Montag, 20. Mai 2019

 

Die Ereignisse überstürzen sich...

Bistum Chur hat Bischöflichen Administrator

Msgr. Peter Bürcher

emeritierter Bischof von Reykjavik (Island) 

 

Pierre Bürcher auch Peter Bürcher, geboren am  20. Dezember 1945 in Fiesch Kanton Wallis, römisch-katholischer Geistlicher und emeritierter Bischof von

Reykjavík.

  

Peter Bürcher wuchs in Fiesch und Fieschertal auf und besuchte die Primarschu-le in Nyon. Danach ging er auf das Gymnasium Collège St-Louis in Genf und an-schließend 1964 bis 1966 auf das Lyzeum Stiftsschule Einsiedeln, wo er die  Ma-tura Typus A erwarb. Von 1966 bis 1971 besuchte er das Priesterseminar und absolvierte ein Theologiestudium an der Universität Freiburg. Er schloss 1971 mit dem Lizenziat in Theologie ab.

 

27. März 1971 Priesterweihe in Genf.

1971 bis 1977 Vikar in Freiburg

1972 bis 1975 Mitglied der Diözesansynode von 1972 bis 1975.

1977 bis 1980 Vikar in Lausanne.

1980 bis 1989 Pfarrer der Pfarrei St. Jean in Vevey 

1985 bis 1989 Dekan des Dekanats St. Martin.

1989 bis 1990 Priesterseminar Freiburg und Institut IFEC in Paris.

1990 bis 1994 war er Regens des Priesterseminars Freiburg.

 2. Februar 1994 Ernennung zum Titularbischof von Maximiana in Byzacena und

                        Weihbischof im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg.

12. März  1994 Bischofsweihe durch Bischof Pierre Mamie in Freiburg

                         Mitkonsekratoren waren der Bischof von Sitten, Henri Kardinal

                         Schwery und Gabriel Bullet, emeritierter Weihbischof in Lausan-

                         ne, Genf und Freiburg.

28. August 2001 Generalpräsident der Catholica Unio Internationalis 

14. Juni 2004 Mitglied der Kongregation für die Ostkirchen

30. Oktober 2007 Ernennung zum Bischof von Reykjavík.

18. September 2015 Rückltrittsgesuch aus gesundheitlichen Gründen

 

Peter Bürcher ist Konventualkaplan der Helvetischen Assoziation des Malteser-ordens und Mitgliedes Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

 

Kontaktadresse:

 

Von November bis März:                          Von April bis Oktober

 

Bishop                                                      Bischof

Peter Bürcher                                           Peter Bürcher

P.O.Box 20531                                         Strehlgasse 18

91204 Jerusalem                                     6430 Schwyz

  

 

 AdrAdresse email: mgr.burcher@bluewin.ch


Montag, 20. Mai 2019

 

Bischof Amédée Grab OSB verstorben

 

Communiqué des Bistums siehe "Bild der Woche"

 

Hilariusfest 2000

 

Einzug der Geistlichkeit vom Pfarrhaus in die Hilariuskirche

Zwei Bischöfe in Näfels. Anlässlich des Hilariusfestes 2000 weilte der damals amtierende Bischof Amédée Grab OSB in Näfels. Anlass war der Besuch von Bischof Albert Rouet, Poitiers F, der direkte letzte Nachfolger des Heiligen Hilarius. Als Bischof Amédée von diesem Besuch erfuhr, antwortete er spontan: "Dänn chum-iich au!"

 

Unser Archivbild: v.l.n.r. Thomas Rellstab, Pfarrer von Oberurnen, Jakob Fäh, Domherr-De-

kan-Kaplan vonm Näfels, Martin Mätzler, Pfarrer von Näfels, Bischof Amédée Grab OSB, Bischof von Chur, Albert Rouet, Bischof von Poitiers F, P. Michael-Maria Josuran OFM, Franziskanerkloster Näfels. (Archivbild F. Hauser)

 

Hoher Besuch im Franziskanerkloster. Rechts im Bild: Kardinal Henry Schwery und Bi-schof Amédée Grab OSB beim Bankett im "Schwert". Fridolin Hauser, Präsident der Stif-tung Mariaburg Näfels und Baupräsident bei der Renovation des Klosters 1998-2004 durfte die Tafel mit den hohen Geistlichen teilen. Unter dem Guardianat von Br. Fidelis Schorer OFM wurde das von den Kapuzinern 1986 übernommene Kloster grundlegend renoviert, sowohl die Klosterkirche, als auch der Wohntrakt wurden einer eingehenden Erneuerung unterzogen. Zum Abschluss der Renovation und zur Neueinweihung fand ein zweitägiges Fest, verbunden mit dem Dorffest Näfels, statt. Kardinal Schwery war Hauptzelebrant am Sonntag, Bischof Amédée Grab OSB machte seine Aufwartung am Samstag. (Archivbild. Festbankett im Schwert)

 

Das Kloster Mariaburg war von 1675 bis 1986 Kapuzinerkloster und ist seit 1986 Franzis-kanerkloster.

 

 


Freitag, 3. Mai 2019

 

Trouvaille

Ein Hobby-You-Tuber produziert eigene Trailer

 

oder

 

Wenn Richard Arnold zum "Viel LesEr" wird...

 

Richard Arnold schreibt nicht nur bizarre Geschichten, sondern illustriert sie mit seinen für ihn typischen "Ziegenköpfen". Neuerdings produziert er eigene Kurzfilme zu verschieden-sten Themen und findet dazu die passende musikalische Hintergrundmusik. (Bild: Richard Arnold, Näfels)

 

"Viel LesEr" alias Richard Arnold, Näfels

 

Folgende Videos von «Viel LesEr» lassen sich auf youtube finden:

 

 

Eine Kurzgeschichte, oder wenn es einem Vielleser zuviel wird.

https://www.youtube.com/watch?v=nKfpz-FhidY&t=41s

 

https://www.youtube.com/watch?v=hWJnz0SGw6I&t=74s

 

Ein Kanaltrailer, oder aus dem Universum eines Viellesers

https://www.youtube.com/channel/UCgUEhcK1cbJpzOw78iLdxrg

 

Engi GL, Kapelle Peter und Paul

https://www.youtube.com/watch?v=LAu7nhbofTY

 

Matt GL, Evangelisch - Reformierte Kirche

https://www.youtube.com/watch?v=_izmVYVMXQs

 

Näfels GL, Franziskanerkloster

https://www.youtube.com/watch?v=GyTYjLk_VA8

 

https://www.youtube.com/watch?v=hWJnz0SGw6I

 

Glarus GL, Stadtkirche

https://www.youtube.com/watch?v=fpqU91DhlQg

 

