Freitag, 21. Januar 2022

 

Bistum Konstanz

Wer weiss noch, dass wir einst dem Bistum Konstanz gehörten?

 

Praktisch alle Gotteshäuser in Näfels wurden von Konstanzer Bischöfen oder Weihbischöfen eingeweiht. Urban Fink Wagner, Geschäftsführer der Inländischen Mission hat in der neuesten Nummer "IM", der Informationsschirft der Inländischen MIssion, Nr 1 Winter 2021/2022, Seite 3 und Seite 9 zwei inter-essante Beiträge ver-öffentlich-

"Der Todesstoss gegen das Bistum Konstanz von 1821" und "Das Bistum Chur von 1816/19 zur Gegenwart"

Als ehemalige Konstanzer und immer noch provisorisch zum Bistum Chur gehö-red, sind diese beiden historschen Rückblick von Interesse.


Dienstag, 18. Januar 2022

 

. Die deutschen Bundeskanzler

 

seit dem Zweiten Weltkrieg

 

Der Parlamentarische Rat entschied daher 1949, die Stellung des künft-igen Bundespräsidenten zu schwächen. Gestärkt wurden hingegen das Parla-ment und auch der Bundeskanzler. Insbesondere die Vorschriften über die Wahl des Bundeskanzlers, das konstruktive Misstrauensvotum und die Vertrauensf-rage waren der tatsächlichen Machtposition des Bundeskanzlers förderlich.

 

Hinzu kam die Ausprägung der Kanzlerdemokratie unter dem ersten Bundes-kanzler, Konrad Adenauer. Dessen sehr starke Interpretation der Richtl-linienkompetenz des Bundeskanzlers wurde von seinen Nachfolgern verteidigt und führt dazu, dass der Bundeskanzler bis heute als mächtigster Politiker im politischen System der Bundesrepublik gilt.

Bundeskanzler v.l.n.r.

1. Reihe: Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger

2. Reihe: Willi Brandt, Walt er Scheel, Helmut Schmidt

3. Reihe: Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Angela Merkel

4. Olaf Scholz

 

 

                             Lebenszeit                    Regierungszeit                 Jahre

  

Adenauer             1876-1967                      1949-1963                        14

 

Erhard                  1897-1977                      1963-1966                          3

 

Kiesinger              1904-1988                      1966-1969                          3   

 

Brandt                   1913-1992                      1969-1974                          5

 

Scheel                  1919-2016                       1974                            9 Tage 

 

Schmidt                1918-2015                       1974-1982                         8

 

Kohl                      1930-2017                       1982-1998                       16

 

Schröder               1944                                1998-2005                         7

 

Merkel                   1954                                2005-2021                       16

 

Scholz                   1958                                2021 


Donnerstag, 13. Januar 2022

 

Hilariustag

 

Hilarius von Poitiers ist Patron der Näfelser Kirche (Co-Patron Fridolin). Der Feiertag findet kirchlich am darauffolgenden Sonntag statt.

Als Erinnerung ist hier seine Lebensbeschreibung von Wikipedia eingerückt.

Hilarius von Poitiers, 2.40 m Statue am Hochaltar der Pfarrkirche Näfels. Ver-breitet wurde der Hilariuskult durch den heiligen Fridolin, der das Grab von Hilarius in Poitiers fand, eine Vision für eine Klostergründung hatte und durch halb Europa zog, viele Hilariuskirchen erbaute und schliesslich auf der Halbinsel am Hochrhein in Säckingen ein Kloster gründete.

 

Hilarius von Poitiers

Hilarius von Poitiers (französisch Saint-Hilaire; * um 315 in Poitiers; † 367 ebenda) war ein Bischof und Kirchenlehrer und während des Arianischen Streits ein herausragender Vertreter der Trinitarier in der Westlichen Kirche. 

Leben

Über das Leben des Hilarius ist, abgesehen von den zehn letzten Jahren, kaum etwas bekannt. Die Hilarius-Legende des Venantius Fortunatus (Vita sancti Hilarii) ist ohne historischen Wert.[1] Der Geburtsort Poitiers hatte als Militärstützpunkt Bedeutung; da Hilarius rhetorische und philosophisch-literarische Bildung besaß, ist eine Herkunft aus der städtischen Oberschicht anzunehmen. Als Erwachsener empfing er die Taufe. Möglicherweise war er verheiratet und hatte eine Tochter namens Abra.[1] Er war der erste Bischof von Poitiers, der namentlich bekannt ist. In dieser Eigenschaft taufte er 351 Martin von Tours.

Schon bald musste er im Arianischen Streit Stellung nehmen. In einem Brief an Kaiser Constantius II. ermahnte er diesen, von seiner Politik des Zwangs Abstand zu nehmen, die er in den Konzilien von Arles und Mailand gezeigt hatte. Im Konzil von Beziers gehörte Hilarius zu den wenigen, die sich weigerten, Athanasius zu verurteilen, worauf er von Kaiser Constantius 356 nach Phrygien verbannt wurde, wie es bereits anderen nizänischen Bischöfen des Westens gegangen war, die Constantius auf einem Konzil widersprochen hatten.

