mathematik und 1942 Geologie. Wegen der Erkrankung des Vaters wurde er aber nach Hause gerufen, um im väterlichen Geschäft einzuspringen.

  

1947 wurde er als Sekundarlehrer an die Näfelser Schulen gewählt, wo er auch als Schulhausvorsteher bis 1974 wirkte. In den 28 Jahren Schultätigkeit unterrichtete er fast eine Generation von Näfelser Kindern. Emil Landolt war auch als Organist tätig und erteilte in dieser Funktion der ganzen Schuljugend Kirchengesang.

 

Zusammen mit den unvergessenen Lehrern Rinaldo Gerevini und Otto Brunner betreute er die Sekundarschulen zuerst im Dorfschulhaus, danach im Schulhaus "Schnägg".

  

In den Hochkonjunkturjahren nach dem Krieg raffte sich Emil Landolt noch einmal auf, um sein unterbrochenes Studium zu beenden. Neben voller beruflicher Tätigkeit absolvierte er weitere Studien und Prüfungen an der Universität Zürich und doktorierte mit der Dissertation über die Pendelwanderung im Kanton Glarus. Mit dieser Doktorarbeit leistete er einen bedeutenden Beitrag zur Wirtschafts-Geographie und -Geschichte des Kantons Glarus.

  

Im selben Jahr tat er den politischen Sprung in den Landrat als Kandidat der damaligen Demokraten (heute SVP). Nur ein Jahr später folgte seine Wahl in den Gemeinderat und weitere zwei Jahre danach wählte ihn der Regierungsrat als kantonalen Schulinspektor.

 

Auf diesen verschiedenen Ebenen wirkte Dr. Emil Landolt unauffällig, aber permanent: im Landrat und vielen Kommissionen während 13 Jahren, im Gemeinderat rund zwanzig Jahre, davon einige Jahre auch als Vizepräsident: Schulinspektor war er 16 Jahre lang.

 

1949 fand er in Li Ochsner eine Lebensgefährtin. Sie schenkte ihm drei Kinder. Leider wurde der jungen Familie am Denkmalweg 3 in Mühlebach jäh die dreijährige Anita, eins der drei Kinder durch einen Unfall entrissen, ein Schock und Schicksalsschlag für das ganze Leben. Viel Freude bereiteten ihm in den letzten Jahren die drei Enkelkinder.

  

Eine jähe Zäsur in sein Leben brachte in den siebziger Jahren ein Herzinfarkt mit Spitalauf-

enthalt. Er erholte sich aber vorzüglich und erfreute sich schöner Tage im Ruhestand. 1983 schuf er die hervorragende und einmalige Jubiläumsschrift "150 Jahre Neuer Schatz", deren Präsident er über ein Vierteljahrhundert gewesen war.

 

Im vergangenen Herbst erkrankte seine Frau Li schwer. Eine Übersiedlung in die Pflegeab-teilung des Altersheims wurde notwendig. Auch Dr. Emil Landolt machten die Zeichen des Alters zu schaffen, so dass er mit seiner Frau ins Altersheim zog. Nach ihrem Tod schien er sich etwas zu erholen und zeigte sich hin und wieder auf Spaziergängen im Dorfe. Noch vor wenigen Tagen trafen wir uns in der Altersheim-Cafeteria zufällig; dabei machte der bald 79-Jährige einen aufgeräumten und heiteren Eindruck. Wie zu früheren Zeiten began-gen wir zu politisieren und die Welt zu kommentieren. Heute weiss ich, dass wir uns damals zum letzten Mal verabschiedet haben.

  

Näfels darf eines eigenständigen Bürgers gedenken, der zielstrebig eine akademische, politische und menschliche Karriere vollendet hat. Sein Wirken auf den verschiedenen Ebenen war geprägt durch Klugheit und Vorsicht; er war aber auch befähigt, Humor, Kameradschaft und Geselligkeit zu pflegen. Ich habe von ihm  - wie viele andere auch - in reichem Masse Freundschaft, Förderung und Unterstützung erfahren und ihn in vieler Hinsicht als Philosophen erlebt. Gerne hätte ich ihm gegönnt, dass sein Tod nicht von der Schmerzhaftigkeit und Heftigkeit des unglücklichen Unfalls begleitet worden wäre. Ein herzliches Dankeschön lege ich auf sein Grab und versichere den Angehörigen, dass das Leben und Wirken dieses Mannes unvergesslich bleiben wird.