Linthal GL, Evangelisch-Reformierte Kirche

https://www.youtube.com/watch?v=YWoqNTwx778

 

Mitlödi Gl, Evangelisch-Reformierte Kirche

https://www.youtube.com/watch?v=zoV4zHLasjs

 

Weesen SG, Katholische Kirche

St. Martin im Fly

https://www.youtube.com/watch?v=o3acRnpl6Ws

Ständig auf Objektjagd: Richard Arnold alias "Viel LesEr" - hier am 9. April in Bad Säckingen. (Fotoausschnitt: David McLion, Schwanden)
Ständig auf Objektjagd: Richard Arnold alias "Viel LesEr" - hier am 9. April in Bad Säckingen. (Fotoausschnitt: David McLion, Schwanden)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Richard Arnold - Schönheit von hinten

Hier beim Fotografieren des "Fridolin Hauser-Baumes" im Park des Tromnpeterschlosses in Bad Säckingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Richard Arnold - Schönheit von vorn

 

Den Zeigefinger am Drücken und Gesprür

für besondere Aufnahmen (Richard Arnold ist auch ein passinierter Schütze!)

Hier das treffende Bild samt Sujets zum, "VielLeSer" (Richard Arnold). Bücher, Kamera, Friedweg zum Pfarrhaus und Alpenpanorama Obstock, Neuenkamm, Fronalpstock (Mürtschen im Nebel). (Foto: Rita Ming)



Näfelser Fahrt 2019 im Schneegestöber. Ursache: die Empörung des Sant Fridli über den Wolken. (Foto: M. Hauser, Zug)

 

Die neueste Näfelser Sage

 

Die Sage von den verweigerten Sitzplätzen an der Näfelser Fahrt

 

oder

 

Die Rache des Sant Fridli, Sant Petrus und Frau Holle

 

Im Jahre des Heils 2019 bemerkte man im «Fridlibund des Kantons Glarus», dass die «Näfelser Fahrt» bereits seit 630 Jahren gefeiert wird. Die Glarner mit Unterstützung einer Gruppe von Urnern und Schwyzern hatten am 9. April 1388 bei garstigem Wetter dem übermächtigen Heer der Habsburger getrotzt und gingen schliesslich siegreich aus der Schlacht bei Näfels hervor. Wie dem «Fahrtsbrief», der jährlich von der «Fahrtskanzel» auf den «Fahrtsplatz» beim sechsten von insgesamt elf Gedenksteinen, zu entnehmen ist, überlebten 55 Glarner, Urner und Schwyzer auf dem Schlachtfeld nicht.

 

Seit 1389 wird dieser Gefallenen mit einem «Jahrzet» und Kreuzgang über die Wege und Stege, wo viel Leid erlitten worden war, gedacht. Im Zuge der Reformation blieben die Neugläubigen rund 180 Jahre fern, die Katholiken hielten am religiös-politischen Brauch fest. Dank der Weitsicht des Regierungsrates unter Leitung von Landammann Schindler wurden die konfessionell geteilten Landsgemeinden, Regierungen und Gerichte, die ausserdem noch einer allgemeinen Landsgemeinde und Gerichts-barkeit unterstanden, zu einer Einheit zusammengefasst, gewissermas-sen die erste politische Fusion der Landsteile. Dabei wurde das derzeit älteste Gesetz in der Glarner Gesetzessammlung zur «Näfelser Fahrt» geschaffen. Es regelt den Ablauf und sichert den konfessionellen Frie-den, in dem jedes Jahr abwechselnd ein katholischer oder reformierter Geistlicher die Fahrtspredigt hält und sich als Begleitkorps die Stadt-glarner und Näfelser Harmoniemusik abwechseln.

 

Und  da scheinbar niemand im ganzen Land bemerkte, dass die «Näfel-ser Fahrt» bereits 630 Jahre alt war, beschloss der «Fridlibund des Kan-tons Glarus» erstmals gemeinsam teilzunehmen und sein Fridolinsban-ner mitzutragen. 63 Teilnehmer sollten es sein und 630 Rappen sollte die Teilnahme mit Frühstückskaffee und Gipfeli und dem Fridlischüblig mit Kartoffelsalat zu Mittag kosten.

 

Am Fahrtsmorgen waren es 82 unentwegte Fridlenen mit Angehörigen und Freunden, die sich angemeldet hatten. Um den älteren Semestern die Teilnahme am Fahrtsbrief und an der Fahrtspredigt auf dem Fahrts-platz zu erleichtern, wandte sich der Oberfridli mit einem Gesuch an den Regierungsrat, ob es nicht möglich wäre, ausnahmsweise und einmalig eine Sitzreihe für die Fridlenen zu reservieren, so wie dies seit 1990 der General Bachmann Gesellschaft gestattet sei.

 

Der Regierungsrat erörterte dieses Anliegen eingehend und bislang ist kein Wort aus dieser Debatte an die Öffentlichkeit gedrungen. Der Ent-scheid war aber abschlägig, weil man kein Präjudiz schaffen wolle, was man zwar mit der General Bachmann Gesellschaft schon bald dreissig Jahre geschaffen hatte, und beauftragte den höchsten Beamten im Kan-ton, den Ratsschreiber, dies dem Fridlibund kundzutun.

 

Die Fridlenen nahmen die Absage loyal und regierungstreu entgegen. Als Staatsbürger gingen sie davon aus, der Regierungsrat habe seine Gründe und an seiner Weisheit und Weitsicht sei nicht zu zweifeln.

 

Soweit so gut.

 

Doch war dieser Entscheid auch kirchlichen Kreisen zu Ohren gekom-men. Über den Bischof und den Nuntius landete die abschlägige Bot-schaft beim Heiligen Stuhl in Rom. Die Kongregation für Heiligsprechun-gen war gar nicht erfreut und telefonierte in den Himmel, Direktan-schluss zum Heiligen Fridolin +63 063-630 63 63. Dieser rief entrüstet aus: «Was!?», hüstelte erregt «meinem Fridlibund werden die paar Sitz-plätze verweigert?» Und er fasste den Entscheid des Regierungsrates, in dem seit vielen Jahren kein Fridolin mehr sass, als persönliche Beleidi-gung auf. Unverzüglich rief er den Heiligen Petrus, der ja für die Wetter-verhältnisse zuständig ist, an. Dieser sprang aus dem Sessel «Was!? Was fällt denen ein!?» und beorderte gleich Frau Holle im gestreckten Galopp zu sich. Selbdritt traten sie am Fahrtstag an die Wetterhebel und lösten Schneegestöber aus, was das Zeug hielt.

