Donnertag, 7. April 2022

 

Eine denkwürdige, wunderbare Näfelser Fahrt 2022

7. April 2022 Näfelser Fahrt

 

Fahrtsrede von Frau Landammann Marianne Lienhard

Hochgeachteter Herr Landesstatthalter

Hochvertraute liebe Mitlandleute

Liebe Gäste

  

«Sempach und Näfels waren für die Habsburger eine Katastrophe, für Glarus Zeichen einer neuen Zeit.» Dieses Zitat von Rolf Kamm befindet sich im neuen Glarner Heimatbuch.

 

Mit der Schlacht bei Näfels wurde für Glarus nicht sofort alles gut. Weitere Verträge,  aber auch Schlachten folgten dem Jahr 1388. Glarus war weiterhin Un-tertanenland von Habsburg. Nach den Burgunderkriegen (1474 – 1478) bekam Glarus schliesslich auch einen besseren Bund. Dieser wurde auf 1352 zurück-datiert, weshalb diese Zahl bis heute den Beitritt Glarus zur Eidgenossenschaft markiert, obwohl es diese Eidgenossenschaft 1352 noch gar nicht gab.

 

Bis dann aber die Demokratie nach unseren Vorstellungen eingeführt wurde, dauerte es noch mehrere hundert Jahre, während denen Glarus immer wieder vor Herausforderungen stand. Aussenpolitische wie innenpolitische Unruhen haben das Land Glarus mehrmals auf die Probe gestellt.

 

Erst seit rund 175 Jahren kennen wir die heute gültige demokratische Ordnung mit Rechten und Pflichten für die Bürger. Diese doch erst kurze Dauer könnte die Vermutung aufwerfen, die Demokratie sei eine sehr anspruchsvolle Form des Zusammenlebens. Die Macht in die Hände der Bürger zu legen und die Vielfalt an Meinungen zuzulassen, findet sich in der demokratischen Ordnung. Also das Resultat, für welches unsere Vorfahren hunderte von Jahren seit Sempach und Näfels gekämpft hatten.

 

Die freie Meinungsäusserung, die Teilhabe an der Politik ist für uns ganz selbst-verständlich. Wir leiten daraus unsere Freiheit und unsere Wertevorstellung ab und erliegen der Versuchung zu glauben, das bleibe ohne Zutun bestehen.

Freiheit ist eine dynamische Bezeichnung, die stets erneuert werden muss und wofür es den Einbezug der gesamten Bevölkerung braucht: Arme und Reiche, Gesunde und Kranke, Frauen und Männer, Kinder und Betagte.

 

Gerade diese Tage blicken wir sorgenvoll nach Russland, in die Ukraine und in den Osten von Europa. Die täglichen Meldungen erinnern mich an meine Ju-gendzeit. Es war die Zeit des kalten Krieges. Die Differenzen zwischen dem Machtblock im Westen und demjenigen im Osten wurden damals durch die sich gegenseitig aufschaukelnde Aufrüstung mit Atomwaffen ausgeglichen. Die west-liche Weltvorstellung mit Amerika in der Führung lag uns näher als die ausstrah- lungslose kommunistische Ordnung im Einflussbereich der Sowjetunion. Dieses Bild hat sich in meinem Kopf eingeprägt.

 

Als dann anfangs der 90iger Jahre der eiserne Vorhang fiel, war die Erleichterung in Europa gross. Die kommunistische Sowjetunion zerfiel und dem Warschau Pakt schien damit ein Ende gesetzt zu sein. West und Ost haben mit den Ab-rüstungsverhandlungen eine neue Balance angestossen. Die westliche Werte-vorstellung mit Demokratie und persönlichen Freiheitsrechten weitete sich nach Osten aus und ihr folgten für einen wesentlichen Teil der Bevölkerung wirtschaft-liche Unabhängigkeit und Wohlstand.

 

An der Grenze zu Europa entstanden die baltischen Staaten, Belarus und die Ukraine, Moldawien, Georgien und noch einige mehr. Moskau blieb aber das Machtzentrum in Russland.

 

Die meisten dieser Staaten verfügen über grosse Rohstoffreserven und über eine hohe Produktivität der Agrarwirtschaft. Sie waren und sind Garant für den Aufbau und den Erhalt einer autonomen Volkswirtschaft, auch wenn die diktatorischen Machtverhältnisse nicht überall vollständig überwunden wurden.

 

Doch der Glanz von Glasnost und Perestroika ist nach aufblühenden Jahren am Verblassen. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich der russische Machtzirkel um Machthaber Putin mit einer Wiedervereinigung der slawischen Völker.

 

Mit dem Verständnis der östlichen Weltordnung lauert aus russischer Sicht eine westliche Übermacht vor seinen Toren und dort, wo diese unterschiedlichen Welt-anschauungen aufeinanderprallen, gibt es leider kriegerische Auseinanderset-zungen.

 

Ein Krieg, der es in dieser Aggression und Brutalität in unseren Vorstellungen nicht gab. Wir fragen uns nach dem Sinn dieses Überfalls auf einen souveränen Staat und wir verstehen die Vernichtung von Städten, Kulturen und Ländereinen überhaupt nicht. Unfassbares Leid fällt über ein ganzes Volk.  

 

Um eine Antwort zu finden, hilft einen Blick in die Geschichtsbücher. Streben nach Macht lässt sich in allen Epochen der Menschheit finden. Die Macht, um Besitze mit einer Gier durchsetzen, die nach realem Denken nicht existieren kann, hat in allen Zeitepochen zu Krieg geführt.

 

Soweit wir an dieser Stelle auf die Habsburger Zeiten zurückkommen und dabei die aufgeklärte Gesellschaft ausblenden, ging es dem Glarnervolk damals auch um Befreiung von machtsüchtigen Vögten. Das Glarnervolk ist für seine Freiheit eingestanden und hat Eigenverantwortung übernommen. Vielleicht ist es einfach nur Glück. Ich bin überzeugt, nicht nur, denn die Machtkonzentration in die Hände des Volkes zu legen, hält uns ziemlich sicher von Machtgelüsten ein paar weniger ab.

 

Unser Wohlstand treibt uns an, Solidarität gegenüber den Kriegsgeschädigten zu zeigen und ihnen in der Schweiz Schutz zu bieten. Ich bin überwältigt, von der grossartigen Hilfestellung aus der Bevölkerung. Diese stärkt die Motivation der Behörden, in dieser kurzen Zeit Hilfeleistungen bereitzustellen.

 

Jede Fluchtbewegung hat eine eigene Geschichte geschrieben. Mit ungarischen und tschechischen Flüchtlingen suchten bereits einmal Menschen aus dem Osten Europas Schutz in der Schweiz. Die Schweizer Bevölkerung zeigte damals eine ähnlich hohe Empathie. Auch im Jahre 1964 erfolgte eine grossherzige Aufnahme von Flüchtenden aus dem Tibet, auch bei uns.

 

Dem gegenüber verlief die letzte Flüchtlingskrise vor nur wenigen Jahren deutlich kühler. Weshalb diese Willkommenskultur in der Schweiz innert kurzer Zeit eine ganz andere sein kann? Diesem Wandel auf den Grund zu gehen, verlangt wohl von uns einen Blick in den Spiegel. Der Krieg ist nicht nur gegen die Ukraine gerichtet, er ist gegen die westliche Welt gerichtet, womit wir ebenfalls betroffen sind.

 

Ungeachtet allem wenden wir uns dem Kremelregime ab. Viel zu stark wird eine Ideologie (und diese entspricht im Geringsten nicht der unsrigen) mit einem Machtzentrum verbunden, welches wir kategorisch ablehnen.

 

Erschüttert über das Leid können wir nur hoffen und beten für die schwer be-troffenen Menschen in der Ukraine.

 

Liebe Mitlandleute, sind wir dankbar, den heutigen Gedenktag in Frieden be-gehen zu dürfen. Nutzen Sie die Möglichkeit der Andacht aber auch die Ge-selligkeit.

In diesem Sinne bitte ich für Land und Volk von Glarus um den Machtschutz Gottes.

 


Dekan und Pfarrer Peter Hofmann, Schwanden, auf der Schneisingenwiese (Foto: Raphael Rauch, kath.ch)

Fahrtspredigt

von

Dekan und Pfarrer Peter Hofmann, Schwanden

 

 

 

Rückzug, ein guter Traum

 

 

Der Frieden von Gott sei mit uns. Amen. - Die Ukrainer kämpfen erbittert um Frei-heit. Ihre Vision ist das, was wir kennen. In seiner Videobotschaft sagte Präsident

Wolodymyr Selensky  an der Friedensdemonstration in Bern am 19. März:

 

Bevor ich zum Präsidenten geworden bin, habe ich meine Freunde gefragt, weshalb können wir nicht so leben wie Sie in der Schweiz? Auf diesem Niveau, mit diesen Lebensstandards, mit dieser Freiheit, auch mit solchen Gemeinden, wo wir ganz sicher sind, dass wir stark sind… Das wäre ein Traum für alle Menschen, erfolgreiche Menschen, nicht so erfolgreiche Menschen, das könnte ein guter Traum sein, damit die Ukrainer genauso wie die Schweizer spüren können, dass sie in freien Gemeinden wohnen, dass sie alle sich um den Wohl-stand kümmern. Das ist für Sie vielleicht eine ganz normale Sache, aber für uns sind das Reformen, das ist ein Weg, den wir gehen.

Seit den Freiheitskämpfen im Mittelalter sind die ethischen Anforderungen an die Völkergemeinschaft grösser geworden.
Möglichkeiten des Kampfes um Frieden und Freiheit und Möglichkeiten der Unterstützung gibt es zum Glück auch deutlich mehr als früher.

Heute ist der Donnerstag der 5. Woche der Fasten- und Passionszeit. In diesen Tagen machen wir uns bereit für den Frühling und für Ostern. Selten tönt eine Aussage wie jene des Mannes von Nazareth so aktuell wie diese (Mt 20,25):

Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Grossen ihre Macht gegen sie einsetzen.

Gleichzeitig bricht im stillen österlichen Triumph des Auferstandenen Hoffnung auf. Mir Mänschegschöpf sind trotzdem glunge. Und d Welt, womer beiflussed, glingt au.

ER ist in seinem Leben dafür hingestanden, dass sich die Umstände ändern müssen und ändern können. Mit Mittelmass hat er sich nie angefreundet. Alles musste aussergewöhnlich gross sein, ja fantastisch.
Er hatte nicht nur einen Traum, sondern unendlich viele. Die ganze Welt sollte farbig und hell werden. Gemütliches Familienleben? Fehlanzeige! Aus allen Menschen wird eine Familie, «one world». Andere hofften vielleicht auf Paarbeziehung. Der Wille Jesu war, alle zu umarmen.

 

Es gibt viele Hoffnungsgeschichten. Es sind keine dunklen, es sind helle Geschichten. Sie erzählen von einer Welt, die im Geburtsprozess steht.

 

Einmal mehr realisieren wir an einer Fahrt: Obwohl der heutige Brauch auf alte Zeiten zurückgeht, gibt es aktuelle Bezüge. Zum Schluss eine Erinnerung. Und ich erlaube mir, sie weiterzuspinnen. Es war zehn Jahre nach der Gründung unseres modernen Bundesstaates, als der Linthaler Pfarrer Bernhard Becker in seiner Fahrtspredigt das soziale Elend der Arbeiter in den Glarner Textilfabriken anprangerte. Seine Predigt war damals Anstoss für die damals schweizweit erste Fabrikgesetzgebung.

 

Hochverehrte Frau Landammann! Geschätzte Damen und Herren Landräte!

 

Es braucht heute neue Schutzmassnahmen als Antwort auf die vielfältigen Her-ausforderungen in der Spätmoderne. Als Geistlicher, der sich mit der Seele und ihren Stimmungen beschäftigt, finde ich es richtig, wichtig, alle Arbeitnehmer bekämen vom Gesetz her nach einer bestimmten Zeit der Treue gegenüber ihrem Arbeitgeber einen bezahlten Rückzug.

 

Liebi Mann und Fraue!

 

Auf dem Sterbebett möchte ich einmal nicht bereuen müssen, vor lauter Karriere mein Lebensziel verpasst zu haben. Welchen Wäg im Löäbe iischlaa? Sich Zeit nehmen für diese Frage - und nicht einfach immer drauflos rennen.

 

Ich träume von einem längeren Rückzug vom Arbeitsprozess für alle Menschen. (Wie die Mutterschaftsentschädigung und der neu geschaffene Vaterschafts-urlaub könnte dieses Time-Out über die Erwerbsersatzordnung finanziert wer-den.)

 

Mini Chile isch de Ziit i dere Bezieig e chli vorus.


Für uns Angestellte gilt:

 

Eine persönliche oder dienstliche Standortbestimmung stellt Weiterbildung dar, ebenso die spirituelle, nicht zielgerichtete persönliche Regeneration.

 

Was für eine Wohltat: Wir müssen und können nicht immer irgendetwas machen und produzieren. Doch nicht nur Angestellte bei der Kirche (und allenfalls noch Lehrer) brauchen einen solchen Rückzug auf einen Rastplatz, sondern Berufsleute in den Familien ebenso wie die Berufsleute in Dienstleistungs-etrieben, Industrie, Verwaltung, der ganzen Schweiz.

(Mit Verlaub: Lieber verzichte ich ein paar Monate auf einen von euch, lb. RR, als dass Ihr mit einer Altersgouillotine bestraft wärded.)

 

Spinnen wir die skizzierte Geschichte weiter!
Es soll eine helle, eine ganzheitliche Geschichte werden…
Wie wir uns mit klaren Konzepten um die seelische Wohlfahrt von allen kümmern. Wie wir nicht nur vom russischen Rückzug träumen, sondern an unserem eige-nen Rückzug schaffed.

Wie wir endlich einmal aufschnaufen, uns zurücklehnen, temporär Einfluss und Macht aufgeben; wie wir uns einmal so richtig fett auf einem schönen Rastplatz wühlen – wie die ehemalige Karrieresau / Kampfsau (zeigen).

Die Sau (vo Sigikit) läbt i mim Hushalt, sie wäiss: Ohni Rückzug isch s Läbe en äinzige Kampf & Stress.

 

En Stress, wo au na viel kostet!

 

Näbed Gsundheit au $ - de arbeitsbedingt Stress bedütet für d CH Betrieb einen Produktivitätsverlust von 6.5 Milliarden Franken pro Jahr*) - 6.5 Mia. Franken, das ist gleich viel, wie wenn alle 36 neuen Kampfflugzeuge F-35A, welche die Schweiz kaufen möchte, jedes Jahr alle zusammen abstürzen. -- Kä Zahle vo Lingge!

 

Es Time-Out! En Rückzug!

Liebi Mitlandlüüt - das isch en gute Traum! Für erfolgreiche Menschen + nöd so erfolgriichi. Amen.

Danke für Ihri Ufmerksamkeit. Passed Sie uf sich au. Amen.

 


Mittwoch, 6. April 2022 (Vorabend der Näfelser Fahrt)

 

Kleine Fahnenallee des Fridlibundes

 

Nach zwei Jahren wieder eine "normale" Fahrt

 

Nach zweijährigem Ausnahmezustand, Fahrt 2020 abgesagt, Fahrt 2021 nur in kleiner Form, findet morgen wieder eine "normale" Fahrt statt, Aus Freude über diese "Normalität" dachte sich der Fridlibund etwas Besonderes aus. Bereits im Vorjahr fiel ein Vorstoss beim Bereich Kultur der Gemeinde Glarus Nord auf nahr-haften Grund. DIe Gemeinde sollte die Anwohner deds Fahrtsweges ermuntern an der Fahrt ihre Häuser zu beflaggen mit Fridlifahnen, Schweizerfahnen und Dorffahnen. Die Gemeinde bewilligte dann aus Anlass zum 10-Jahr-Jubiläum der fusionierten neuen Gemeinde Glarus Nord Dorffahnen 1 x 1 m und verkaufte sie zu einem Vorzugspreise von 20 Franken.

Unser Anliegen, den Anwohnern des Fahrtsweges Fahnen und Flaggen auszu-leihen und sie zu ermuntern am Fahrtstag zu beflaggen, konnten wir dank der Freundlichkeit Gemeinde umsetzen, indem wir überzählige und ältere Flaggen leihweise verteilen durften. NIcht genug. Die Idee, von der Brücke in der Mühle zum Festplatz im Schneisingen eine kleine Willkommensallee mit Fahnen aufzu-

stellen, konnte umgesetzt werden. Die Gemeinde stellte sechs 1x1 Meter-Ge-meindefahnen leihweise zur Verfügung, wir holten bei der Staatskanzlei die Be-willigung ein und bekamen sie unter der Bedingungen, dass auch Fridlifahnen (Kantonsfahnen) dabei sein müssten. Wir kauften zwei Fridlifahnen und zwei Schweizerfahnen, bekamen von der Bauabteilung 10 Stickel, die sonst im Winter an den Strassenrändern gesteckt waren und umwickelten die orange Farbe mit schwarzen Bändern.

 

Nun musste nur noch stickelaufstellkundiger Mann gefunden werden, der die Allee im Schneisingen realisieren konnte. In der Person von Fridolin Bühler, Weesen, einem Mitglied des Fridlibundes, der sich als vielseitiger Landwirt ge-wohnt war, Pfähle einzuschlagen, wurde der Richtige gefunden, der mit den rich-tigen Werkzeugen ausgestattet war und sofort Ausführungsideen entwickelte.

 

So kreuzte er am Vormittag des der Fahrt vorausgehenden Tage mit Auto, An-hänger, Hebeisen. Holzschlägel, Messband, Meter, Bohrmaschine, Bockleiter, und Kabelbindern auf. Er rammte Löcher in das  weiche Wiesland, stellte die Stickel auf, bohrte ein Loch an der Stangenspitzer, damit der Kabelbinder nicht runterrutsche. Dann wurden die Fahnen angebracht und mit Kabelbindern be-festigt... und siehe nun flatterten Glarus Nord-, Glarner- und Schweizerfahnen im Wind.

Mühlebach mit Brückenkopf, hier wird auf die Näfelser Fahrt hin eine stegartige Brücke erstellt. Im Hintergrund Schneisigenwiese.


... und dann kam Fridolin Bühler und rammte die Stickel in den Boden.

Die Stickel stehen

...und siehe da die kleine Fahnenallee steht!

Fridolin präsentiert den Fridolin

Fahnenallee des Fridlibundes zum Empfang der Regierung, der Harmoniemusik, der Tambouren, des Militärs und des Fahrtsvolkes.


Montag, 11. April 2022

 

«Näfelser Fahrt» mit prominenter Zuger Beteiligung

 

 

Traditionell am ersten Donnerstag im April feiern die Glarnerinnen und Glarnern «Näfelser Fahrt». Das ist ursprünglich ein «Wallfahrt» zum Gedenken der gefallenen Glarner, Schwyzer und Urner der Schlacht bei Näfels am 9. April 1388, die gegen ein zehnfache Übermacht der Habsburger gewonnen wurde. Seit den heftigen Reformationswirren blieben die Neugläubigen 180 Jahre fern. Ab 1835 ist das Glarnervolk wieder in Minne an der «Fahrt», dem zweithöchsten politischen Glarner Feiertag. Nicht vergessen ist der Eintritt von Glarus und Zug 1352 in die Eidgenossenschaft. Diesmal waren Nationalrat Gerhard Pfister, Oberägeri, alt Ständerat Joachim Eder,Unterägeri, und a. Prorektor Gerhard Iten, Oberwil/Zug als Gäste eingeladen.

Zuger Prominenz an der «Näfeler Fahrt» v.l.n.r: Nationalrat Gerhard Pfister, Prä-sident «Mitte»-Schweiz, a. Gemeindepräsident Fridolin Hauser, Näfels, a. Ständ-rerat Joachim Eder und a. Pro-Rektor Gerhard Iten, Oberwil/Zug. 

(Foto Markus Hauser, Zug)


Freitag, 1. April 2022

 

 

APRIL

 

     APRIL

1.    APRIL

 

                 APRIL

 

                     APRIL

   

 

 

April! April! Äätsch!

 

oder

 

Woher kommt der Aprilscherz?

 

Irgendwann und irgendwo ist der erste Aprilscherz entstanden, bzw. haben sich Menschen scherzeshalber an der Nase herumgeführt. Doch wirklich wann und wo das passiert ist, wurde bislang nicht mit Sicherheit belegt

 

In meiner Kindheit fragten wir die Mutter mit Blick auf ihre Waden: «Ui, du hast ja eine Fallmasche!!!» Entsetzt dreht sie sich, um nach ihrer «Fallmasche» an ihren neuesten Strümpfen zu sehen. «Äätsch – eerscht Aprill, eerscht April!!» und die Mutter schnallte erst, dass sie hineingelegt wurde. Erst etwas pikiert, dann aber mit heiterem Gelächter und vielleicht auch mit Erleichterung reagierte sie auf die unerwartete Mitteilung.

 

Als Robert Holzer selig, ein origineller und einfallsreicher Mann, die Redaktion des «Glarner Volksblattes» übernommen hatte, legte er einige Leichtgläubige mit einem Aprilscherz herein. Im Volksmund hatte ihn jemand wegen seines Auftritts im Regenmantel, dunkler Frisur und meist einem Stumpen im Mund «Columbo» genannt, eine bekannte Inspektor aus der gleichnamigen Krimiserie. Auf jeden Fall war «Inspektor Columbo» weltbekannt. Besagter Robert Holzer hat von sei-nem Spitznamen Wind bekommen und schrieb im «Glarner Volksblatt». Im SGU (Sportzentrum Glarner Unterland) sei ein prominenter Filmschauspieler Peter Falk, alias «Inspektor Columbo» auf der Durchreise abgestiegen und erteile um dann und dann Uhr Autogramme. In der Tat sollen am 1. April einige «Columbo-Fans» im SGU aufgetaucht sein und fanden statt des richtigen Columbo den Redaktor gemütlich einen Stumpen paffend beim Milchkaffee.

 

«Äm eerschtä-n-April schigg-p-mä d Naarä hii, wo mä will. Äm eerschtä Mäi schigg-p-me-s’ wider häi!» Dieser geflügelte Ausspruch war bei älteren Näfelsern, die noch im 19. Jahrhundert geboren worden war, gang und gäbe.

 

Auf der Suche nach dem Ursprung der Aprilscherze wurde ich bei Wikipedia fündig.

 

Zunächste war dort definiert: "Als Aprilscherz bezeichnet man den Brauch, seine Mitmenschen am 1. April durch erfundene oder verfälschte, meist spektakuläre oder fantastische Geschichten, Erzählungen oder Informationen in die Irre zu führen («hereinzulegen») und so ‘zum Narren zu halten’."

Die Tradition des Aprilscherzes gebe es in den meisten europäischen Ländern und auch in Nordamerika.

 

Aktenkundig sind Aprilscherze in Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernseh-sendern, die ihre Leser und Hörer mit übertrieben dargestellten Details, Fotomon-tagen, die erstunken und erlogen waren, «in den April schickten».

 

Erstmals sei diese Redensart in Bayern 1618. Auswanderer hätten diese Tra-dition auch in die USA gebracht. «Aprilnarr» sei als Begrff erst in der zweiten Hälfte des 1§9. Jahrhundert in «Grimms Deutschem Wörterbuch» aufgetaucht. «Aprilscherz» jedoch sei sogar noch jüngeren Datums.

 

In Erinnerung geblieben ist mir eine Bildreportage im «Tagesanzeiger», der im Tessin «Spaghetti-Bäume» abbildete, wonach Spaghetti auf Bäumen wüchsen. Dieser Aprilscherz ist allerdings bereits von der BBC bereits am 1. April 1957 als Dokumentarfilm ausgestrahlt worden, den acht Millionen Zuschauern gesehen hätten. Hunderte von Anrufe hätten sich bei der BBC erkundigt, u. a. sei auch angefragt worden, wo man das Saatgut für eigene Anpflanzungen im eigenen Garten erhalten könne.

 

Ein Posse ist vom französischen König Heinrich IV. bekannt. Eine ausbund-hübsche junge Dame hätte ihn schriftlich zu einem heimlichen Rendez-vous in einem diskreten Lustschloss eingeladen.  Als Heinrich IV. in freudiger Erwartung zum verabredeteten Ort schlich und das Portal zum Schloss öffnete, wurde er statt von der jungen Schönheit mit tosendem Applaus empfangen. Der ganze ver-sammelte Hofstaat, angeführt von seiner Gemahlin Maria von Medici erwartete ihn. Seine Frau soll ihm unertänigst dafür gedankt haben, dass er ihrer Einladung zum «Narrenball» erfolgt sei.

 

Als besonders eigenwillig überhaupt gilt der April und sein bekanntes «April-wetter». Nach dem Motto: «April, April macht , was er will…» können Apriltage mit fürchterlichen Witterungsverhältnissen aufwarten. Von der Näfelser Fahrt wird berichtet, die ja in der ersten Aprilwoche stattfindet (ausser in der Karwoche eine Woche später), dass von schönsten Sonntagen, bis Hudelwetter, von Schneegestöber und Nebeltagen wirklich alle Paletten von Witterung stattgefunden habe. Schliesslich sollen ja auch die Glarner mit Unterstützung von Schwyzern und Urnern nur dank himmeltraurigen Wetters die Schlacht bei Näfels am 9. April 1388 gewonnen haben.

 

Im Glarnerland werde ab dem 1. April 2022 im Spital nur noch hochdeutsch gesprochen, die Näfelser Gemeindeverwaltung stellte vor Jahren ihre Computerbildschirme vom Stromnetz um auf Gas, wonach die Bildschirme so klar seien, dass Brillenträger ihre Brillen weglegen könnten, problematisch sei nur das Rauchverbot wegen Explosionsgefahr.

 

Zur Bekämpfung der kanadischen Wasserpest, die den Obersee zu verlanden drohe, würden in der Zwischensaison die Elefanten vom Zirkus Knie ins Ober-seetal gebracht. Dort würden sie im Obersee zum Stampfen und Zertreten der lästigen Pflanze eingesetzt.

 

Als das Kloster Mariaburg um die Jahrhundertwende massiv umgebaut wurde, haben man im Keller bei Ausgrabungen den seit Jahrhunderten immer wieder vermuteten Geheimgang zum Freulerpalast entdeckt. Dieser sei als Fluchtweg vom Freulerpalast erbaut worden. Bei der Begegnung dieses höhlenartigen Gan-ges habe man auf der Höhe des Restaurants «Harmonie» durch die Wände den unterirdischen Dorfbach rauschen hören.

 

Als man in den achtziger Jahren zum Schutz der Näfelser Wälder die Zufahrts-Naturstrassen abgesperrt habe, seien dutzendweise Barrieren aufgestellt wor-den. Der Gemeinderat lud zur besseren Akzeptanz dieser Massnahme die Bevölkerung zur Besichtigung einer Barriere auf dem Areal der Sammelstelle der Burgmaschine ein. Gleichzeitig wurden rüstige Rentner als Barrierenwärter ins Oberseetal gesucht.

 

Im Zuge des Modetrends, Kreisel zu bauen, beschloss die Gemeindeversamm-lung von Näfels einen Planungskredit von 180’000 Franken. Damit sollten die letzte Kurve, die auf der Oberseehöhe zum nahen Restaurant abbiegt und die abzweigende Lochbergstrasse, sowie der abfallende Bergweg mit einem Kreisel erschlossen werden. In der Mitte des Kreisels war ein kanadischer Ahorn geplant, dessen Blatter, die im Herbstwind auf die Strasse geweht werden, rutschfest seien.

 

u.s.w.,  u.s.w…

 

…und dann ist der 1. April erst noch der 90. Tag im Jahr, ausser in einem Schaltjahr, dann kommt noch ein Tag dazu.