In Phrygien hatte Hilarius Gelegenheit, die Kirchenväter und die Lehren des Ostens aus der Nähe zu studieren. Auch verfasste er dort zwei lateinische Abhandlungen über die Trinität (De Synodis und De Trinitate), um den Bischöfen des Westens verständlich zu machen, worum es in diesem Streit ging. Die vom Kaiser unterstützten arianischen Bischöfe von Phrygien erachteten die Lehr- und Schreibtätigkeit des Hilarius unter ihren Augen als Ärgernis.

Die „Semi-Arianer“, die sahen, wie furchtlos er den Arianismus kritisierte, dachten, dass er ihnen in ihrer Sache helfen könne, und luden ihn 359 zur Doppelsynode von Seleukia-Rimini ein. Hilarius kritisierte dort jedoch ihre Sichtweise scharf, woraufhin sie ihn noch vor Ende des Konzils entließen.

Als er dann als Reaktion auf das Konzil von Konstantinopel von 360 einen weiteren Brief an Constantius schrieb, in dem er offerierte, seinen Glauben öffentlich vor ihm und einem Konzil zu verteidigen, kam dieser zum Schluss, dass dieser „Säer von Uneinigkeit und Unruhestifter des Ostens“ in Gallien vermutlich weniger Unheil anrichten würde als im Osten, und beendete sein Exil. Niemand befahl jedoch Hilarius auf dem schnellsten Weg heimzukehren, also reiste er in aller Ruhe durch Illyrien und Italien und predigte auf dem Weg überall gegen den Arianismus.

Bei seiner Rückkehr wurde er als Held des nizänischen Glaubens empfangen. Ein Konzil in Paris 361 unter seiner Leitung exkommunizierte Saturninus von Arles, der im Auftrag des Kaisers die Konzile von Arles und Beziers geleitet hatte.

Bedeutung

Hilarius spielte eine wesentliche Rolle in der Vermittlung von östlicher Theologie in die lateinische Welt, und auch umgekehrt. Ähnlich wie Ambrosius von Mailand beherrschte er sowohl Griechisch wie auch Latein. Er ist einer jener lateinischen Kirchenväter, die auch in der Orthodoxen Kirche bis heute sehr geschätzt werden.

Neben Theologie hatte er im Osten noch etwas weiteres kennengelernt: christliche Hymnen. Im Westen waren bisher nur Psalmen und Bibeltexte vertont worden. Hilarius war vermutlich der erste, der lateinische Kirchenlieder schrieb.

Fridolin von Säckingen, der zunächst in Poitiers in Gallien tätig war, erhob die Gebeine des heiligen Hilarius von Poitiers und erbaute eine Kirche.

Schriften

 

·        Kommentar zum Matthäusevangelium. Vermutlich das älteste Werk und das einzige, bei dem nichts darauf hinweist, dass es von einem Bischof verfasst wurde; somit vermutlich vor Hilarius' Bischofsweihe geschrieben.

·        De Synodis (Über die Konzilien)

·        De Trinitate (Über die Trinität)

·        Tractatus super Psalmos (Traktat über die Psalmen)

Gedenktag

·        Evangelisch: 13. Januar im Evangelischen Namenkalender

·        Katholisch: 13. Januar (Nicht gebotener Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender).

o      In Poitiers: Übertragung der Gebeine am 26. Juni

·        Orthodox: 13. Januar

Der 13. Januar ist der Tag der Beisetzung von Hilarius.

1851 wurde er von Pius IX. zum Kirchenlehrer erklärt.

Hilarius gilt als Schutzpatron von Poitiers, La Rochelle und Luçon; der schwächlichen Kinder und gegen Schlangenbiss.

Er ist Namenspatron zahlreicher Kirchen.

Ihm zu Ehren feiern vier Gemeinden im schweizerischen Kanton Zürich um den 13. Januar jährlich den Hilari, ein fasnachtsähnliches Fest.

Literatur

Paul C. Burns: Hilarius von Poitiers. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 3, Mohr-Siebeck, Tübingen 2000, Sp. 1732.

Hanns Christof BrenneckeHilarius von Poitiers (gest. 367 oder 368). In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 15, de Gruyter, Berlin/New York 1986, ISBN 3-11-008585-2, S. 315–322. (abgerufen über De Gruyter Online)  

Hans LietzmannHilarius 11. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VIII,2, Stuttgart 1913, Sp. 1601–1604.

 Adalbert HammanAlfons FürstKleine Geschichte der Kirchenväter. Einführung in Leben und Werk. Herder, Freiburg 2004, ISBN 3-451-28516-9, S. 156–163.