 

Das Ergebnis: Weisse Wiesen, dichte Flocken, Trommeln der Tambouren in Plastik, Harmoniemusik mit zehn Zentimeter Schnee auf ihren Mützen, Weibel mit durchsichtigen Wetterschutz, Landammann und Regierungs-rat in langärmligen Unterhosen, Frau Landesstattalter wie in Cellophan-Verpackung…und die Kutscher auf dem Bock wie Schauspieler aus dem Film «Das gefrorene Herz».

 

Wie bei vielen Sagen kam es nach der Untat schneien… die beantragte Bank auf dem Fahrtsplatz war eingeschneit. Das Herzstück der «Fahrt», das Verlesen des Fahrtsbriefes und die Fahrtspredigt mussten in die Kir-che verlegt werden, wo die Fridlenen selbstverständlich reservierte Plät-ze hatten. Ääätsch!

 

Und aus dieser Geschichte kann man lernen, dass man nicht ungestraft und ohne Not dem Fridlibund des Sant Fridli, der vor 631 Jahre während der Schlacht bei Näfels über den Köpfen der Glarner geflattert hatte, Sitzplätze auf dem Fahrtsplatz verweigert...

 

...und als dies über den Nuntius  auch noch in Bern ruchbar wurde, be-schloss der Bundesrat, diesmal die lange Tradition, ein Mitglied des Bun-desrates an die Landsgemeinde zu entsenden, aus Protest gegen die Sitzplatzverweigerung des Regierungsrates für die Anhänger des glarne-rischen Wappenheiligen ein Zeichen zu setzen und erstmals seit langem keinen Bundesrat oder keine Bundesrätin an die Landsgemeinde zu delegieren!

 

Der Proteste noch nicht genug... auch die Bischofswahl in Chur, zu des-sen Bistum der Kanton Glarus auch gehört (provisorisch zwar nur), wur-de auf ungewisse Zeit verschoben, weil es nicht angehe, dass man den Anhängern eines Heiligen aus dem Bistum an der "Fahrt", an der Sant Fridli sintemalen erwähnt wird (Fahrtsbrief), Sitzplätze verweigere...

 

…und weil Nachhaltigkeit auch eine Kardinaltugend im Himmel ist, machte es Petrus, Fridolin und Frau Holle diebischen Spass, an der Landsgemeinde nochmals wacker schneien zu lassen, damit das Sitz-platzverweigerern eine Lehre sei… jawohl! 

 

Vorläufiges Ende.

 

 

 

 

Für diesmal hörte sich der Sant Fridli auf der Kirchenfahne der Pfarrei Näfels den Fahrts-brief und die Fahrtspredigt nicht auf dem Fahrtsplatz unter freiem Himmel an, sondern in der geheizten Pfarrkirche Hilarius. (Foto: Markus Hauser, Zug)


 Mittwoch, 17. April 2019

 

 Die steilen Aufstiegsmöglichkeiten in der Kirche

 

Dass es bei der katholischen Kirche steile Aufstiegsmöglichkeiten gibt, beweisen die untenstehenden BIlder. Sie sind vom Sakristan Richard Arnold in der Hilariuskirche Näfels aufgenommen worden. Jeweils an der Näfelser Fahrt oder an hohen Feiertagen oder beim Besuch hoher kirchlicher Würdenträger, z.B. bei der Firmung, muss der Sakristan je nach Anlass die Schweizer Fahne, die Glarner Landesfahne oder die gelb-weiss päpstliche Fahne, z. B. beim Bischofsbesuch an der Firmung o.ä. hissen.

Dass das Hissen einer Fahne auf dem Turm recht riskant ist, zeigen die folgen-den Bilder:

 

 

Der Fotograf schreibt dazu:

"Die Bilder sind vielleicht nicht der Hit und die Jakobsleiter ist es auch nicht gerade, doch eine Hühnerleiter ist es nun auch wieder nicht. Zumindest kommt man ab heute auf die Ebenen oberhalb des Glockenstuhls mit einer, respektive zwei, schönen, stabilen (für Schwergewichtler wie mich geeignet...) Leitern hoch, um die Fahnen auszubringen, die Fliegen mit dem Staubsauger zu jagen oder die Aussicht zu geniessen (Letzteres nur bei getaner Arbeit)."

 

Die Bilder:

Oben links. Leiter wird angestellt. Mitte: Die Leiter wird an der Aussenfassade entlang hochgezogen. Obern recht: Aufstellen im Turmgebälk.

Untern links: Schwindelerregend ist nur der Vorname. Mitte: Nuch vereggter. Rechts: Fertig ist die neue Aufstiegsmöglichkeit für den Sakristan.

Das Leitersystem erinnert fast an das Aufstiegsprozedere einer Bischofswahl. Beides ist steil und in heutiger Zeit ebenso gefährlich...

 


Trouvaille

 

Ein Nachtrag.... Schtäisepp in Niederurnen

 

vergleiche den Beitrag über "Stäisepp" 

im Archiv unter dem 12. Februar 2018

 

Die Aufnahme stammt von Lani Bisig-Lüscher, Niederurnen, die mich bei der Sonderaufführung im *Rössli" von Olgy Jutzelers brillantem Fernsehauftritt ge-stern Abend am 10. April 2019 im "Rössli" auf dieses Bild hinwiesen hatte und heute gleich zustellte.

Stäisepp auf "Geschäftsreise"  lies: beim Hausieren von Zigerstöggli und Zundhölzli vor dem Restaurant Schützengarten in Niederurnen mit der damaligen Serviertochter Ruth Menzi und Werner Reumer, der jeweils tagsüber bei des Familie Lüscher weilte.

(Foto: Lani Bisig-Lüscher, Niederurnen)


Samstag, 6. April 2019

 

Wagen Sie ein Original zu sein

oder

 

Wider die Anpassung an das Gewöhnliche

 

Das  Telefon schellt: „Da ist Radio Zürisee! Grüezi...“ Ein sympathische Frauen-stimme: “Wir möchten mit Ihnen eine kurzes Gespräch führen...“ „Soso? Wiir-p-mer ä sii!?“ . Man – in solche Fällen heisst es immer „man“! – habe mich empfoh-len... „Hoo-soo? – Und um waas gaht’s“ – Wir machen eine Sendung mit Dorf-originalen. „Wiä händ-Si gsäit?! Doorforiginaal?.“ Ob ich denn ein so schräger Typ sei. Ich könne mir nur schwer vorstellen, was an mir so originell sei, dass es die ganze Region wissen müsse.