Bis bald! Ihr Pankranz 

 


Montag, 28. Màrz 2022

 

Sepp Ochsners

 

Kalenderblatt Monat April

 

 

Im April habe ich unsere Adressliste nach Namenstagen durchforstet und bin beim heiligen Georg (23.4.) hängen geblieben. Nicht, dass unser Georg (Kleger) etwa ein Heiliger wäre, aber der heilige Georg als Schutzpatron der Soldaten wird doch wohl auch der Schutzpatron der Waffenläufer sein? Und da ist doch unser Schorsch bezüglich Teilnahme einsame Spitze!  An seinem Geburts- und Heimatort Kaltbrunn/SG ist Sankt Georg übrigens Kirchenpatron. 

 

Kaum eine Heiligenfigur ist so legendenumrankt wie St. Georg, dieser Märtyrer aus Kappadokien (heutige Türkei). Sein Bild – auf einem Pferd sitzend und mit einem Drachen kämpfend – gehört zu den bekanntesten Heiligendarstellungen der Christenheit. Das Pferd, auf dem St. Georg sitzt, wird oft braun abgebildet, angeblich weil sein Fest in die Saatzeit fällt; im Unterschied zu Sankt Martin, der gewöhnlich auf einem weissen Ross erscheint, weil  sein Fest am 11. November am Anfang der Winterzeit gefeiert wird.

 

Sankt Georg wurde um das Jahr 280 herum in der Türkei geboren. Er trat in jungen Jahren in die römische Armee ein. Dort soll er schnell aufgestiegen sein und später als Tribun direkten Zugang zum Kaiser gehabt haben. Als Kaiser Diokletian (284 -305) die Christenverfolgung stärker als je zuvor aufgenommen habe, machte Georg ihm deswegen schwere Vorwürfe, fiel in Ungnade, wurde schwer gefoltert und schlussendlich am 23. April (nach heutiger Zeitrechnung) enthauptet. Da Georg zuvor alle Folter überlebte, wird er als der Heilige beschrieben, der 1000 Tode sterben musste.

 

Der heilige Georg geniesst besonders in England grosse Verehrung. Er war auch Schutzpatron von Richard Löwenherz und das Georgskreuz fand von den Kreuzrittern bis zum heutigen „Union Jack“ Aufnahme ins Landesbanner.  Der englische Hosenbandorden, der exklusivste Orden in England, wird auch Georgsorden genannt. Gestiftet und gegründet wurde dieser Orden 1348 von König Eduard III. Er war wohl der bekannteste und angesehenste Monarch und das nicht nur im Mittelalter (1327 – 1377), könnte also auch noch die Windsors (1901 - ) in den Schatten stellen.

 

„Sankt Jörg du edler Ritter, verleih’ uns neuen Mut, für Vaterland und Ehre, vergiessen wir das Blut – Hei didel dum dum ….. „

 

Sicher jeder von euch erinnert sich noch an dieses Soldatenlied oder die Gesangsstunde in der RS mit Gfr. Schreiber.  So schrieen wir diese Strophen auch am „Berner“ oder „Holländer“ (1) in die Welt hinaus. Mit dem Ergebnis, dass die Holländer verwundert riefen: „Was, die Schweizer singen deutsche Lieder“? Schön dumm, aber sie passten halt zum Marschieren. 

 

Nun, die Wehrmacht überrannte die Benelux-Staaten und Frankreich wohl nicht mit Gesang, sondern wohl eher mit Hilfe von „Stuka-Pillen“, “Panzerschokolade“, „Göring-Pillen“, „Fliegermarzipan“ und ähnlich gebräuchlichen Namen. Diese Pill-en, mit dem chemischen Begriff „Pervitin“ (Methampethamin) wurden den Soldat-en millionenfach (gemäss Militärhistorikern) verabreicht, um das Selbstwertgefühl zu steigern oder kurz, euphorisierend zu wirken. Während die Landser Pillen schluckten, musste die gleiche Substanz gegen Ende der Krieges „Adolf“ sogar intravenös (Spritzen) verabreicht werden.

 

Nun bin ich aber massiv vom heiligen Georg abgewichen.

Also zum Schluss: Wie erwähnt, gilt Sankt Georg (Saint Georges) in Gross-britannien als Schutzpatron und Landesheiliger. Auch in Bayern sind viele Kirchen und sogar Ortschaften unter seinen Schutz gestellt oder eben nach ihm benannt. Bei uns ist der Heilige bekannt als einer der 14 Nothelfer. Wir finden ihn in allen Nothelferkapellen, so in der Tschütschikapelle ob Rickenbach, der Mor-gartenkapelle in Sattel oder der Nothelferkapelle an der alten Gasse in Brunnen.

 

Bliibed gsund!   Gruess Sepp               und falls es im April schon donnert …

 

Bauernregel:

„Kommt der Mann im Rausch nach Haus, bricht ein Donnerwetter aus!“

 

(1)  Mit "Berner" und "Holländer" sind übrigens 2- bzw. 4-tage Märsche gemeint, jeweils mit tausenden von Teilnehmern. (Bemerkung des Autors der Kalenderblätter)

 

PS: Auch im Oberbild des Antoniusaltares des Franziskanerkloster Näfels ist St. Georg verewigt.

 

 

Nachzutragen

Der Ausdruck "Hoppla Schorsch!" und "Schorsch Gaggo" waren in meiner Jugendzeit geläufig.

 

 

Hier eine Ausführung über den "Schorsch Ggaggo" vonm This Fetzer

 

Schorsch Ggaggo 

This Fetzer  Donnerstag, 18. Juli 2019

Ein Schorsch Ggaggo ist ein Ewigdummer, ein Sündenbock, ein Verlierer, der für andere den Kopf hinhält – «Ig ha lang gnue der Schorsch Ggaggo gspilt!», ruft also aus, wer sich nicht mehr alles bieten lassen will, wessen Gutmütigkeit überstrapaziert wurde. Aber kann man das heute überhaupt noch sagen oder ist der Schorsch Ggaggo eigentlich dasselbe wie der Neger im Umzug, nämlich der Dumme als rassistisches Zerrbild eines Schwarzafrikaners?

 

Das könnte man vermuten, denn der heute wohl bekannteste Schorsch Gga-ggo reist im Kasperlitheater auf der Suche nach Schokolade nach Afrika zum Ne-gerkönig Krambambuli und zum schnusigen Negermeiteli Susu. Die Assoziation verbindet natürlich die braune Farbe von Schokolade mit der dunklen Hautfarbe.

 

Zweifellos ist diese Geschichte von 1970 mit ihrem klischierten Afrikabild aus heutiger Sicht in Sachen politischer Korrektheit unbedarft, ja rassistisch. Was man aber in der Erinnerung an die eigene Kindheit mit den Kasperlitheatern leicht durcheinanderbringt: Der Reisende, Schorsch Gaggo, ist gar kein Schwarzer, sondern ein bleichgesichtiger Schweizer Einfaltspinsel. Und erfunden hat der Autor Jörg Schneider weder die Figur noch ihren Namen.

 

Erstmals fassbar wird Schorsch Gaggo mit einer Basler Fasnachtszeitung, die 1948 bis 1976 unter diesem Namen erschien, möglicherweise in Anspielung darauf, dass Kakao um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein beliebtes Stärkungsmittel am Morgestraich war. Vielleicht spielt auch schon eine jüngere Bedeutung von Kakao hinein, die sich in Redensarten wie im Ggaggo us-se «abgeschieden, in der Unwirtlichkeit», dur de Ggaggo zie «schlecht machen, zum Narren halten», im Ggaggo laa «im Stich lassen», merci Ggaggo «nein danke» zeigt. Schorsch hingegen, natürlich der französische Georges, ist ebenso wie Schang (Jean) eine Bezeichnung für einen «Burschen, Kerl», vor allem, wenn er etwas unbeholfen, ungeschickt, gutmütig beschränkt ist. Beliebte Tauf-namen nehmen gern solche abwertenden Bedeutungen an.

 

Was aber verbindet den Namen einer Fasnachtszeitung mit einer weit ver-breiteten Bezeichnung für Verlierertypen? Die verfügbaren Belege für die all-gemeine Wortverwendung setzen 1950 mit dem Ausruf «I bi der Schorsch Cacao» in Friedrich Schwabs Einakter «Brutwärbig» ein. 1951 erschien dann «Fliegerfunker Schorsch» von Waldemar Schlittler und Karl Schwarz. Die Haupt-figur Paul Locher wünscht sich nichts sehnlicher, als Fliegersoldat zu werden. Leider stellt er sich in der Rekrutenschule tollpatschig an, und als er wieder einmal nicht in Reih und Glied steht, herrscht ihn ein Leutnant an: «Was für ein Schorsch Gaggo ist das auch wieder?» – ein Name, der an ihm haften bleibt. Dieses damals wohl ziemlich bekannte, heute in Vergessenheit geratene Buch dürfte das Vorbild aller späteren Schorsch Ggaggo gewesen sein und auch den Afrikareisenden im Kasperlitheater inspiriert haben, womit sich die Assoziation von Kakao, dunkler Hautfarbe und Dummheit als sekundär erweist.

 

Noch 1980 werden im «Beobachter» Velofahrer, die ein Ärgernis darstellen, als Schorschgaggo bezeichnet. Den Karrieresprung von der literarischen Figur in den allgemeinen Wortschatz aber teilt sich Schorsch Ggaggo mit dem schwei-zerdeutschen Bünzli «Spiessbürger», dessen Ursprung in der Figur von Züs Bünzlin in Gottfried Kellers Novelle «Die drei gerechten Kammacher» von 1856 liegt.

 

Permalink: https://idiotikon.ch/wortgeschichten/schorsch-gaggo 

 

Hoppla Schorsch!

Bedeutung: scherzhafter Kommentar zu einem Vorfall (oder Missgeschick), der für den Betroffenen leicht hätte schlimmer enden können (zB. jemand stolpert, fällt aber nicht oder jemand rutscht aus, kann den Fall aber gerade noch abfangen oder ausbalancieren usw.)

 

 Quelle: www.berndeutsch.ch

 

A propos Schorsch

 

Ein heiteres Müsterchen ist mir aus meiner Einsiedler Zeit in bester Erinnerung, das den Mutterwitz der "Ureinsiedler" repräsentiert: Eine flotte Lehrerin hatte einen Sohn, der auf den Namen "Georg" getauft war. Die Schulkinder nannten ihn aber einfach "Schorsch" (schliesslich gab es auch ein renommiertes Re-staurant "St. Georg" an der Hauptstrasse etwas unterhalb des Klosters, das im Volksmund einfach "Schorsch" genannt wurden). Der saloppe Umgang mit dem Knaben "Georg" nur als "Schorsch" missfiel der Mutter und sie ermahnte die Kinder, ihr Sohn heisse "Georg" und nicht "Schorsch" oder "Schorschl". Die Kin-der akzeptierten die Ermahung und nannten den "Georg" nachher enfach "dr Nümmäschorsch".

Der "Nummäschorsch" war ein aufgeweckter Junge, studierte und wurde ein sehr erfolgreicher Wissenschaftler an der Uni.

 


Freitag, 25. März 2022

 

Fahrtsgäste der General Bachmann Gesellschaft

 

Seit 1991 pflegt die General Bachmann Gesellschaft besondere Gäste einzuladen, bereichert damit die "Näfelser Fahrt" und veranlasst diese, ihre Erfahrungen am zweithöchsten politischen Feiertag des Kantons Glarus nach aussen zu tragen

 

In diesem Jahr sind es:

 

Politik

 

Ständeratspräsident Thomas Hefti, Schwanden

Nationalrat Gerhard Pfister, Präsident "Mitte Schweiz", Oberägeri

Frau Landammann Marianne Lienhard, Elm

Regierungsrat Christian Arnold, Gesundheit, Soziales und Umwelt, Uri, 

 

Armee

 

Korpskommandant Thomas Süssli, Chef Armee, Bern

 

Wirtschaft

 

Patrick Frost, Konzernpräsident Swiss Life Ag

Johannes Läderach, VR-Präs und CEO Läderach Chocolatiers Suisse

 

 

Kirche

 

Bischof Joseph Marie Bonnemain, Chur

 

Wissenschaft

 

Michael Hermann, Politikwissenschaftler

 

 


Donnerstag, 24. März 2022

 

Kirchenratsstreit Näfels

 

Pfarrer Kurt Vogt äussert sich

 

Raphael Rauch, Chefredaktor von kath.ch bringt ein Interview mit dem ehema-ligen Pfarradministrator von Näfels, der nach einem Jahr die Pfarrei Näfels wieder verliess, weil kein vernünftiger Konsens mit dem Kirchenrat gefunden werden konnte und sich deshalb nicht als Pfarrer wählen liess. Seine Ausführungen sind offen und direkt. Er analysiert die Situation rund um das duale System der Kirche, nämlich die politische Hierarchie Kirchgemeinde/Kirchenrat (Bauten, FInanzne, Anstellungen) und der kirchliche Bereich (klerikale Hierarchie, Seelsorge, Pfarrei).

 

Siehe 

https://www.kath.ch/newsd/streit-in-naefels-jetzt-spricht-kurt-vogt/


Mittwoch, 16. März 2022

 

Schneeglöckchen

 

Die Schneeglöckchen (Galanthus) 

Bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryl-lidaceae). Die etwa 20 Arten kommen von Mittel-, Südeuropa bis Vorderasien und dem Kaukasus vor. Sie sind seit Jahrhunderten beliebte Zierpflanzen, da sie zu den ersten Blütenpflanzen des Vorfrühlings gehören. Drei Arten haben ihre Blütezeit bereits im Herbst. In Mitteleuropa ist nur das Kleine Schneeglöckchen heimisch. Einige andere Arten treten hier stellenweise verwildert auf.

 

Das Hauptverbreitungsgebiet der Schneeglöckchen liegt in den Ländern rund um das Schwarze Meer.

 

Namensgebung

Der botanische Name Galanthus ist abgeleitet aus den griechischen Wörtern gàla für Milch und ánthos für Blüte. Der deutsche Name „Schneeglöckchen“ be-zieht sich auf das den Frühling anzeigende Herausragen von Galanthus nivalis aus dem Schnee. Andere deutsche Trivialnamen sind:

Frühlingsglöckchen, Hübsches Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen, Licht-mess-Glocken, Märzglöckchen, Märzveilchen, Marienkerzen, Milchblume, Schnee-Durchstecher, Schneetulpe, Weiße Jungfrau, Weissglatze.

 

Beschreibung

Schneeglöckchen-Arten sind ausdauernde, krautige Pflanzen. Diese Geophyten  bilden Zwiebeln als Überdauerungsorgane. Zwei bis – selten – drei parallel-nervige Laubblätter stehen grundständig zusammen. Dann wird der Blütenstand ausgetrieben mit einem langen Blütenschaft und nur einer Blüte. Anfangs umgibt ein Hochblatt die Blüten und schützt diese vor strenger Witterung. Bei günstigen Bedingungen durchbricht die Blüte die Scheide. Da der Stiel schwach gebaut ist, senkt sich die Blüte und nickt.

 

Die duftende, zwittrige, radiärsymmetrische Blüte besteht (wie bei Einkeimblätt-rigen üblich) aus dreizähligen Blütenblattkreisen. Die Blütenhülle besteht aus drei weissen freien äusseren Blütenhüllblättern und drei verwachsenen grünlich-weis-sen inneren Blütenhüllblättern. Die drei inneren Blütenhüllblätter sind viel kleiner als die drei äusseren und normalerweise grün gezeichnet. Sie sind das Charak-teristikum dieser Gattung. Zwei mal drei spitzkegelförmige Staubblätter stehen dicht zusammen. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen mit einem weissen Stempel und einer kopfigen Narbe. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.

 

Blütenformel

Es werden Kapselfrüchte gebildet, die 18 bis 36 Samen enthalten. An den hell-braunen Samen, mit 3,5 mm Durchmesser, ist ein grosser fleischiger Nährkörper (Elaiosom) angewachsen. Da der Stängel nach der Fruchtbildung schlaff auf den Boden fällt, können Ameisen (Myrmekochorie) an die Samen kommen. Sie haben eine Vorliebe für den am Samen festgewachsenen Nährkörper und tragen daher die Samen zu ihrem Bau. Unterwegs fressen sie den Nährkörper häufig auf und lassen den eigentlichen Samen unbeachtet liegen. So tragen sie zur weiten Aus-breitung des Schneeglöckchens bei.

 

Die Blütezeit der Wildarten reicht von Oktober (Königin-Olga-Schneeglöckchen und Galanthus peshmenii) bis zum Ende des Frühlings (Kleines Schneglöck-

chen); die Kulturarten blühen teilweise bis in den April.

 

Alle Wildarten stehen seit 1973 (CITES, Washingtoner Artenschutzübereinkom-men) unter Artenschutz.

 

Zur Vermehrung der Pflanzen tragen ausserdem auch Tochterzwiebeln bei, so dass sich häufig dichte Horste bilden. Diese können nach der Blüte geteilt wer-den, während die Pflanzen noch grün sind.

 

Vorkommen

Die Heimat der Arten ist Europa und Südwestasien, von Kleinasien über den Kaukasus bis zur Region um das Kaspische Meer. Allein in der Türkei sind zwölf der akzeptierten Arten heimisch, in Georgien und im Süden Russlands je sieben und in Griechenland fünf Arten. In Nordamerika sind Pflanzen aus Kultur verwil-dert und Neophyten. In England sind Schneeglöckchen ausserhalb der Gärten erst ab 1770 nachgewiesen. Sie verwilderten vermutlich aus Klostergärten.

Sie kommen in Waldwiesen, Auen und Laubwäldern vor und bevorzugen feuchte und schattige Standorte. Sie werden häufig als erste Frühlingsboten betrachtet und deshalb auch gerne in Grünanlagen und Gärten gepflanzt. In der Phänolo-gie  bedeutet die Erst-Blüte den Anfang des Vorfrühlings.

 

Heilwirkung und Giftigkeit 

Galantamin wird als Mittel gegen Demenz genutzt und um das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zu bremsen.

Alle Pflanzenteile, besonders die Zwiebel, enthalten giftige Alkaloide. In der Zwie-bel befindet sich vorwiegend das Amaryllidaceen-Alkaloid, in anderen Pflanzen-teilen Tazettin, Galantamin und Lycorin. Eine kritische Dosis ist nicht bekannt.

Mögliche Vergiftungssymptome sind vermehrter Speichelfluss, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Gelegentlich werden Kreislaufstörungen mit Schweissausbruch und Benommenheit beobachtet.

 

Philatelie

Mit dem Erstausgabetag 3. Januar 2022 gab die Deutsche Post AG in der Dauer-serie Blumen ein Postwertzeichen im Nennwert von 32 Eurocent mit dem Motiv Schnee- glöckchen heraus. Der Entwurf stammt von den Grafikern Stefan Klein und Olaf Neumann aus Iserlohn.

 

Quelle: Wikipedida

 

Schneeflöckchen in der Philatelie

Briefmarken

1. Reihe: Detuschland, Slowenien

2. Raihe: Litauen, Oesterreich

3. Reihe: Russland, Dänemark, Deuschland (Stempel)

4. Reihe: USA


Dienstag, 15. März 2022

Oswald Heer-Preis 2022

 

Zum vierten Mal konnte der von Prof. Dr. Conradin Burga anno 2015 in sLe-ben gerufene Wissenschaftspreis an einen jungen Wissenschafter über-reicht werden. Dies in Erinnerung an den berühmten Glarner Paläonto-logen, Botaniker und Entomologen Oswald Heer (1809-1883).

 

Die Preisverleihung im Glarnerhof in Glarus organisierte die Naturforschende Ge-sellschaft des Kantons Glarus und der Preis selber wurde durch den Wal-ters-/Wild-Fonds getragen. Die musikalische Umrahmung gestalteten Ulrica Blumer-Vital (Mezzosopran) und Richard Grand (Piano).

 

Die erfrischende Laudatio hielt Prof. Dr. Christian Klug, Präsident der Schweizeri-schen Paläontologischen Gesellschaft. Der Preisträger Jérémy Tissier hat die einst in Europa heimischen Nashornarten näher erforscht. Mit seinem spannen-den Referat bot er Einblicke in seine aufwändigen Recherchen an unzähligen Fundstücken, verteilt in Sammlungen und Museen in ganz Europa. Mit seinen Analysen gewann er wesentliche neue Erkenntnisse zu Abstammung und Wan-derbewegungen der damals vor 30-40 Mio. Jahren deutlich vielfältigeren Nas-hornarten. Seine Forschungen führt der Preisträger nun am American Museum of Natural History in New York weiter. 

 

Unser Bild: v.l.n.r. Preisträger Jérémy Tissier mit dem «corpus delicti» seiner For-schung. Prof. Dr. Conradin Burga, der «Vater des Oswald-Heer-Preises», Prof. Dr. Christian Klug, Präsident der Schweizerischen Paläontologischen Gesell-schaft, ETH Biologe Fridli Marti, Präsident der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Glarus. (Foto: Glarnerische Naturforschende Gesellschaft)


Samstag, 12. März 2022 

 

 Wenn es einem an die Nieren geht...

 

Die aktive Nierenstein-Behandlung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen

  • Ungefähr 95 Prozent aller Nierensteine entfernt der Arzt mithilfe der sogenannten Extrakorporalen Stoßwellen-lithotripsie (ESWL). Dabei wirken von außen mechanische Stosswellen auf den Stein ein, die den Nierenstein zertrüm-mern. Die kleinen Bruchstücke gelangen mit dem Urin von alleine aus den Harnwegen.
  • Bei der Ureteroskopie verwendet der Arzt ein Endoskop, also einen dünnen, mit einer Kamera ausgestatteten Schlauch, den er über die Harnröhre und die Harnblase bis in den Harnleiter schieben kann. Über das Endoskop führt er verschiedene Werkzeuge bis dicht an den Nierenstein heran, um ihn zu ent-fernen. Das kann zum Beispiel eine kleine Zange sein, mit welcher der Arzt den Stein herauszieht, oder aber ein Laser oder eine Ultraschallsonde, mit denen er den Nierenstein zer-trümmert. Der kurze Eingriff erfolgt ambulant oder stationär unter Narkose.
  • Bei grossen Steinen innerhalb der Niere führt der Arzt eine Nephrolitholapaxie durch, bei der er das Endoskop über einen kleinen Hautschnitt an der Flanke direkt in die Niere einführt. Dort zertrümmert der Arzt die Steine, zum Beispiel mithilfe eines Lasers oder einer Ultraschallsonde. Die Bruchstücke saugt oder spült der Arzt bei dieser Methode direkt aus der Niere heraus. Bei der Nephrolitholapaxie bleibt der Betroffene in der Regel für wenige Tage im Krankenhaus.

Nach fast allen Eingriffen führt der Arzt über ein Endoskop eine Schiene in den Harnleiter ein. Diese sorgt dafür, dass der Harnleiter geöffnet bleibt und die Steinbruchstücke leichter und ohne Verlet-zungen zu verursachen abfliessen können. Sobald alle Steinfrag-mente nach aussen gelangt sind und die Harnwege nicht mehr gereizt oder entzündet sind, entfernt der Arzt die Schiene wieder aus dem Harnleiter.

 

Quelle: unbekannt

 


Samstag, 12. März 2022

 

Mein Name ist «Uro-Lithy»

 

oder

 

Wollte ich einem schlechten Menschen etwas wünschen,

wüsste ich was . . .

 

Ich bin «Uro-Lithy», andere nennen mich salopp «Harny». Ich bin der hinterhäl-tigste, gemeinste Halunke. Ich geniesse es, Menschen, die ich mir auswähle, Höllenqualen zu verschaffen und sie auf Tod und Teufel zu peinigen. Alle Men-schen, bei denen ich zu Gast war, reden nur in den verwerflichsten Tönen über mich.

 

Mein himmeltrauriger Bruder heisst «Nephro-Lithy» oder «Niery» und ist genauso ein Saukerl wie ich. Eigentlich hätte sich der liebe Gott des Alten Testamentes seine ägyptischen Plagen sparen und nur uns auf die Menschheit loslassen können. Das wäre weniger aufwändig gewesen als die Heuschreckenplage und andere schreckliche Katastrophen.

 

Eigentlich bin ich ja nur das Produkt eines Kristallisationsprozesses. Der Nobel-preis für den, der genau sagen kann, wie ich überhaupt entstehe, wäre noch zu haben. Die Wissenschaft tappt noch weitgehend im Dunkeln. Die meisten meiner Brüder, die «Nierys», sind kalziumhaltig. (Fachleute reden von Kalziumoxalat oder -phosphat.)

 

Letztere machen den Hauptharst der Übeltäter aus. Ich jedoch bestehe als «Harny» aus Harnsäure. Wir «Harnys» sind eine Minderheit, prozentual etwa wie Ausländer in der Schweiz. Es gäbe auch noch den «Chole-Lithy» oder «Gally», doch davon ein ander Mal.

 

Meine Stammlande sind die Nieren. Ich bin ein ausgesprochener Nomade und wandere nach Lust und Laune harnleiterabwärts. Am liebsten bin ich bei Men-schen, die sich gerne aufregen. Da bin ich im Element und werde immer dicker. Lustig wird es, wenn ich mich verklemme oder in der Harnleiterwand einhake. Es macht mir Spass, den Urin zu stauen, und jede Infektion bringt mich in Ekstase vor Freude und den gastgebenden Menschen ausser sich vor Schmerz. Hei, da sollten Sie mal sehen wie sich die Leute dann wälzen und stöhnen, es geht ihnen grässlich. Diesen Zustand des Leidens nennen die Menschen «Kolik». Viele müssen darob gar erbrechen.

 

Bin ich gut gelaunt, ziehe ich Leine und haue ab über die Harnleiter in die Blase, eine prächtige Halle, in der es sich herrlich im warmen Urin baden lässt. Wenn ich aber nicht höllisch aufpasse, werde ich weggeschwemmt und gelange über die dazu eingerichteten Organe ins Freie . . . und dann ist Feierabend! Ich bin dann der gemeindlichen Kanalisation ausgeliefert, gelange in die nächste Klär-anlage und gehe später die traurigen Wege allen Klärschlammes.

 

Die fiesesten von uns verstecken sich so gut, dass es erheblichen  ärztlichen Auf-wand erfordert, uns überhaupt zu orten. Gemeinerweise strahlen sie Schmerzen ab, meist in den Rücken. Wenn wir uns in den unteren Etagen befinden, dröhnt es in den Bauch, in die Blase, Genitalien oder in die Darmgegend. Wie die Fanfaren von den Zinnenn Jerichos schmettern die Peinen anhaltend oder wel-lenweise im Leibe.

 

Nachdem der Arzt die oberen und unteren Ausgänge besichtigt und die nötigen Checkfragen gestellt, Blut und Urin untersucht, Zucker, Blutdruck, Puls und Tem-peratur gemessen hat, schmiert er den Bauch mit einer farblosen, gelatineartigen Sülze ein, um danach mit Ultraschall die Innereien am Bildschirm zu betrachten und nach mir zu suchen. Mich findet er nur schwer, aber er stellt Veränderungen der Niere oder verdächtige Symptome im Gedärme oder Harnleiter fest. Schreit der Patient bei einem sanften Nierenhaken auf und ist die Summe aller Erkennt-nisse ausreichend, folgt der Entscheid.

 

Vielleicht braucht‘s noch ein Röntgenbild . . . dann heisst es: «Ab ins Spital!». Dort spielt ein eingespieltes Team die ganze Klaviatur des sorgfältigen Eintritts-prozederes durch. In der Regel kommt der Patient im wahrsten Sinne des Wortes an die Flasche, wo vor  allem Schmerzmittel träufeln, bis das Leben wieder eini-germassen erträglich wird. Wahrscheinlich wird noch eine CT (Computer-tomographie) angeordnet. Herrschaft! Der entgehen wir nicht! Dort sieht man fast alles! Als «Uro-Lithy» hast du keine Chance, wenn der Patient durch den Tor-bogen mit dem Röntgenblick gefahren wird.