Weblinks

Commons: Hilarius von Poitiers – Sammlung von Bildern

·       Literatur von und über Hilarius von Poitiers im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

·       Gesamtwerk aus Migne, Patrologia Latina

 

·       Werke in der Bibliothek der Kirchenväter in deutscher Übersetzung


Bischof Albert Rouet von Poitiers, der letzte direkte Nachfolger des Heiligen Hilarius war 2000 am Hilariusfest in Näfels zu Gast. Aufnahme vor der Hilariusstatue am Hochaltar. (Foto Jean Pierre Hauser). Ein Jahr danach besuchte eine Vierzigschaft den Bischof in Poitiers.


Dienstag, 11. Januar 2022

 

Eliten braucht das Land!

oder

Wer gehört zur Elite des Glarnerlandes?

 

Zählen Sie sich etwa zur Elite? Ach, geben Sie es doch zu. Auf irgend einem Gebiet sind sie unschlagbar. Gesetzt den Fall, der Regierungsrat würde eine Think Tank-Gruppe zusammenstellen mit der Aufgabe, die Zukunftsprobleme zu erforschen und Lösungen auszudenken und Sie würden dazu auserkoren, dann wären Sie ein Teil glarnerischer Elite.

 

Ist das WEF (World Economic Forum) eine Zusammenkunft von Eliten aus aller Welt? Ja? - Ist der Landrat die Elite des Glarnerlandes? – Ist der Gemeinderat die Elite Ihrer Gemeinde? – Bringt die Kantonsschule die Elite der Zukunft hervor? – Sind die hundert reichsten Einwohner eine Elite? – Gibt es eine Beamtenelite? –

Ist der Vorstand der Glarner Handelskammer die Elite der Glarner Wirtschaft? – Der Fragekatalog liesse sich endlos erweitern.

 

Früher hiess es, Eliten seien Gruppen von Menschen, die in irgend einem Be-reich überdurchschnittliche Kompetenzen besässen. Eine heutiger Kreativitäts-forscher, Gottlieb Guntern, definiert in seinem neuesten Buch „Mit den Schwingen des Adlers, Wege zur kreativen Leadership“ u.a. „Unsere Gesellschaft braucht sophokratische Leadership-Eliten, die gesunden Menschenverstand, kritische Vernunft und Weisheit derart kombinieren, dass wir uns gegenseitig zu grossen kreativen Leistungen inspirieren und motivieren können.“ („Sophokra-tisch“ sind Leute, die weise denken, entscheiden und handeln).

 

Na, also! Bitte erinnern Sie sich. Wer ist in Ihrem Bekanntenkreis „sophokra-tisch“? Noch besser  - versuchen Sie,  zehn solche Elitemenschen in Ihrer Umge-bung zu Hause, am Arbeitsplatz oder in Ihrem Dorf, im Kanton aufzustellen. Haben diese Menschen einen Einfluss auf die Ihre Zukunft, die Zukunft Ihres Dorfes oder unseres Kantons?  - Was?! Die stellen sich für kein Amt zur Ver-fügung? So was! Jetzt, wo wir sparen und einschränken müssen, wäre doch die Elite gefragt!

 

Lassen Sie mich eine Geschichte dazu erfinden.

Ich gehe ins Rathaus und frage einen Chefbeamten: „Was tun Sie gerade?“. Er antwortet: „Ich muss einsparen.“ – Aha! Ich gehe eine Treppe höher und treffe einen zweiten Chefbeamten: „Was tun Sie gerade?“. – „Ich mache mit den en-geren Möglichkeiten soviel, dass ich die vorgeschriebenen Einsparungen nicht spüre.“ – Oho! Ich gehe eine Tür weiter und erkundige mich beim dritten Chef-beamten: „Was tun Sie gerade?“ – „Ich habe bereits soviel eingespart, dass es mir richtig Spass macht, mit immer weniger immer mehr zu machen.“ –„Und?“ – „ "Ich habe drei Anfragen aus der Industrie und eine von der Regierungsverwaltung im Kanton Zürich für die gleiche Arbeit, aber zu, doppelten Lohn...“

 

Ludwig Marcuse (1894-1971) meinte: „Es ist immer die Leistung, die bestimmt, wer zur Elite zählt.“ Wenn uns – wie derzeit im Kanton Glarus – das Geld ausgeht,  drohen uns die Schulden fortzureissen wie die Linth bei Hochwasser. Ausgaben müssen gedrosselt werden wie die reissenden Wasser der Linth. Doch wir müssen ganz andere Kräfte entwickeln und gegen den Strom zu schwimmen. Die Kirchen beklagen eskalierende Austritte. Als der katholischen Bischof  Franz Kramphaus in Limburg seinen Schäfchen harte Sparmassnahmen ankündigte, erklärte er: „Wir werden weniger, aber die alten Strukturen werden einfach weiter-geführt. Das macht uns auf die Dauer unbeweglich.“ Die Austritte aus unsern Landeskirchen sind „Blutverluste“, die ein Körper bis zu einem gewissen Grad ausgleichen kann, langfristig wird es ihn immer mehr schwächen. Die Spar-massnahmen sind da lediglich Feuerwehrübungen, wirksame Hilfe bringen nur Anstrengungen zur Gesundung. Die Politik hat ja auch das schöne Wort „Sanie-rung“ eine direkt Ableitung des lateinischen Wortes „sanare“ = gesund machen. Sind da am Ende gar die „Sanierer“ die Elite?