 

Im Gespräch schwingt etwas mit, das sie von professionellen Radiomenschen unterscheidet: Die ungekünstelte Ehrlichkeit und das unverbrauchte Vertrauen, „Original“ nicht von einer lächerlichen oder unernst genommenen Seite zu be-trachten, sondern das Interessante, eben das Originelle zu suchen. Die Stimme am Telefon unterscheidet sich von den verrauchten Stimmen oberflächlicher Profis. Ich entscheide mich nach kurzem Zögern mit zwei Absichten: erstens störe ich mich daran, dass „Dorforiginale“ im Volksmund als Leute gelten, die eine „Macke“ haben und meistens aus sozial-niedrigen Schichten kommen. Es sind Menschen, die im Allgemeinen nicht ernst genommen und im Speziellen als „Sündenböcke“ oder „Witzfiguren“ verspottet werden. An ihnen kann sich die Dummheit der angeblich Gescheiten ausleben und die Schadenfreude der Frustrierten ergötzen. Dorforiginale werden als Abweichung von der Norm und mit hintergründiger Anrüchigkeit des Abnormalen behaftet...

 

Zweitens ist in mir ein sozial-engagierter Trotz stärker als die Schiss,  mich vor so vielen Ohren zu exponieren. Ich kneife mich ins Hinterteil meines Selbstbewusst-seins und gehe hin. Eigentlich interessiert mich die fertige Sendung weniger, als der Prozess zuvor. (In der Tat habe ich gar keine Zeit, die Ausstrahlung zu hören und kann Ihnen nicht sagen, was die Medienprofis für ein akkustisches Patchwork daraus zusammengeschnipselt haben.)

 

Treffpunkt Autobahnraststätte Marché. Von weitem sehe ich den Stationswagen von „Radio Zürisee“ auf dem Parkplatz einbiegen. Eine grossgewachsene, junge Frau mit halblangen, wehenden Haaren entsteigt dem Gefährt, räkelt sich in eine Jacke hinein und hängt sich eine Reportertasche über die hochgezogene Schul-ter. Sie grüsst mit einem sportlichen, aber keineswegs unfraulichen Händedruck und lacht ansteckend, aber von wohltuender Distanz. Bei einem Espresso an der Kaffeebar werden die Details besprochen. Da in der Geräuschkulisse des Auto-bahnrestaurants gute Aufnahmen unmöglich sind, stellt uns die tüchtige, junge  Managerin M. ihr Büro zur Verfügung. Wir tappen durch die metallene Gross-küche und richten uns im Kabäuschen, durch deren Fenster die  Spätnachmit-tagssonne blinzelt, ein. Im Gespräch stellt sich heraus, dass sowohl Frau M. vom Marché, als auch die Reporterin  Frau B. die Stiftsschule in Einsiedeln besucht hatten, und die erstere meine blitzgescheite, aufgeweckte Schülerin in der Medienkunde gewesen war...so wird man zusammengeführt und an gemeinsame Vergangenheit erinnert.

 

Das Interview ist so angelegt, dass die Fragende wie eine fleissige Biene soviel Nektar wie möglich sammelt, die Leute im Studio nehmen dann das Geeignete aus dem Körbchen und hängen es als Sendebeitrag wie ein  „Bildchen“ zwischen den Musikteppich. Offensichtlich ist Radio heute eine riesige tagundnachtlange Musiktapete, vor die man News (lies Nachrichten), Servicemeldungen (lies Wetter, Strassenbericht, Börsenbericht o.ä) und Porträts hängt, zwischendurch mit Zuhörern talkt und telefoniert. Der Mix von Unterhaltung und Information wird vom Leitbild des Senders geprägt.

 

Nach einer guten halben Stunde ist das Rohmaterial im „Kasten“, der in Wirklich-keit aus einem winzigen Gerätchen und einem  teuren Mikrofon besteht.

 

Ich - ein Original? Ich weiss beim besten Willen nicht, was Dritte an mir originell finden könnten. Ich glaube nicht, es sei meine Lebensbestimmung, von anderen als originell eingestuft zu werden. Vielmehr meine ich, das Leben sei voller ori-gineller Möglichkeiten, die man packt oder verpasst. Im Grunde rennen die Leute weiss Gott wohin und merken nicht, dass sie eigentlich nur werden können, was sie schon sind. Man entkommt sich selber nicht. Der tierische Ernst, vor dem keiner gefeit ist, vom Hilfsarbeiter bis zum Konzernmanager, vom Rekruten bis zum Korpskommandanten, vom Ministranten bis zum Kardinal, vom Totengräber bis zum Chefarzt (oder umgekehrt), ist der Vater der Brutalität und die Mutter zweckgebundener Fantasielosigkeit. Wer steht heute wirklich noch zu sich selbst? So wie er ist  – mit Talenten und Schwächen? So wie er aussieht – mit Ranzen und Glatze, mit Falten und Doppelkinn?  Viele Menschen sind doch re-duziert auf den Augenblick wie das flüchtige Interview, über das die Musikwellen schwappen...dann ist alles vorbei und gewesen. Es ist weiss Gott notwendig, Pflöcke einzuschlagen. Aber es ist weit schwieriger zu sagen,  „Von dort komme ich. Hier stehe ich. Dorthin gehe ich.“, als „Ich bin wichtig. Was bekomme ich? Wie viel habe ich, damit ich „jemand“ bin“?“. Schaue ich in den abendlichen Sternenhimmel... wie klein bin ich da! Blicke ich auf „meine“ Menschen, die ich gern haben darf, dir mir anvertraut sind oder mit denen ich zu tun habe... wie schön ist es, leben zu dürfen! Gäbe es dies nicht, wäre die Welt mit ihrem ganzen Getümmel und dem vielen Leid nicht zu ertragen. Ich müsste verzweifeln...könnte ich mich nicht darauf besinnen, was meine Originalität ist, nämlich das, was ich mit Denken erkenne, was ich mit Sehnsucht erträume, mit Freude und Liebe durchwirke und in Freiheit tue. Lasse ich mich aber durch das dauernde „Was säged au d Lüüt!“ einschüchtern, gehöre ich zur Monokultur der Angepassten, die sich gegenseitig in Kleidung, Aussehen, Auto, Ferien, Verhalten kaum mehr unterscheiden. Wenn ich es hingegen ertrage, dass irgend ein Anonymer mich als „Dorforignal“ „anzeigt“ und auf die Radiorolle schiebt, dann danke ich herzlich dafür. Ich bin zwei liebenswürdigen Menschen begegnet, von deren Tüchtigkeit ich beeindruckt bin.

 

Das Interview  hjnterlässt weit über die Minuten Sendezeit hinaus die  Fragen „Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich?“  Es ist gewiss nicht Arro-ganz, wenn es mir eigentlich egal ist, was aus dieser Sendung geworden ist. Ich lasse es die Sendung derer sein, die sie machen, meine ist es nicht. Möge sie Freude machen! Für mein Leben ist sie unbedeutend. Wichtig ist aber die Nach-haltigkeit des Erlebens und das Bewusstwerden, dass es eine Auszeichnung sein kann, ein Original zu sein und dass die Kopien daneben verblassen.