 

Der Urologe ist mein Todfeind. Der schleicht dich an wie «Columbo» und wenn er dich hat, lässt er dich nicht mehr los! Es ist einfach grässlich! In einer Operation mit Narkose führt er ein «Zystoskop» ins menschliche Wasserkanalisations-stystem. Er schiebt eine so genannte «Zeiss-Schlinge» oder moderner ein «Dor-miakörbchen» vor (befragen Sie Ihren Hausarzt über Details) und versucht dich einzufangen. Hat er dich mal am Schlawittchen, wehe, dann wirst du abgeführt wie ein Verbrecher. Geht alles gut, ist mich der Patient los, es sei denn, ein weite-rer Kollege versteckt sich in der Niere oder im Harnleiter.

 

Noch schlimmer ist für unsereins die Stosswellen-Behandlung. Findige Köpfe haben dazu eine Apparatur erfunden, mit der man mich zertrümmert. Ich zer-platze in kleine Teile, die auf üblichem Wege ausgeschwemmt werden.

 

Natürlich sind die Ärzte aller Waffengattungen so findig, dass sie alles tun, auch meinen Nachkommen das Leben im wahrsten Sinne des Wortes zu «versauern». Die Sprüche kennt man ja: Viel trinken, Diät, Bewegung, keine tierischen Eiweisse usw. usw. . . . Es gibt Ärzte, die dir empfehlen, dich auf einen Berg hochfahren zu lassen und dann zu Fuss zu Tale zu hüpfen. Dadurch könnte ein vorhandener Stein «kommen». Andere raten zu pausenlosem Treppenhinauf und -hinuntersteigen. Seilspringen, vom Stuhl runterhüpfen, was immer . . . der Stein muss weg. Viele Menschen tragen Steine in sich, die sich «ruhig» verhalten. So lange sie keine Koliken auslösen, mag das gehen. Wehe, wenn sie mit scharf-kantigen Kristallen gegen die Harnleiterwand kratzen oder stechen . . .

 

Wussten Sie eigentlich, dass die Nieren die physikalisch-chemische Fabrik unseres Körpers, die Blutreinigung, sind? Sie regeln den Wasserhaushalt, den Salzgehalt des Blutes und scheiden die Abbauprodukte des Eiweissstoffwechsels (Harnstoff und Harnsäure) und Giftstoffe aus. Sie sind 120 bis 160 Gramm schwer und werden intensiv durchblutet. Der Blutdurchfluss beträgt 1500 Liter im Tag!

 

In der Bibel sind Herz und Niere oft genannt. Sie sind «Sitz und Zentrum des Lebens», anderswo «Sitz des Gewissens». Die Nieren sind ferner «Symbol des Schmerzes der Seele».«Da es mir wehe tat im Herzen und mich stach in meinen Nieren» (Psalm 73, 21) oder «Ja, in den Nächten erziehen mich meine Nieren» und «. . . auf Herz und Nieren prüfen» (Psalm 7,10). Träfe zu, was die Statistik sagt, hätten etwa 5 Prozent der Bevölkerung das Pech, Steine in sich zu haben.

 

Der Gedanke, dass im Glarnerland rund 1800 Menschen Steine im Bauch (statt am Hals oder an den Fingern) hätten, könnte ganz schön «an die Nieren gehen». Eigentlich wäre schon Zahnstein überflüssig, oder nicht? Nur ist der etwas leichter zu entfernen . . .                                                          Bis bald! Ihr Pankraz

 

Publiziert im „Fridolin“, Nr. 34, 24. August 2006, Frontpage


Samstag, 5. März 2022

Tuscharbeit von Werner Dietz "Schreinträger mit dem Fridolinsschrein" an der grossen Fridolinsprozession durch die Innenstadt jeweils am Fridlini. (Sammlung Karl Braun)

Werner Dietz wurde oft auch "Picasso von Säckingen" genannt.

 

Kleiner Steckbrief:

Werner Dietz Werner 1927 Mühlheim Baden - 2012 Bad Säckingen

 

Werner Dietz: geboren am 10. März 1927 in Mühlheim Baden.

1948-52 Kunstgewerbeschule in Basel bei

Heinrich Müller und Walter Bodmer.

1954-58 Kunsthalle in Baaden Baaden.

1955-58 Otto Dux und Erich Hackel sind Mentoren von Werner Dietz.

1957-89 Regierungspräsidium Freiburg kauft insgesamt 23 Gemälde.

1973 Kunstpreis für Aquarell durch die Ecole de la Loire

2002 Silberne Verdienstmedaille von Bad Säckingen

2012 2. Oktober: Werner Dietz stirbt in Bad Säckingen.

 

 

  

Zum Fridolinsfest 2022

 von

 

Karl Braun, Bad Säckingen*

 

Anfang März feiert Säckingen das Fest des Glaubensboten Fridolin, der hier missionierte und seine Ruhestätte fand. Mit der Gründung des Klosters auf der Rheininsel hat er den Grundstein zur Entwicklung von Säckingen gelegt, daher wird er auch als Stadtpatron verehrt. Es ist nicht nur ein bekanntes, einzigartiges Kirchenfest, sondern auch ein Stadtfest. Neben dem Festhochamt mit Festpredigt eines hochrangigen Geistlichen und der Andacht am Nachmittag ist die Fridolinsprozession, die durch die Strassen der Stadt führt, sichtbar für die Öffentlichkeit. In diesem Bericht werden nur wenige zeitgeschichtliche Ereignisse aufgeführt, die einen Bezug zum Fridolinsfest haben. So sind unter anderem der Kulturkampf und die Diktatur des Nationalsozialismus, die erhebliche Auswirkun-gen auf das kirchliche Leben hatten, nicht berücksichtigt.

 

Am 4. März 1764 abends um ½ 9 Uhr kam der Silberschrein von Augsburg in Säckingen an. Die Stiftsdamen waren erfreut über die rechtzeitige Ankunft des Schreins noch vor dem Fridolinsfest. Es ist davon auszugehen, dass er wenige Tage darauf in der Prozession mitgetragen wurde, um der Öffentlichkeit dieses einmalige Kunstwerk zu präsentieren. Zuvor wurden die Reliquien in einem goldgefassten  Holzschrein aufbewahrt. Dieser Schrein befindet sich heute in der Kirche in Laufenburg/Schweiz im linken Altarwerk und dient den Reliquien der Katakombenheiligen Secunda.

 

Doch wenige Jahre später konnte der Silberschrein nicht mehr in der Fridolins-prozession mitgeführt werden, da der kostbare Schrein mit dem Kirchenschatz im Jahre 1792 vor dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen nach  Klingnau in Sicherheit gebracht wurde. Erst nach dem Rückzug der Franzosen kam der silberne Reliquienschrein von Klingnau wieder zurück und wurde unter großer Feierlichkeit von Stift und Bürgerschaft am 24. Juni 1797 von Laufenburg abgeholt und in einer Prozession über die Holzbrücke nach Säckingen getragen.

 

Schon unter Kaiserin Maria Theresia wurde das Wallfahrtswesen stark zurück-gedrängt. Die hohe Anzahl von Wallfahrtsorten, die Patronatsfeste, der zuneh-mende Reliquienkult und die Wundergläubigkeit waren der Obrigkeit ein Dorn im Auge; auch wenn Wallfahrtsorte davon wirtschaftlich profitierten. Die Folgen wa-ren aber oft Müssiggang, Ausschweifung, Trunksucht und das Fernbleiben von der Arbeit, was in Berichten nicht nur der Obrigkeit in Wien, sondern auch in an-deren Gebieten von den Landesherren bemängelt und weitergemeldet wurden. Durch die josephinischen Reformgesetze kam das Wallfahrtswesen fast ganz zum Erliegen. Der im Geist der Aufklärung besonders reformfreudige Konstanzer Bistumsverweser Freiherr von Wessenberg verbot im Jahr 1811 die Prozes-sionen an Patrozinien, dies galt auch für die Fridolinsprozession. Mit dieser An-ordnung konnte sich der Säckinger Stadtrat nicht abfinden. In einem Schreiben an die grossherzogliche Behörde wurde ausgeführt: Es werde der heilige Fridolin „nicht nur als Kirchenpatron dahier, sondern selbst als der Stifter und Urheber derselben und besonders als Überbringer und Lehrer des Christentums und daher billig als der einzige Stifts-, Stadt- und Landespatron verehrt. Was kann in dieser Hinsicht einer dankbaren Nachwelt heiliger sein, als die Reliquien des heiligen Apostels mit der Erinnerung an seine Lehre, an sein Beispiel und seine Liebe zu uns andächtig herumtragen zu sehen, und zwar auf jenen Boden seiner Ruhestatt, der er selbst oft segnend betreten.“ Die Antwort auf diesen Brief ist nicht bekannt, die Fridolinsprozession konnte jedoch weiterhin durchgeführt wer-den.

 

Als Joseph Victor von Scheffel in Säckingen als Rechtspraktikant weilte, hat er den Festtag zu Ehren Fridolins miterlebt. Er schreibt am 24. März 1850 seiner Mutter nach Karlsruhe daraus einige Sätze:

„Es war ein heller, blauer Sonntagmorgen über dem Rheintal aufgegangen, als schon in der Frühe Böllerschüsse und Glockengeläute das Fest des Schutz-patrons verkündeten … Als frommer Mann ging ich auch hinein auf die Empor-kirche, wo die ganze Stadtmusik zum musikalischen Hochamt bereit war und mein guter Freund, der Bürgermeister von hier, gar schön die Orgel spielte. … Und gegen 11 Uhr wurde in feierlicher Prozession der Sarg mit den Reliquien Fridolini über den Platz und um die Stiftskirche herumgetragen, voraus die weiss-gekleideten Mägdlein von Säckingen mit  der grossen Madonna-Fahne, dann die Kirchenältesten und die Geistlichkeit in Pontifikalibus, und der Bürgermeister, trotzdem er auch ein halber Ketzer ist, trug auch gar frömmiglich die weisse Kerze, und sogar die preussische Militärgewalt hatte 30 Jäger in Paradeanzug mit grossem, schwarzem Reiherbusch auf der Pickelhaube zur Begleitung der Prozession beigeordnet.“ Bei dem Orgelspieler auf der Empore des Münsters und Freund Scheffels kann es sich nur um Anton Leo handeln, der in seiner Aus-bildungszeit Mitglied der Grossherzoglichen Hofkapelle und ab 1850 Bürgermei-ster der Stadt war.

 

Das Jahr 1900, ein besonderes Kalenderdatum, war auch für die Bevölkerung  ein aussergewöhnliches kirchliches Ereignis, das im Säckinger Volksblatt so an-gekündigt wurde: „Das St. Fridolinsfest, welches für die Stadt Säckingen und die weite Umgebung am Oberrhein in Baden und der Schweiz so bedeutungsvoll und immer hoch willkommen ist, wird dieses Jahr „mit besonderem Glanze“ gefeiert werden. Das Fest wird eine Auszeichnung haben, wie sie demselben seit 1851, wo der hochwürdigste Erzbischof Hermann von Vicari anwohnte, nicht mehr zu Theil wurde. Wir haben nämlich die Ehre und Freude, dass Herr Erzbischof Dr. Thomas Nörber an der Festlichkeit teilnimmt.“ Nachdem die Fridolinskapelle auf der rechten Seite des Chores fertiggestellt wurde, fand am darauf folgenden Montag von 7-9 Uhr die Weihe des Fridolinsaltares durch den Erzbischof statt. Um 10 Uhr spendete er auch noch das Sakrament der Firmung.

 

Zum Fridolinsfest am 7. März 1909 waren zwei herausragende Geistliche gela-den. Zelebrant des Pontifikalamts war der Apostolische Vikar Thomas Spreiter aus Daressalam. Er war einer der ersten Benediktiner Missionare in Deutsch-Ostafrika. Vor dem Hochamt hielt Seine königliche Hohheit Prinz Max von Sachsen die Festpredigt. Der Prinz war Bruder des letzten sächsischen Königs Friedrich August II., geboren 1870 in Dresden, gestorben 1951 in Fri-bourg. Einige Einzelheiten aus dem Leben dieses aussergewöhnlichen Priesters: Promovierter Jurist und Theologe, u.a. Professor in Köln und Fribourg für Kir-chenrecht und Liturgik, ab 1921 Professor für Orientalische Literatur und Kultur. Er trat für die Einheit von West- und Ostkirche ein. Er lebte in materieller Be-scheidenheit und war besonders freigebig gegenüber Notleidenden. Nachdem er die Grauen des 1. Weltkrieges miterlebt hatte, war er ein engagierter Pazifist und hielt in verschiedenen Städten Vorträge. 

 

Im Jahr 1929 reiste als Ehrengast der Bischof von Speyer Dr. Ludwig Seba-stian zum Fridolinsfest an. Dies hatte eine besondere geschichtliche Bedeutung, denn ein Vorgänger, Bischof Balderich, amtierte in der Zeit von 970 bis 986 in Speyer. Balderich oder Balther, ein Leibeigener des Kanonissenstifts Säckingen erwarb seine Ausbildung in St. Gallen. Danach wanderte er als armer Scholar durch Frankreich und entdeckte im Kloster Helera eine Lebensbeschreibung Fridolins, die er zwischen 960-970 niederschrieb. Von Balthers „Vita Sancti Fridlini“ wissen wir vom heiligen Fridolin.

 

Zum Fridolinsfest 1935 erschien am 2. März im Säckinger Volksblatt ein Artikel, mit folgendem Satz: „An diesem Brauchtum wollen wir festhalten, unbekümmert um alle Versuche, uns in ein altgermanisches Heidentum zurückzuwerfen.“ Das Bezirksamt liess die Ausgabe sofort beschlagnahmen, da dies als Angriff auf den Nationalsozialismus aufgefasst wurde.

 

Am 22. März schrieb das Erzbischöfliche Ordinariat an den Minister des Innern in Karlsruhe einen Brief: „Anlässlich des Fridolinsfestes in Säckingen hat der Frei-burger „Alemanne“ sehr scharfe Angriffe auf das „Hochrheinische Volksblatt“ in Säckingen gerichtet, in dem als dem lokalen Heimatblatt die kirchlichen Stellen die vorbereitende Werbung für das bekannte Volksfest durchführten. Zweimal hat die Gestapo das „Hochrheinische Volksblatt“ beschlagnahmen lassen.“

 

Zum Schluss schreibt Generalvikar Rösch: „Wir ersuchen sehr, das im Reichs-konkordat verbriefte Recht der Glaubensverteidigung nach jeder Richtung zu schützen.“ Der Schriftleiter des Hochrheinischen Volksblattes, Dr. Hermann Stratz, hat schon am 24. Februar 1933 in einem Artikel „Gegen die braune Schmach“ frühzeitig auf die Gefahren des Nationalsozialismus aufmerksam gemacht. Hermann Stratz musste mit allen Mitteln mundtot gemacht werden. Nach verschiedenen Artikeln, die er im Säckinger Volksblatt veröffentlichte, wurde er mehrfach in Schutzhaft genommen und in das Gefängnis nach Freiburg ein-geliefert. Die lapidare Mitteilung von dort, Hermann Stratz starb am 26. Juli 1936 an einer Lungenentzündung, war sicher eine Verharmlosung der tatsächlichen Todesumstände dieses mutigen Journalisten.

 

Vermutlich aufgerieben von vielen Auseinandersetzungen mit den NS-Partei-regime schreibt Stadtpfarrer Ludwig Herr an das Ordinariat am 19. Februar 1942, als er auf den Fridolinstag hinweist und die Problematik erwähnt, als die Reliquien von der roten Samtpyramide in die noch nackte Metallkassette gelegt wurden, aber eine ansprechende Gestaltung immer noch fehlt.…  „es finden sich ja jetzt schon Leute, die sagen, nach dem Krieg gebe es kein Fridolinsfest mehr“. „Die Leute“ sollten nicht Recht behalten. Das Fridolinsfest wird noch immer ge-feiert, auch wenn die Fridolinsprozession wegen der Wetterverhältnisse oder der Pandemie ausfallen muss.

 

Wie schon vor Jahrhunderten werden der Glaubensbote Fridolin und der Stadt-patron verehrt. In der Prozession werden Fridolins Reliquien mitgeführt, mit ihm ist das pilgernde Volk unterwegs zu Gott. 

 

*Karl Braun ist seit Jahrzehnten Kulturschaffender in der Stadt Bad Säckingen. Seine historischen und kunstgeschichtlichen Beiträge immer als Einstimmung vor dem Fridlini und auch während des Jahres sind gefragt. Braun ist einer der gegenwärtig besten Kenner der Geschichte von Bad Säckingen, seine Führrungen sind spannend und mit tiefschürfendem Wissen fundiert. Er ist auch ein begnadeter Fotograf, Buchautor und hat einige Ausstellungen kreiert. Er verfügt über die grösste Sammlung von Fridolinsaufnahmen von Bad Säckingen, Süddeutschland, Elsass und der Schweiz.

                                                                                                    

Der "Goldene Schrein", der Vorläufer des heutigen Relgiquienschreins, der durch die Strassen getragen wird.  In  ihm wurden die Reliquien des heiligen Fridolins aufbewahrt, bevor der heutige Silberschrein 1764 aus Augsburg geliefert wurde.

Heute ist der "Goldene Schrein" in der Kirche St. Johann in Laufenburg/Schweiz und dient zur Aufbewaharung der Reliquien der Katakombenheiligen Secunda.

(Foto: Karl Braun)

Kolorierte Fotografie aus der Zeit um 1910: Fridolinsprozession mit den Schreinträgern auf der Scheffelstrasse Bad Säckingen (Foto: Karl Braun)

 

Silberschrein von 1764,  zuoberst Fridolin und Ursus (Foto: Münsterpfarrei Bad Säckingen)

Acht starke Männer sind notwendig um den Fridolins Silberschrein von 1764 an der Frido-linsprozession durch die Innenstadt zu tragen. Es soll rund 300 Kilogramm schwer sein.  Knaben mit Stützen begleiten den Schrein. Der Schrein wird während der Prozession  mehrmals auf diese Stützen abgestellt, damit die Träger kurz rasten können. (Foto:Fridolin Hauser)


Hans Fridolin Speck, Chronist, Reporter, angefressener Netstaler, Sagenschreiber

(Bild: Hans Speck)

Dienstag, 1. März 2022 Fasnacht-Ziischtig

 

Netscheler Saagä

 

uufgschribä vum Hans Fridolin Speck

 

 

Dr Haagimaa vum Cholgrüebli

 

Ä gfürchigi Saag im Glarnertüütsch vum Hans Speck.

 

Als kleiner Junge weilte ich oft mit meinem Freund und Schulkollegen Urs bei meinem Vetter Kaspar «Chäpp» Schmuckli, einem Bruder meiner Mutter. Eigentlich hätte ich ihn als Onkel Chäpp ansprechen müssen, aber für meinen Bruder Wisi, meine Schwester Käthi und mich war er stets der Vetter Chäpp. Stundenlang sassen mein Schulfreund und ich auf der mit grüner Farbe ge-strichenen Sitzbank auf dem kleinen Vorplatz vor seinem Hause und schauten dem geschickten Holzscheiter und Bürdeli-Macher bei seiner Arbeit fasziniert zu.

 

Vetter Chäpp arbeitete hauptberuflich als Schichtmeister in der Oberen Pa-pierfabrik. Das «Holznä» war seine Passion. Er nutzte jede freie Minute, um sein Beil auf die Holzklötze niedersausen zu lassen, um dann später in seiner eigens konstruierten Bürdelimaschine die schönsten «Bürdeli» von Netstal herzustellen. Das allein war aber nicht das Spannende vor dem Hause von «Vetter Chäpp». Hochinteressant wurde es, wenn er uns seine manchmal haarsträubenden, vielfach von ihm frei erfundenen Geschichten erzählte und uns dabei mit schein-heiligem Blick hinter seinen listigen Äuglein beobachtete. Seine Markenzeichen waren sein stets um den Hals tragendes, rotes Original-Glarnertüechli und seine abgetragene Schieber-Mütze, die er stets auf seinem Kopfe trug, und vermutlich wohl auch noch in seinem Bette anhatte. Nebenbei besass der Bruder meiner Mutter und Vater des letzten, unvergessenen Netstaler Originals Kaspar «Chäpp» Schmuckli, eine riesige Sammlung alter Zeitschriften. Auf im wahrsten Sinne des Wortes brennendes Interesse stiessen bei meinem Freund Urs und bei mir die Zeitungen mit den Berichterstattungen aus dem Zweiten Weltkrieg, die stapelweise in Vetter Chäpps «Bogä» (so nannten wir den vor dem eigentlichen Keller vorgelagerten Abstellraum) herumlagen. Für uns aber das Spannendste war, wenn der «Vetter Chäpp» uns seine Gruselgeschichten erzählte. Wie «d’Schwii am Füh» haben wir ihm jeweils zugehört, wenn er vom «Haagimaa» und vom «Bölimaa» erzählte. Eines dieser Schauermärchen möchte ich allen Leserinnen und Lesern in meinem «Glarnertüütsch» erzählen.

 

Dr Haagimaa vum Cholgrüebli

 

Wän-er ämaal vum Staldägaartä obrhalb vu Riedärä das Wäägli übr d‘Wise i Richtig Löntschtobel spaziäred, mönd-er am Ändi vu dr Wise zeerscht äs paar Meeter abä i Richtig Löntschtobel laufä. Dä chänder dett uff ä schmaali Brugg, wo ä Huuffe Meeter wiiter undä z‘Wasser vum Löntsch dur ds Löntschtobel abäruuschet und dr Wääg uss dem dungglä Chessel usä suächt und chuurz vor Riedärä wider zum Vorschii chunnt. Ä prächtigä Wääg für Wanderer und Schpa-ziergänger, wo überä Löntsch uffe Wanderwääg uf dr anderä Siitä vum Löntsch füährt, und wo-mä dä nachhäär uffämä wunderschüünä Wanderwääg i üsers schüü Chlüntel lauffä chaa. Mä säit ä dem speggtaguläärä Übrgang «ds ’Chol-grüebli». Dett mönder dä uusinnig uff üüch uufpassä. Ä -n-üüs hättdr Vetter Chäpp immer vrzellt, dett undä inerä Felsniischä, vu obe-n-abe chuum sichtbar, huusi ä Haagimaa mit zwii Töchterä. Schu mängmaal häiged dr Haagimaa gmeinsaam mit sinä zwii Töchterä Wanderer und Schpaziärgänger vu hindä paggt und uf Nimmerwidersehn i ds ’Tobel abäzogä. Äinä, wo dr Haagimaa ämaal gsii hätt, hätt schpeeter gsäit, der gsäch uus we dr baar Tüüfel! Er hätt-nä  beschribä as groossä Maa mit-emä chrummä Puggel, mit groossä bluetunder-loffnä-n-Auge und miterä uuchrummä Nasä, riisigi Händ we Schneeschuuflä und träit häig de Gschtalt ä tüüfschwarzä Mantel mit silbrige Chnöpf, wo im Tungglä pblingged häged. Wänn deer sis Gsicht zunerä Fratzä vrzogä-n-und ds ’Muul uuf tuä häig, häigi-mä we inä schwarzi Höhli inägluäget. Sini beedä Töchterä Kuni-gundä und Amalia siged abr wunderschüü gsii mit blondä, langä Haar. De häiged jewiilä de Wanderer zeerscht mit ihrem Lächlä vrzaubäret und hypnotisiärt. Äsoo häiged de Lüüt vu denä schregglichä Voorgäng um si ummä gaar nüüt gmerggt. Vu denä Wanderer und Schpaziärgänger heig mä trotz intensivem Suechä mit dr Polizii gaar nüüt meh gfunde. Abr wä-me vu Riedärä bim Reschterant «Edelwyss» äm Wanderwääg naa i ds Chlüntel lauft, gsih-p-mä zwüsched Gebüsch und Felsä bim Löntsch drüü Gsichter. Mä seit, daas sig dr Geischt vum Haagimaa und sinä zwii Töchterä Kunigundä-n-und Amalia. Gfürchig, gäled! 

 

 

De schwarz Hand i dr Ädiwand

Mä gsiht si guät, de schwarz Hand mit ämänä Underaarmä, wo zmitzt i dr Ädi-wand je nach Wetter sichtbaar isch. Vor allem wänn p Felsä ä chlä füächt sind, gseh-p-mä das Felsägebilde richtig guät. Wer’s nuch nüd weiss: d’Ädiwand be-findet sich rächts vu dr Altigerruus i Richtig Näfels. Au dettä falled im Winter und vor allem im Früählig riisigi Schtaub- und Grundlauenä de hööch Wand drüber-abä, und nach ämänä Gwitter odr Schlagwetter gsiih-p-mä albigs ä mächtigä Wasserfall, wo dä äm Fuäss vum Wiggis id’Ädiruus mündet.

Chürzli han-i tätsch bim «Tatschgadä» ä -n-altä Netschteler troffä. Miir beed händ ä chlä diskutiärt übr Gott und d’Welt. Plötzli wächslet der Netschteler ds Thema. «Häsch de schwarz Hand oberhalb vu dr Ädiruus au schu gsih?», hett'r mi ghäimnisvoll gfraaget. Ich ha mi zerscht ä chlä müesä orientierä. Er zäiget mit siner Hand uff d’Ädiwand durä. «Gsehsch dr Tumä vu dr schwarzä Hand. Sie zäiget richtig Altiger durä, de anderä viär Finger zäiged polzägraad obsi i Richtig Wiggisalpäli. Vu dr Hand a abwärts gseh-p-mä nuch ä Underaramä. Es isch ä linggi Hand.

Wo-n-i mi wider ä mim Gschprächspartner zuägwendet ha, gsiini, das deer schtuuchä-läich isch. Ich hanä gfraaget, ebs-em nüd guät giäng. Er hätt dä züemer gsäit: «Häns, ich verzell dr etz ä Gschicht, wo minä Vatter und vor imm sinä Urgrossvatter immer wider verzellt händ. Mä häig de Gschicht vu äiner Gäneraziuu zur anderä immer wiitervrzellt. Öb si würggli au passiert isch, cha niemert me sägä.

 

Ganz früäner hätt's z’Netschtel äs paar Famillänä gkaa, wo ä chliis Wisägländ äm Fuäss vum Wiggis gkaa händ. Ä -n-äinerä vu denä Wisäflächänä hä-p-mä z

ds Güetli gesäit. Es isch ä Puuräfamili gsii, wo das Wiesland mit viär Milchchüäh, viär Geissä und sechs Hüänderr bewiirtschaftet händ.

 

As Sälbschternährer händ-s 'immer gnuäg z’ässä gkaa. Irä Hauptvrdiänscht isch abr d Milch gsii, wo sie abem Hof verchauft händ. Füüf Chind, eäs nach em anderä geborä, hätt das Puurä-Ehepaar züüget, und wänn de füüf Chind, drii Buäbä und zweä Mäitli, näbänand gschtandä sind, hätt das präzis uusgsii, we wänn füüf Orgeläpfiiffä näbänand stuh würded. Oder we Nooäschlüssel: Do, Re, Mi, Fa, So und äs La isch au schu wieder unterwegs gsii. Allerdings sig das ehnder ä Betriibsuufall gsii, hätt dr Puur i dä Dorfbeizä ä sinä Suufkumpanä vrzellt. Meh Chind wäred äigentli uss finanziellä Gründä schlicht und eifach nüd dinnä glägä. Warum etz wieder äis underwägs sig, wüssi er au nüd, hätt er schu wagger bsoffä bi sinä Suufkumpanä uusposuunet. De händ all bi siner Uussaag äso komisch glächlet. Schu lang wird nämmli im Dorf vrzellt, d’Püüri heig äs Gschleigg mit-em Chnächt. p Püri sälber häig das ä-n-ihnä Kolleeginnä, alles bekannti Netschteler Rätschbäsänä, verzellt. De Gschicht hätt natürli schnäll im Dorf d Rundi gmacht. Au d’ annnä sind irnä Wiiber i punkto Räubergschichtä nüd zrugg-gschtandä.