In herzlicher Anteilnahme                                                                             Fridli Osterhazy

 

 

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Eine Laudatio zu seinem siebzigsten

  

 

« Zum sibzgischtä vum Toggter Emil Landlet»

 

 

Meh oder weniger uunütz Schprüch

 

 vum

 

Fridli Oschterhäsi,

 

derfüür umso häärzlicher

 

  

Hütt wiirt ämaal dr Emiil Landlet

 uspaindlet und ächlä verhandlet.

Mä wiirt ja nüggad jedes Jahr

uusgrächnet sibezgi und Jubilaar.

  

Vum Tänngmaalwääg id Rösslischtraass

wachst da und dettä-n-ächlä Graas,

 daa hätt’s ä Gschtrüpp und öppä Bäum,

und Mändschä hätt's mit Ziil und Träum.

  

Äs gitt äs Reschterant und nuch ä Ladä

 und d Schtörch sind scharff uf Frauawadä.

Und we’s da gaht und wes dä sind,

vu Ziit zu Ziit chänd chliini Chind.

  

Dr Emiil isch ä söttigs gsii

und truddlet Ändi Juli ii.

Chuum isch’r daa, gitt’s schu Vertruss,

dr Tüütsch erchläärt dr Chriäg äm Russ.

 

Jaa-jeeh! Mä mäinti gliich gad schiär,

dr Mändsch sig gliich des tümmschti Tiär:

We muäs doch mängi Miliuu

 vu Mannä uunütz ds Läbä luu!

  

Für dernigs Züüg und g Chriägerii

Isch dä dr Emiil gliich nuch z chlii.

Trotz Märggli hätt’r d Raziuu,

wo nöötig isch gliich üb’r chuu.

 

Und uhni fürchtig z überboordä

isch eer dä gliich nuch öppis woordä!

 Uss Lüüt mit dernigä Taläntä

gitt’s nuch gag-gäärä gschiid Schtudäntä.

  

Im Doorf und i dr Chlooschterschuäl

 gaht’s guät, imm isch-es nämä wuäl.

Meh Müäh, es eer, hätt mängä Hans

schiints äm Koleegi ds Schtans.

 

Daas isch – ganz uuverblüämt und uhni Wiissgi –

passiärt im Kriisäjahr und füüfädrissgi.

 Dernaa schtudiärt’r luut und liis

zeerscht z Friburg, z Züri und ds Pariis!

  

Und eb dr Chriäg uusbricht und d Wält dä brännt,

macht eer dä z Züri gad nuch gschnäll ds Padänt!

 Doch d Ziitä wääred wider schweerer

 und eer wird dä-n-Seggilehrer.

  

Um diä Ziit – vilecht ächlä schpeeter –

 muäs-eer i Diänscht und isch Trumpeeter.

 Und bim-ä-chliinä Lühndli wäährli.

macht’r as Schtellverträtter Wanderjährli!

 

D Ziit lauft und trotz dä Chilchäziiter

schtudiärt’r immer ächlä wiiter!

 Duä wiirt dr Vatter z Näfels chrangg

 und findt äläi nu schwäär dr Rangg.

 

Dr Emiil muäs etz plötzli häi,

 äs Gschäft gaht halt nüd vu äläi.

Dr Emiil as ä flottä Suh

 hätt gfolget und sich wieder chuu.

  

Das isch dä-n-ä für Näfels guät,

 will-mä-nä glii gad wehlä tuät:

 Und zwar. Das isch doch äifach klaar,

äd Oberschtuuffä vu dr Seggundar!!!