 

Packen Sie deshalb Ihre Seele am Schlawittchen und leisten Sie es sich, ein Dorforiginal zu sein. Der Eintrittspreis ist viel Mut, Treue zu sich und das Be-wusstsein, dass das Original das Eigentliche ist. Das Klonen an den Toren des dritten Jahrtausends ist nichts anderes als der Versuch zum Original zurückzu-kehren! Alle Menschen sind in ihrer Einmaligkeit Originale, hoffentlich haben sie das nicht vergessen. Viele schämen sich eines zu sein.                                                                                                                                Bis bald! Ihr Pankraz F.

 

 

Und dazu ein Zitat von Charles Baudelaire in "Romantische Kunst":

 

"Unsere ganze Originalität verdanken wir fast ausschliesslich dem Stempel ,

 den die Zeit unseren Empfindungen aufdrückt."

 

 

 

Erschienen in "Fridolin" 22. Februar 2001 Frontpage

 

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Das unübertreffliches Original Balthasar Gallati-Ackermann, genannt Baberli-Balz vum Pep-perhüüsli Braunwald, aufgewachsen im Rautidorf Näfels. Er ging in die Geschichte ein als "Pater Ambros" (1921-2011) Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Näfels.

 

Und eine frühere Geschichte zum Thema "Original"

                      

 Der Baberli-Balz vom Pepperhüüsli als Pater Ambros

 

"Die Originale sterben aus!" klagte da einer am Stammtisch.

 

Damit löste er eine lebhafte Rückschau auf die verstorbenen Originale im Dorf und auf die Episoden, die für sie typisch waren, aus. Doch es gibt sie immer noch, vereinzelt, auch bei uns.

 

Zum Beispiel „Pater Ambros“, ein Mu­sterexemplar an Humor und Theatralik. Wer diesen Mann kennt, weiss um seine Müsterli und Streiche. Ahnungslose hin-gegen zieht er unter dem Deckmantel, ein etwas verschrobener Ordensmann zu sein, schonungslos und mit diebischer Freude durch den Kakao.

 

Angefangen hat diese Rolle angeblich in einem Spital im Schweizer Mittel­land. Unser Original weilte dort wegen eines Armleidens und lag mit eingegipstem Arm im Bett. Die Arme hatte er auf der Brust gekreuzt, weil es ihm so am bequemsten war. Ausserdem hatte er sich, armbehindert, wie er im Moment war, einen Voll-bart wachsen lassen, und seine dicken Brillengläser gaben ihm etwas Profes-sorales und Distanzierendes. 

 

Als die Schwester den Krankensaal kurz verliess, tüüsselte unser Originial aus dem Bett und kritzelte auf die Anzeigekarte an der Bettstatt mit der noch freien Hand über seinen eigenen Namen: "Pater Ambros". Kaum lag er mit gekreuzten Armen wieder im Bette, er sah wirklich aus wie ein betender Mönch mit ortho-doxem Ritus, er­schien der reformierte Spitalgeistliche, las "Pater Ambros", ging auf den neuen Patienten zu und meinte: "Ah, da sind wir ja gewissermassen Amtskollegen!". "Pater Ambros" nickte mit gequältem Lächeln und meinte nur: "Der Friede sei mit Dir, lieber Mitbruder", was so echt klang, dass der Ankömm-ling restlos vom geistlichen Stand des Patienten überzeugt war. Im Zeichen der Ökumene gab sich der Pastor besonders aufmerksam. In einem weiteren Besuch ver­wickelte "Pater Ambros" seinen reformierten Kollegen in ein in­tensives Ge-spräch über Katechese und flocht immer wieder Bibelzitate ein. Die Bibelstellen kannte "Pater Ambros" aus seiner Schulzeit, wo er bei einem sehr gottes-fürchtigen Schulmeister (Lehrer Konrad) bis zum Gehtnichtmehr Bibelsprüche auswendigzulernen hatte.

 

Item - die beiden schlossen Freundschaft, und "Pater Ambros" lud sei­nen Ge-sprächspartner zu einem Besuch ins Glarner­land ein.

 

Einige Wochen später verabredeten sich die beiden im "Restaurant A. in B." und fanden sich bei schönstem Wetter auf der voll­besetzten Terrasse ein. Der Pastor erschwiggte am anderen Ende den Kopf von "Pater Ambos" und ging auf diesen zu. Doch "Pater Ambros" stand vor ihm in perfekter Pöstler-Uniform. Der ver-blüffte Pastor fragte: "Entschuldigen Sie bitte, Sie sehen meinem Amtskollegem sehr, sehr ähnlich; ist es etwa Ihr Bru... ", doch "Pater Ambros" fiel ihm ins Wort: "Chasch tänggä, ich bi-n-ä doch sälber!".  Auf die Frage, was denn diese PTT-Montur zu bedeuten habe,  erklärte "Pater Ambros": "Weisst Du, lieber Mitbruder, heute ist es sehr schwierig, die Leute überhaupt noch in die Kirche zu bekom-men. Dann muss man eben auf die Leute zu­gehen. Da dachte ich mir, als Pöstler komme in jedes Haus und in jede Wohnung...“. Eine hervorragende Idee fand das der Pastor. Darauf müsste einer erst einmal kommen. Genial!  usw.  - Bis heute ist aber unbekannt geblieben, wie der geistliche Mitbruder aus dem Mit-telland reagiert hat, als „Pater Ambros" seine wirkliche Identität lüften musste.

Vor einigen Wochen traf ich "Pater Ambros" an einem Sonntagmorgen zu einem kühlen Trunke im „Steinbock“ einer grösseren Glarnergemeinde. Zwei Bauern-frauen, die aus dem Gottesdienst kamen, traten ebenfalls ins Wirtshaus. Da ich sowohl diese, als auch „Pater Ambros“ persönlich kannte, stellte ich ihnen höfli-cherweise auch den "Pater Ambros" vor. "Hoo? Grüäzech, Herr Paater!" Und sie setzten sich an den gleichen Tisch. "Liebe Mitschwestern, der Friede sei mit Ihnen !" Und er machte ein Gesicht wie ein Exerzitien­meister. Da er nur im Polo-hemd und in leichter Sommerhose dasass, meinte er: "Wissen Sie, unser Orden hat die Regeln etwas gelockert, so dass wir bei dieser Hitze etwas sportlich ausgehen dürfen." Als die beiden Damen Albertine und Rosa wissen wollten, in welchem Orden denn der Herr Pater sei, wich "Pater Ambros" etwas aus, be­kannte aber, er sei in ein Zisterzienserkloster in der Nähe von Freiburg strafver-setzt worden, weil er einer frommen Gläubigen zu tief in die Augen geschaut hätte. Mit dem Zölibat sei nicht zu spassen, und er sei halt auch nur ein Mensch. Die beiden Frauen guckten sich verstohlen an und kicherten diskret. Doch "Pater Ambros" fuhr mit einem Wort­schwall, ja,  fast mit einer  Sonntagspredigt weiter.