 

Deer Chnächt sig ä desärtiärtä, ehemaaligä Soldat vu dr Armee vum russischä General Suworow gsii, hä-p-mä-n-.im Dorf verzellt. Niämert häig der Purscht je ämaal im Dorf gsih. Er sig ä Desärtöör und häig sini Kollegä, wo gäggä d’ Fran-zoosä kämpft händ, äifach hoggäluu. Verschteggt häig si der komischi Kauz  währed dä Kämpf inärä Felsnischä zwüschet-em Altiger und dr Ädiruus. Ernährt häig'r si mit gschtolnä-n-Äier und Hüender, wo-n-'r äifach dr Grind umträht hätt und au vu Gmüäs und Frücht. Er heig käs Woort Tüütsch chänne, sig abr suscht ä gäbigä und vor allem ä hübschä Maa gsii, hätt’s ghäissä. Drum isch-es ä kä Zuäfall gsii, dass immer meh Frauä uss em Dorf i Richtig Mettläsee gschpaziärt sind, i dr Hoffnig, si chämed der russisch Adoonis ämal gseeh. Es isch ä richtigs Gläuff druus wordä.

 

Will rund ums Dorf Netschtel ä bluätigi Schlacht zwüsched dä Franzosä und dä Russä schatttgfundä hätt, häig niämert gmerggt, we der Russ bi all dem Durä-nand uss dr kämpfendä Truppe abtampfet isch. Wo der ganz Chriägszauber dä verbii gsii isch, häig-si dr Anatoli, äsoo hätt er ghäissä, wider uss sim Loch üsägwaaget. Will'r überhaupt nüüt me gkaa hätt, as äs paar Lümpä, wo sinä Körper bedeggt händ, und 'r si übr Munet nu vu demm ernährt hätt, wo em d Natur pbottä hätt, häig dr Anatoli uusgsih we-n-äs Chnochägrüscht, äsoo mager.

 

Abr ä schünä und trahtigä Körper häig er gkaa, uni äs Gramm Fett und trotzdem Musglä we dr Herkules, händ p Fraue im Dorf gschwärmt, und drunder häig's sogaar äs paar elteri Semeschter gkaq, äs paari drvuu sogaar uhni Zänd. Äs Mannsbild, wo ä jeder Frau älläi schu vum Aaluägä fascht d’ Augä zum Chopf usägkiit sind. Das Mannsbild isch dä-n-au ä dr Püüri uufgfallä, aber drfvu speeter.

 

Ämaal ämänä schüünä Taag, äs hätt ja müäsä äsoo chuu, hätt-nä dr Puur under dr Ädiwand i siner Felsnischä uufgschtöbäret. Schu lang hätt'r deer Maa gsih und Schpaziärgänger händ-nä uff der uufmerggsam gmacht. Daas wäär doch einä für i Gadä, hätt er tänngt. Ä Chnächt, wo cha zuälangä. Eines Tages hätt nä dr Puur dett im «Güähät aatroffä-n-und mitem chänne redä, und dr Russ, wo nu Bahnhof und Abfahrt verschtandä hätt, und eer händ halt aagfangä, mit Händ und Füäss mitänand z’kommuniziärä. Irgendwiäe hätt's dä dr Anatoli begriffä, was dr Puur vu ihm hätt wellä. Gmeinsam sind.si i Gadä-n-überä g'gangä, und daas isch dr eägentlich Aafang vu dr ganzä Gschicht. 

 

Äm Aafang isch-es fürä Puur schu müähsam gsii, äm Aanatoli biizbringä, was'r alles sött machä: Stall uusmischtä, g Chüeh mälchä, mit-erä Sägäzä ds Graas umtuä, zettä und woorbä und so wiiter und so fort. Wochä, Münet und Jahr sind verbii g'gangä. Äs isch em Puur nüd uufgfallä, we deer Anatoli sini Frau wenä busigä Schpatz aagluäget hätt. p Püüri sälber abr hätt schnäll gmerggt, as deer bäumig Russ äs Aug uff si gworffä hätt Si hätt alli Waffä vu-nerä Frau iigsetzt, und was-si ä wiiblichä Räiz z’büütä gkaa hätt, isch beachtli gsii. Gwaltigi Rundigä, ä schüüs Gsicht, vollni Lippä, wunderschüüni blaui Augä wenä Bäärgsee, langi schwarzi Haar, churz gsäit äs Prachtswiib.

 

Im Purähuus uffem «Güätli» hätt's zwüschet dr Püüri und äm Anatoli richtig aagfangä chnischterä, und ämänä schünä Aabed, wo dr Puur mit sinä Suuf-kumpanä im «Horä» sini Lampä gfüllt hätt, hätt p Püri de Glägähäit gnutzt und hätt ire Chnächt Anatoli im Gadä uufgsäecht. Im Gadä händ de zwei nüd lang gfagglet, dsm Gwand isch äifach drfvu gflogä und dä händs vermuätli das sächst Chind, ebä z’ La züüget. Und hett's nüd im glichä Momänt im Himmel aagfangä hitzlaichä, hett mä chännä mäinä, ds Himmelsfüür chämi diräggt ussem Gadä-n- usä. De zwäi händ nüd gmerggt, ass Stundä-n-und Stund ävrgangä sind, und dr Puur zu spääter Stund chatzgegelvoll häi chuu isch. Der isch äso voll gsii, as'r nüdämaal gmerggt hätt, was im Gadä näbädraa passiärt. Äsoo hätt si das Spiili immer wider widerholt. Taag für Taag, Wuchä für Wuchä, und äinmal hätt's dä halt ebä-n-iigschlagä. «Du Heiri, ich bi schwanger», hätt p Püri zu irem für äimaal, uusnahmswiis nüächterä Maa gsäit. «Aber nüd vu miir, mir händ ja schu eebigslang kä Vercheer meh gkaa», hätt'r sofort g’antwortet. «Vu wem dä sust?», fraget p Püri, du bisch dr äinzig Maa näbetem Anatoli i üüsärem Huus». «Ebä drum», seit dr Puur mit emänä hööchrootä Grind vor luuter Wuät. «Mit dem guu-n-i etz gu redä, deer muäs abfarä vu üüserem Hoof, sowiit dr Himmel blau isch». «Das chaasch doch nüd machä, tängg doch ä üüsers Chind. «Waas üsers Chind, üüchers Chind - das vu dem huärä Bolschewischt und vu diir, häsch wellä sägä. Ihr chänd vu mir uus gad bedi abfahä»!

 

Dr Puur isch i äiner Gallä i Gadä überä g'gangä, doch dr Anatoli isch nüd uufzgfindä gsii. Mit ämänä Biäli bewaffnet isch'r sinä Chnecht gu suächä und hätt nä i siner ehemaligä Behuusig under dr Ädiwand aatroffä. «Was häsch gmacht mit miner Frau, du Dräggbogg, du huerä Sauruss», hät'r-em zuägruüäft. Är isch uff ä Anatoli loos, abr deer isch-i z’kämpfä gwännt gsii. Zerscht mit Prügel und Pfüüscht, nachhärä dr Puur mit sim Biäli, sind-s' uffänand loos g'gangä. Zmitzt i dem Kampf isch dr Anatoli zämäpbrochä und hätt bluätüberströömt äm Bodä-n-undä nu nuch gröchlet. Dr Puur hätt nä wiiter mitem Biäil malträtiärt und äm Anatoli dr lingg Armä abghagget. Deer isch  ä siner Verletzig verblüätet.

 

Nachdem dr Puur festgschtellt hätt, ass sinä Näbäbuäler toodt isch, hätt'r d Liich äm Fuäss vu dr Äediwand hanägläit und under dä Schtei begrabä. Nachdem as er i dr Ruus sini bluätigä Händ und Armä gwäschä hätt, isch'r zrugg uff sinä Hoof. Sofort hätt'r festgschtellt, as dett öppis nüd stimmt. Är hätt grüäft und grüäft «Anni, wo bisch, chum mir mached Fridä». Was dr Puur nüd gwüsst hätt: sini Frau hätt müesä zwüsched dä Bäum durä zuäluägä, we irä Maa dr Anatoli umpbracht hätt.

 

Sie isch sofort i ds Dorf zum Lantjeger und hätt em vrzellt, was passiärt isch. Ä ganzäi Schwetti Polizischtä sind dä-n-i ds Güetli usä und händ dr Heiri verhaftet. Wo sie händ welle dr totinig Anatoli gu bärgä, genau ä dener Stell, wo nä dr Puur hätt beschribä, händ si mit Schreggä müäsä feschtstellä, as dett nu nuch äs paar Bluätfläggä gsii sind, dr Anatoli abr spuurlos verschwund$-n-isch. Das händ p Polizischtä dä äm Puur verzellt und deer isch schneechriidäwiiss woorde: «Ich bi totsicher, as dr Anatoli muusschteitood gsii isch, genau dett, wonä vergrabä ha. Das cha doch nüd sii».

 

Überall hä-p-mä dr vrmeintli tootnig Anatoli gsuächt, abr niämert hättt-nä bis zum hüttigä Taag gfundä. Aber öppis Äigenaartigs isch nu äs paar Täg nach dem Mord iiträttä. Nach emänä heftigä Gwitter hätt mä plötzli zmitzt i dr Ädiwand ä Arm mit erä Hand gsii. Im Dorf hätt mä gseit, dass sig dr Armä und d Hand vum Anatoli, wo Richtig Wiggis Alpäli zeiget. Dett ufä sig p Püüri nach dem truurigä Eräignis hanä gflüchtet, heig dett obä ä Buäb geborä und sig dä speeter mit dem Chind uff Russland i d Heimat vum Anatoli greiset. Eb dr Anatoli würggli tood isch gsii, weiss niämert, abr sitt due gsii-p-mä immer wieder bi Rägäwetter oder nach ämänä Gwitter dr lingg Arem und d’ Hand. Ebä de «schwarz Hand i dr Ädiruus». Ä gfürchigi Gschicht, gälled!

 


Montag, 28. Februar 2022 (Fasnachtmäändig)

 

Just zur selben Zeit, wie in Einsiedeln der "Süühudi"-Umzug stattfindet, eine Meute von wohl mehreren hundert "Süühudis" (Mäschger), die angeführt von Einsiedler Tüüfeln vom Kloster durch die Hauptstrasse bis zur Brauerei zieht und allerlei Lottereien treibt, dann zurückkehrt und in der "Linde" den Schlusstrunk kredenzt, tauchte bei mir per Email aus Schwyz vom ehemaligen Einsiedler Polizisten Sepp Ochsner das folgende Kalenderblatt für den März auf. Es ist so trefflich abgefasst und so gut recherchiert, dass es auf dieser Seite verewigt werden soll.

Kalenderblatt  März

 

Was es in diesem Monat wieder alles zu berichten gäbe:

„Meh Heiligi als rot Hünd“!

 

Der Monat März wird als Frühlingsmonat beschrieben. Im Muotathal allerdings reden alle nur vom „Lanzig“!

 

Am 19. März wäre da der (kantonale) Feiertag „Josef, Nährvater Jesu“. Mein Vater, ebenfalls ein Josef, hatte dazu seine eigene Version. Josef sei gerecht gewesen, weil er von allem nichts gewusst, dafür aber alles geglaubt habe. Das konnte bis jetzt von keinem Theologen widerlegt werden. Aus dem Hebräischen übersetzt heisst Josef übrigens „der Ver-mehrer“. 

 

Lassen wir das mal so im Raum stehen. Einige Kirchen im Kanton sind daher dem Nährvater Jesu geweiht, so zum Beispiel in Unteriberg, Wil-lerzell, Buttikon, wie auch in Sisikon und Gurtnellen. Dazu kommen auch noch das Frauenkloster Muotathal und das Josefsklösterli im Loo ob Schwyz. Dieses Josefsklösterli wurde 1586 von Kapuzinern erbaut, spät-er von den Jesuiten genutzt, als Schule betrieben und heute als ge-schlossenes Frauenkloster geführt. In diesem Zusammenhang ist auch das kirchliche Fest am 25. März zu sehen: Maria Verkündigung: Neun Monate vor Weihnachten. Das ist der Moment, wo der Erzengel Gabriel mit dem „englischen Gruss“ Maria die Geburt Jesu durch die Kraft des Heiligen Geistes ankündigte.

 

Am 19. und 25. März kam ich einfach nicht vorbei. Nun möchte ich aber gerne noch auf den 6. März kommen. Fridolin, landläufig als Glarner Landespatron bekannt und der einzige Heilige, der es in der Schweiz auf ein kantonales Banner schaffte. Der heilige Fridolin, der seit dem 13. Jahrhundert, zusammen mit dem heiligen Hilarius im Kanton Glarus als Landespatron verehrt wird, ist mit allergrösster Wahrscheinlichkeit gar nie in Glarus gewesen. Wahrscheinlich stammte Fridolin, wie so viele Glau-bensboten, aus Irland. Wie der heilige Kolumban und der heilige Gallus ist auch Fridolin zuerst nach Frankreich gekommen und hat einige Zeit dort gelebt. Über Trier und der Mosel entlang gelangte er an den Rhein und von dort lassen sich seine Spuren an den Oberrhein und in die Schweiz verfolgen. Er kam so in die Gegend von Säckingen und der ihm gut gesinnte Frankenkönig habe ihm dieses Land für den Bau eines Klo-sters geschenkt. Nach einem segens- und arbeitsreichen Leben starb Fridolin im Jahre 538.

 

In dieser frühen Zeit hat fast das ganze Glarnerland dem Kloster Sä-ckingen gehört, welches das Land seinerseits den Bewohnern als erb-liches Lehen übergeben hat. Der Lehenszins wurde ganz genau fest-gesetzt und hat unter anderem auch aus Glarner Ziger bestanden. Anno 1288 hat dann aber die Äbtissin das Verwalteramt über die Glarner an die Habsburger übertragen. Und darum haben schliesslich die Schwyzer (Eidgenossen) in die Glarner Geschichte eingegriffen. – Im Kanton Schwyz ist aber – soweit bekannt – nur gerade die Kapelle in Ried ob Schwyz dem heiligen Fridolin geweiht.

 

Viele von uns verbindet eine langjährige Freundschaft mit den Glarner Kollegen. Seinerzeit amtete schliesslich auch noch ein Schwyzer als Polizeikommandant dort, Linus Huber, Sohn von unserem Wm Adolf Huber, Steinen. Linus war  Schweizer-Polizei- Sport-Offizier.

 

Geradezu legendär waren unsere Konkurrenten auf den Skipisten und Loipen, die da hiessen: Schmid, Vieli, Tinner, Bäbler und nicht zu ver-gessen, der eifrige Zweifel Balz. Letzterer verunfallte als Pensionierter sehr schwer auf dem Rennrad und ist seither an den Rollstuhl gefesselt. Persönlich denke ich auch mit Respekt an den damaligen Chef „Alpines Rettungswesen“ im Schweizerischen Alpenclub (SAC), Ruedi Beglinger, Stationierter in Niederurnen. Er förderte mich sehr als Instruktor Lawinen-hundewesen SAC und REGA.

 

Gruess und bliibed gsund

Sepp

 

Bauernregel:

Märzenschnee und Jungfernpracht dauern oft kaum über Nacht! (wie wahr!) 

Sepp Ochsner, langjähriger Polizist in Einsiedeln und Schwyz. Leidenschaftlicher Sammler von Themen für Zeitungsbeiträge im Einsiedler Anzeiger. Von ihm stammt das originelle Lebensbild des "Gäisseli Edi" (Edi Feldmann, "Wanderniere", aus Näfels). Er ist ein vorzüg-licher Rechercheur (siehe Text oben).


Donnerstag, 17. Februar 2022

 

Fridolinsfest in Bad Säckingen

 

Die Badische Zeitung Bad Säckingen berichtet

 

(15. Februar 2022) 

 

 

Wieder keine Prozession zu Fridlini

 

Fridolin Ambongo Kardinal Besungu aus dem Kongo hat seinen Besuch in Bad Säckingen wegen der Corona-Pandemie absagen müssen.

 

Von Axel Kremp

 

BAD SÄCKINGEN. Das Fridolinsfest 2022 hätte ein ganz besonderes werden können. Erstmals seit vielen Jahren fällt der Gedenktag des  Bad Säckinger Stadtpatrons auf einen Sonntag. Und erstmals überhaupt sollte ein Kardinal die Festpredigt beim Pontifikalamt halten. Noch dazu einer, der auf den Namen Fri-dolin hört. Doch daraus wird nichts. Und eine festliche Prozession durch die Altstadt von Bad Säckingen wird es am Sonntag, 6. März, auch nicht geben. Schuld daran ist das Coronavirus.

 

Wie Dekan Peter Berg auf Anfrage der Badischen Zeitung sagt, lässt es die Pandemie auch in diesem Jahr nicht zu, mit einer Prozession durch die Stadt zu ziehen. Er erinnert daran, dass die von der Politik in Aussicht gestellten Locker-ungen erst Ende März greifen sollen und es deshalb nicht verantwortbar erschien, Musikkapellen, Trachtenträger und andere Gruppen zur Teilnahme an einer Prozession einzuladen.

 

Rückblende: 2021 fand schon keine Fridlini-Prozession statt; die Prozession 2020 war die letzte Grossveranstaltung, bevor damals das öffentliche Leben auf Null gefahren wurde.

 

Corona ist auch schuld daran, dass Fridolin Ambongo Kardinal Besungu, der Erzbischof von Kinshasa, der Hauptstadt der demokratischen Republik Kongo, nicht nach Bad Säckingen reisen kann. Den Kontakt zum Purpurträger aus Afrika hatte Fridolin Hauser, der langjährige Gemeindepräsident von Näfels, der Bad Säckinger Partnergemeinde  im Kanton Glarus, geknüpft. Fridolin Hauser ist nicht nur Namensvetter des Kardinals und des Heiligen, er ist in seiner Heimatge-meinde auch Vorsitzender des Fridli-Bundes. Das ist ein Zusammenschluss von Männern, die auf den Namen Fridolin hören.

 

Vor einigen Jahren ist Näfels aufgegangen in der neuen Gemeinde Glarus Nord. Der heilige Fridolin ist Patron des Kantons Glarus und wird dort nicht minder intensiv verehrt wie in Bad Säckingen. Auf ihr Kantonswappen sind die Glarner besonders stolz. Es zeigt den heiligen Fridolin und ist das einzige Kantons-wappen in der Schweiz, das einen Mensch darstellt.

 

Ohne Prozession rückt am Sonntag, 6. März, das festliche Hochamt im Fridolinsmünster in den Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Orchester und Chor werden unter Leitung von Markus Mackowiak die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart aufführen. Zelebrant und Festprediger wird der Probst des Stiftes Beromünster in der Schweiz, Harald Eichhorn, sein. Eichhorn ist in Bad Säckingen kein Unbekannter und vor allem ist ihm der heilige Fridolin nicht unbekannt. Von 2013 bis 2020 nämlich war Eichhorn Pfarrer in Näfels.

 

Der Festgottesdienst im Münster unter Coronabedingungen beginnt um 10 Uhr. Er wird live ins Internet übertragen. In Bad Säckingen bestens bekannt und mit dem Münster bestens vertraut ist auch der Prediger bei der nachmittäglichen Vesper. Diakon Markus Kreutz wird da predigen. Abends wird der Schrein nach einem weiteren Gottesdienst wieder zurückversetzt.

 

Dies wird 2022 die Festivitäten zu Ehren des heiligen Fridolins beenden. Das weltliche Fest beginnt am Samstag, 26. Februar. Bis einschließlich 6. März wird der Rummel auf dem Festplatz geöffnet sein. Und der traditionelle Fridolinsmarkt wird in diesem Jahr am Samstag, 5. März, auf der Au-, der Scheffel- und der An-ton-Leo-Straße stattfinden.

 

Freundlicherweise von Axel Kremp, Chefredaktor, Bad Säckingen, zugestellt.


Mittwoch, 16. Februar 2022

 

Die Welt ist farbig, die Umgangssprache auch

 

oder

 

Dasselbe in Grün

 

Bei einer Wiederholung oder einer Kopie sagt man oft «dasselbe in Grün». «Grün hinter den Ohren» sind Halbwüchsige, die sich gebärden, als seien sie schon erwachsen. Wer «auf keinen grünen Zweig kommt», hat wirtschaftlich keinen Erfolg. «Grünes Licht» gibt die Obrigkeit, wenn ein Projekt anlaufen darf. Man kann jemanden übermässig oder «über den grünen Klee» loben. Andere ärgern sich darüber «grün und blau». Noch schlimmer ist einer, der den andern verdrescht und ihn «grün und blau» haut. «Grüne Weihnachten» sind Weihnachten ohne Schnee. Wer gut gärtnern kann und dabei Erfolg hat, hat «einen grünen Daumen». Wer in Deutschland jemanden nicht leiden mag, «ist ihm nicht grün». Autofahrer mögen es, wenn sie bei der Fahrt durch die Stadt eine «grüne Welle» erwischen.

 

«Blau» ist hingegen, wer betrunken ist. Den «blauen Brief» erhält, wer gekündigt wird. «Das Blaue vom HImmel lügen» sind Angeber oder Leute, die am Montag «blau machen». Das ist nicht besser, als wenn jemand einem «das Blaue vom Himmel verspricht». Wer aus einer brenzligen Situation heil hervorgeht, «kommt mit einem blauen Auge davon». Lässt sich jemand naiv und unbedacht auf etwas ein, kann er «ein blaues Wunder erleben». Angenehm ist es aber gelegentlich «ins Blaue zu fahren». Eine «Fahrt in Blaue» ist aber eine Fahrt ohne Zielangabe. Bei unsanften Stössen oder bei einem schmerzhaftem Aufprall, kann man «eine Bläuele oder Blääbälä bekommen. «Blauäugi» sind Naive und Leichtgläubige. Beschwingt tanzt man «An der schönen blauen Donau». Wenn das Auto mit «Blaulicht» durch die Strassen heult, geht es wahrscheinlich einem Menschen schlecht oder die Polizei und Feuerwehr rast zu einem Unglücksort. Und man könnte auch sonstwie «sein blaues Wunder erleben».

 

Nicht das Beste ist «nicht das Gelbe vom Ei». Zu meiner Jugendzeit wurde gedroht, wenn du weiterhin so spinnst, holt dich das «gelbe Wägeli» nach Züri-Höngg (Irrenanstalt). Im kalten Krieg warnte man von der «gelben Gefahr» und meinte China. Hast du was und bist du was, können deine Mitmenschen «gelb vor Neid» werden. In schlimmeren Fällen gar «grün und gelb vor Neid». Manchmal bezeichnet sich die Post etwas kokett, sie sei der «gelbe Riese».

 

«Grau» hingegen kann der «Alltag sein». Eine «graue Eminenz» ist jemand Einflussreicher im Hintergrund, banaler ein «Strippenzieher». Ist jemand «grau im Gesicht», ist ihm übel oder schlecht. «Grau macht schlank!» ist die Parole der Elefanten. Etwas «grau in grau malen», wird nur noch vom pessimistischen «Schwarzmaler» übertroffen. Pessimisten sind «Schwarzseher», nicht zu verwechseln mit «Schwarzsehern» und «Schwarzhörern», die die Mediengebühr nicht bezahlen. Nicht viel besser sind die «Schwarzarbeiter», sie gehen keiner offiziellen Arbeit nach und geben ihren Verdienst nicht auf der Steuererklärung an. Einen «schwarzen Tag» nennt man einen Unglückstag oder wenn einfach alles schiefläuft.

 

«Black is beautiful», ein geflügeltes Wort und behauptet, schwarz sei schön. Hingegen fast ein Naturgesetz meint: «In der Nacht sind alle Katzen schwarz» Eine Behauptung glaubwürdiger machen oder garantieren heisst, «jemandem etwas schwarz auf weiss geben». Man hat etwas «schwarz auf weiss», wenn es schriftlich ist. Das «schwarze Schaf» kommt einem «Sündenbock» ähnlich und fällt einfach negativ auf. Kommt einer nicht zum vereinbarten Termin, kann der andere «warten bis er schwarz wird». Besser ist es, wenn man «schwarze Zahlen schreibnen» kann.

 

Ein «weisser Fleck» auf der Landkarte ist unerforschtes Gebiet. Eine «weisse Weste» hat der Unschuldige. Der «weisse Tod» ist sterben durch erfrieren. Wer aber «weisse Mäuse sieht», ist entweder betrunken oder wahnsinnig. Wer «erbleicht» und «ein weisses Gesicht» bekommt, leichenblass wird, dem ist wahrscheinlich wirklich übel.

 

Das «weisse Kreuz im roten Feld» ist unsere Nationalflagge. Sie kommt ja bekanntlich aus Näfels, seit General Niklaus Franz von Bachmann das «weisse Kreuz im roten Feld» wiederentdeckt und als Armbinde und Feldzeichen bei seinen Truppen eingeführt hat. «Krebsrot», «puterrot», «tomatenrot» kann man werden, wenn man sich schämt. Eher wütend oder zornig ist «ein Mann, der rot sieht». «Roten Zahlen schreibt», wer Verluste macht. Und der Kinderspottvers: «Rot ist die Liebe, rot ist das Blut, rot ist der (Name des Lehrers) in seiner Wut.». Angenehmer ist dann einer, der «etwas durch die rosarote Brille» eben nur positiv oder allzu optimistisch sieht. «Ein rotes Tuch für einen andern» ist man, wenn jemand bei der Begegnung gleich hochgeht. Doch wer eine «weisse Fahne hisst», möchte Frieden.

 

«Einen Silberstreifen am Horizont» sieht einen Hoffnungsschimmer. Bekanntlich ist «Reden Silber und Schweigen Gold». Betörend kann ein «Silberblick» sein. Verkauft einer seine letzten Reserven, verkauft er das «Tafelsilber».

 

Doch «ist nicht alles Gold, was glänzt». Dafür hat «Morgenstund’ Gold im Mund».

Der «goldene Schnitt» ist ein Begriff aus der Kunst, das «goldene Kalb» aus der Bibel und eine «goldene Nase» kann sich ein guter Geschäftsmann verdienen. Es empfiehlt sich, tolerant zu sein und nicht jedes Wort «auf die Goldwaage zu legen». Die wirklichen Werte lassen sich nicht «mit Gold aufwiegen».

 

Etwas, was strukturiert ist und ein durchgehendes Leitmotiv hat, lässt einen «roten Faden» erkennen.

 

Und wenn einem Leser das Ganze «zu bunt» wird, dann möge er herunterfahren und denken: «Besser als farblos!»

 

Bis bald! Ihr Pankraz

 

 

Ein nicht im "Fridolin" veröffentlichtes Essay.


Donnerstag, 3. Februar 2022 Blasiustag

 

Die wieder entdeckte "Füürgloggä" in Mollis

 

Heute meldete sich Architekt Jürg Andreas Riedl, Mollis, mit der Botschaft, dass die wahrscheinlich älteste Glocke im Kanton Glarus wieder in Stand gestellt und am Hauptportal der evangelisch-reformierten Kirche in Mollis angebracht werde.

 

Aus dem Kunstführer "Glarus Nord"

Feuerglocke des Glockengiessers Jörg Roet von 1496 (aus Reutlingen D)

Vorderseite Jahreszahl

Die älteste Glocke im Glarnerland zeigt auf der Rückseite zwischen zwei Schnur-stegen die Anbetung der Könige.

Der erste König kniet mit einem Kästchen in der Hand,

der zweite trägt in der Rechten ein gebogenes Horn,

der dritte trägt in der Linken ein gebauchtes Gefäss.

(Foto: Urs Heer 2012)

Fertig montiert vor dem Hauptportal und in Betrieb genommen.

Jürg Andreas Riedl schreibt dazu "Die Glocke hat einen sehr schönen Klang. Deshalb haben wir die Glocke so aufgehängt, dass es möglich ist, diese von Hand zu läuten z.B. bei Hochzeit, Taufe oder sonstigem Anlass." 