 

Im erwähnten Werk Gunterns ist eine Anekdote eines deutschen Philosophen wiedergegeben. Ein Mann beobachtet drei Steinmetzen bei der Arbeit. Er fragt den ersten, was er da tue: „Ich behaue Steine“. Der zweite antwortet ihm: „Ich baue eine Mauer.“ Der dritte erklärt ihm „Ich baue eine Kathedrale.“ Die Schlussfolgerung Gunterns: Wir können unseren Lebensauftrag so oder anders begreifen und ihn dann jeweils in einem bestimmten Geist erfüllen. „Wer eine Mauer baut, ist zweifellos inspirierter und motivierter als ein Mensch, der nur irgendwelche Steine behaut. Und wer eine Kathedrale errichten hilft, der besitzt eine Vision, die seiner Tätigkeit eine tiefere Bedeutung gibt. So transzendiert er die Mühsal der täglichen Plackerei, indem er diese als Mittel zum Zwecke be-greift; als Mittel zur Selbstverwirklichung und existenziellen Sinnerfüllung und damit als wichtigen Beitrag zu einer gesellschaftlich relevanten Wertstiftung, die nicht nur für die Generation der Gegenwart, sondern auch für die Generationen der Zukunft wichtig ist.“

 

Ein moderner Unternehmer schrieb kürzlich: „Der Erfolg eines Unternehmens liegt in der Summe der Erfolge seiner Mitarbeiter.“ Wer ist also die Elite? Die Führungseliten der letzten Jahrzehnte waren in vielen Fällen katastrophal schwach und hinterliessen katastrophale Scherbenhaufen. Es gibt Eliten, die sich selber für Eliten halten, ohne es zu sein. Die Substanz oder die Werte sind das Kriterium für die Definition von Eliten. Und letztlich ist es die Leistung, die Eliten zu Eliten macht.

  

Ein Humorist meinte zwar: „Eine Gesellschaft, die sich mehr leistet, als sie sich leisten kann, ist eine Leistungsgesellschaft“. Im Ernst: Leistung müsste wieder unser Statussymbol sein. Glarnerisches als Qualität! Solches ist nicht herbei-zureden. Er ist der ansteckende Wille und der beharrliche Fleiss, besser als an-dere zu sein, und die effiziente Umsetzung. Das ist nur durch Leistung möglich. Glarnerisches wird nicht Qualität, weil es glarnerisch ist. Wenn aber aus dem Glarnerland und im Glarnerland Leistungen besser sind als anderswo, dann wird das Prädikat „glarnerisch“ zum Eliteprädikat.

 

Mit dem überall erhältlichen Mittelmass ist kein Staat zu machen. Deshalb ist die Elitebildung oder die Förderung von Begabten kein Luxus, sondern ein Muss. Die Nachwelt wird es uns danken, wenn wir unsere hellsten Köpfe fördern und die besten Leistungen honorieren. Die „Wägsten und Besten“ sollen es sein. Es wird zwar Menschen geben, die das ungerecht finden, weil sie dem Giesskannen-prinzip anhangen. Sie werden gegen Windmühlen kämpfen, weil wir in der Un-krautbekämpfung zurückgeblieben sind: das Unkraut heisst Neid und findet im „Management of Spargelspitz“ schönsten Ausdruck, nämlich: „Sobald einä dr Grind nu äs bizzäli meh ufähebet, häuet-s’em-nä-n-ab!“ Und da Eliten immer wieder kommen und gehen wie die Luftblasen im „Chriäsibrägel“ ist eigentlich jeder und jede aufgerufen, Elite zu sein. Wenn aber die Macht Eliten zu sehr er-greift, wird es ihnen auch ergehen wie dem „Chriäsibrägel“, er brennt an und wird ungeniessbar. Steigen Sie auf zum Eliteglarner oder zur Eliteglarnerin! Lassen Sie sich herausfordern, exzellent zu sein!                             Bis bald! Ihr Pankraz.

 

publiziert im April 2004 im "Fridolin"


Samstag, 8. Januar 2022

 

In memoriam Hermann J. Landolt (1929-2022)

Zur Erinnerung an den "Exil"- Näfelser erschien am 30. November  2006 im "Fri-dolin" auf der Frontpage die folgende Glosse:

 

 

Zum ersten Advent (2006)

Glarner Auswanderer – Flight Engineer bei der US Air Force

 

(Advent heisst Ankommen... vier Persönlichkeiten hatten ein Ziel, brachen auf und kamen an. Ob sie dort gelandet sind, wo sie ursprünglich wollten? Vier Adventskerzen für vier Schicksale, im Hinblick auf Weihnachten, begleiten Sie auf die Ankunft des Christkindes. Die erste Kerze sei Hermann Josef L. gewidmet.)