Er berichtete von seinem kürzlichen Wirken als Werkpriester in Monaco. Er hätte die schrecklichen Schicksale in der Spielhölle gesehen, wo Leute ihr ganzes Ver-mögen, Haus und Hof verspielt hätten. Man könne sich nicht vorstellen, welchem grenzenlosen Elend er begegnet sei. Und er sog die eigene Ergriffenheit mit ei-nem langgezogenen „Jaaaaa!“ wieder in seine Lunge hinein. Die Frauen sperrten ergriffen Mund und Augen auf. Es gebe dort einen Selbst­mörderfriedhof für ver-zweifelte Spielschuldner. Am Ausgang des Casinos stünden zwei Herren in Schwalbenfräcken. Auf Silberplatten böten sie Pistolen an. Nach dem Gebrauch bekomme man das Depot wieder zurück.... Mit solchen Räubergeschichten un-terhielt "Pater Ambros" die allmählich zweifelnden Frauen. Als Albertine miss-trauisch meinte: "Aso, Sie , Herr Pater, Sie erinnern mich an einen Be­kannten, der in B. bei der Post arbeitet!" - "Hoosoo? Noch nie ge­hört, den kenne ich nicht!" Doch lange ging es nicht mehr, bis sich "Pater Ambros" doch noch zu erkennen geben musste. Dann aber, wurde die Begegnung erst recht zum Mordsgaudi.

 

Ein Original hatte in unserer ernsten und humorlosen Welt mit seinen Streichen und Maskeraden zur Heiterkeit beigetragen. Und das sind nur zwei seine unge-zählten Episoden der Verstellungskunst.

 

Sollte man sie nicht unter Heimatschutz stellen, die wenigen Originale, die es noch gibt oder die sich noch getrauen, Originale zu sein ?

 

                                                                                           Bis bald! Ihr Pankraz F.

 

Erschienen in "Fridolin", Schwanden, Nr. 36, 5. September 1996.


Weihnachtsstimmung an der Näfelser Fahrt. Kirsty Stephenson, Tele Südostschweiz, erhält den vom  Fridlibund kreierten "Fridliknopf"(Badge) und versucht ihn mit klammkalten Hän-den anzustopfen. Sie hat mit ihrer Fahrtsreportage Wind und Wetter getrotzt und eine sehr schöne Visitenkarte der "Näfelser Fahrt 2019" geschaffen.

 

Ein Feiertag mit viel Brauchtum und Tradition, bei dem viel Volk  in einer Prozession von Glarus nach Näfels marschiert, dorthin, wo die Glarner im Jahre 1388 die Schlacht an der Seite von Urnern und Schwyzern die Habsburger besiegt haben.

 

--> https://www.suedostschweiz.ch/sendungen/2019-04-04/weihnachtsstimmung-an-der-naefelser-fahrt

 

Live-Berichterstattung vom Fridlibund an der Näfelser Fahrt, 4. April 2019, Tele Südostschweiz.

Kirsty Stephenson fing in Schneegestöber und Regen für Tele Süd-ostschweiz für eine "Fahrt" einmalige, winterliche Bilder und Szenen ein. Ihre trotz Kälte, Schnee und Regen eingeholten Filmszenen wurden zu einem gekonnten Beitrag geschnitten, der eine ein-malige Visitenkarte für eine Ausnahme-"Fahrt", die im wesentlichen in der Hilariuskirche abgehalten wurde. Der "Frid-libund" freut sich, wegen seines erstmaligen gemeinsamen Auftritts mit 81 Teil-nehmern mit dem speziell kreierten "Fridli-knopf" (Darstellung Frido-lin auf Schlachtbanner 1388, Original im Freulerpalast) auftraten, dabei prominent darge-stellt worden zu sein. (Foto: oben Markus Hauser, Zug, Porträt Tele Südostschweiz).


Donnerstag, 4. April 2017 Näfelser Fahrt

 

Fahrtsrede im Schneegestöber

 

Frau Landesstatthalter Marianne Lienhard

hielt ihre erste Fahrtsrede

Marianne Lienhard, Frau Landesstatthalter, Pressefoto SVP Glarus

 

 

Hochgeachteter Herr Landammann

Hochvertraute Mitlandleute

 

Der sternenklare Nachthimmel in den ersten Stunden des 9. April 1388 verhiess einen sonnigen Frühlingstag. Um vier Uhr früh wurde es im österreichischen Lager zu Weesen lebendig. Da nur eine schmale Brü-cke über die Maag ins Riet hinüberführte, musste man zeitig aufbrechen. Ein langer Zug von 600 Reitern und 5000 Mann Fussvolk wand sich beim Tagesgrauen den Karrenweg hinauf gegen Näfels. In Sturmschritten eil-ten die Glarner Mannen in Scharen nach Näfels, eine Sorge nur im Herzen: Kommt unsere Hilfe noch zur rechten Zeit? Bald war das Wun-der geschehen. Wo der Blick hinwandte, überall flüchtete das stolze ös-terreichische Heer. Jetzt war der Weg zur völligen Freiheit geebnet“.

Nach unermüdlichem und stetem Widerstand gelang dem Glarnervolk die Vertreibung der fremden Herrscher. Der überwältigende Sieg über den übermächtigen Gegner war eine wichtige frühe Wegmarke im Lande Glarus. Erinnern wir uns am heutigen Tag an dieses blutige Ereignis, das uns den Weg in die Freiheit ebnete.

Die Geschichte lehrt uns, dass der Schlacht bei Näfels noch viele Strei-tigkeiten folgten. Die Schweiz mit den bekannten Institutionen und den zentralen demokratischen Elementen besteht erst seit 1848.

Es liegt gerade im Wesen der Demokratie, dass sie gelebt und gepflegt werden muss. Bezogen auf unseren Kanton haben es die Stimmbürger mit ihren Volksentscheiden an der Landsgemeinde immer wieder bewie-sen, notwendige Anpassungen herbeizuführen. So wurde der Antrag auf Reduktion zu nur noch drei Einheitsgemeinden von einem Bürger ge-stellt.