   (Werkfotos: Architekt Jürg Andreas Riedl, Mollis)

 

Download
Füürgloggä vu Mullis
Die älteste Kirchenglocke im Kanton Glarus.
IMG_2326.MOV
QuickTime Video Format 40.1 MB

Mittwoch, 2. Februar 2022

 

Füürgloggä und Schturmgloggä in Näfels

 

Heute ist der Begriff "Schturm lüütä" verwendet, wenn jemand an der Hausglocke ungestüm und nachhaltig läutet. Früher - als es noch keine Sirenen, Feuerhörner und elektronische Alarmsysteme gab, wurde vom Kirchturm die Feuerglocke ge-läutet. Der ehemalige Sigrist Martin Böni mag sich an keinen solchen Einsatz mehr erinnern. In einer alten Läutordnung aber stehe, dass bei einem Sturm (Hochwasser, Feuerbrunst), falls die Sirenen versagen, der Sigrist die Sturm-glocke zu läuten habe, nach Anweisung des Kirchenrates.

Zu vermuten ist, dass dies mit der "Agathaglocke" zu erfolgen hatte. Agatha ist die entsprechende Patronin. Am 5. Februar, Agathatag, wird gemäss Tradition noch Brot gesegnet: "gegen innere und äussere Brände" (Heimweh und Feuerbrunst).

 

Als Knabe habe ich in den vierziger Jahren noch mit eigenen Augen einen Feuer-wehrmann freihändig auf dem Velo gesehen, der mit dem "Füürhorä" mit Auf- und Zubewegungen akkustisch Alarm im ganzen Dorf geschlagen hat.

 


Mittwoch, 2. Februar 2022

 

Die neue Bischofs-Crew - Domkapitel brandneu

 

Die neuen Domherren unter Bischof Bonnemain (in der Mitte):

Wilhelm Wolf, Adrian Lüchinger, Luis Varandas, Albert Fischer, Jürg Stuker, und Daniel Krieg.

 

Albert Fischer und Jürg Stuker amten als residierende Domherren 

 

Luis Varandas aus Zürich, Daniel Krieg aus Altdorf, Adrian Lüchinger aus Horgen und Karl Wilhelm Wolf aus Küsnacht amten künftig unter Bonnemain als nichtresidierende Domherren

 

Die 26 Domherren bilden zusammen das Domkapitel.

Es wählt den Bischof, hilft beim Verwalten des Bistums und ist Bindeglied zwischen dem Bistum, den Pfarreien und den Katholikinnen und Katholiken. Unterschieden wird  zwischen residierenden, also in Chur wohnhaften, und nichtresidierenden Domherren.

 

Seit 1655 bestehe das Gremium aus 26 Männern.

 

 Das aktuelle Domkapitel (gelb bisher, weiss neu)

 

Residierende Domherren:

 

Fischer Albert, Dr. theol., Dompropst, Diözesanarchivar

 

Grichting Martin, Dr. iur. can. habil., dipl. theol., Prälat, Domscholastikus, Vizedekan (c)

 

Bühler Gion-Luzi, Domkustos, Dompfarrer (c)

 

Fuchs Andreas Markus, Msgr., lic. theol., Domsextar, Bischofsvikar (c)

 

Stuker Jürg, lic. theol., Domkantor, Generalvikar

 

Niederberger Walter, Prälat (c)

 

Nichtresidierende Domherren:

 

Stampfli Franz, Kan., Pfr. i. R. 

 

Schnellmann Guido, Kan., Dr. theol., em. Prof. (c)

 

Venzin Pius, Kan., Kpl. (c)

 

Mathis Hans, Kan., Pfr. 

 

Camenzind Peter, Kan., lic. theol., Pfr. (c)

 

Durrer Daniel, Kan., Pfr. (c)

 

Rellstab Andreas, Kan., lic. theol. (c)

 

Imhof Franz, Kan., Pfr.

 

Amgwerd Peter, Kan., Pfr. (c)

 

Cavelti Alfred, Kan., Pfr.,

 

Reichle Rolf Maria, Kan., Pfr.

 

Graf Roland, Kan., Dr. theol., Pfr.

 

Schlienger Paul, Kan., Pfr.-Adm.

 

Varandas Luis, Kan., Msgr., Generalvikar

 

Krieg Daniel, Kan., Pfr., Dekan

 

Lüchinger Adrian, Kan., Dr. theol., Pfr., Dekan

 

Wolf Karl Wilhelm, Kan., Pfr.-Adm., Spiritual

 

Collegium Consultorum

Die mit (c) bezeichneten Mitglieder des Domkapitels bilden das Collegium Consultorum.

 

 

Emeritierte Domherren:

 

Arnold Hans, Kan. em., Pfr. i. R.

 

Eichhorn Harald, Kan. em., Pfr.-Adm. (Propst in Beromünster)

 

Auf der Mauer Guido, Kan., Pfr. i. R.

 

Das Bischofswahlrecht und das Privileg des Churer Domkapitels (Aufsatz von Mons. Stephan Stocker, erschienen in der SKZ 31-32/2008):

Bischofswahlrecht und Privileg des Churer Domkapitels

© 2022 Bistum Chur

 

Der Kanton Glarus hat keinen Domherrn mehr. Diesen Titel hatte Pfarrer Hans Mathis, Schwanden, inne. Er ist Spiritual im Kloster Cazis.

 

Corrigenda: Ich wurde darauf hingewiesen, es stimme nicht, dre Kanton Glarus habe keinen Domherrn. Domherr Hans Mathis sei immer noch Glarner Domherr, er habe diesen Titel mitgenommen. Neue Terminolo-gie: "Nicht im Glarnerland residierender Domherr".

 


Mittwoch, 2. Februar 2022 (Lichtmess)

 

Lichtmess und Blasiustag (3. Februar)

 

Brauchtum, das noch lebt

 

Wer erinnert sich nicht aus seiner Jugendzeit an Lichtmess und den Blasisustag? An Lichtmess war der allerletzte Termin, den Christbaum abzuräumen, zu zer-kleinern und im Ofen zu verbrennen. Die Chrisnadel war ausgetrocknet und fielen ab, der Rest brannte im Kachelofen lichterloh. Am Blasiustag wurden Hälse gesegnet. "Blasiussegen", kalte Kerzen am Hals und den Mundgeruch des Pfar-rers beim Aussprechen der Formel.

 

In unseren Kirchen wird am 2. Februar LIchtmess gefeiert, dabei können Kerzen gesegnet werden. Im Anschluss an den Gottesdienst ist Halssegnen, wie am Tag danach am Blasiustag.

 

Der Gedenktag des hl. Blasius ist der 3. Februar.

Er ist Patron von Dubrovnik, dem früheren Ragusa, von Maratea und 79 weitern Orten in Italien, der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Blasmusikanten, Wollhändler, Schneider, Schuh- und Hutmacher, Weber, Gerber, Bäcker, Müller, Maurer, Gip-ser, Steinmetze, Seifensieder, Wachszieher und Nachtwächter; der Haustiere und Pferde; für eine gute Beichte; gegen Halsleiden, Husten, Kehlkopfkrankheiten, Diphterie, Blasenkrankheiten, Blutungen, Geschwüre, Koliken, Zahnschmerzen, Pest, Kinderkranheiten; gegen Sturm und wilde Tiere.

 

Der Blasiussegen ist ein Sakramentale der katholischen Kirche. Er wird nach der Heiligen Messe am Gedenktag des heiligen Blasius, dem 3. Februar, ge-spendet, traditionell oft auch schon tags zuvor im Anschluss an die Heilige Messe des Festes Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) und mancherorts zusätzlich am darauffolgenden Sonntag.

Er kann auch in einem Wortgottesdienst gespendet werden.

 

Blasius von Sebaste 

war der Überlieferung zufolge Bischof von Sebaste in Kleinasien und erlitt 316 das Martyrium. Der Heilige zählt zu den vierzehn Nothelfern. Die bekannteste Er-zählung über Blasius berichtet, wie er während seiner Gefangenschaft in einem römischen Gefängnis einem jungen Mann, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben rettete.

 

Deshalb erteilt die Kirche den Blasiussegen zum Schutz gegen Halskrankheiten. Darin kommt das gläubige Vertrauen auf die Heilszusage Gottes gerade auch für das leibliche Wohlergehen des erlösungsbedürftigen Menschen zum Ausdruck. Die Spendung des Segens ist seit dem 17. Jahrhundert nachgewiesen. Bereits in einer von Aëtios von Amida im 6. Jahrhundert verfassten Sammlung medizini-scher Texte findet sich der Blasiussegen als „Mittel“ gegen Halskrankheiten und verschluckte Fischgräten. Andere Segnungen am Blasiustag (wie die von Wasser, Brot, Wein und Früchten) sind heute nicht mehr gebräuchlich.

 

Bei der Spendung des Blasiussegens hält der Priester oder der Diakon dem Gläubigen zwei gekreuzte brennende Kerzen in Höhe des Halses vor. Der Segen aus dem Benediktionale lautet:

 

Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

 

oder:

 

Der allmächtige Gott schenke dir Gesundheit und Heil. Er segne dich auf die Fürsprache des heiligen Blasius durch Christus, unsern Herrn.

 

Der Gläubige antwortet mit Amen.

Der Segen kann stehend oder kniend empfangen werden.

 

Ein Brauch, der in Näfels seine besondere Bedeutung hätte. Sind wir doch im Volksmund die "Kröpfe".


Samstag, 22. Januar 2022

 

Auf welchen gesetzlichen Grundlagen

beruht eigentlich

die Kirchgemeinde Näfels?

 

Zur Erinnerung sind hier die beiden wichtigsten Basispapiere hereinkopiert.

 

IV A/1/6  (Gesetzessammlung des Kantons Glarus)

 

Verfassung

des Verbandes der römisch-katholischen Kirchgemeinden

des Kantons Glarus

(römisch-katholische Landeskirche)

Vom 27.06.1990 (Stand 01.01.2003)

(Angenommen in den römisch-katholischen Kirchgemeinden im Verlaufe des Jahres 1989)

(Genehmigt vom Landrat am 27. Juni 1990)

 

1. Allgemeine Grundsätze

Art. 1

Bestand

1

Der Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden (römisch-katholische Landeskirche) umfasst die römisch-katholischen Kirchgemeinden und damit die römisch-katholische Bevölkerung des Kantons Glarus.

Art. 2

Rechtsnatur

1

Die römisch-katholischen Kirchgemeinden und die römisch-katholische Landeskirche des Kantons Glarus sind selbstständige Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Art. 3

Autonomie

1

Die römisch-katholische Landeskirche des Kantons Glarus ordnet ihre Angelegenheiten im Rahmen des staatlichen Rechts frei und selbstständig.

2

Sie anerkennt im innerkirchlichen Bereich das römisch-katholische Kirchenrecht unter Vorbehalt der bisherigen Rechte und Gewohnheiten.

 

2. Die Landeskirche

 

2.1. Allgemeine Vorschriften

Art. 4

Aufgaben

1

Die Landeskirche bezweckt die interne Organisation des römisch-katholischen Bevölkerungsteils des Kantons Glarus und vertritt ihn nach aussen.

2

Sie setzt sich ein für die Wahrung des konfessionellen Friedens sowie für Verständnis und Zusammenarbeit unter den verschiedenen religiösen Bekenntnissen.

3

Sie ordnet den Finanzausgleich unter den Kirchgemeinden des Kantons nach Massgabe der ihr zur Verfügung stehenden Mittel.

4

Sie unterstützt kantonale Seelsorgeanliegen.

Art. 5

Sitz

1

Die Landeskirche hat den Sitz am Wohnort des Präsidenten des kantonalen katholischen Kirchenrates.

Art. 6

Organe

1

Organe der Landeskirche sind:

1.

kantonaler katholischer Kirchenrat;

 

2.

Ausschuss des kantonalen katholischen Kirchenrates;

 

3.

Rechnungsrevisoren.

 

2.2. Kantonaler katholischer Kirchenrat

Art. 7

Zusammensetzung

1

Der Kirchenrat ist die oberste Behörde der Landeskirche und umfasst 25 Mitglieder.

2

Die Mitglieder des Kirchenrates werden von den Kirchgemeinden im Verhältnis zur Zahl ihrer Wohnbevölkerung gewählt. Massgebend ist das Ergebnis der letzten Volkszählung. Jede Kirchgemeinde stellt mindestens zwei Mitglieder.

3

Das Nähere regelt eine Wahlordnung, die der Kirchenrat erlässt.

Art. 8

Wahl

1

Die Wahl der Mitglieder des Kirchenrates erfolgt entweder offen an der Kirchgemeindeversammlung oder, falls diese es beschliesst, durch eine Urnenwahl gemäss den Vorschriften des kantonalen Rechts.

2

Die Kirchgemeinde kann die Wahlkompetenz an ihre Vorsteherschaft abtreten.

3

Wählbar ist jeder stimmmberechtigte Konfessionsangehörige weltlichen und geistlichen Standes.

4

Der beauftragte Ortspfarrer/Pfarreileiter ist auch wählbar, wenn er das Stimm-recht in einer andern Kirchgemeinde besitzt. *

 

Art. 9

Konstituierung

1

Die Amtsdauer des Kirchenrates entspricht derjenigen des Landrates.

2

Der Kirchenrat konstituiert sich selber und wählt jeweils für die Amtsdauer den Präsidenten, den Vizepräsidenten, den Aktuar, den Verwalter und drei weitere Mitglieder des Ausschusses. *

3

Ausschussmitglieder müssen nicht dem Kirchenrat angehören. Sind sie nicht Mitglieder des Kirchenrates, so nehmen sie an den Sitzungen mit beratender Stimme teil. *

4

Die Einberufung und Leitung der Geschäfte bis zur Konstituierung erfolgt durch den bisherigen Präsidenten oder Vizepräsidenten.

 

Art. 10

Geschäftsordnung

1

Die Sitzungen des Kirchenrates sind öffentlich, soweit er ausnahmsweise nicht etwas anderes beschliesst.

2

Die Sitzungen des Ausschusses und der Kommissionen sind nicht öffentlich.

3

Im Übrigen gibt sich der Kirchenrat seine Geschäftsordnung selbst.

 

Art. 11

Einberufung

1

Der Kirchenrat wird durch den Präsidenten, bei dessen Verhinderung durch den Vizepräsidenten, einberufen und tagt alljährlich wenigstens zweimal.

2

Der Ausschuss, eine Kirchengemeinde oder deren Vorsteherschaft können unter Angabe der zu behandelnden Geschäfte die Einberufung einer ausserordentli-chen Sitzung verlangen.

3

Die Einladung hat mindestens 14 Tage vor dem Sitzungsdatum, unter Angabe der Traktanden und durch Publikation im Amtsblatt des Kantons Glarus, zu erfolgen.

 

Art. 12

Aufgaben

Dem Kirchenrat obliegen:

1.

Vorberatung von Änderungen dieser Verfassung;

 

2.

Erlass von organisatorischen Ausführungsvorschriften zu dieser Verfassung;

 

3.

Erlass allgemeinverbindlicher Vorschriften im Rahmen dieser Verfassung,

insbesondere über den Finanzausgleich unter den Kirchgemeinden sowie über

Äufnung und Verwendung des zentralen Ausgleichsfonds;

 

4.

Festsetzung der Beiträge, die von den Kirchgemeinden an den Haushalt der

Landeskirche zu leisten sind;

 

5.

Beschlüsse über einmalige und wiederkehrende Ausgaben, die die Höhe der

vom Kirchenrat festgelegten Befugnisse des Ausschusses übersteigen;

 

6.

Beschlüsse über Anlage neuer Fonds und Auflösung bestehender Fonds sowie

über Erwerb und Veräusserung von dinglichen oder obligatorischen Rechten

an Liegenschaften; 

 

7.

Schaffung von Bedienstetenstellen für die Landeskirche und Festsetzung der

Entschädigungen, die für die Behördenmitglieder und Bediensteten zu leisten

sind;

 

8.

Wahl des Ausschusses, der Kommissionsmitglieder, der Delegierten, der

Rechnungsrevisoren und der Bediensteten der Landeskirche;

 

9.

Aufsicht über die Tätigkeit des Ausschusses;

 

10.

Aufsicht über die Verwaltung, die Zentralkasse und sämtliche Fonds,

Abnahme der Jahresrechnungen und Genehmigung der Voranschläge;

 

11.

Beschluss über die Durchführung von Landeswallfahrten;

 

12.   Vorschlag des jeweiligen Fahrtspredigers;

 

 

 

13.

Vorschlag der katholischen Religionslehrer an der Oberstufe der Kantons-

schule;

 

14.

Vorschlag für die Benützung der Freiplätze im erzbischöflichen Seminar

in Mailand.

 

Art. 13

Kompetenzdelegation

1

Der Kirchenrat kann seine Befugnisse an den Ausschuss übertragen, sofern die Ermächtigung auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt und nach Zweck und Umfang näher umschrieben wird.

 

2.3. Ausschuss des kantonalen katholischen Kirchenrates

Art. 14 *

Zusammensetzung

1

Der Ausschuss besteht aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten, dem Aktuar und dem Verwalter sowie drei weiteren Mitgliedern. Sie werden auf eine Amts-dauer gewählt; eine Wiederwahl ist zulässig.

 

Art. 15

Aufgaben

1

Der Ausschuss ist vollziehende Behörde und besorgt sämtliche Angelegenheiten der Landeskirche, welche nicht vom Kirchenrat oder in der Form des Referen-dums von den Kirchgemeinden zu entscheiden sind.

 

Art. 16

Geschäftsordnung

1

Der Ausschuss wird vom Präsidenten des Kirchenrates, bei dessen Verhinderung vom Vizepräsidenten, einberufen und geleitet.

2

Über die Verhandlungen wird ein Protokoll geführt, das der Ausschuss genehmigt und das aufzubewahren ist.

 

2.4. Rechnungsrevisoren

Art. 17

Zusammensetzung

1

Der Kirchenrat wählt für die Amtsdauer zwei Rechnungsrevisoren, die nicht dem Ausschuss angehören dürfen.

 

Art. 18

Aufgaben

1

Die Rechnungsrevisoren üben die ihr vom Kirchenrat übertragenen Funktionen aus, überwachen das Rechnungswesen und erstatten dem Kirchenrat alljährlich Bericht über ihre Tätigkeit und das Ergebnis ihrer Prüfungen.

 

3. Referendum und Initiative

Art. 19

Obligatorisches Referendum

1

Abänderung und Aufhebung dieser Verfassung bedürfen der Zustimmung durch die Mehrheit der Kirchgemeinden und der Genehmigung durch den Landrat.

 

Art. 20

Fakultatives Referendum

1

Beschlüsse des Kirchenrates gemäss Artikel 7 Absatz 3, Artikel 12 Ziffern 2–4 und 7, sowie gemäss Ziffern 5 und 6, soweit sie bei einmaligen Ausgaben 50'000 Franken und bei wiederkehrenden Ausgaben 10'000 Franken über-steigen, unterstehen dem fakultativen Referendum.

2

Innert einer Frist von 30 Tagen seit der Publikation dieser Beschlüsse können fünf Mitglieder des Kirchenrates, die Vorsteherschaft einer Kirchgemeinde oder 50 stimmberechtigte Mitglieder der Landeskirche beim Präsidenten des Kirchen-rates die Abstimmung durch die Kirchgemeinden verlangen. Die Beschlüsse sind angenommen, wenn ihnen die Mehrheit der Kirchgemeinden zustimmt.

 

Art. 21

Publikation

1

Beschlüsse des Kirchenrates, die dem Referendum unterstehen, werden im Amtsblatt des Kantons Glarus publiziert.

 

Art. 22

Referendumsabstimmung

1

Innerhalb von 90 Tagen seit der Mitteilung des kantonalen katholischen Kirchenrates über das Zustandekommen des Referendums finden die Abstimmungen an den Kirchgemeindeversammlungen statt. Diese können auch eine geheime Abstimmung beschliessen.

 

Art. 23

Initiativrecht

1

Fünf Mitglieder des Kirchenrates, die Vorsteherschaft einer Kirchgemeinde oder 50 stimmberechtigte Mitglieder der Landeskirche können beim Präsidenten des Kirchenrates Anträge in der Form einer allgemeinen Anregung oder eines ausgearbeiteten Entwurfs einreichen.

2

Der zufolge eines solchen Antrages gefasste Beschluss des Kirchenrates unter-steht nach Massgabe der Artikel 19 und 20 hievor dem obligatorischen oder fakultativen Referendum.

 

4. Die Kirchgemeinden

 

Art. 24

Aufgaben

1

Die Kirchgemeinden besorgen im Rahmen dieser Verfassung und des kantonalen Rechts ihre Angelegenheiten frei und selbstständig.

 

Art. 25

Organisation

1

Die Kirchgemeinden regeln ihre interne Organisation in der Kirchgemeindeordnung.

  

2

Vereinbarungen von allgemeiner Bedeutung mit andern Gemeinden oder mit Zweckverbänden über dauernde gemeinsame Aufgaben hat der kantonale Kirchenrat zu genehmigen.

 

Art. 26

Mitgliedschaft

1

Die Kirchgemeinden umfassen die innerhalb des Kirchgemeindegebietes wohnhaften Angehörigen der römisch-katholischen Konfession, die nicht gegenüber ihrer Kirchgemeinde schriftlich den Austritt oder die Nichtzugehörigkeit erklärt haben.

 

Art. 27

Stimm- und Wahlrecht

1

Die Kompetenzen der Stimmberechtigten sowie der übrigen Kirchgemeindeorgane ergeben sich aus dem kantonalen Recht und aus der Kirchgemeindeordnung.

2

Stimmberechtigt in Kirchgemeindeangelegenheiten sind die nach kantonalem Recht stimmberechtigten Mitglieder der römisch-katholischen Kirchgemeinden.

3

Die Stimmberechtigten wählen die von der zuständigen kirchlichen Stelle wahlfähig erklärten Geistlichen und Laientheologen. Ebenso wählen sie die Vorsteherschaft, die Rechnungsrevisoren, die Kirchenbediensteten sowie die übrigen Organe der Kirchgemeinde auf eine Amtsdauer, soweit deren Wahl nicht der Vorsteherschaft übertragen ist.

4

Sofern der beauftragte Ortspfarrer/Pfarreileiter nicht gewähltes Mitglied der Vorsteherschaft ist, nimmt er an den Sitzungen mit beratender Stimme teil. *

 

5. Rechtsmittel

 

Art. 28

 

1

Gegen letztinstanzliche Verfügungen und Beschlüsse von Kirchgemeindeorganen können die Betroffenen innert 30 Tagen beim kantonalen Kirchenrat oder beim Regierungsrat Beschwerde erheben.

2

Gegen Beschwerdeentscheide des kantonalen Kirchenrates oder gegen Verfügungen und Beschlüsse von Organen der Landeskirche steht den Betroffenen das Beschwerderecht an das kantonale Verwaltungsgericht zu.

 

 

6. Schlussbestimmungen

 

Art. 29

Aufhebung alten Rechts

1

Mit dem Inkrafttreten dieser Verfassung werden das Gesetz über den Bestand, die Wahl und die Verrichtungen eines katholischen Kirchenrates, genehmigt vom Landrat am 18. April 1866, sowie sämtliche mit dieser Verfassung im Widerspruch stehenden Vorschriften aufgehoben.

 

Art. 30

Inkrafttreten

1

Die vorliegende Verfassung tritt nach deren Annahme durch die Mehrheit der Kirchgemeinden und mit der Genehmigung durch den Landrat auf Beginn der nächsten Amtsdauer in Kraft.

 

SBE IV/4 327

Änderungstabelle - Nach Beschluss

Beschluss

Inkrafttreten

Element

Änderung

SBE Fundstelle

27.06.1990

27.06.1990

Erlass

Erstfassung

SBE IV/4 327

01.06.2002

01.01.2003

Art. 8 Abs. 4

eingefügt

SBE VIII/6 359

01.06.2002

01.01.2003

Art. 9 Abs. 2

geändert

SBE VIII/6 359

01.06.2002

01.01.2003

Art. 9 Abs. 3

geändert

SBE VIII/6 359

01.06.2002

01.01.2003

Art. 14

totalrevidiert

SBE VIII/6 359

01.06.2002

01.01.2003

Art. 27 Abs. 4

geändert

SBE VIII/6 359

Änderungstabelle - Nach Artikel

Element

Beschluss

Inkrafttreten

Änderung

SBE Fundstelle

Erlass

27.06.1990

27.06.1990

Erstfassung

SBE IV/4 327

Art. 8 Abs. 4

01.06.2002

01.01.2003

eingefügt

SBE VIII/6 359

Art. 9 Abs. 2

01.06.2002

01.01.2003

geändert

SBE VIII/6 359

Art. 9 Abs. 3

01.06.2002

01.01.2003

geändert

SBE VIII/6 359

Art. 14

01.06.2002

01.01.2003

totalrevidiert

SBE VIII/6 359

Art. 27 Abs. 4

01.06.2002

01.01.2003

geändert

SBE VIII/6 359

 

 

 

Gemeindeordnung

 

der

 

römisch-katholischen Kirchgemeinde Näfels

 

erlassen durch die römisch-katholische Kirchgemeinde Näfels

am 23. Juni 2006

(gestützt auf Art. 127 Kantonsverfassung

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

I. Allgemeine Bestimmungen

Art. 1. Zweck der Gemeindeordnung

Art. 2. Zugehörigkeit 

Art. 3. Organe der Kirchgemeinde

 

II. Politische Rechte 

Art. 4. Stimmregister

Art. 5. Wahlzuständigkeit der Stimmberechtigten

Art. 6. Rechtszuständigkeit der Stimmberechtigten

Art. 7. Finanzzuständigkeit der Stimmberechtigten 

Art. 8. Dringliche Beschlüsse des Kirchenrates (Kästlibeschluss)

III. Durchführung der Kirchgemeindeversammlung

Art. 9. Durchführung gemäss kantonalen Vorgaben

Art. 10. Bestimmungen besonderer Art 

 

IV. Behörden

Art. 11. Bestand des Kirchenrates

Art. 12. Konstituierung

Art. 13. Kompetenzen des Kirchenrates

Art. 14. Kompetenzübertragung durch den Kirchenrat 

Art. 15. Ausgabenkompetenzen des Präsidiums und der Ressortverantwortlichen

Art. 16. Rechnungsführung

Art. 17. Rechnungsprüfung

Art. 18. Entschädigungen, Sitzungsgelder

 

V. Öffentliches Dienstrecht

Art. 19. Angestellte 

Art. 20. Dienstverhältnis 

 

VI. Schlussbestimmungen

Art. 21. Verhältnis zu kirchlichen Organen 

Art. 22. Inkrafttreten

 

 

I. Allgemeine Bestimmungen

 

Art. 1. Zweck der Gemeindeordnung

1. Die Gemeindeordnung regelt die Organisation der römisch-katholischen

Kirchgemeinde Näfels, soweit diese nicht durch das kantonale Recht oder

durch die Verfassung des Verbandes der römisch-katholischen Kirchgemeinden des Kantons Glarus festgelegt ist.

2. Das Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche bleibt im innerkirchlichen

Bereich der Pfarrei vorbehalten.

 

Art. 2. Zugehörigkeit

Die Kirchgemeinde umfasst die innerhalb von Näfels, Mollis, Filzbach,

Obstalden und Mühlehorn wohnhaften Angehörigen der römischkatholischen Konfession, sofern sie nicht nach den Bestimmungen des

kirchlichen und staatlichen Rechts formell den Austritt oder die Nichtzugehörigkeit erklärt haben

 

Art. 3. Organe der Kirchgemeinde

Die Kirchgemeinde hat folgende Organe:

a. die Stimmberechtigten;

b. der Kirchenrat;

c. zwei Rechnungsrevisoren bzw. eine Revisionsstelle.

 

 

II. Politische Rechte

 

Art. 4. Stimmregister

Stimmberechtigt ist, wer zum Zeitpunkt der Ausübung des Stimmrechts im

Stimmrechtsregister von Glarus Nord eingetragen ist und in einem der gemäss Art. 2 bezeichneten Orte wohnhaft ist.

 

Art. 5. Wahlzuständigkeit der Stimmberechtigten

Die Stimmberechtigten sind zuständig für die Wahl:

a. des Ratspräsidiums, der Kirchengutsverwaltung und der Mitglieder des

Kirchenrates;

b. des Pfarrers;

c. von zwei Rechnungsrevisoren oder einer Revisionsstelle;

d. der Stimmenzähler. Diese werden jeweils zu Beginn der Versammlung

gewählt.