 

Am 6. November 1953 versammelte sich sein Vater, seine Geschwister, Schwä-ger, Nichten und Neffen und sein Schulfreund W. mit einem kleinen Leiterwagen und einem alten Koffer auf dem Bahnhofplatz. Die Mutter hatte ihrem Jüngsten mit Tränen in den Augen unter der Haustür ein Kreuz auf die Stirn gemacht:  “Bhüät-di, Gott! Minä Liäbä!“. Sie mochte nicht mit zum Bahnhof. Traurig war die Stimmung. Man umarmte sich, weinte, war verlegen, wusste nicht mehr, was sa-gen. Hermann Josef L. packte den Koffer, bestieg den Zug, riss das Fenster her-unter und winkte, als der Zug sich in Bewegung setzte. „Chumm wider häi!“ rief der Vater mit belegter Stimme noch nach. Hermann Josef L. sah die Seinen im-mer kleiner werden, das Dorf verschwand.

 

Hermann Josef L. wanderte nach Amerika aus. Nach der Bahnfahrt über Luzern nach Genua, betrat er die „Conte Bianca Mano“, im Bauch des Schiffes teilte er mit drei Neapolitanern die Kabine. „Das Meer war am dritten Tag überaus stür-misch. Die Hälfte der Passagiere war krank, das Schiff knotzerte und krachte in allen Fugen, es war erschreckend... Am sechsten Tag landeten wir in New York, sahen die imposante Freiheitsstatue und gingen zum Ellis-Island-Gebäude, wo lange Einwanderer-Schlangen abgefertigt wurden. Bangen Herzens stand ich da. Ich wusste: „Jetzt bist du in New York!“...“

 

Leute wie Hermann Josef L. waren in der „Neuen Welt“ gefragt. Er hatte eine Be-rufslehre als Mechaniker in einem Glarner Kleinbetrieb absolviert, war dann kurz in einem grösseren Unternehmen tätig gewesen, ehe er im Flugzeugwerk Em-men einen guten Job fand, aber das Fliegen im Sinn hatte. Mit seinem Freund René St. wollte er in die USA auswandern. Doch René St., der bereits sein Pilo-ten-Brevet hatte, verunglückte in Deutschland beim Aufschleppen eines Segel-flugzeuges tödlich. Hilfe bekam er durch einen anderen Kollegen, der bereits ausgewandert war. Zudem besuchte er eifrig Flugstunden und holte sich den Privat-Piloten-Ausweis in kürzester Zeit. Drei WKs bei der Flieger-Kompanie 20 hatte er schon hinter sich. Mit Einwanderungs-Visum, Berufsausweis, Arbeits-zeugnissen, Empfehlungsschreiben der Flugzeugwerke Emmen, Autofahraus-weis, Privat-Piloten-Brevet, Bürge-Schreiben und 120 Dollar in der Tasche stand er nun da.

 

Die ersten Tage verbrachte er bei seinem Bürgen in Waterbury (100 Km von New York entfernt), dann reiste er in 3 1/2tägiger Zugsreise nach Los Angeles, wo ihm sein Kollege das „Hotel Switzerland“ empfohlen hatte. Es gehörte Paul und Albert Moser, den bekannten Musikern („Moser-Buäbä“). Hier startete er, geplagt vom Heimweh, in seine neue Zukunft. Erst half er im Garten, beim Umbauen, im Ho-telbetrieb als Tischabräumer und Tellerwäscher – irgendwie wollte er Kost und Logis abgegolten haben. Sein erstes Geld verdiente er aber als Musiker. Schon in der „Alten Welt“ hatte er musiziert: zu Hause, in Musikkorps und bei den Tanz-kapellen „Jung Muba“, „Tom Blumer“ und „Fred Landolt Luzern“. Den „Moser-Buäbä“ fehlte ein Klarinettist. Später entdeckte man auch sein Sing- und Jodel-talent,  ein erstes Standbein zum Überleben war geschaffen.

 

Im Januar fand er mit Hilfe des ausgewanderten Glarners Köbi H. und eines Be-kannten einen Job in einer 40 Meilen entfernten Schwenklager-Fabrik, das der ausgewanderte Deutsche Fred St. präsidierte. Bald konnte er sich ein eigenes Zimmer mieten und später für 120 Dollar einen „Chevrolet“ erstehen. So war er flexibler, seine Arbeitswege wurden kürzer. Ein paar Sackrappen verdient er bei den „Moser-Buäbä“. Er musste gar als „Tanzlehrer“ einspringen und amerikani-schen Girls Polka- oder Schottisch-Schritte beibringen. Dabei begegnete er sei-ner späteren Frau Lee.