Beobachtungen über unsere Landesgrenzen hinweg lassen Fragen auf-kommen: Weshalb gehen in Frankreich unzufriedene Bürger mit alltäg-lichen Anliegen auf die Strasse? Von anfänglichen Scharmützeln hat sich daraus bald eine Protestbewegung mit System entwickelt. Sie nennt sich „Gilets jaunes“ und kämpft für einfache Bürgeranliegen wie sichere Ar-beitsplätze, mehr Kaufkraft oder tiefere Steuern. Diese Menschen leben in peripheren Gebieten und fühlen sich nicht gehört. Sie haben genug von leeren Versprechungen der Politiker, die keine Verbesserungen ihrer Lebenssituation herbeiführen. Anscheinend verblieb ihnen keine andere Wahl, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Erst die anhaltenden Proteste erwirkten höchste Aufmerksamkeit. 

Nur, was haben sie damit erreicht? Es schien, als müsse die franzö-sische Regierung erst einmal die Sprache lernen, in der sie sich mit der Bevölkerung verständigen wollte. Die "grosse nationale Debatte", vom Staatspräsidenten selber angeschoben, kann als spontane und löbliche Reaktion auf die Proteste bezeichnet werden. Mittlerweile ist eine im-mense Fülle an Vorschlägen eingegangen. Es wird sich zeigen, ob über-haupt spürbare Änderungen in absehbarer Zeit herbeigeführt werden können.

Zurück zu den Befreiungsschlägen vor 630 Jahren im Lande Glarus. Bereits damals taten sich die Männer von Glarus zusammen und sand-ten Signale in Richtung ihrer Herrscher aus. Das Volk fühlte sich von den habsburgischen Vögten nicht verstanden.

Voraussetzung für ein Zusammenleben der Gesellschaften ist ein funktio-nierendes Staatsgebilde. Steht aber für die Politik nur der Machterhalt im Vordergrund, werden die Anliegen der Bürger nicht erhört. Dies ist ein Phänomen, das sich immer wieder zeigt, was die Bürger aber je länger, umso weniger hinnehmen. Sie suchen nach Ventilen, um ihr Unverstän-dnis zum Ausdruck bringen können. Glücklicherweise wird die Schweiz seit langem von gewalttätigen Bürgerprotesten verschont, wohl auch deshalb, weil ihr mit der direkten Demokratie andere Mittel zur Verfügung stehen, um sich politisch einzubringen.

Als bedeutendes Ereignis der Nachkriegszeit möchte ich die deutsche Wiedervereinigung erwähnen. Die Faszination der kommunistischen Staaten im Osten von Europa ist heute noch – oder wieder - gegenwär-tig. Es ist auch heute noch erlaubt zu staunen, wie dieses durch Politik und Wirtschaft verflochtene System aufgebrochen werden konnte. Was anfangs der 80iger Jahre noch undenkbar schien, wurde 1989 zur Reali-tät. Die freiheitlichen Einschränkungen wollten die Menschen einfach nicht mehr hinnehmen. Mit anfänglichen Protestbewegungen von Minder-heiten konnte bald ein ganzes Regime zu Fall gebracht werden.

„Damit Protest in der Breite wirksam wird, müssen die Menschen auch im Internetzeitalter auf die Strasse gehen.“ Zu diesem Ergebnis kommt der Historiker Professor Philipp Gassert in seiner Studie zu den Protestbe-wegungen in der Nachkriegszeit in Deutschland. Aus dieser Aussage lässt sich schliessen, dass klare Botschaften einer Menschenmenge er-hört werden. Protestbewegungen dienen als Waffe, um Druck auf ein po-litisches System auszuüben.

Noch wissen wir nicht, wie es mit den „gilets jaunes“ ausgehen wird, doch allein die Tatsache, dass sie von der Politik erhört worden sind, werden sie als ersten Erfolg verstehen. Die Protestbewegungen sind aus dem Nichts entstanden und haben Spuren hinterlassen. Sie sind Bestandteil einer Demokratie. Es lässt uns ins Bewusstsein rufen, dass nicht Macht die Politik bestimmt. Nein, das Volk bestimmt die Politik. Problematisch ist meines Erachtens allerdings, dass Gewalt notwendig war, damit die Meinungen erhört wurden. Ziel der Politik und eines demo-kratischen Staates sollte gerade sein, diese Bedürfnisse früher und ge-waltfrei aufzunehmen.

Was denken Sie als Bürger der Schweiz, des Kantons Glarus, einer Glarner Gemeinde zu Ihrer politisch Mitwirkung? Sie haben das Recht, sich bei Abstimmungen und Wahlen zu äussern. Sie haben aber auch die Möglichkeit aktiv mitzuwirken. Speziell im Landsgemeindekanton Glarus steht jedem Bürger das Recht zur Antragsstellung zu. Kein anderes Land kennt Volksrechte in dieser Ausprägung.

Manchmal mag es wohl auch etwas eigenartig anmuten über Initiativen abzustimmen. Doch nur schon die Aussicht, jederzeit einen Sachverhalt an die Urne zu bringen, wirkt als Ventil gegen Unmut im Volk. Gewiss wäre die Enttäuschung über das politische System in unseren Nachbar-ländern kleiner, wenn sie dort über Rentenreformen, Steuergesetze, Zer-siedelungsinitiative oder Zweitwohnungsbeschränkungen abstimmen könnten.

„RIC“ wurde rasch zum unübersehbaren Kürzel in Frankreich. Das revolutionäre Ansinnen ein Bürgerreferendum in einem Zentralstaat ein-zuführen, wird mittlerweile von mehr als 60% der Franzosen unterstützt. Diese Stimmung gibt ein Bild darüber ab, wie sehr die Franzosen der politischen Klasse misstrauen. Es ist anzunehmen, dass sich die Vorden-ker an den Volksrechten der Schweiz orientiert haben.

Es ist wohl vermessen zu glauben, das direktdemokratische System Schweiz könnte das zentralistische Frankreich aus der Sackgasse führen. Zu verschieden ist die Geschichte unserer Staaten. Macron meint sogar, das eidgenössische Modell sei nicht auf sein Land übertragbar, die Schweizer seien fähig, eine Vorlage wie ein Mindestlohn von 3000 Euro an der Urne abzulehnen. Die direkte Demokratie scheint an-spruchsvoll zu sein und setzt eine gewisse politische Reife voraus, die nicht von heute auf morgen erreicht werden kann.

Die Botschaft, die Meinung des Volkes aufzunehmen ist aber in Paris angekommen. Bemerkenswert, was diese Bewegung einer Minderheit in Gang gebracht hat. Damit eine bessere Mitbestimmung der Bürger ge-lingt, werden wohl einige Politiker über den eigenen Schatten springen müssen und einen Teil ihrer Macht in die Hände der Bürger legen.

