Samstag, 13. Februar 2021

 

Patricia und Kurt Hauser-Stiftung "lux aeterna"

 

Rettung nach dem Eklat vor einigen Jahren

 

Die Affäre rund um die Weigerung eines Liegenschaftsbesitzers, die traditionellen Kosten für das Öl des "Ewigen Lichts" in der Pfarrkirche St. Hilarius Näfels zu tragen, ist eigentlich längst Vergangenheit. Dass aber ein grossmütiger Unter-nehmer und seine Frau aus der Not eine Tugend machten, ist weniger bekannt.

Kurt und Patricia Hauser-Hauser mochten die peinlichen Querelen, bei denen die Kirchenbehörden sogar gerichtlich abblitzten, nicht anhören und beschlossen, eine Stiftung zu schaffen, die die seit 1357 bestehende Tradition für die Zukunft sicherte. Die Stiftung wurde am 4. Juni 2013 gegründet.

Hier der Zweckartikel:

 

  1. Zweck (SHAB)

    Die Stiftung hat den Zweck, für das ewige Licht in der Pfarrkirche von Näfels sämtliche Kosten zur Anschaffung des Lichtöls, der Ölkerzen und dergleichen sowie alle Kosten für Reparaturen oder Ersatzanschaffung von Gegenständen, die dem Betrieb des ewigen Lichts dienen, zu übernehmen. Die Stiftung will die seit 1357 bestehende Tradition des ewigen Lichts von Näfels erhalten und weiterführen. Sie kann zudem pro Jahr höchstens einen Anlass mit einem finanziellen Beitrag unterstützen. Ein solcher Anlass muss vom Kirchenrat Näfels bewilligt worden sein und in der Pfarrkirche Näfels stattfinden. Die Stiftung ist gemeinnützig, sie verfolgt keine kommerziellen Zwecke und erstrebt keinen Gewinn.

 

Mit dieser Stiftung setzte das wohltätige Ehepaar nicht nur ein Ende der sonderbaren Debatte, sondern leistete einen beispielhaften Beitrag zur Erhaltung und Fortführung eines traditionellen Brauches. Angeblich geht dieser auf einen Mord oder Totschlag zurück und war ein Servitut auf der Liegenschaft "Bürstenhölzli", das aber offenbar gerichtlich nicht be-wiesen werden konnte.

Kurt Hauser ist Inhaber der renommierten Firma "Hauser Maler Näfels" und war bereits 1988 ein grossmütiger Sponsor, der die Fassade, Fenster und Fensterläden des Tolderhau-ses in der Dorfmitte im Hinblick auf das Jubiläum "600 Jahre seit der Schlacht bei Näfels" (1388-1988) gratis und franko mustergültig renovierte.

 

Das Unternehmen unter Leitung von Sohn Thomas Hauser, Verwaltungsratspräsident, kann in diesem Jahr das 80-jährige Bestehen feiern (1941-2021).


Montag, 1. Februar 2021

 

Trouvaille

Unser Lehrer Arnold Krieg* schreibt

in der "Schweizer Schule"

 

 

 GLARNER SCHABZIGER

von Arnold Krieg, Näfels

 

Es mag wohl zur Ausnahme gehören, daß ein typisches Produkt kulinarischer Observanz in einer Erzieherzeitschrift zu Worte kommen darf. Der Glarner Schabzieger darf sich diesen kleinen Seitenhupf im Trubel der Zentenariumsfeierlichkeiten schon erlauben, denn wenn er sein Jubiläum ankündigen könnte, dann schriebe er es sicher mit einer Zahl, die um 1000 Jahre herumginge.

 

Der Glarner Ziger ist denn so mit dem Lande Fridolins verwachsen, daß er bei Behandlung dieser Talschaft auch in der wirtschaftlichen Erörterung immer zum Worte kommen muß.

 

Die Geschichte des Produktes läßt sich in seinem Ursprung wohl in folgender Version am besten erklären:

 

St. Fridolin, der heilige Glaubensbote, hatte am Rhein drunten das Stift Säck-ingen gegründet. Um die Zeit der ersten deutschen Kaiser kam die Talschaft des obern Linthlaufes an dieses Nonnenstift, und die Bergler mußten ihre Alp-produkte jeweilen im Herbst dahin abliefern. Darunter war auch der weiße Ziger als Abgabe enthalten. Wahrscheinlich wird es da einer Klosterfrau ein-gefallen sein, die weiße Zigermasse mit dem »Stundenkraut« zu vermengen, und der Glarner Schabzieger war erfunden. Das Rezept wanderte als gei-stiges Eigentum mit den Zins- und Lehensträgern in die Talschaft der Linth, und diese blieb bis dahin das einzige Produktionszentrum.

 

Daß gerade nur im Glarnerlande in der Weise der weiße Ziger verarbeitet wu-rde, läßt der obigen Geschichtsversion umso mehr Gewicht zukommen. Kaum hatten die Glarner die Freiheit erfochten, so öffneten sich ihnen die Tore der Handelswelt. Die wichtige Handelsroute über die Bündnerpässe von Süd-deutschland her tangierte die Gemarchungen des Gebirgslandes beim Walen-see. Mit dem »gustigen Kräuterkäse« zogen die Sennen auf die nahen Märkte von Lachen, Weesen, Uznach und Zürich und fanden dabei guten Absatz.