 

Art. 6. Rechtszuständigkeit der Stimmberechtigten

Die Stimmberechtigten beschliessen:

a. allgemeinverbindliche Vorschriften, nicht aber Vollzugsverordnungen

oder Verwaltungsanweisungen;

b. Vereinbarungen allgemeiner Bedeutung mit anderen Gemeinden oder

mit Zweckverbänden über dauernde gemeinsame Aufgaben;

c. über Abtretung von einzelnen, umschriebenen, zeitlich begrenzten

Kompetenzen an den Kirchenrat.

 

Art. 7. Finanzzuständigkeit der Stimmberechtigten

1. Die Stimmberechtigten sind nach Gemeindegesetz und kantonalem Finanzausgleich zuständig:

a. für Beschlüsse über den Voranschlag, über Verpflichtungskredite, über die Festsetzung des Steuerfusses und über die Genehmigung der Rechnung;

b. für Nachtragskredite zum Voranschlag, ausgenommen sind Nachtragskredite, die Fr. 15'000 nicht übersteigen;

c. für alle frei bestimmbaren einmaligen Ausgaben für den gleichen Zweck,

die Fr. 15'000 übersteigen;

d. für alle frei bestimmbaren wiederkehrenden Ausgaben für den gleichen Zweck, die Fr. 15'000 übersteigen;

e. für die Veräusserung oder den Erwerb von Grundstücken über Fr. 15'000;

f. für die Einräumung, den Erwerb oder die Veräusserung von Dienstbarkeiten oder Grundlasten, wenn der Wert Fr. 15'000 übersteigt;

g. für Annahme von Schenkungen oder Vermächtnissen mit Auflagen oder Be-

dingungen, die mit voraussichtlichen Ausgaben oder Mindereinnahmen von

Fr. 15'000 verbunden sind.

2. Sie nehmen zudem nach Massgabe des kantonalen Finanzhaushaltsrechts

vom mehrjährigen Finanzplan Kenntnis.

 

Art. 8. Dringliche Beschlüsse des Kirchenrates (Kästlibeschluss)

1. In dringlichen Fällen kann der Kirchenrat ausnahmsweise anstelle der Stimm-

berechtigten einen Beschluss gemäss Gemeindegesetz einstimmig fassen.

2. Wenn innert 14 Tagen nach der öffentlichen Bekanntmachung im Amtsblatt

20 Stimmberechtigte dies verlangen, muss dieser Beschluss als Antrag der

nächsten Kirchgemeindeversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden.

 

III. Durchführung der Kirchgemeindeversammlung

 

Art. 9. Durchführung gemäss kantonalen Vorgaben

Die Durchführung der Kirchgemeindeversammlung richtet sich nach den ein-

schlägigen Bestimmungen des kantonalen Gemeindegesetzes.

 

Art. 10. Bestimmungen besonderer Art

1. Zu Vorlagen über die Kirchgemeindeordnung und grossen Bauvorhaben kann

der Kirchenrat verlangen, dass Anträge auf Abänderung vier Wochen vor der Ver-sammlung schriftlich und begründet dem Kirchenrat eingereicht werden.

2. Der Kirchenrat legt den Ort der Versammlung fest.

3. Für die Protokollierung der Versammlung können technische Hilfsmittel

verwendet werden.

 

IV. Behörden

 

Art. 11. Bestand des Kirchenrates

1. Der Kirchenrat besteht aus dem Präsidium und 6 Mitgliedern*. Der Kirchen-gutsverwalter kann Mitglied des Kirchenrates sein.

 

2. Angestellte der Kirchgemeinde sind nicht als Ratsmitglieder wählbar.

3. Der Ortspfarrer nimmt an den Sitzungen des Kirchenrates beratend Einsitz

 

Art. 12. Konstituierung

1. Unter Vorbehalt der Wahlbefugnis der Kirchgemeindeversammlung konstituiert sich der Kirchenrat selbst.

2. Der Rat legt insbesondere die Ressortverantwortlichkeiten fest.

 

Art. 13. Kompetenzen des Kirchenrates

1. Der Kirchenrat ist die leitende, vollziehende und verwaltende Behörde der römisch-katholischen Kirchgemeinde.

2. Von den Wahl-, Rechtsetzungs-, Vertrags-, Verbands- und Finanzbefugnissen stehen dem Kirchenrat diejenigen zu, die gemäss dieser Kirchgemeindeordnung nicht in die Kompetenz der Stimmberechtigten fallen oder

für die eine Ermächtigung der Stimmberechtigten vorliegt.

3. Er wählt – ausser dem Ortspfarrer – die Angestellten und die Delegierten in

den kantonalen katholischen Kirchenrat

4. Der Kirchenrat sorgt für die Mittel zur würdigen Feier der Liturgie, Katechese und zur Seelsorge und Diakonie.

 

Art. 14. Kompetenzübertragung durch den Kirchenrat

1. Der Kirchenrat kann Kommissionen und Ausschüsse mit der Vorbereitung

von Anträgen beauftragen.

2. Die kirchlichen Stiftungen innerhalb der Pfarrei sind eigenständige Körper-schaften und besorgen ihre Geschäfte und Rechnungsführung selbständig.

 

Art. 15. Ausgabenkompetenzen des Präsidiums und der Ressort-verantwortlichen

Der Kirchenrat legt im Rahmen der eigenen Kompetenzen die Ausgabenkom-petenz des Präsidiums und der Ressortverantwortlichen fest

 

Art. 16. Rechnungsführung

1. Der Kirchengutsverwalter führt die Rechnungen der Kirchgemeinde und

ihrer Fonds. Er muss nicht wahlberechtigt sein.

2. Der Kirchenrat kann die Buchführung einem Dritten übertragen.

 

 

Art. 17. Rechnungsprüfung

1. Die zwei gewählten Rechnungsrevisoren dürfen weder dem Kirchenrat angehören, noch von der Kirchgemeinde angestellt sein. Sie müssen nicht

wahlberechtigt sein.

2. Sie sind zuständig für die Prüfung des gesamten Finanzhaushaltes, insbesondere der Jahresrechnung und von Abrechnungen über besondere, von

den Stimmberechtigten beschlossene Kredite.

 

Art. 18. Entschädigungen, Sitzungsgelder

1. Die Sitzungsgelder des Kirchenrates, der Revisoren und Stimmenzähler sowie der Delegierten im kantonalen katholischen Kirchenrat regelt der Kirchenrat in einem Reglement.

2. Insbesondere können Jahresentschädigungen für Präsidium, Kirchengutsverwaltung und weitere Ressortverantwortliche vorgesehen werden.

 

V. Öffentliches Dienstrecht

 

Art. 19. Angestellte

1. Für die Angestellten der Kirchgemeinde gelten die Regeln des OR, soweit

nichts anderes vereinbart ist.

2. Pfarrer, Laientheologen oder vollamtliche Katecheten sind nur mit kirchlicher Zustimmung bzw. missio wählbar.

3. Die öffentliche Ausschreibung der Pfarrstelle erfolgt durch die kirchlichen

Organe.

 

Art. 20. Dienstverhältnis

1. Das Dienstverhältnis aller vollamtlichen Beschäftigten wird in einem Anstel-lungsvertrag geregelt, in dem Pflichten, Kündigungsfrist, Ferienanspruch,

Beurlaubung, Pension, Versicherungen, Besoldungen und Zulagen allgemein und bei Krankheit, Unfall, Militär- und Zivilschutzdienst festgehalten

sind.

2. Angestellte können ihr Dienstverhältnis gemäss den vertraglichen Bestimmun-gen auflösen.

3. Amtliche Tätigkeiten der Angestellten in öffentlich-rechtlichen Institutionen

sind durch den Kirchenrat zu genehmigen.

 

 

VI. Schlussbestimmungen

 

Art. 21. Verhältnis zu kirchlichen Organen

1. Über Glaubens- und Pfarreifragen haben die Organe der Kirchgemeinde

keine Entscheidungsbefugnisse.

2. Im Rahmen ihrer Kompetenzen kann die Kirchgemeinde kirchliche Organe,

insbesondere den Pfarreirat, unterstützen.

3. Die kirchlichen Organe regeln ihre Belange nach kirchlichen Vorschriften.

Art. 22. Inkrafttreten

 

 

Diese Kirchenordnung tritt nach der Annahme durch die Kirchgemeindever-sammlung anstelle der alten Kirchgemeindeordnung auf den 1. Juli

2006 in Kraft.

 

Verabschiedung durch die Kirchgemeindeversammlung vom 23. Juni 06 zu Näfels

 

Die Kirchgemeindepräsidentin                                           Der Sekretär

Daniela Gallati-Landolt                                                       Daniel Anrig

 

Angepasste Fassung:

Verabschiedung durch die Kirchgemeindeversammlung vom 27. Mai 2010 zu Näfels

 

Die Kirchgemeindepräsidentin                                           Die Aktuarin

 

Daniela Gallati-Landolt                                                       Beatrice Weitnauer- Ineichen

 

 

* gemäss Kirchgemeindebschluss vom 5. November 2021 ist die Mitgliederzahl begrenzt auf 5 Sitze.


Freitag, 21. Januar 2022

 

Bistum Konstanz

Wer weiss noch, dass wir einst dem Bistum Konstanz gehörten?

 

Praktisch alle Gotteshäuser in Näfels wurden von Konstanzer Bischöfen oder Weihbischöfen eingeweiht. Urban Fink Wagner, Geschäftsführer der Inländischen Mission, hat in der neuesten Nummer "IM", der Informationsschrift der Inländischen Mission, Nr 1 Winter 2021/2022, Seite 3 und Seite 9 zwei inter-essante Beiträge veröffentlicht.

"Der Todesstoss gegen das Bistum Konstanz von 1821" und "Das Bistum Chur von 1816/19 zur Gegenwart"

Als ehemalige Konstanzer und immer noch provisorisch zum Bistum Chur gehö-rend, sind diese beiden historischen Rückblicke von Interesse.


Dienstag, 18. Januar 2022

 

. Die deutschen Bundeskanzler

 

seit dem Zweiten Weltkrieg

 

Der Parlamentarische Rat entschied daher 1949, die Stellung des künft-igen Bundespräsidenten zu schwächen. Gestärkt wurden hingegen das Parla-ment und auch der Bundeskanzler. Insbesondere die Vorschriften über die Wahl des Bundeskanzlers, das konstruktive Misstrauensvotum und die Vertrauensf-rage waren der tatsächlichen Machtposition des Bundeskanzlers förderlich.

 

Hinzu kam die Ausprägung der Kanzlerdemokratie unter dem ersten Bundes-kanzler, Konrad Adenauer. Dessen sehr starke Interpretation der Richtl-linienkompetenz des Bundeskanzlers wurde von seinen Nachfolgern verteidigt und führt dazu, dass der Bundeskanzler bis heute als mächtigster Politiker im politischen System der Bundesrepublik gilt.

Bundeskanzler v.l.n.r.

1. Reihe: Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger

2. Reihe: Willi Brandt, Walt er Scheel, Helmut Schmidt

3. Reihe: Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Angela Merkel

4. Olaf Scholz

 

 

                             Lebenszeit                    Regierungszeit                 Jahre

  

Adenauer             1876-1967                      1949-1963                        14

 

Erhard                  1897-1977                      1963-1966                          3

 

Kiesinger              1904-1988                      1966-1969                          3   

 

Brandt                   1913-1992                      1969-1974                          5

 

Scheel                  1919-2016                       1974                            9 Tage 

 

Schmidt                1918-2015                       1974-1982                         8

 

Kohl                      1930-2017                       1982-1998                       16

 

Schröder               1944                                1998-2005                         7

 

Merkel                   1954                                2005-2021                       16

 

Scholz                   1958                                2021 


Donnerstag, 13. Januar 2022

 

Hilariustag

 

Hilarius von Poitiers ist Patron der Näfelser Kirche (Co-Patron Fridolin). Der Feiertag findet kirchlich am darauffolgenden Sonntag statt.

Als Erinnerung ist hier seine Lebensbeschreibung von Wikipedia eingerückt.

Hilarius von Poitiers, 2.40 m Statue am Hochaltar der Pfarrkirche Näfels. Ver-breitet wurde der Hilariuskult durch den heiligen Fridolin, der das Grab von Hilarius in Poitiers fand, eine Vision für eine Klostergründung hatte und durch halb Europa zog, viele Hilariuskirchen erbaute und schliesslich auf der Halbinsel am Hochrhein in Säckingen ein Kloster gründete.

 

Hilarius von Poitiers

Hilarius von Poitiers (französisch Saint-Hilaire; * um 315 in Poitiers; † 367 ebenda) war ein Bischof und Kirchenlehrer und während des Arianischen Streits ein herausragender Vertreter der Trinitarier in der Westlichen Kirche. 

Leben

Über das Leben des Hilarius ist, abgesehen von den zehn letzten Jahren, kaum etwas bekannt. Die Hilarius-Legende des Venantius Fortunatus (Vita sancti Hilarii) ist ohne historischen Wert.[1] Der Geburtsort Poitiers hatte als Militärstützpunkt Bedeutung; da Hilarius rhetorische und philosophisch-literarische Bildung besaß, ist eine Herkunft aus der städtischen Oberschicht anzunehmen. Als Erwachsener empfing er die Taufe. Möglicherweise war er verheiratet und hatte eine Tochter namens Abra.[1] Er war der erste Bischof von Poitiers, der namentlich bekannt ist. In dieser Eigenschaft taufte er 351 Martin von Tours.

Schon bald musste er im Arianischen Streit Stellung nehmen. In einem Brief an Kaiser Constantius II. ermahnte er diesen, von seiner Politik des Zwangs Abstand zu nehmen, die er in den Konzilien von Arles und Mailand gezeigt hatte. Im Konzil von Beziers gehörte Hilarius zu den wenigen, die sich weigerten, Athanasius zu verurteilen, worauf er von Kaiser Constantius 356 nach Phrygien verbannt wurde, wie es bereits anderen nizänischen Bischöfen des Westens gegangen war, die Constantius auf einem Konzil widersprochen hatten.

In Phrygien hatte Hilarius Gelegenheit, die Kirchenväter und die Lehren des Ostens aus der Nähe zu studieren. Auch verfasste er dort zwei lateinische Abhandlungen über die Trinität (De Synodis und De Trinitate), um den Bischöfen des Westens verständlich zu machen, worum es in diesem Streit ging. Die vom Kaiser unterstützten arianischen Bischöfe von Phrygien erachteten die Lehr- und Schreibtätigkeit des Hilarius unter ihren Augen als Ärgernis.

Die „Semi-Arianer“, die sahen, wie furchtlos er den Arianismus kritisierte, dachten, dass er ihnen in ihrer Sache helfen könne, und luden ihn 359 zur Doppelsynode von Seleukia-Rimini ein. Hilarius kritisierte dort jedoch ihre Sichtweise scharf, woraufhin sie ihn noch vor Ende des Konzils entließen.

Als er dann als Reaktion auf das Konzil von Konstantinopel von 360 einen weiteren Brief an Constantius schrieb, in dem er offerierte, seinen Glauben öffentlich vor ihm und einem Konzil zu verteidigen, kam dieser zum Schluss, dass dieser „Säer von Uneinigkeit und Unruhestifter des Ostens“ in Gallien vermutlich weniger Unheil anrichten würde als im Osten, und beendete sein Exil. Niemand befahl jedoch Hilarius auf dem schnellsten Weg heimzukehren, also reiste er in aller Ruhe durch Illyrien und Italien und predigte auf dem Weg überall gegen den Arianismus.

Bei seiner Rückkehr wurde er als Held des nizänischen Glaubens empfangen. Ein Konzil in Paris 361 unter seiner Leitung exkommunizierte Saturninus von Arles, der im Auftrag des Kaisers die Konzile von Arles und Beziers geleitet hatte.

Bedeutung

Hilarius spielte eine wesentliche Rolle in der Vermittlung von östlicher Theologie in die lateinische Welt, und auch umgekehrt. Ähnlich wie Ambrosius von Mailand beherrschte er sowohl Griechisch wie auch Latein. Er ist einer jener lateinischen Kirchenväter, die auch in der Orthodoxen Kirche bis heute sehr geschätzt werden.

Neben Theologie hatte er im Osten noch etwas weiteres kennengelernt: christliche Hymnen. Im Westen waren bisher nur Psalmen und Bibeltexte vertont worden. Hilarius war vermutlich der erste, der lateinische Kirchenlieder schrieb.

Fridolin von Säckingen, der zunächst in Poitiers in Gallien tätig war, erhob die Gebeine des heiligen Hilarius von Poitiers und erbaute eine Kirche.

Schriften

 

·        Kommentar zum Matthäusevangelium. Vermutlich das älteste Werk und das einzige, bei dem nichts darauf hinweist, dass es von einem Bischof verfasst wurde; somit vermutlich vor Hilarius' Bischofsweihe geschrieben.

·        De Synodis (Über die Konzilien)

·        De Trinitate (Über die Trinität)

·        Tractatus super Psalmos (Traktat über die Psalmen)

Gedenktag

·        Evangelisch: 13. Januar im Evangelischen Namenkalender

·        Katholisch: 13. Januar (Nicht gebotener Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender).

o      In Poitiers: Übertragung der Gebeine am 26. Juni

·        Orthodox: 13. Januar

Der 13. Januar ist der Tag der Beisetzung von Hilarius.

1851 wurde er von Pius IX. zum Kirchenlehrer erklärt.

Hilarius gilt als Schutzpatron von Poitiers, La Rochelle und Luçon; der schwächlichen Kinder und gegen Schlangenbiss.

Er ist Namenspatron zahlreicher Kirchen.

Ihm zu Ehren feiern vier Gemeinden im schweizerischen Kanton Zürich um den 13. Januar jährlich den Hilari, ein fasnachtsähnliches Fest.

Literatur

Paul C. Burns: Hilarius von Poitiers. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 3, Mohr-Siebeck, Tübingen 2000, Sp. 1732.

Hanns Christof BrenneckeHilarius von Poitiers (gest. 367 oder 368). In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 15, de Gruyter, Berlin/New York 1986, ISBN 3-11-008585-2, S. 315–322. (abgerufen über De Gruyter Online)  

Hans LietzmannHilarius 11. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VIII,2, Stuttgart 1913, Sp. 1601–1604.

 Adalbert HammanAlfons FürstKleine Geschichte der Kirchenväter. Einführung in Leben und Werk. Herder, Freiburg 2004, ISBN 3-451-28516-9, S. 156–163.

Weblinks

Commons: Hilarius von Poitiers – Sammlung von Bildern

·       Literatur von und über Hilarius von Poitiers im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

·       Gesamtwerk aus Migne, Patrologia Latina

 

·       Werke in der Bibliothek der Kirchenväter in deutscher Übersetzung


Bischof Albert Rouet von Poitiers, der letzte direkte Nachfolger des Heiligen Hilarius war 2000 am Hilariusfest in Näfels zu Gast. Aufnahme vor der Hilariusstatue am Hochaltar. (Foto Jean Pierre Hauser). Ein Jahr danach besuchte eine Vierzigschaft den Bischof in Poitiers.


Dienstag, 11. Januar 2022

 

Eliten braucht das Land!

oder

Wer gehört zur Elite des Glarnerlandes?

 

Zählen Sie sich etwa zur Elite? Ach, geben Sie es doch zu. Auf irgend einem Gebiet sind sie unschlagbar. Gesetzt den Fall, der Regierungsrat würde eine Think Tank-Gruppe zusammenstellen mit der Aufgabe, die Zukunftsprobleme zu erforschen und Lösungen auszudenken und Sie würden dazu auserkoren, dann wären Sie ein Teil glarnerischer Elite.

 

Ist das WEF (World Economic Forum) eine Zusammenkunft von Eliten aus aller Welt? Ja? - Ist der Landrat die Elite des Glarnerlandes? – Ist der Gemeinderat die Elite Ihrer Gemeinde? – Bringt die Kantonsschule die Elite der Zukunft hervor? – Sind die hundert reichsten Einwohner eine Elite? – Gibt es eine Beamtenelite? –

Ist der Vorstand der Glarner Handelskammer die Elite der Glarner Wirtschaft? – Der Fragekatalog liesse sich endlos erweitern.

 

Früher hiess es, Eliten seien Gruppen von Menschen, die in irgend einem Be-reich überdurchschnittliche Kompetenzen besässen. Eine heutiger Kreativitäts-forscher, Gottlieb Guntern, definiert in seinem neuesten Buch „Mit den Schwingen des Adlers, Wege zur kreativen Leadership“ u.a. „Unsere Gesellschaft braucht sophokratische Leadership-Eliten, die gesunden Menschenverstand, kritische Vernunft und Weisheit derart kombinieren, dass wir uns gegenseitig zu grossen kreativen Leistungen inspirieren und motivieren können.“ („Sophokra-tisch“ sind Leute, die weise denken, entscheiden und handeln).

 

Na, also! Bitte erinnern Sie sich. Wer ist in Ihrem Bekanntenkreis „sophokra-tisch“? Noch besser  - versuchen Sie,  zehn solche Elitemenschen in Ihrer Umge-bung zu Hause, am Arbeitsplatz oder in Ihrem Dorf, im Kanton aufzustellen. Haben diese Menschen einen Einfluss auf die Ihre Zukunft, die Zukunft Ihres Dorfes oder unseres Kantons?  - Was?! Die stellen sich für kein Amt zur Ver-fügung? So was! Jetzt, wo wir sparen und einschränken müssen, wäre doch die Elite gefragt!

 

Lassen Sie mich eine Geschichte dazu erfinden.

Ich gehe ins Rathaus und frage einen Chefbeamten: „Was tun Sie gerade?“. Er antwortet: „Ich muss einsparen.“ – Aha! Ich gehe eine Treppe höher und treffe einen zweiten Chefbeamten: „Was tun Sie gerade?“. – „Ich mache mit den en-geren Möglichkeiten soviel, dass ich die vorgeschriebenen Einsparungen nicht spüre.“ – Oho! Ich gehe eine Tür weiter und erkundige mich beim dritten Chef-beamten: „Was tun Sie gerade?“ – „Ich habe bereits soviel eingespart, dass es mir richtig Spass macht, mit immer weniger immer mehr zu machen.“ –„Und?“ – „ "Ich habe drei Anfragen aus der Industrie und eine von der Regierungsverwaltung im Kanton Zürich für die gleiche Arbeit, aber zu, doppelten Lohn...“

 

Ludwig Marcuse (1894-1971) meinte: „Es ist immer die Leistung, die bestimmt, wer zur Elite zählt.“ Wenn uns – wie derzeit im Kanton Glarus – das Geld ausgeht,  drohen uns die Schulden fortzureissen wie die Linth bei Hochwasser. Ausgaben müssen gedrosselt werden wie die reissenden Wasser der Linth. Doch wir müssen ganz andere Kräfte entwickeln und gegen den Strom zu schwimmen. Die Kirchen beklagen eskalierende Austritte. Als der katholischen Bischof  Franz Kramphaus in Limburg seinen Schäfchen harte Sparmassnahmen ankündigte, erklärte er: „Wir werden weniger, aber die alten Strukturen werden einfach weiter-geführt. Das macht uns auf die Dauer unbeweglich.“ Die Austritte aus unsern Landeskirchen sind „Blutverluste“, die ein Körper bis zu einem gewissen Grad ausgleichen kann, langfristig wird es ihn immer mehr schwächen. Die Spar-massnahmen sind da lediglich Feuerwehrübungen, wirksame Hilfe bringen nur Anstrengungen zur Gesundung. Die Politik hat ja auch das schöne Wort „Sanie-rung“ eine direkt Ableitung des lateinischen Wortes „sanare“ = gesund machen. Sind da am Ende gar die „Sanierer“ die Elite?

 

Im erwähnten Werk Gunterns ist eine Anekdote eines deutschen Philosophen wiedergegeben. Ein Mann beobachtet drei Steinmetzen bei der Arbeit. Er fragt den ersten, was er da tue: „Ich behaue Steine“. Der zweite antwortet ihm: „Ich baue eine Mauer.“ Der dritte erklärt ihm „Ich baue eine Kathedrale.“ Die Schlussfolgerung Gunterns: Wir können unseren Lebensauftrag so oder anders begreifen und ihn dann jeweils in einem bestimmten Geist erfüllen. „Wer eine Mauer baut, ist zweifellos inspirierter und motivierter als ein Mensch, der nur irgendwelche Steine behaut. Und wer eine Kathedrale errichten hilft, der besitzt eine Vision, die seiner Tätigkeit eine tiefere Bedeutung gibt. So transzendiert er die Mühsal der täglichen Plackerei, indem er diese als Mittel zum Zwecke be-greift; als Mittel zur Selbstverwirklichung und existenziellen Sinnerfüllung und damit als wichtigen Beitrag zu einer gesellschaftlich relevanten Wertstiftung, die nicht nur für die Generation der Gegenwart, sondern auch für die Generationen der Zukunft wichtig ist.“

 

Ein moderner Unternehmer schrieb kürzlich: „Der Erfolg eines Unternehmens liegt in der Summe der Erfolge seiner Mitarbeiter.“ Wer ist also die Elite? Die Führungseliten der letzten Jahrzehnte waren in vielen Fällen katastrophal schwach und hinterliessen katastrophale Scherbenhaufen. Es gibt Eliten, die sich selber für Eliten halten, ohne es zu sein. Die Substanz oder die Werte sind das Kriterium für die Definition von Eliten. Und letztlich ist es die Leistung, die Eliten zu Eliten macht.

  

Ein Humorist meinte zwar: „Eine Gesellschaft, die sich mehr leistet, als sie sich leisten kann, ist eine Leistungsgesellschaft“. Im Ernst: Leistung müsste wieder unser Statussymbol sein. Glarnerisches als Qualität! Solches ist nicht herbei-zureden. Er ist der ansteckende Wille und der beharrliche Fleiss, besser als an-dere zu sein, und die effiziente Umsetzung. Das ist nur durch Leistung möglich. Glarnerisches wird nicht Qualität, weil es glarnerisch ist. Wenn aber aus dem Glarnerland und im Glarnerland Leistungen besser sind als anderswo, dann wird das Prädikat „glarnerisch“ zum Eliteprädikat.

 

Mit dem überall erhältlichen Mittelmass ist kein Staat zu machen. Deshalb ist die Elitebildung oder die Förderung von Begabten kein Luxus, sondern ein Muss. Die Nachwelt wird es uns danken, wenn wir unsere hellsten Köpfe fördern und die besten Leistungen honorieren. Die „Wägsten und Besten“ sollen es sein. Es wird zwar Menschen geben, die das ungerecht finden, weil sie dem Giesskannen-prinzip anhangen. Sie werden gegen Windmühlen kämpfen, weil wir in der Un-krautbekämpfung zurückgeblieben sind: das Unkraut heisst Neid und findet im „Management of Spargelspitz“ schönsten Ausdruck, nämlich: „Sobald einä dr Grind nu äs bizzäli meh ufähebet, häuet-s’em-nä-n-ab!“ Und da Eliten immer wieder kommen und gehen wie die Luftblasen im „Chriäsibrägel“ ist eigentlich jeder und jede aufgerufen, Elite zu sein. Wenn aber die Macht Eliten zu sehr er-greift, wird es ihnen auch ergehen wie dem „Chriäsibrägel“, er brennt an und wird ungeniessbar. Steigen Sie auf zum Eliteglarner oder zur Eliteglarnerin! Lassen Sie sich herausfordern, exzellent zu sein!                             Bis bald! Ihr Pankraz.

 

publiziert im April 2004 im "Fridolin"


Samstag, 8. Januar 2022

 

In memoriam Hermann J. Landolt (1929-2022)

Zur Erinnerung an den "Exil"- Näfelser erschien am 30. November  2006 im "Fri-dolin" auf der Frontpage die folgende Glosse:

 

 

Zum ersten Advent (2006)

Glarner Auswanderer – Flight Engineer bei der US Air Force

 

(Advent heisst Ankommen... vier Persönlichkeiten hatten ein Ziel, brachen auf und kamen an. Ob sie dort gelandet sind, wo sie ursprünglich wollten? Vier Adventskerzen für vier Schicksale, im Hinblick auf Weihnachten, begleiten Sie auf die Ankunft des Christkindes. Die erste Kerze sei Hermann Josef L. gewidmet.)