 

Plötzlich flog ihm ein Aufgebot der US Army zu. Alle Männer zwischen 18 und 26  mussten sich stellen. Unwissend hatte er ein Formular unterschrieben, ein Zu-rück gab’s nicht mehr. Er konnte es aber schaukeln, zur Air Force eingeteilt zu werden. Ein Jahr und zwei Tage nach seiner Abreise im Glarnerland war er Re-krut und nach achtstündiger Busfahrt im „Dienst“. Nach dreimonatiger RS war er „Airmen L.“, nach weiterer Ausbildung in Texas, Sheppard AFB, verdiente er den „Flight Engineer Wing“ ab und wurde später befördert zum „Tech. Sergeant“. Dann flog er als Flugingenieur auf verschiedenen Flugzeugtypen mit: Truppen-transporte und Nachschubflüge nach Süd Korea, Tripoli, Alaska, Grönland, sogar nach Südamerika und natürlich innerhalb den USA. 

 

Bereits drei Jahre in Uniform war er immer noch Schweizerbürger. Nach Test und Einbürgerungsprozedere wurde er amerikanischer Bürger von Charleston, South Carolina. Das Schweizer Bürgerrecht durfte er behalten. Nach der Entlassung am 8. November 1958  blieb er Reservist.

 

Nachzutragen  ist, dass Herman J. L. und seine „Tanzschülerin“ Lee in Kontakt blieben, sich gelegentlich besuchten und – typisch amerikanisch – am 28. Mai 1955 heirateten. Ein Flieger-Offizier und dessen Frau waren zivil und kirchlich Trauzeugen. Von Flitterwochen keine Spur, die militärische Ausbildung ging wei-

ter. Nun war er also Amerikaner, Reservist, verheiratet und hatte keinen Job.

 

Die zermürbendste Zeit begann. Das junge Paar fand in Hollywood unweit des Santa Monica Boulevard eine einfache Wohnung. Von dort aus gingen sie  auf Jobsuche. Lee hatte sofort Arbeit. Herman wurde abgewiesen: bei der TWA-Flug-gesellschaft, bei der PAN-AM, bei der Lockheed Aircraft Co., bei der Douglas Aircraft Co.. Rezession, keine offenen Stellen! Er war so deprimiert, dass er am liebsten wieder zur Air Force zurückwollte.

 

Seine Frau Lee riet ihm, an den ursprünglichen Arbeitsplatz zurückzukehren. Nach Gesetz mussten Firmen Leute wieder zurücknehmen, die während des Ko-reakrieges eingezogen worden waren. Das tat er denn auch, studierte in der Freizeit weiter und schloss nach drei Jahren erfolgreich ab. Ergebnis: Verset-zung in die Ingenieurabteilung, Beförderung zum Betriebleiter.

 

Bald wechselte er zur japanischen Nippon-Bearing. Er blieb nur zwei Jahre, be-reiste aber Hongkong, Singapur, Tokio und Karuizawa. In der Freizeit frönte er dem Fliegen.

 

1964 baute er sein erstes Haus in Sylmar, Kalifornien. Als drei Jahre später eingebrochen wurde, trieb die Unsicherheit das Paar wieder weg. Er baute 1968 ein Eigenheim in Calabasas, Kalifornien, schon nach sechs Jahren kaufte er ein Haus in Thousand Oaks, Kalifornien, wo sie bis 1991 wohnten.

 

Der 1. August 1980 war „das Ohnmächtigste, was ich je erlebt habe“. Ein heran-nahendes Auto verlor die Kontrolle und fuhr in sein Auto hinein. Herman J. war schwerstverletzt, wurde versehen, war wochenlang auf der Intensivstation, dann im Rollstuhl und fast ein Jahr in Kuren. Zurück am Arbeitsplatz, noch an Krücken, fühlte er sich so behandelt, als ob man ihn „spedieren“ wolle.

 

Er packte die Chance bei Network Electronic. Der Besitzer, ein Rumäne, beauftragte ihn, die Firma zu modernisieren. Er wurde General Manager und Vizepräsident. Der Coup gelang. 1992 –  mittlerweile 63jährig - ging er in Pension. Gerne hätte man ihn  als „Berater“ behalten, er lehnte ab, wollte lieber dem Fliegen frönen.

 

Auf diesen Zeitpunkt hin hatte er ein weiteres prächtiges Haus gebaut, in Pre-scott auf fast 1800 Metern über Meer. Frau Lee bekam auf dieser Höhe gesund-heitliche Schwierigkeiten. In Rücksicht darauf zügelte das Paar 1994 nach Henderson, Nevada. „Man kann uns „verrückt“ nennen, das war unser fünftes Haus!“ Auf Wunsch seiner Lee gab er nun das Fliegen auf.

 

Die Rücksichtnahme auf seine Frau zieht sich durch die ganze Zeit. Schon in den ersten Ehejahren hatte sie sich einer Operation zu unterziehen und konnten nachher keine Kinder kriegen. Später befiel sie eine Hauterkrankung im Gesicht, die wieder kuriert werden konnte. Während seines Schweizaufenthalts 2004  wurde sie wegen einer Herz Fibrilation ins Spital verbracht und später meldeten sich Beschwerden zurück.