 

Dett hätt’r drüü Jahrzähnt schiär gwürgget

 und mit dä Goofä Formlä türgget.

Und linggs und tächt dr Otti und dr Tscheri

 und zwüschtdurä ächlä wagger Feri.

  

Hätt usägholt uss hert- und lindä

 und öppä-n-au vrträhtä Grindä

as jedä daa uff derä-n-Äärdä

hätt öppä-n-öppis chännä wäärdä.

 

Eer sälber hätt ä nuch gschtudiärt

 und glii dr naa dä toggtoriärt.

 Chunnt schpeeter – we’s dä-n-öppä gaht –

nuch ehrävoll i Gmäinderaat!

 

Und dernig chänd dä, sappermänt!

 gag-glii ä nuch ids Parlämänt.

Uss dernägä gitt's , ja, daas säg-dr.

dä mit dr Ziit au Schhuälinschpäggter!

   

Wer sövel chaa, chaa-si nüd schuunä,

chunnt glii dä-n-au i Kumissiuunä,

 und mit dr Ziit isch dä, momoll!

dr Chara gladä und dr Chrattä voll!

  

Und wänn dä musikaalisch bischt

bisch glii ä nuuch än-Organischt!

 Und idr Musig sind si grännt

und wändä-n-ä as Bresidänt.

 

Dett hätt’r nämä-n-ä-kä Ruäh

und hätt viil fürä Naachwuchs tuä.

Und ds Näfels öppis bsunders Glatts

isch immer nuuch dr Nüüi Schatz.

 

Dett hätt’r’s ä nuch fürchtig tribä

und gad ä Nüüi-Schatz-Gschicht gschribä.

 Äs wäär dä nüüt, und wer-nä kännt,

kännt-nä as Nüüschatz-Bresidänt.

  

Dr Emiil kännt ä jedes Chind,

doch isch mä-n-öpper gitt’s au  Find.

 Äs gitt au z Näfels Hungerliider

und au vergüüschtig chäibä Niider.

  

Doch Niider sind halt we dr Mischt.

Äs bruucht  bis öppä-n-äinä ischt,

und d Niider sind we Mischt und Tünger,

wänn d Wisä fäistet, bliibt mä jünger.

 

Gad mängä hätt schu mängmaal gschtutzt

 und gseh: Du häsch diis Läbä gnutzt!

 Du häsch uss allem öppis gmachet

 und isch verreggt, häsch äifach glachet!

 

Doch ds Tüpfli uff ds Emiilä i

Isch halt die Frau, isch halt diis Lii.

 Lii schtaht für Liäbi, Liidäschaft

 für Uusgliich, Chraft und Partnerschaft.

  

Dän-uhni Partneri und Frau

wäär ds Läbä nämä blööd und grau.

Miir Mannävölcher wääre nüüt,

'so uhni üüser Hoochzetbrüüt.

  

Au wä-mes nümmä ummäträit,

so isch dä daas nuch lang nüd gsäit,

 as alles ächlä chelter isch,

 nu will-mä-n-ä elter isch.

  

Drum han-i nämä äso tänggt,

 wä-mä g Gebuurtstaagsfanä schwängt,

dä wäärdi dä au gratäliärt

und d Wünsch drzuä nuch uussortiärt.

  

Näb Gsundhäit und näb viilä Jahr

 wündsch ich än Üch as iglügglis Paar

nuch lang äso und wener’s händ,

gad wiiterfaared und au läbä chänd.

  

Ä Gruäz i-g-Chuchi und a p Bäsi!

 Sehr häärzli üürä Oschterhäsi.

 

Dr. Emil Landolt war viele Jahre Sekundarlehrer in Näfels und Gemeinderat und wurde später Schulinspektor des Kantons Glarus (Foto: Privatsammlung).
Dr. Emil Landolt war viele Jahre Sekundarlehrer in Näfels und Gemeinderat und wurde später Schulinspektor des Kantons Glarus (Foto: Privatsammlung).

 

Freitag, 6. September 2019

 

 

 

In acht Tagen ist Engelweihe!