 

Schon im Jahre 1463 erließ der Rat zu Glaris folgende Verordnung an die Bauern und Sennen, die Zieger fabrizierten:

 

Es soll jedermann sin Ziger, die er will verkofen, suuber und guet machen, wohl stampfen und salzen und wohl inschlahn, und wer das nüt endätti, den soll manstraffen. Und sol auch jecklicher sin gewondtlich Zeichen druf than, eh er sin Ziger von handen geb, umb das, wann Jemen nüd guet Ding machte, das man es muge innen werden, wer das gethan hab. Und wer sin Ziger unge-zeichnet von Handen geb, der ist um jecklichen Ziger den Landlütten ein Pfund in Bueß verfallen.

 

Mit dem Fortschritt der Technik trat dann im 17. und 18. Jahrhundert eine Tei-lung der Fabrikation ein. Der Bauer wurde zum Rohzigerlieferanten, während an die zahlreichen Wasserläufe die bekannten Zigerribenen gestellt wurden. Die Zigermanndli, wie sie vor Jahrzehnten noch durch unsere schweizerischen Gauen zogen und mit träfen und humorgeladenen Sprüchen ihre Ware an den Mann brachten, zogen damals schon mit der Meiße (Tragräf) talauswärts. Auf dem Rücken des Linthlaufes trug das Schiff die Talprodukte bis hinunter nach Holland und Belgien und hinüber nach England und der Nordsee- und Ostsee-küste hin, und heute noch findet man just in diesen Gebieten die besten Ab-satzzentren. Jahrhundertealte Käufertradition ist erhalten geblieben.

 

Wie  das Produkt verarbeitet wird

Mit dem Alpaufzug beginnt die Arbeit des Zigerns. Der Senn rahmt die Milch ab und stellt die herrliche Alpbutter her. Aus der »blaben Milch« scheidet er die Eiweißsubstanz durch eine Gärung aus. Der weiße Ziger wird in Fässer ge-bracht und macht einen ersten Reifegang durch, der zirka vier bis sechs Wo-chen dauert. Der Senn verpackt diesen Rohzieger in starke Säcke und schlit-telt ihn in die Zigerribi ein. Da wird der Rohziger durch die Zugabe von Salz einem zweiten Gärungsprozeß unterzogen. Ist der Ziger im Silo reif geworden, so wandert er in den sogenannten Kollergang, in ein mächtiges Steinbecken, worin ein großer Mahlstein die Runden dreht. Das aromatische Zigerkraut, das in der March (Kt.Schwvz) hauptsächlich gepflanzt wird, vor dem Blühen geschnitten und im Schatten getrocknet wird, vermengt sich mit dem Zigerteig. Ist das Kleekraut mit der Rohzigermasse genügend vermischt, dann wandert der Teig in die Stöcklimaschine oder die Stöcklistände. Maschinell und auto-matisch füllen sich die Gußformen, und der »Stöcklibueb« stellt die grünlichen Zigergüpfli in Reih und Glied auf wie Soldaten auf dem Exerzierfelde. Mit dem Fabrikationsstempel versehen, in Papier gewickelt wandert das Produkt hin-aus in die Welt und berichtet von der Gewerbetüchtigkeit eines Bergvölkleins, von dem Fleiße, aber auch von der Initiative seiner Arbeitgeber und Arbeit-nehmer, Ziger-Reiber (Buchdruckerei Tschudi, Glarus) denn heute kann das Produkt in verschiedenen Formen gekauft werden. Ja, die fertige »Lussalbe«, Anken und Ziger vermischt, ist die neueste Errungenschaft auf diesem Ge-biete, und wenn die ersten neuen Kartoffeln auf dem Tische dampfen, dann schmecken sie nochmals so gut, wenn die Glarner Essenz dazu kommt.

 

Zwingli und Gilg Tschudy schenkten ihren Freundeskreisen diesen speziellen Alpkäse, und die Beschenkten dankten in Briefen für diese Aufmerksamkeit. Heute aber ist der Ziger wohl meistenorts heimatberechtigt geworden und ge-rade deshalb auch geblieben, weil er als Hausheilmittel eine gute Referenz besitzt.

Möge es immer so bleiben, denn die Güte des Produktes baut auf jahrhun-dertealter Tradition auf und hat mit den hygienischen Forderungen der Gegen-wart Schritt gehalten.  A. K.     

 

Quelle:

Krieg Arnold, Der Schabziger, Schweizer Schule, 39 (1952), Heft Land und Volk von Glarus / Ziel und Taten des KLVS                                                                   

 * Arnold Krieg war viele Jahre Lehrer an den Dorfschulen in Näfels. Ich selber habe bei ihm die 1. und 2. Primarklasse anno 1946/47 besucht.

 

(Ich habe im Text den mit ie geschriebenen Zieger als "Ziger" aufgeführt. Ausnahme Bildlegende obiges Bild.