 

Mittlerweile sind seine „Moser-Buäbä“ bis auf einen verstorben. Das „Hotel Switzerland“ ist verkauft und abgerissen. Alles ist vergänglich.

 

Heute ist Herman J. L. 77-jährig, zufrieden. Das Heimweh begleitete ihn le-benslang. „Bin ich in den USA, habe ich Heimweh nach der Schweiz, bin ich in der Schweiz, habe ich noch grösseres Heimweh nach Amerika. Man lebt immer zwischen zwei Welten.“ Das Leben ist – so zeigt auch das Leben dieses Glarners in den USA – ein ständiges Ankommen. Jede Ankunft ist das Tor zu etwas Neuem, dereinst sogar der Tod. Die erste Kerze brennt für Herman und Lee.                                                                                                       Bis bald! Ihr Pankraz

 

Herman und Lee als frisch verheiratetes Paar anno 1955 in Wichita Falls, Texas.

15 Jahre später, Hermann war nach dem Tod seiner Frau Lee in die Schweiz zu-rückgekehrt, hatte er noch sechs Jahre in Glarus verbracht, wo er am Tag nach Dreikönigen, abends im Spital Glarus friedlich einschlafen konnte,

 

Die Familie Landolt

 

 

Zeichner Fridolin Landolt von Näfels, genannt zGmüärä-Fridel, des Kaspar Fridolin und der Maria Josefa Gmür No.279, * 1891 Apr.22. + 1974 Jan.18. in Glarus

Heirat 1918 Mai 18.

Babetta Müller von Näfels, des Sticker Josef Alois und der Elisabeth Feldmann No.487  

* 1889 Juli 29. + 1986 Juni 29. in Näfels+ 1925 März 29.

 

Kinder 

 

1919 Mai 9.      ELISABETH vide Lazzeri No.1  + ?

1920 Juni 25.   FRIDA vide Fischli No.295 +1960

1921 Okt.10.    Anna + 1950 Dez.9. in Bern

1922 Dez.8.     FRIDOLIN VIDE No.960 + 1.Nov. 2017

1924 Dez.6.     Maria Barbara Clara + 29. März 1925 .

1927 Jan.29.    CLARA cop. 1952 Mai 9. in Näfels mit Kaufmann Jean Louis

                         Laurent von Chavorney VD, in Näfels, des Louis und der Emilie

                         Fausel, * 1923 Feb.9. in Lausanne

1929 März 18.  JOSEF HERMANN + 7. Januar 2022

Familienbild Fritz und Babetta Landolt-Müller ca. 1932

v.l.n.r.: Elisabeth, genannt Lisel *1919 + ? später Lazzeri; Claire *1927, später Laurent; Mutter Babetta *1889 +1986; Anna *1921 + 1950; Fridolin *1922 + 2017; Hermann J. *1929 +2022; Frieda, genannt "Friedel", *1920 +1960, später Fischli; Vater Fridolin *1891 +1974.


Dienstag, 4. Januar 2022

 

Trouvaille

 

Edi Feldmann - "Gäisserli Edi" würde 105

 

"Gäisserli Edi" wie er leibte und lebte - stets fröhlich und aufgestellt
"Gäisserli Edi" wie er leibte und lebte - stets fröhlich und aufgestellt

Dieser Tage erkundigte sich ein pensionierter Polizist, der offenbar mehrmals mit dem "Gäisserli Edi" zu tun hatte, weil dieser immer wieder mal im Sommer im Altersheim ausbüxte und sich auf Wanderschaft begab. Edi war als "Wandervo-gel" in der Innerschweiz, ja bis ins Tessin bekannt.

 

Auf der Suche nach Informationen und Spuren des bei uns im Dorf wohlgelitt-enen und leutseligen, harmlosen Edi stiess ich auf seine genealogischen Daten und auf seinen "Nachruf", der wohl aus der Feder des damaligen Altersheimver-walters Walter Landolt-Rhyner stammte.

 

207-162-116-85-67-44-31-18-15                     Gen.9

Kaspar Josef Feldmann von Näfels, Handlanger, Ziegeleiarbeiter,

des Fridolin Josef und der Regula Schiesser No.162

* 1891 Dez.29. + 1963 Jan.14. in Glarus

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1913 Nov.22. Emma Louise Reutlinger von Hegnau Volketswil,

des Joh. Emil und der Verena Arter

* 1892 Jan.17. + 1959 Dez.10. in Glarus

 

1914 März 3.  in Näfels: EMMA cop. 1939 Aug.12. in Schlieren mit

                       Modellschreiner Fridolin Klötzli von Bätterkinden, in

                       Schlieren, des Friedrich und der Anna Maria Senn,                                     1916 Apr.16. in Rickenbach AG

1915 Nov.1.    JOSEF VIDE No.254

1917 Feb.25.  Edwin + 1998 März 6. wohnhaft gewesen in Näfels

                       (aber mit Geburtsdatum vom 15.2.) +6. März 1998

1919 Apr.17.   CHRISTIAN VIDE No.257

1920 Aug.28.  FRITZ VIDE No.253

 

 

Edi war das dritte Kind von insgesamt fünf Geschwistern.