 

Am 6. November 1953 versammelte sich sein Vater, seine Geschwister, Schwä-ger, Nichten und Neffen und sein Schulfreund W. mit einem kleinen Leiterwagen und einem alten Koffer auf dem Bahnhofplatz. Die Mutter hatte ihrem Jüngsten mit Tränen in den Augen unter der Haustür ein Kreuz auf die Stirn gemacht:  “Bhüät-di, Gott! Minä Liäbä!“. Sie mochte nicht mit zum Bahnhof. Traurig war die Stimmung. Man umarmte sich, weinte, war verlegen, wusste nicht mehr, was sa-gen. Hermann Josef L. packte den Koffer, bestieg den Zug, riss das Fenster her-unter und winkte, als der Zug sich in Bewegung setzte. „Chumm wider häi!“ rief der Vater mit belegter Stimme noch nach. Hermann Josef L. sah die Seinen im-mer kleiner werden, das Dorf verschwand.

 

Hermann Josef L. wanderte nach Amerika aus. Nach der Bahnfahrt über Luzern nach Genua, betrat er die „Conte Bianca Mano“, im Bauch des Schiffes teilte er mit drei Neapolitanern die Kabine. „Das Meer war am dritten Tag überaus stür-misch. Die Hälfte der Passagiere war krank, das Schiff knotzerte und krachte in allen Fugen, es war erschreckend... Am sechsten Tag landeten wir in New York, sahen die imposante Freiheitsstatue und gingen zum Ellis-Island-Gebäude, wo lange Einwanderer-Schlangen abgefertigt wurden. Bangen Herzens stand ich da. Ich wusste: „Jetzt bist du in New York!“...“

 

Leute wie Hermann Josef L. waren in der „Neuen Welt“ gefragt. Er hatte eine Be-rufslehre als Mechaniker in einem Glarner Kleinbetrieb absolviert, war dann kurz in einem grösseren Unternehmen tätig gewesen, ehe er im Flugzeugwerk Em-men einen guten Job fand, aber das Fliegen im Sinn hatte. Mit seinem Freund René St. wollte er in die USA auswandern. Doch René St., der bereits sein Pilo-ten-Brevet hatte, verunglückte in Deutschland beim Aufschleppen eines Segel-flugzeuges tödlich. Hilfe bekam er durch einen anderen Kollegen, der bereits ausgewandert war. Zudem besuchte er eifrig Flugstunden und holte sich den Privat-Piloten-Ausweis in kürzester Zeit. Drei WKs bei der Flieger-Kompanie 20 hatte er schon hinter sich. Mit Einwanderungs-Visum, Berufsausweis, Arbeits-zeugnissen, Empfehlungsschreiben der Flugzeugwerke Emmen, Autofahraus-weis, Privat-Piloten-Brevet, Bürge-Schreiben und 120 Dollar in der Tasche stand er nun da.

 

Die ersten Tage verbrachte er bei seinem Bürgen in Waterbury (100 Km von New York entfernt), dann reiste er in 3 1/2tägiger Zugsreise nach Los Angeles, wo ihm sein Kollege das „Hotel Switzerland“ empfohlen hatte. Es gehörte Paul und Albert Moser, den bekannten Musikern („Moser-Buäbä“). Hier startete er, geplagt vom Heimweh, in seine neue Zukunft. Erst half er im Garten, beim Umbauen, im Ho-telbetrieb als Tischabräumer und Tellerwäscher – irgendwie wollte er Kost und Logis abgegolten haben. Sein erstes Geld verdiente er aber als Musiker. Schon in der „Alten Welt“ hatte er musiziert: zu Hause, in Musikkorps und bei den Tanz-kapellen „Jung Muba“, „Tom Blumer“ und „Fred Landolt Luzern“. Den „Moser-Buäbä“ fehlte ein Klarinettist. Später entdeckte man auch sein Sing- und Jodel-talent,  ein erstes Standbein zum Überleben war geschaffen.

 

Im Januar fand er mit Hilfe des ausgewanderten Glarners Köbi H. und eines Be-kannten einen Job in einer 40 Meilen entfernten Schwenklager-Fabrik, das der ausgewanderte Deutsche Fred St. präsidierte. Bald konnte er sich ein eigenes Zimmer mieten und später für 120 Dollar einen „Chevrolet“ erstehen. So war er flexibler, seine Arbeitswege wurden kürzer. Ein paar Sackrappen verdient er bei den „Moser-Buäbä“. Er musste gar als „Tanzlehrer“ einspringen und amerikani-schen Girls Polka- oder Schottisch-Schritte beibringen. Dabei begegnete er sei-ner späteren Frau Lee.

 

Plötzlich flog ihm ein Aufgebot der US Army zu. Alle Männer zwischen 18 und 26  mussten sich stellen. Unwissend hatte er ein Formular unterschrieben, ein Zu-rück gab’s nicht mehr. Er konnte es aber schaukeln, zur Air Force eingeteilt zu werden. Ein Jahr und zwei Tage nach seiner Abreise im Glarnerland war er Re-krut und nach achtstündiger Busfahrt im „Dienst“. Nach dreimonatiger RS war er „Airmen L.“, nach weiterer Ausbildung in Texas, Sheppard AFB, verdiente er den „Flight Engineer Wing“ ab und wurde später befördert zum „Tech. Sergeant“. Dann flog er als Flugingenieur auf verschiedenen Flugzeugtypen mit: Truppen-transporte und Nachschubflüge nach Süd Korea, Tripoli, Alaska, Grönland, sogar nach Südamerika und natürlich innerhalb den USA. 

 

Bereits drei Jahre in Uniform war er immer noch Schweizerbürger. Nach Test und Einbürgerungsprozedere wurde er amerikanischer Bürger von Charleston, South Carolina. Das Schweizer Bürgerrecht durfte er behalten. Nach der Entlassung am 8. November 1958  blieb er Reservist.

 

Nachzutragen  ist, dass Herman J. L. und seine „Tanzschülerin“ Lee in Kontakt blieben, sich gelegentlich besuchten und – typisch amerikanisch – am 28. Mai 1955 heirateten. Ein Flieger-Offizier und dessen Frau waren zivil und kirchlich Trauzeugen. Von Flitterwochen keine Spur, die militärische Ausbildung ging wei-

ter. Nun war er also Amerikaner, Reservist, verheiratet und hatte keinen Job.

 

Die zermürbendste Zeit begann. Das junge Paar fand in Hollywood unweit des Santa Monica Boulevard eine einfache Wohnung. Von dort aus gingen sie  auf Jobsuche. Lee hatte sofort Arbeit. Herman wurde abgewiesen: bei der TWA-Flug-gesellschaft, bei der PAN-AM, bei der Lockheed Aircraft Co., bei der Douglas Aircraft Co.. Rezession, keine offenen Stellen! Er war so deprimiert, dass er am liebsten wieder zur Air Force zurückwollte.

 

Seine Frau Lee riet ihm, an den ursprünglichen Arbeitsplatz zurückzukehren. Nach Gesetz mussten Firmen Leute wieder zurücknehmen, die während des Ko-reakrieges eingezogen worden waren. Das tat er denn auch, studierte in der Freizeit weiter und schloss nach drei Jahren erfolgreich ab. Ergebnis: Verset-zung in die Ingenieurabteilung, Beförderung zum Betriebleiter.

 

Bald wechselte er zur japanischen Nippon-Bearing. Er blieb nur zwei Jahre, be-reiste aber Hongkong, Singapur, Tokio und Karuizawa. In der Freizeit frönte er dem Fliegen.

 

1964 baute er sein erstes Haus in Sylmar, Kalifornien. Als drei Jahre später eingebrochen wurde, trieb die Unsicherheit das Paar wieder weg. Er baute 1968 ein Eigenheim in Calabasas, Kalifornien, schon nach sechs Jahren kaufte er ein Haus in Thousand Oaks, Kalifornien, wo sie bis 1991 wohnten.

 

Der 1. August 1980 war „das Ohnmächtigste, was ich je erlebt habe“. Ein heran-nahendes Auto verlor die Kontrolle und fuhr in sein Auto hinein. Herman J. war schwerstverletzt, wurde versehen, war wochenlang auf der Intensivstation, dann im Rollstuhl und fast ein Jahr in Kuren. Zurück am Arbeitsplatz, noch an Krücken, fühlte er sich so behandelt, als ob man ihn „spedieren“ wolle.

 

Er packte die Chance bei Network Electronic. Der Besitzer, ein Rumäne, beauftragte ihn, die Firma zu modernisieren. Er wurde General Manager und Vizepräsident. Der Coup gelang. 1992 –  mittlerweile 63jährig - ging er in Pension. Gerne hätte man ihn  als „Berater“ behalten, er lehnte ab, wollte lieber dem Fliegen frönen.

 

Auf diesen Zeitpunkt hin hatte er ein weiteres prächtiges Haus gebaut, in Pre-scott auf fast 1800 Metern über Meer. Frau Lee bekam auf dieser Höhe gesund-heitliche Schwierigkeiten. In Rücksicht darauf zügelte das Paar 1994 nach Henderson, Nevada. „Man kann uns „verrückt“ nennen, das war unser fünftes Haus!“ Auf Wunsch seiner Lee gab er nun das Fliegen auf.

 

Die Rücksichtnahme auf seine Frau zieht sich durch die ganze Zeit. Schon in den ersten Ehejahren hatte sie sich einer Operation zu unterziehen und konnten nachher keine Kinder kriegen. Später befiel sie eine Hauterkrankung im Gesicht, die wieder kuriert werden konnte. Während seines Schweizaufenthalts 2004  wurde sie wegen einer Herz Fibrilation ins Spital verbracht und später meldeten sich Beschwerden zurück.

 

Mittlerweile sind seine „Moser-Buäbä“ bis auf einen verstorben. Das „Hotel Switzerland“ ist verkauft und abgerissen. Alles ist vergänglich.

 

Heute ist Herman J. L. 77-jährig, zufrieden. Das Heimweh begleitete ihn le-benslang. „Bin ich in den USA, habe ich Heimweh nach der Schweiz, bin ich in der Schweiz, habe ich noch grösseres Heimweh nach Amerika. Man lebt immer zwischen zwei Welten.“ Das Leben ist – so zeigt auch das Leben dieses Glarners in den USA – ein ständiges Ankommen. Jede Ankunft ist das Tor zu etwas Neuem, dereinst sogar der Tod. Die erste Kerze brennt für Herman und Lee.                                                                                                       Bis bald! Ihr Pankraz

 

Herman und Lee als frisch verheiratetes Paar anno 1955 in Wichita Falls, Texas.

15 Jahre später, Hermann war nach dem Tod seiner Frau Lee in die Schweiz zu-rückgekehrt, hatte er noch sechs Jahre in Glarus verbracht, wo er am Tag nach Dreikönigen, abends im Spital Glarus friedlich einschlafen konnte,

 

Die Familie Landolt

 

 

Zeichner Fridolin Landolt von Näfels, genannt zGmüärä-Fridel, des Kaspar Fridolin und der Maria Josefa Gmür No.279, * 1891 Apr.22. + 1974 Jan.18. in Glarus

Heirat 1918 Mai 18.

Babetta Müller von Näfels, des Sticker Josef Alois und der Elisabeth Feldmann No.487  

* 1889 Juli 29. + 1986 Juni 29. in Näfels+ 1925 März 29.

 

Kinder 

 

1919 Mai 9.      ELISABETH vide Lazzeri No.1  + ?

1920 Juni 25.   FRIDA vide Fischli No.295 +1960

1921 Okt.10.    Anna + 1950 Dez.9. in Bern

1922 Dez.8.     FRIDOLIN VIDE No.960 + 1.Nov. 2017

1924 Dez.6.     Maria Barbara Clara + 29. März 1925 .

1927 Jan.29.    CLARA cop. 1952 Mai 9. in Näfels mit Kaufmann Jean Louis

                         Laurent von Chavorney VD, in Näfels, des Louis und der Emilie

                         Fausel, * 1923 Feb.9. in Lausanne

1929 März 18.  JOSEF HERMANN + 7. Januar 2022

Familienbild Fritz und Babetta Landolt-Müller ca. 1932

v.l.n.r.: Elisabeth, genannt Lisel *1919 + ? später Lazzeri; Claire *1927, später Laurent; Mutter Babetta *1889 +1986; Anna *1921 + 1950; Fridolin *1922 + 2017; Hermann J. *1929 +2022; Frieda, genannt "Friedel", *1920 +1960, später Fischli; Vater Fridolin *1891 +1974.

 

                  Lebenslauf von Onkel Hermi                           

                            

           präsentiert im Abschidsgottesdienst  Freitag, 22. Januar 2022

 

1. Teil von Jean-Daniel Laurent

 

Vielleicht darf ein Lebenslauf auch so beginnen:

Unser aller Leben besteht aus grossen und kleinen Erzählungen. Viele dieser Erzählungen sind uns bekannt und plaudern vom gelebten Leben. Doch nicht alle dieser Erzählungen werden offenbar, nicht alle werden tatsächlich „erzählt“. Wir Menschen sind wunderbar komplexe Wesen und so darf auch Das oder Jenes im Dämmerlicht oder im Dunkeln bleiben. So kommt es mir auch vor, wenn ich an unseren lieben Onkel Hermi zurückdenke.

 

Eine dieser Erzählungen nimmt ihren Anfang im Frühling 1960.

 

Auf den Granitplatten vor der Eingangstür zum Bachdörflihaus meiner Gross-eltern stand ein sehr eleganter Mann in einem hellen Anzug, mit Hemd und Kravatte und so seltsam glitzernden, spitzen Schuhen. Auch seine Hose war irgendwie „glänzig“. An seiner Seite stand eine grosse blonde Frau in einem hellen Kleid mit Blumenmuster. In den Augen eines Siebenjährigen war das ein schönes Paar. Der Onkel Hermi aus Amerika und seine Frau Lee. Liebevoll und überhaupt nicht spöttisch nannten wir Cousinen und Cousins diesen Onkel aus Amerika fortan den „Glitter Herman“. Wenn ich für mich spreche, dann meine ich, dass ich ihn und diese fremde Frau bewunderte, auch wenn so ganz und gar nicht in unsere Welt der Berge passten.

 

Ja, und seine letzte Erzählung singt vom geduldigen, stillen Sterben dieses begabten Musikers und Fliegers und Zuneigung Suchenden. Sie beginnt anfangs Dezember 2021 im Kantonsspital in Glarus und endet ebenda. Da lag unser Onkel Hermi im Zimmer 216. Nicht mehr glitzernd und elegant, sondern still und oft traurig. Onkel Hermi trug so lange ich mich erinnern kann ein Haartoupée. Das war ihm wichtig, weil er tief in seinem scheuen Wesen wohl auch ein wenig eitel war. Auch das meine ich aus tiefem Herzen liebevoll. Jetzt in diesen letzten Wochen hatte er diesen Haarschmuck abgelegt und wirkte so auf uns auf seltsame Art zerbrechlich und entblösst und plötzlich ganz nah bis zu seinem allerletzten Tag auf dieser Erde.

 

Und vor und zwischen diesen beiden Erzählungen spielt die Geschichte eines Menschen, dem das Heimweh ein treuer Begleiter war, ganz im Sinne des alten „Vagabundenliedes“, das wir im Bachdörfli oft sangen: „Ein kleines Lied, auf allen Wegen, mehr hab ich nicht, ich bin ja nur ein Vagabund. Ich kenn die Welt bei Wind und Regen, wohin ich komme lacht für mich ein roter Mund. Mir hat das Glück so viel zu geben …. und das Heimweh läuft uns immer hinterher.“

 

1. Lied abspielen: „Vagabundenlied“

 

2. Teil Lebenslauf von Michel Laurent 

 

Ja so einfach dieses schnulzige Lied auch klingen mag, es verkörpert in Vielem nicht nur Onkel Hermis Leben, sondern erinnert uns Nachkommen an unsere Wurzeln im Bachdörfli in Näfels. Im Mittelpunkt unsere Güte und Stille ausstrahlende Grossmutter Barbara.

 

Die Kindheit des am 18. März 1929 und als letztes von neun Kindern ge-borenen Onkel Hermis spielte sich in der Büntgasse in Näfels ab. Sie war ge-prägt durch harte, vom gestrengen Vater erteilte Arbeit - aber auch vom all-täglichen Lausbuben Leben.

 

Vor allem Träume begleiteten den jungen Hermi. Träume vom Fliegen und vom Musizieren. Und bereits in seiner Kindheit zeigen sich Fähigkeiten, wel-che sein späteres Leben und Karriere prägend sollten. Hermi lernte schnell. Und vor allem lernte Onkel Hermi alles selbst – er war der Autodidakt schlechthin. Er bastelte flugfähige Segelflugzeuge ohne Anleitung. Die Mei-sterleistung aber war das Erlernen vom Saxophon- und Klarinettenspiel. Zwei, drei Fingergriffe, beigebracht durch „ds Wasmers Fridel“, waren die Grundlage zu einer späteren, glänzenden Hobby Musiker Karriere nicht nur in diversen Tanzbands im Glarnerland und in Luzern, sondern vor allem in Amerika. Alles hat er sich selbst beigebracht und seine Ziele mit grossem Willen auch erreicht. Diese Zielstrebigkeit ermöglichte ihm gar ein Mitspielen in einem Profi Orchester in den USA. Bei den nicht nur in Kalifornien etablierten „Moser-Buäbä“ findet er schon bald nach seiner Ankunft in Amerika als Jodler, Sänger und Klarinettenspieler Aufnahme.

 

Aber auch Sehnsüchte wühlen das Herz des Heranwachsenden auf - die Sehnsucht nach Geborgenheit. Geborgenheit, welche er vor allem bei seiner Mutter findet aber auch in der Religion. In der Kirche oder im stillen Gebet hat er Trost gefunden. Trost für viele uns nicht oder wenig bekannte dunklere Seiten in seinem Leben. Dieses war wirklich nicht immer nur „Glitter Herman like“. Unerfüllte oder gar vom Stand her sogar unmögliche Liebschaften präg-ten Onkel Hermi und hinterliessen tiefe Furchen in seinem Herzen.

 

Aber bis zum Schluss, bis im Spitalbett in Glarus, hat er seinen Charme, sein gewinnendes Lächeln und vor allem sein Auge für die hübsche Damenwelt nicht verloren. Er blieb sein Leben lang ein Mensch, welcher um seine Attraktivität wusste. Und er genoss die Gegenwart des weiblichen Geschlechts bis zu seinen letzten Tagen, vor allem wenn sie hübsch war. Wie würde man heute sagen? Ein Stenz? 😊.

 

Die Sehnsucht trieb ihn nach einigen Berufsjahren in Luzern im November 1953 ins ferne Amerika, wo er als gelernter Mechaniker willkommen war. Mit in seinem Gepäck auch das Privatpiloten-Brevet, welches er ebenfalls so „ne-benbei“ bestanden hat. Mit den letzten nicht einmal hundert Dollars im Hosen-sack und kaum ein Wort Englisch sprechend ist er im fernen Kalifornien, im Hotel Switzerland, angekommen. Dort hat er dann eben seine sprichwörtliche Tellerwäscher Karriere gestartet. Kost und Logis seiner ersten Amerika Wo-chen hat er tatsächlich mit Tellerwaschen, als Handlanger beim Hausbau und mitspielen in der Musikkapelle der „Moser-Buäbä“ abverdient.

 

Aber das war auch der Moment, wo sein Herz ruhelos wurde. Zuerst zer-fressen vom Heimweh nach seiner Familie, dem Glarnerland und seiner Liebe in Luzern. Die Gewissheit der absoluten Unmöglichkeit einer Rückkehr ver-stärkte seinen Heimatschmerz noch mehr.

 

2. Lied abspielen: „Wenn die Blümlein draussen zittern“

 

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach seiner Ankunft in den USA wurde der Heimweh geplagte Hermi 1954 ohne amerikanische Staatsbürgerschaft in die US-Armee einberufen. Er folgte dem Befehl und setzte den Grundstein zur Verwirklichung einer seiner beiden grossen Träume, der Fliegerei. Er liess sich in die Airforce einteilen. Jetzt zahlte sich seine Willensstärke und Lernwille aus. Er arbeitete sich in den kommenden vier Jahren bis zu seiner Entlassung 1958 zum Bordingenieur hoch, war an vielen US-Stützpunkten stationiert und flog Einsätze in der ganzen Welt. Und dies noch immer als Schweizer Bürger! US-Staatsbürger wurde erst 1957.

 

Während seiner Militärzeit lernte er Lee Lambert kennen. Da trafen sich zwei Menschen, welche beide einsam waren. Lee - bei Onkel und Tante aber ohne wirkliche Wurzeln aufgewachsen und seit ihrem sechzehnten Lebensjahr auf sich selbst gestellt - und Hermi, ebenfalls alleine im noch weitgehend fremden Amerika. Die beiden heirateten im Mai 1955. Es war wahrscheinlich nicht die „grosse Liebe“, aber beide waren einsam – und zu zweit ist die Einsamkeit viel erträglicher. Viel Traurigkeit bei den jungen Eheleuten wegen ihrer Kinder-losigkeit auf Grund einer schweren Erkrankung von Tante Lee.

 

Nach der Entlassung aus der Airforce im November 1958 bildete sich Onkel Hermi im Abendstudium zum Ingenieur aus. Die zweite, erfolgreiche Karriere war gestartet. Höhepunkt war sicherlich die Entwicklung eines ganz spezi-ellen, schmierlosen Gleitlagers, welches im Space-Shuttel-Programms der NASA angewendet wurde. Aber auch hier wurde Hermis Bescheidenheit zum Bumerang. Das Patent wurde nicht auf seinen Namen ausgestellt. Noch im Spitalbett in Glarus hat er mir und Beatrice davon erzählt und ich konnten die noch immer tiefe Enttäuschung spüren.

 

Für uns Schweizer unglaublich: fünf Häuser haben Hermi und Lee im Laufe der Jahre gebaut und wieder verkauft. Sie haben Tiefen und Höhen durch-schritten – auch in ihrer Beziehung, welche wohl nicht immer nur „Glitter“ war.

 

Insgesamt zehn Mal besuchte Hermi seine Heimat. Ein Besuch in Luzern und eine Wahlfahrt zur Kapelle in Lungern fehlten nie. War die Zeit zwischen den Heimaturlauben zu lang, schickte ihm sein Vater Fritz – unser Grossvater – eine Telefonbotschaft ins ferne Kalifornien.

 

3. Abspielen: „Silvestergruss 1968 von Vater Fritz Landolt“

 

Eine grosse Wendung für sein späteres Leben sollte die Niederschrift seiner „Memoiren“ von 2009 sein. Durch diese Zeilen wurde eine längst verlorenge-glaubte Spur zu seiner Jugendliebe wieder aufgefunden. Diese Jugendliebe hiess Anita Masanti, geborene Steinmann. Die feinen, seidenen Fäden wurden wieder gesponnen und nach dem Tod von Tante Lee im Jahre 2014 verstärkt. Anita war der wichtigste Grund für seine Rückkehr in die Heimat im Mai 2016. Mehr als 62 Jahre nach seiner Auswanderung.

 

Aber jetzt zeigte sich auch, dass Hermi ein Suchender auf dieser Welt war und es bis zuletzt geblieben ist. Nun zerrte das Heimweh nach Amerika, wo er alles erlebt und erreicht hatte. Wo er aber auch in einer eigenen Welt lebte, einer Welt mit seiner Frau und wahrscheinlich einem kleinen, gleichdenkenden Bekanntenkreis. Er verharrte in einer politischen und auch musikalischen Welt, welche in den 50-er Jahren stehengeblieben schien, geprägt durch eine konservative, Haltung in der Religion wie in der Musik. Konservativ aber auch in der Politik, wo er sich mit uns Schweizern äusserst ungern austauschte, weil wir sein Verständnis für „sein“ Amerika nicht verstehen würden, nicht verstehen konnten, vielleicht auch nicht verstehen wollten.

 

Die letzten Jahre – vor allem nach Anita Tod – blieben die Kontakte zu seiner Familie eher selten. In diesen Jahren kümmerte sich Béatrice hingebungsvoll um Onkel Hermi, erledigte seine Wäsche und Besorgungen, ging mit ihm zum Arzt, besuchte ihn während seiner zahlreichen Spitalaufenthalte und unter-nahm auch Ausflüge im Glarnerland. Vor allem aber leistete sie ihm Gesell-schaft, schenkte sie ihm Zeit, hörte seine Sorgen ab. Immer mehr hinterfragte er seine Rückkehr in die Schweiz. In Béatrice hatte er eine geduldige Zuhör-erin und trotz allem haben die beiden sehr viel gelacht – ja er fühlte sich halt einfach wohl in weiblicher Gesellschaft.

 

In den vergangenen Jahren lernten Béatrice und ich unsern Onkel Hermi von einer anderen Seite kennen. Die Aura um das „Glitter-Herman“ verblasste nach und nach. Dafür trat der Mensch Hermann Josef, seine Zurückhaltung, sein Humor aber auch seine Traurigkeit mehr und mehr in den Vordergrund. Vieles hat er erzählt auf unsere Fragen hin – vieles blieb aber auch unbe-antwortet. Und sehr viel Ungeschriebenes und Unerzähltes ist am Freitag 7. Januar mit ihm auf seine ewige Reise gegangen.

 

 

 vor dem Segen des Pfarrers:

 

4. Lied abspielen „Heimatdörfli“

gesungen und musikalisch begleitet von Hermann J.

 

 

 


Dienstag, 4. Januar 2022

 

Trouvaille

 

Edi Feldmann - "Gäisserli Edi" würde 105

 

"Gäisserli Edi" wie er leibte und lebte - stets fröhlich und aufgestellt
"Gäisserli Edi" wie er leibte und lebte - stets fröhlich und aufgestellt

Dieser Tage erkundigte sich ein pensionierter Polizist, der offenbar mehrmals mit dem "Gäisserli Edi" zu tun hatte, weil dieser immer wieder mal im Sommer im Altersheim ausbüxte und sich auf Wanderschaft begab. Edi war als "Wandervo-gel" in der Innerschweiz, ja bis ins Tessin bekannt.

 

Auf der Suche nach Informationen und Spuren des bei uns im Dorf wohlgelitt-enen und leutseligen, harmlosen Edi stiess ich auf seine genealogischen Daten und auf seinen "Nachruf", der wohl aus der Feder des damaligen Altersheimver-walters Walter Landolt-Rhyner stammte.

 

207-162-116-85-67-44-31-18-15                     Gen.9

Kaspar Josef Feldmann von Näfels, Handlanger, Ziegeleiarbeiter,

des Fridolin Josef und der Regula Schiesser No.162

* 1891 Dez.29. + 1963 Jan.14. in Glarus

oo

1913 Nov.22. Emma Louise Reutlinger von Hegnau Volketswil,

des Joh. Emil und der Verena Arter

* 1892 Jan.17. + 1959 Dez.10. in Glarus

 

1914 März 3.  in Näfels: EMMA cop. 1939 Aug.12. in Schlieren mit

                       Modellschreiner Fridolin Klötzli von Bätterkinden, in

                       Schlieren, des Friedrich und der Anna Maria Senn,                                     1916 Apr.16. in Rickenbach AG

1915 Nov.1.    JOSEF VIDE No.254

1917 Feb.25.  Edwin + 1998 März 6. wohnhaft gewesen in Näfels

                       (aber mit Geburtsdatum vom 15.2.) +6. März 1998

1919 Apr.17.   CHRISTIAN VIDE No.257

1920 Aug.28.  FRITZ VIDE No.253

 

 

Edi war das dritte Kind von insgesamt fünf Geschwistern.