 

Die Engelweihe in Einsiedeln

oder

Der schönste Lichterbrauch der Schweiz (1)

 

 

Jedes Jahr am 14. September ist „Engelweihe“ in Einsiedeln. Das ist eigentlich die „Kirchweih“ der Gnadenkapelle im Kloster Einsiedeln. Tausende von Lichtern sind auf der ganzen Klosterfassade in allen Fenstern verteilt. Auch an der ganzen Front der Hotels, die den mächtigen Klosterplatz umrahmen, leuchten von allen Fenstern kleine Kerzenlichter in die Nacht hinaus. Die elektrischen Lampen und  Strassenbe-leuchtungen sind gelöscht. Der Marienbrunnen ist geschmückt und auf dem breiten Aufgang zum Klosterportal ist ein ebenfalls lichtergeschmückter Altar aufgestellt.

 

Schon am Vorabend und während des Tages finden feierliche Gottesdienste statt. Abends beim Zunachten ist in zum Bersten voller Klosterkirche feierliches Chorgebet (Complet) der Mönche im Chor. Dann beginnt eine feierliche Lichterprozession mit Gesängen des ge-mischten Klosterchors und Klängen der Einsiedler Harmoniemusik-Gesellschaft, mit den Erstkommunikanten, der Klostergemeinschaft und ihren Gästen, sowie vielen Ordens-schwestern. Zuletzt tragen, begleitet von hohen Stablaternen, löbliche Einsiedler Zünftler

den grossen Baldachin, unter dem der Abt in Begleitung die grosse Monstranz trägt. Die Prozession hält bei der Gnadenkapelle inne und zieht dann in grossem Bogen über den nächtlichen Klosterplatz zum Altar. Dort wird umrahmt von Gebeten, Gesängen und nach dem Verlesen des Evangeliums der Segen erteilt. Danach zieht die Prozession zurück in die Klosterkirche. Zum Abschluss spielen zwei Spitzenorganisten auf der Mauritius- und Marienorgel Charles-Marie Widors atemberaubende Toccata der fünften Symphonie.

 

Man unterscheidet zwischen „kleiner“ und „grosser“ Engelweihe. Zum beschriebenen Ab-lauf der „kleinen“ Engelweihe pflegt die Lichterprozession, wenn die Engelweihe auf einen Sonntag fällt, bis weit hinunter ins Dorf zu führen, weshalb sie „grosse Engelweihe“ genannt wird. Bei schlechter Witterung finden die Feierlichkeiten in der Klosterkirche statt.

 

Engelweihe? Wie wurde aus der „Kirchweihe“ eine „Engelweihe“? Die Erklärung gibt eine Legende. Sie ist verbunden mit dem Konstanzer Bischof Konrad, der am 14. September 948 nach Einsiedeln gekommen war, um die Kapelle einzuweihen. Konrad hörte in der Nacht auf den Weihetag wunderliebliche Stimmen und sah Christus selber, umgeben von Engeln und Heiligen, die von der Kirche umbaute Kapelle einweihen. Als er sich am folgen- den Tag nach langem Zaudern zur feierlichen Handlung begeben wollte, hörte er eine Stimme: „Halt ein, Bruder, Gott selbst hat die Kapelle geweiht!“. Darauf habe er nicht mehr gewagt, die Weihe vorzunehmen.

 

Dieses legendäre Ereignis sprach sich herum und löste einen Boom von Wallfahrtsbesuch-

ern aus. Dazu trug die geschickte Klosterpolitik, die juristische Anerkennung durch päpst-liche Beglaubigungen und eine wirksame Propaganda bei. Einsiedeln wurde zu einem be-deutenden Wallfahrtsort. Die Engelweihe wurde 1466 zum Höhepunkt der vorreformatori-schen Zeit. Eine Konstanzer Chronik berichtet von 130‘000 Pilgern, wovon allein für den Kirchweihtag von 80‘000! 400 Geistliche hörten die Beichte; denn mit dem Besuch der Engelweihe wurde ein Ablass gewährt, der die Beichte voraussetzte. Das Wallfahrtswesen wurde professionalisiert. Wegen der grossen Menschenmassen mussten Vorkehrungen