Es liegt mir jetzt aber fern, Ratschläge über unsere Grenze hinweg zu er-teilen. Auf das Volk hören und die demokratischen Rechte beachten, soll hingegen auch an meine und unsere Adresse erlaubt sein. Mit der Ent-wicklung unserer Gemeinden und des Kantons kommen wir nur weiter, wenn wir das Volk mitnehmen und es einbeziehen.

Pflegen wir mit unseren Rechten und Pflichten die demokratischen Wer-te. Seien wir dankbar, dass wir immer wieder zu den unterschiedlichsten Fragen an die Urne und an Versammlungen gerufen werden. Jede Stim-me wird erhört, auch diejenige von Minderheiten entfaltet ihre Wirkung. Nehmen wir den heutigen Tag zum Anlass und gedenken wir der Errun-genschaft unserer Väter, weiterhin als freie Bürger für das Land Glarus einzustehen.

In diesem Sinne bitte ich für Land und Volk von Glarus um den Macht-schutz Gottes.

Achter Gedenkstein (von elfen) an der Gerbistrasse/Hirzenplatz, liebevoll und originell geschmückt von Viertklässern der Primarschule Näfels (Lehrerin Frau Gentile)

(Foto: Rita Ming)


Mittwoch, 27. März 2019

 

Dekan und Pfarrer Harald Eichhorn wird sechzig!

 

Dekan und Pfarrer Harald Eichhorn mit Eichhörnli-Serviette. Bildaufnahme in der Bruder-klausenkapelle im Schwändital am 16. November 2018. (Foto: Rita Ming)

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Kleiner Steckbrief

 

1959 geboren in Süddeutschland / Bodenseegebiet

Theologiestudium

Primiz in Sarnen (Bischof Dr. Johannes Vonderach)

Vikar in Sarnen

Pfarrer in Unteriberg SZ (Einbürgerung)

Ab 2003 Dompfarrer, Domkustos und residierender Domherr in Chur

Ab 2013 emeritierter, residierender Domherr, Dekan und Pfarrer in Näfels

 

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Nur noch 5 Jahre bis zur AHV !

 

 

Lieber Harald

 

 Ein Eichhorn hüpft von Ast zu Ast

stets himmelwärts ohn’ Ruh und Rast

so schnell fast wie ein Affenzahn

als Domherr, Pfarrer und Dekan!

 

Der Mann ist gross und stark und breit,

fast schade für die Ewigkeit,

liebt Singen, Messen, Liturgie,

zu Schaffen macht ihm nur das Knie.

 

Er isst und trinkt und kocht auch gern,

und lobt dafür auch seinen Herrn;

Und ist er manchmal in der Hatz,

benutzt er seinen Untersatz.

 

Der ist wie er von noblem Schwarz.

Drückt er behend aufs Gas, dann fahrt’s!

Doch hin zu Sankt Sebastian

wirft sportlich er das Velo an.

 

Im Pfarrhof ist sein Domizil

mit Wohnung, Büros, Rösslispiel,

Dort führt er ja dann dergestalt

domherrlich seinen Pfarrhaushalt.

 

Er schmeisst mit Pep die Ortspfarrei,

auch Mollis ist ja auch dabei

und Chirezen und Schwändital

betreut er auch noch maximal.

 

Und als Dekan nimmt an die Hand

Pfarreien all er hier im Land.

Von Bilten bis nach Mühlehorn

von Linthal, Elmen bis nach vorn.

 

Er fusioniert das Kirchenblatt,

nicht nur ‘s Papier ist seither glatt.

Bemüht sich sehr um seine Zunft

als Dekanats-Zusammenkunft

 

Als Mitglied auch im Kirchenrat

gelingt ihm öfters ein Spagat

politisch und auch hierarchisch.

Drum ist es gut, dass er so schtarch isch.

 

Auch den Pfarreirat schätzt er sehr

für Apéro und Manches mehr.

Er hätt’ den lieben Kirchenchor

gern auf der Orgel statt im Chor.

 

Und wenn er jeweils ganz beschwingt,

das Halleluja innig singt,

dann bleiben Atem stocken

und keine Augen trocken.

 

Erfreulich freilich ist dann schon

die Freulergarten-Prozession,

die unser Dorbild sehr belebt

und alle Herzen hoch erhebt.

 

Die Kirche wirkt durch ihn gepflegt,

weil er mit Sorgfalt alles hegt.

Die Kerzenstöcke neu erglänzen,

mit Blumen lässt er all’s bekränzen.

 

Die Messgewänder und Talare

sind kostbar schön vor dem Altare.

Auf Kirchenbänken sind Broschüren,

die mit Novenen alle führen.

 

Auch hat von ihm schon manche Predigt,

gar viele Sünden schon erledigt.

Ob Sonne scheint und ob es regnet:

Schön ist es, wenn er uns auch segnet.

 

Denn Näfelser sind wahrlich Sünder

und werden durch ihn stets gesünder.

Denn nicht nur auf der Kirchenbank

ist heutzutage Vieles krank.

 

Wohl deshalb war es ganz geschickt,

dass Gott ihn just zu uns geschickt,

um hier im Rautidorf zu rackern

und dieses tüchtig zu beackern.

 

Eins darf man wirklich nicht vergessen:

Ein Pfarrer wird danach bemessen,

wie viel des Bösen er bezwingt

und Seelen in den Himmel bringt.

 

Bemessen wird dies nicht am Alter

und auch nicht an der Anzahl Psalter,

bemessen wird wie er als Hirt

mit seinen Schafen fertig wird.

 

Nur nebenbei sei hier erwähnt:

Du gehst seit heut’in siebt Jahrzehnt.

Das wären dann, wie wahr, wie wahr,

bis 100 nur noch 40 Jahr’

 

 

Nur fünfe noch, juhui und wow!

Dann gibt’s für dich auch AHV!

Nach weit’ren fünfen zur Belohnung

erhältst du eine Alterswohnung.

 

Mit 75 ganz normal

wirst du bei Nonnen Spiritual!

Die kommen dann mit ihren leichten

Vergeh’n und Sünden zu dir beichten.

 

Und ziehen weit’re Jahr ins Land

trittst du dann in den Ruhestand.

Darüber dann – beim Bart der Väter –

da reden wir vielleicht dann später.

 

Für heute sei das Glas erhoben,

zum Gratulieren und zum Loben.

Gesundheit, Glück und Gottes Gnade!

Das reicht, für mehr wär’ es zu schade!

 

Ä Grüäz ids Pfarrhuus und a p Bäsi

sehr häärzlich, Fridli Oschterhäsi. 

 

Pfarrherr und Domherr Harald Eichhorn mit seiner Ministrantenschar im August 2018

(Foto zvg)