 

Nachruf

 

Südostschweiz 25. März 1998

 

     

   „Edi - mit einem stets fröhlichen Lächeln im Gesicht – als friedliches dankbares "Dorforiginal" weitherum bekannt, - starb am Tage des Fridolins 1998 ganz uner-wartet, still und bescheiden, so wie er während seines ganzen irdischen Daeins gelebt hatte.

 

  Edwin Feldmann wurde als 3. Kind des Feldmann Kaspar Josef und der Feldmann geb. Reutlinger Emma Louisa am 15. Februar 1917 in Näfels geboren.

 

   Sein Schöpfer hat dem lieben Edi nicht allzuviel Intelligenz in die Wiege gelegt, welcher Mangel aber durch eine riesengrosse Gutmütigkeit kompensiert wurde. Edi wuchs zusammen mit seinen Geschwistern vorerst in Näfels, danach in diversen Gemeinden in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Kaum jemand hatte Zeit, sich des geistig zurückgebliebenen Kindes anzunehmen.

 

   So wurde Edi im April 1924, eben 7jährig geworden, den  Ingenbohler Schwe-stern, welche anno dazumal im Freulerpalast[1] tätig waren, anvertraut.

 

   Edi fand aber auch da nicht die für ihn dringend notwendige Hilfe und Zuver-sicht, die Zeit für Bildung fehlte an allen Ecken und Enden.

 

   Bereits im Oktober 1924 wurde Edi ins Heim für geistesschwache Kinder "St. Joseph" nach Bremgarten eingewiesen.

 

   Edi wollte nicht eingesperrt sein, das war nicht seine Welt. Edi wollte frei sein und so kam es des öftern vor, dass Edi vom Heimweh gepackt, wieder in Näfels auftauchte.

 

   Mit 16 Jahren war der liebe Verstorbene zu alt für das Kinderheim St. Joseph geworden und so schickte man ihn wiederum in die Heimatgemeinde Näfels zu-rück, wo er im damaligen Armenhaus (1) Aufnahme fand.

 

   Während des Winters gefiel es ihm meistens recht gut, er hatte zu essen und ein warmes Bett. Kaum aber war es Frühling geworden, hielt es Edi nicht mehr aus - er musste weg. Als Taglöhner verdiente er sich irgendwo eine warme Mahl-zeit, schlief aber meistens im Stall oder im Wagenschopf.

 

   Seine Wanderlust prägte sein ganzes Leben. Eine Kleinigkeit war es für Edi, über den Pragel nach Muotathal zu wandern, wo er wochenweise bei verschie-denen Familien Arbeiten im Garten und Stall verrichtete, zwar nicht immer sehr pflichtbewusst, denn, packte ihn das Fernweh, liess Edi alle angefangene Arbeit stehen und war für Tage nicht mehr gesehen. Niemand war ihm deswegen böse, es war seine Art.

 

  Wieviele Kilometer Edi in seinem Leben gelaufen ist, kann kaum eruiert wer-den. Auf alle Fälle wurde er während der Sommerzeit überall gesehen, sei es auf dem Klausen, im Zürcher Oberland oder ganz besonders im Bereich Inner-schweiz. Das Alter machte auch vor Edi nicht Halt, er mochte nicht mehr in die Weite, es kam auf einmal die Zeit, da Edi sich zu Hause im "Letz" (2) am wohlsten fühlte. Kleinere Spaziergänge, bei denen er mit Interesse das Treiben im Dorf beobachtete, waren seine Freude. Sein verschmitzter Gesichtsausdruck liess erahnen, dass er mit seinen Gedanken sehnsüchtig in die Vergangenheit seines Lebens blickte.

 

   Edi, pflegebedürftig geworden, erlebte trotz seiner Altersschwäche einen schönen Lebensabend, denn durch die grossartige Pflege und Betreuung seitens des Personals im "Letz", wurde ihm die Liebe zugesprochen, auf die er während eines grossen Teils seines bescheidenen Lebens verzichten musste. Edi - wir vermissen Dich.“

 

(1) Freulerpalast, eine Prachtspalast von Gardeoberst Kaspar Freuler erbaut,

      später im Besitz der Gemeinde Näfels, als Schule, Armenhaus bis 1937, 

      Verwaltngsgebäude der Gemeinde

(2) "Letz" = Altersheim "Letz"

 

Autor dieses Nachrufs ist der damalige Leiter des Altersheim Letz Näfels Walter Landolt-Rhyner, ein lieber Freund und heute selber Bewohner des Altersheims. Ich werde ihn noch nach weiteren Episoden im Leben des "Gässerli Edi" be-fragen.

Sein Chef war viele Jahre Meisterknecht Robert Bamert-Landolt, er ist aber hoch-betagt vor vielen Jahre verstorben.

 

Aus meiner Erinnerung:

Edi war immer ausgebüxt, wenn es ans Heuen ging. Offenbar mochte er das im Altersheim. wo ein behäbiger Gutsbetrieb geführt wurde, gar nicht.

 

Eines Tages kam eine Telefonanruf aus dem Tessin. Die Polizei hatte ihn aufge-griffen und sich erkundigt, was dieser „Landstreicher“ vorhaben könnte. Die hie-sige Polizei beruhigte die Anrufe: „Der ist harmlos, schicken Sie ihn per Schub wieder nach Hause.“ Tags darauf war er wieder wohlbehalten im Altersheim.

 

Edi spazierte oft im Dorf herum, ein schlanker, spindeldürrer Mann mit einem klei-nen Kopf. Er bewegte sich leutselig und freundlich, sprach mit den Leuten, und im Dorf kannte man ihn und nahm ihn so wie er war. Ein Original, stets aufgestellt und fröhlich. Wir vermissen ihn wirklich.

 


Dank freundlicher Bemühungen des Pfarramtes und Martin Böni, ehem. Sigrist, wurde das Grab von Edy Feldmann gefunden. Wir haben Glück, in Bälde wird dieses Grabfeld geräumt.

Dieser schlichte Stein erinnert an den einfach Mann "Gäisselri Edi", der als Ein-zelgänger und freundliches Original und als Näfelser Bürger auf dem südlichen Friedhofteil in Näfels ruht. (Foto: 5. Januar 2022)

 

 Gäisserli Edis Stammbaum

 

Wie der Stammbaum verrät ist der Beiname „Gäisserlis“ ein Familienbeinahme, weil mehrere Vorfahren Geisser waren, siehe unten. Geisser mussten jeweils mit der Ziegenherde bergäwrts fahren und äzten an viel Plätzen (Wiggis, Platten, Haslensee, sogar am Obersee).

Edis Ururgrossvater Kaspar Fridolin, sein Urgrossvater Jakob Fridolin und sein Grossvater Fridolin Josef waren Geisser.  Bei der Vielfalt gleicher Namen und Vornamen, war "ds Gäisserlis" ein typisches Unterscheidungsmerkmal..

 

Die ersten nachweisbaren Vorfahren sind Metzgermeister Fridli Feldmann (ca. 1620-1685) und dessen Bruder Balthasar. Fridlis Sohn Mathäus war ebenfalls Metzgermeister und wurde in Sargans geboren. Er war der dritte von sieben Kindern. Er lebte von 1658 bis 1721 und hatte in zwei Ehen zwölf Kinder. Sein drittjüngster Sohn, ebenfalls in Mathäus. Dessen drittjüngster Sohn, Wacht-meister Mathäus Feldmann (1711-1761), offenbar in fremden Diensten, hatte ebenfalls aus zwei Ehen acht Kinder. Sein fünftes Kind, Johann Josef, (1755-1817) hatte aus drei Ehen zehn Kinder. Sein vierte Sohn Fridolin Josef (1775-1842) erzeugte mit zwei Frauen sechszehn Kinder. Dessen zweiter Sohn Kaspar Fridolin (1807-1865) hatte in einer Ehe elf Kinder. Er war Taglöhner und Geisser am Herrenweg und am Platz (Fahrtsplatz). Sein zweiter Sohn Jakob Frido-lin (1833-1889) hatte in drei Ehen 13 Kinder. Dessen fünfter Sohn Fridolin Josef (1864-1915) war in zwei Ehen sieben Mal Vater. Dessen dritter Sohn Balthasar Josef, (1891-1963) war der Vater von Edi, er hatte fünf Kinder. 1914 Emma, 1915 Josef, 1917 Edwin (Edi), 1919 Christian und 1920 Fritz.

 

 Fridli Feldmann und  Balhasar Feldemann

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Mathäus Feldmann, Metzgeremeiser

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Mathäus Feldmann, Metzgermeister

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Wachtmeister Mathäus

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Johann Josef,  ?

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Fridolin Josef, Holzer

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Kaspar Fridolin, Geisser, Taglöhner

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Jakob Fridolin, Geisser, Feldarbeiter

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Fridolin Josef, Geisser, Spinner, Mechaniker, Bergführer 

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Balthasar Josef, Handlanger, Ziegeleiarbeiter

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Emma - Josef - Edwin - Christian - Frittz

 

Im ganzen Stammbaum sind 90 Kinder erwähnt,  17 Ehen wurden geschlossen.

 

...und noch ein Nachtrag

 

Im Gespräch mit dem früheren Altersheimverwalter Walter Lndolt-Rhyner kam heraus, dass er sich sehr wohl an den "Gäisserli"-Edi erinnere. Sintemalen gin-gen beim ihm Anrufe von Polizeiposten von überall her ein, die den "Gäisserli"-Edi aufgegriffen hatten und dies auf dem Polizeiposten Näfels oder beim Alters-heim selber meldeten. Oft musste Walter Landolt-Rhyner mit seinem Auto aus-rücken, um den Ausreisser nach Hause zu holen. Ein bevorzugter Ort soll für Edi das schwyzerische Illgau gewesen sein, wo er immer wieder auftauchte, um ein paar Tage auf einem Bauerngut verbrachte und gegen Kost und Logis mithalf. Schnell er dort aufauchte, war er wieder verschwunden, wenn ihn der "Wander-trieb" wieder packte.  Einmal kam eine Meldung aus dem Zürcher Oberland, aus Wetzikon, mitten im Winter bei schwierigen Schneeverhältnissen, so dass Edi per Taxi zurückgebracht werden musste.

 

Eine Ursache seines Ausreissen im Altersheim waren bestimmte Arbeiten. Mei-sterknecht Robert Bamert-Landolt führte den Altersheim-Gutsbetrieb mit straffer Hand. Was Edi nicht mochte, war sein Einsatz mit Karst und Spaten im grossen Altersheimspaten oder bei strengem Heuet. Dann musste damit gerechnet wer-den, dass Edi Karst und Spaten oder die Heugabel einsteckte und spurlos ver-schwand. Wurde er etwas energisch zu ergiebigerem Arbeiten aufgefordert, wur-de Edi wütend und er brach auf, um auf Schusters Rappen, meistens über das Klöntal, den Pragelpass, ins Muotathal zu gelangen.

 

Beitrag von Sepp Ochsneer

im Einsiedler Anzeiger Nr. 7 Jannuar 2022 S. 3 


Montag, 1. Januar 2022

 

Lasst uns das neue Jahr mit Applaus empfangen!

 

Applaus, Applaus, Applaus...!

 

oder

 

Der schönste Fall ist der Beifall !

 

 

Erinnern Sie sich an den letzten Applaus, den Sie gehört haben? War es nicht im Fernsehen, in einer der unzähligen Talkshows, in denen gestörte Leute über ihre Probleme quatschen, einem Konfliktpartner gegenübergestellt werden, bis sie einander in die Haare geraten. Je nachdem wie der einzelne punktet, geht eine Garbe von Applaus durch die Zuschauerreihen.

 

Applaus war ein fester Bestandteil der Samstagabendsendung „Wetten dass...“. Stellen Sie sich vor, ein Mitspieler hat mit einem brenzligen Akrobatikstück seine Wette gewonnen und keiner klatscht!

 

Im Theater, in der Oper, im Konzert, oder einfach im zweiten Teil des Turner-chränzlis, wenn ein Schwank aufgeführt wird...ohne Applaus wäre der Abend im Eimer, die schönste Aufführung für die Katz. Rollt nach turbulentem Flug ein Jet auf den Tarmac, brechen die Passagiere in erleichtertes Applaudieren aus.

 

Es gibt frenetischen, starken, donnernden, begeisterten, rauschenden Applaus. Höchst selten kommt er in der Mehrzahl vor und hiesse dann „Applause“. Tönt ungewohnt.

 

Freiherr Johann Wolfgang von Goethe meinte: „Beifall lässt sich, wie Gegenliebe, nicht erzwingen.“ 

 

Es muss etwas geben, was den Applaus auslöst. Denn Applaus ist Zustimmung, Begeisterung, Billigung, Anerkennung, Antwort auf etwas, was gefällt oder be-lohnt werden soll.

 

Applaudieren geschieht durch Zusammenklatschen der Handinnenflächen und erzeugt ein knallartiges Geräusch. Ganze Menschenmengen schlagen individuell oder im Takt die Hände zusammen. Das Ganze ist aber recht dynamisch. Wenn die Mimen auf der Bühne erscheinen und sich vor dem Publikum verneigen, schwillt der Beifall an und verebbt wieder fast, um wieder aufzuflackern, wenn der Lieblingsdarsteller auftaucht. Applaus reisst mit; in jedem Konzert gibt es einen „Claqueur“, der den Startschuss gibt und den Applaus auslöst. Von jenseits des grossen Teichs ist die Angewohnheit der „standing ovations“ gekommen, wonach die Leute zu klatschen beginnen und sich gleichzeitig erheben. Stehender App-laus will durch den Einsatz der Sprunggelenke und schwungvolles Aufstehen besondere Wertschätzung ausdrücken. Mag sein, dass es auch stehende App-laudierende gibt, die nur besser gesehen werden möchten.

 

Nicht geklatscht wird in der Kirche, wenn der Pfarrer seine Predigt mit einem „Amen“ beschliesst. Keinen Beifall erhält der Verleser des „Fahrtsbriefes“ auf der Kanzel, wenn er die Ereignisse vor über 630 Jahren vorträgt und die 55 Namen der in der Schlacht bei Näfels gefallenen Glarner kundtut. In spontanen Applaus brechen die Fahrtsbesucher am Schluss des schön gestalteten Fahrtsgottes-dienstes mit der Orchester-Messe aus.

 

In der Gemeindeversammlung und an der Landsgemeinde ist Klatschen so eine Sache. Nach der Tradition sind würdevolle Stille und respektvolle Aufmerksam-keit höher einzuschätzen, als spontane Beifallskundgebungen. An der Lands-gemeinde wird die Einführungsrede des Landammanns mit Applaus quittiert. Mich friert jeweils im hehren Moment, wenn der Landammann vereidigt wird, wenn ich selber mit meinen Mitlandleuten den Eid leisten darf und das Raunen des Schwurs durch den Ring vernehme. Danach herrscht sekundenlange Stille, so intensiv, dass man sogar das Rauschen der Luft wahrnimmt.

 

Die Tatsache, dass der erste Mann in unserem Lande vor versammelter Lands-gemeinde schwören muss, ist sein Bekenntnis zum Dienst an diesem Volk. Ebenso werden aber alle Stimmberechtigten im „Ring“ durch den gemeinsamen Schwur in die Verantwortung und Loyalität für die Gemeinschaft genommen. Die Landsgemeinde wird so lange Bestand haben, als diese Werte standhalten und gelebt werden.

 

Eine Unsitte ist aber aufgekommen. Wenn bei den einzelnen Voten der Red-nerinnen und Redner applaudiert wird, geschehen gewissermassen vorent-scheidende zustimmende Reaktionen. Ich erwartete eigentlich vom Landam-mann, der besonnen und mit sicherer Hand die Versammlung führt, dass er den „Ring“ ersucht, man möge die Hand zum Abstimmen und nicht zum Klatschen benutzen, was er auch schon öfters gemacht hat. Auch wenn es immer wieder mal emotionelle Ausbrüche, Unmutsäusserungen „Höörä!“, „Abä!“ geben mag, die Fähigkeit des Zuhörens und die erforderliche Ruhe sind noch immer die wichtigste Voraussetzung für eine kluge Entscheidung. „...der söll daas dur Handuufhebä bezüügä!“ ist die Aufforderung des Landammanns, die Entscheidung zu fällen und anzuzeigen.

Das Vertrauen in den Landammann, der die Mehrheit durch Abschätzen ermitteln darf und muss, zwingt die Leute im „Ring“ möglichst klar Farbe zu bekennen. Es ist Sache des Bürgers zu entscheiden, ihr erster Mann hat lediglich festzustellen. Ist das Mehr ungewiss oder knapp, holt der Landammann vier Ratskollegen zu Hilfe, die ihm das Feststellen erleichtern. Wer diese Funktion des demokratischen Instrumentes „Landsgemeinde“ versteht, wird erkennen, dass Applaus ein frem-des Element der Entscheidungsfindung ist und den Entscheidungsprozess eigentlich stört oder beeinflusst.

 

Einst liess ich mich durch eine schöne Aufführung der Johannes Passion von Bach ergreifen und erfreuen. Der Kammerchor unter Leitung von Kurt Müller Klusmann verkündete im Programm, die gastgebende Kirchgemeinde wünsche, dass in diesem Gotteshaus nicht applaudiert werde.

 

In der Tat - als der wunderbare Schlusschoral mit „Herr Jesu Christ, erhöre mich, ich will dich preisen ewiglich!“ ausgeklungen war, verharrte der Dirigent in seiner letzten Pose, eine unendlich tiefe Stille und durch und durch gehende Schwin-gung erfüllte den Raum. Das Publikum blieb diszipliniert, niemand zerstörte diese beredte Stille durch Applaus. Dann wurden Respekt und Anerkennung zum Aus-druck gebracht, indem sich die Zuhörerschaft erhob. Die ganze Künstlerschar erhob sich auch, bedankte sich mit einer Verneigung und ging still hinweg. Keine frenetischen Beifallsstürme, kein Herausklatschen, keine Euphorie wie ich sie vor vielen Jahren im Bolschoi-Theater in Moskau bei der Ballett-Uraufführung von „Anna Karenina“ erlebt hatte, als man die Künstlerinnen und Künstler zwanzig Minuten (!) lang immer wieder auf die Bühne holte und sie mit wahren Begeis-terungsstürmen feierte.

 

Gewiss gibt es da die Künstler, die durch Beifall belohnt werden möchten. Der schönste und grösste Beifall aber ist die Ergriffenheit des Zuhörers. Wenn er sich dazu erhebt (vielleicht sogar noch leicht verneigt), ist diese Stille lauter als jeder Beifall. Deshalb wäre es schicklich, in Kirchen den stummen Beifall zu pflegen und die Stille umso lauter werden zu lassen. Finden Sie nicht auch?

Bis bald! Ihr Pankraz 

  

Diese Glosse ist am 12. April 2001 im «Fridolin» erschienen und leicht angepasst hier wiedergegeben. Ob sich die Schlussfolgerung heute noch vertreten lässt?

 

Sei dem wie dem wolle!  Empfangen Sie das Neue Jahr mit Applaus als Ausdruck der Zuversicht und erwartungsvoller Freude!


Sonntag, 2. Januar 2022 (Nachneujahr)

 

Die Näfelser Weihnachtskrippe - ein Juwel

 

Erstmals in der Geschichte der Pfarrei Näfels steht die Weihnachtskrippe an einem neuen Standort. Seit 1920 wurde sie auf dem Marienaltar, für den sie zentimeergenau angemessen war, aufgestellt. Zu Weihnachten 2021 schmückt sie südseits die Aufgangstreppe zum Chor. Ich blende zurück auf die Entste-hungsgeschchte, die auf Initiative von Pfarrer und Kanonikus Blasius Braun ge-schaffen und durch den Näfelser Unternehmenr Jean Landolt (später Gewürz-mühle und Landolt, Hauser & Cie) finanziert wurde.

 

Die 102-jährige massgeschneiderte Weihnachtskrippe steht erstmals am Fusse des Chors.
Die 102-jährige massgeschneiderte Weihnachtskrippe steht erstmals am Fusse des Chors.
Hochalterbild Geburt Christi von Johann Melchior Wyrsch (21. August 1832 in Buochs, bis  9. September 1798 in Buochs, erschossen von französischen Truppen) Biografische Daten siehe w.u.
Hochalterbild Geburt Christi von Johann Melchior Wyrsch (21. August 1832 in Buochs, bis 9. September 1798 in Buochs, erschossen von französischen Truppen) Biografische Daten siehe w.u.

 

...Blasius Braun...schrieb schon früh, dass das Hochaltarbild von Wyrsch wohl das Weihnachtsgeheimnis malerisch unvergleichlich darstelle. Um aber auch die Kinder vom Weihnachtsereignis zu begeistern, sei eine figürliche Darstellung zu schaffen...“[1]

 

Die Adressaten und Auslöser zur Anschaffung einer Weihnachtskrippe waren al-so die Kinder.

Die Krippe wird seit 1920 jedes Jahr auf Weihnachten auf dem Marienaltar auf-gestellt und speziell beleuchtet. Auf Epiphanie  (6. Januar, Dreikönigen) werden auch die heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar hinzugefügt.

 

Sehr beträchtlich war der Anschaffungspreis. Er wurde mit den anderen Daten in der Tagespresse veröffentlich:[2]

 

 

1920 hergestellt von Bildhauer Karl Kuolt in München.,

Auftrag durch Pfarrer Blasius Braun.

Kostenvoranschlag Fr. 20'000.-

Rechnung Fr. 25'000.-, weil 11,5 % Ausfuhrkosten und Kisten als Verpackungsmaterial dazu kamen.

Die Krippe wurde massgeschneidert auf die Verhältnisse des Josefsaltars angepasst.

Pfarrer Blasius Braun wollte ca. 90 cm hohe Figuren. Der Künstler riet ab und wollte höchstens 50 cm hohe Figuren schaffen.

Bestelldatum: 23. März 1920.

Lieferdatum;: 25. November 1920.

 

Die Krippe wurde gespendet!  Aus einem Brief [3] an die Freunde der Geschichte von Näfels geht hervor, dass die Krippe von der Witwe des Unternehmers Jean Landolt und dem engsten Verwandtenkreis gestiftet wurde und Familienbezie-hungen nach Süddeutschland reichten. Pfarrer Braun, der offenbar in dieser Fa-milie wohlgelitten war, war seinerseits mit dem Künstler Karl Kuolt befreundet, der mitunter im Pfarrhaus zu Gast war.

Der bärtige Hirte mit der Kräze auf der rechten Seite der Krippe sei wahr-scheinlich nach einer Zeichnung von Fridolin Anton Schwyter geformt. Eine Rötelzeitung, die als Vorlage gedient haben könnte, ist heute noch in Privatbesitz der Nachkommen Landolts.

 


[1] Näfelser Brauchtum im Jahresablauf...Seite 85

[2] Glarner Volksblatt, 28. Dezember 1920

[3] Brief Marie Therese Landolt-Hauser an den Präsidenten der Freunde der Geschichte

     von Näfels vom 14. Dezember 1998.

Die Familie des Jean Landolt, Unternehmer, war Stifterin der für damaligen Zeit sehr kostspieligen Krippe.
Die Familie des Jean Landolt, Unternehmer, war Stifterin der für damaligen Zeit sehr kostspieligen Krippe.
Hirten
Hirten
Heilige Familie
Heilige Familie
Der Engel mit Schlamei soll angeblich Pfarrer Blasius Braun sein; eine gewisse Ähnlichkeit ist verblüffend.
Der Engel mit Schlamei soll angeblich Pfarrer Blasius Braun sein; eine gewisse Ähnlichkeit ist verblüffend.

Professo Karl Kuolt (1879-1937)

 

Geboren am 3. April 1879 in Spaichinen (D), war Student an der Münchner Kunstschule und dann von 1910 bis 1914 an der Münchner Akademie.

Neben einer VIelzahl bekannter Denkmäler und Gedenk kapellen in ganz Süddeutschland schuf er unzählige kleinere Werke, die sich heute im Besitz von Museen und privaten Sammlern befinden.

 

Der Name Kuolt ost seit langem weltweit ein Synonym für geschickte Krippenschnitzzentren. Seine Figuren sind von Einfachheit und stgrener Frömmigkeit geprägt. 

 

Biografische Daten zu Johann Melchior Wyrsch

 

Johann Melchior Wyrsch (* 21. August 1732 in Buochs; †  9. September 1798  ebenda) war ein Schweizer Porträtmaler des 18. Jahrhunderts.

Leben

Johann Melchior Wyrsch begann seine 1745 Ausbildung zum Maler. Diese tätigte er bei Johann Michael Suter in Luzern und Franz Anton Kraus in Einsiedeln. Zwischen 1753 und 1754 hielt er sich auf einer Studienreise in Italien auf, hierbei vor allem in Rom und. Neapel. Anschliessend kehrte er in die Schweiz zurück und nahm seine Tätigkeit als Porträt- und Kirchenmaler auf.

1768 zog er nach Besançon, wo er viele Porträts angesehener Leute malte. Zusammen mit dem Bildhauer Luc Breton, den er in Rom kennengelernt hatte, gründete er 1773 eine Akademie für Malerei und Zeichnen (Académie de peinture et de dessin) in Besançon. Im Jahr 1777 reiste er nach Paris und kehrte nach Besançon zurück, wo er 1784 zum Ehrenbürger ernannt wurde.

Im selben Jahr zog er nach Luzern und gründete dort wiederum eine Schule für Kunstmaler, deren Nachfolger heute die Fachklasse Grafik Luzern und die Hochschule Luzern – Design & Kunst sind. Infolge einer zunehmenden Erblindung, die er dem Grauen Star zuschrieb, zog er sich nach Buochs zurück, wo er bei der Eroberung Nidwaldens durch die Truppen Napoleon Bonapartes ermordet wurde.

Im Übergang von Barock und Rokoko einerseits zu Klassizismus und Romntik ander-seits vollzog Wyrsch die Entwicklung vom Standesporträt zur differenzierten Charakterisierung eines einzelnen Individuums. Er war im „aufgeklärten Patriarchalis-mus“ der Alten Eidgenossenschaft verankert, sein Werk weist jedoch bereits auf das liberale bürgerliche Zeitalter. Als Sakralmaler – zahlreiche Altäre in Innerschweiz und in der Franche-Comté sind heute noch mit seinen Gemälden geschmückt – blieb der Innerschweizer Maler der spätbarocken Tradition verhaftet. Dennoch ist ihm in seiner Heimat kein zeitgenössischer Kirchenmaler als gleichwertig an die Seite zu stellen.

Ehrungen

Als Ehrenbürger der Stadt Besançon wurde eine Strasse nach ihm (Rue Jean Wyrsch) benannt.

·         Tapan Bhattacharya: Melchior Wyrsch. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. Januar 2018.

·         Paul Fischer: Der Maler Johann Melchior Wyrsch von Buochs, 1732–1798. Sein Leben und Werk. Kommissions-Verlag, Buchhandlung C. Bachmann, Zürich 1938.

·         Johann Kaspar FuessliJohann Melchior Joseph Würsch. In: Geschichte der besten Künstler in der Schweiz. Orell, Gessner, Füsslin, Zürich 1779, S. 102–109.

·         Karl Jost (Hrsg.): Biographisches Lexikon der Schweizer Kunst. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1998, S. 1150 f.

·         F. Marbach: Beiträge zum Werk des Malers Johann Melchior Wyrsch von Buchs. In: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 1, 1939, Heft 3, S. 176–178 (Digitalisat).

·         Johann Melchior Wyrsch. Ausstellungskatalog, Nidwaldner Museum, Stans 1998, ISBN 3-7965-1085-X.

·         Matthias Vogel, Regine Helbling, Marianne Baltensperger (Hrsg.): Gepudert und geputzt. Johann Melchior Wyrsch 1732–1798. Porträtist und Kirchenmaler. Schwabe, 1998, ISBN 3-79651085-X.

Weblinks[

Hans-Peter Wittwer: Wyrsch, Johann (Jean) Melchior Joseph (Josef). In: Sikart

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Melchior Wyrsch, Lithographie in Alfred Hartmann: Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit. Bd. 1, Zürich 1868, Nr. 47. aus: Wikipedia