getroffen werden. So musste die Schifffahrt auf Seen und Flüssen für die Pilger nach Ein-siedeln reglementiert werden. In Einsiedeln selber war grosser Personalaufwand zur Si-cherstellung der Ordnung nötig. Mit heraufkommender Reformation gingen die Pilgerzahlen zurück. Kritik und Infragestellung des Ablasswesens und der Überbetonung der kommerzi-ellen Seiten des Wahlfahrens kamen auf. Im 15. Jahrhundert wurde die Engelweihe nicht mehr jährlich gefeiert, sondern nur dann, wenn der 14. September auf einen Sonntag fiel. Die Feier dauerte dafür zwei Wochen lang. An der Engelweihe 1522 zeigte sich das Ende der vorreformatorischen Wallfahrtsepoche an. Immer weniger Pilger kamen. Huldrych Zwingli, der vorher in Glarus Pfarrer war, und seine Freunde prägten das Geschehen durch

ihre reformatorischen Predigten, die scharfe Kritik am bisherigen Wallfahrtsbetrieb enthiel-ten. Pilger beklagten die schlechte Sakramentenverwaltung der Priester und reagierten mit grosser Verunsicherung. Das Kloster machte eine Krise durch. Bald waren nur noch fünf Mönche da, 1536 keiner mehr. Ihre Aufgaben wurden an Leutpriester und Kapläne dele-giert. Zur Verstärkung zog man Weltpriester bei.

 

Erst nach 1600 kam ein Neuaufschwung. Das Konzil von Trient (1545-63), das sich mit

der Kritik der Reformation auseinanderzusetzen hatte und in der katholische gebliebenen Innerschweiz Wirkung zeigte einerseits und der barocke Neubau des Klosters trugen zu einer glanzvollen Wallfahrtsepoche bei und damit zu pompösen Engelweihfeiern.

 

Zur wechselvollen Geschichte des Klosters und der Engelweihe hat Pater Dr. Gregor

Jäggi OSB einen sehr kritischen Beitrag geschrieben, die Legende minutiös hinterfragt und Täuschungen, Ränkespiele und Fälschungen aufdeckt.
Siehe unter: Gregor Jäggi: Geschichte der Engelweihe

und

P. Othmar Lustenberger OSB:  
Die Wallfahrt nach Einsiedeln - Die Anfänge der Marienverehrung und der Beginn der Wallfahrt

 

Im seinem Nachlass berichtet Albert Müller, Lokalhistoriker Näfels, dass der Stand Katho-lisch Glarus 1732 und später den Ehrenprediger für die Engelweihe stellen konnte, der vom Läufer „in der Farb“ begleitet wurde. 1766 ist dies „Probst Jacob Frantz Feltmann von Gla-rus“, 1783 ein „Caspar Freuler“, 1788 „Decan Balthasar Josef Noser, Pfarrer in Ardorf“, 1777 „Caplan Frd. Stähli“ und 1794 „Karl Josef Noser, Pfarrer zu Murg“. Eine politisch-reli-giöse Manifestation wurde die Glarner Landeswallfahrt, die ja auch heute noch gepflegt wird.

 

Die Tradition und das Brauchtum haben bisher die Stürme der Zeit überlebt. Nach wie

vor ist die Engelweihe fester Bestandteil des Klosters und der Klosterdorfes, das an der „Engelweihe“ einen gesetzlichen Feiertag pflegt.

 

Sie ist ein klassisches Beispiel wie eine Legende ein Basis für Kult und Brauchtum werden kann. Übrigens ist diese Legende mit Bischof Konrad im Bild festgehalten. Das Decken-fresko von Cosmas Damian Asam von 1725 befindet sich im Oktogon über der Kapelle.

 

 (1) publiziert im "Fridolin", 8762 Schwanden 2015

BIld siehe: www.engelweihe.ch