 

Nachruf

 

Südostschweiz 25. März 1998

 

     

   „Edi - mit einem stets fröhlichen Lächeln im Gesicht – als friedliches dankbares "Dorforiginal" weitherum bekannt, - starb am Tage des Fridolins 1998 ganz uner-wartet, still und bescheiden, so wie er während seines ganzen irdischen Daeins gelebt hatte.

 

  Edwin Feldmann wurde als 3. Kind des Feldmann Kaspar Josef und der Feldmann geb. Reutlinger Emma Louisa am 15. Februar 1917 in Näfels geboren.

 

   Sein Schöpfer hat dem lieben Edi nicht allzuviel Intelligenz in die Wiege gelegt, welcher Mangel aber durch eine riesengrosse Gutmütigkeit kompensiert wurde. Edi wuchs zusammen mit seinen Geschwistern vorerst in Näfels, danach in diversen Gemeinden in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Kaum jemand hatte Zeit, sich des geistig zurückgebliebenen Kindes anzunehmen.

 

   So wurde Edi im April 1924, eben 7jährig geworden, den  Ingenbohler Schwe-stern, welche anno dazumal im Freulerpalast[1] tätig waren, anvertraut.

 

   Edi fand aber auch da nicht die für ihn dringend notwendige Hilfe und Zuver-sicht, die Zeit für Bildung fehlte an allen Ecken und Enden.

 

   Bereits im Oktober 1924 wurde Edi ins Heim für geistesschwache Kinder "St. Joseph" nach Bremgarten eingewiesen.

 

   Edi wollte nicht eingesperrt sein, das war nicht seine Welt. Edi wollte frei sein und so kam es des öftern vor, dass Edi vom Heimweh gepackt, wieder in Näfels auftauchte.

 

   Mit 16 Jahren war der liebe Verstorbene zu alt für das Kinderheim St. Joseph geworden und so schickte man ihn wiederum in die Heimatgemeinde Näfels zu-rück, wo er im damaligen Armenhaus (1) Aufnahme fand.

 

   Während des Winters gefiel es ihm meistens recht gut, er hatte zu essen und ein warmes Bett. Kaum aber war es Frühling geworden, hielt es Edi nicht mehr aus - er musste weg. Als Taglöhner verdiente er sich irgendwo eine warme Mahl-zeit, schlief aber meistens im Stall oder im Wagenschopf.

 

   Seine Wanderlust prägte sein ganzes Leben. Eine Kleinigkeit war es für Edi, über den Pragel nach Muotathal zu wandern, wo er wochenweise bei verschie-denen Familien Arbeiten im Garten und Stall verrichtete, zwar nicht immer sehr pflichtbewusst, denn, packte ihn das Fernweh, liess Edi alle angefangene Arbeit stehen und war für Tage nicht mehr gesehen. Niemand war ihm deswegen böse, es war seine Art.

 

  Wieviele Kilometer Edi in seinem Leben gelaufen ist, kann kaum eruiert wer-den. Auf alle Fälle wurde er während der Sommerzeit überall gesehen, sei es auf dem Klausen, im Zürcher Oberland oder ganz besonders im Bereich Inner-schweiz. Das Alter machte auch vor Edi nicht Halt, er mochte nicht mehr in die Weite, es kam auf einmal die Zeit, da Edi sich zu Hause im "Letz" (2) am wohlsten fühlte. Kleinere Spaziergänge, bei denen er mit Interesse das Treiben im Dorf beobachtete, waren seine Freude. Sein verschmitzter Gesichtsausdruck liess erahnen, dass er mit seinen Gedanken sehnsüchtig in die Vergangenheit seines Lebens blickte.

 

   Edi, pflegebedürftig geworden, erlebte trotz seiner Altersschwäche einen schönen Lebensabend, denn durch die grossartige Pflege und Betreuung seitens des Personals im "Letz", wurde ihm die Liebe zugesprochen, auf die er während eines grossen Teils seines bescheidenen Lebens verzichten musste. Edi - wir vermissen Dich.“

 

(1) Freulerpalast, eine Prachtspalast von Gardeoberst Kaspar Freuler erbaut,

      später im Besitz der Gemeinde Näfels, als Schule, Armenhaus bis 1937, 

      Verwaltngsgebäude der Gemeinde

(2) "Letz" = Altersheim "Letz"

 

Autor dieses Nachrufs ist der damalige Leiter des Altersheim Letz Näfels Walter Landolt-Rhyner, ein lieber Freund und heute selber Bewohner des Altersheims. Ich werde ihn noch nach weiteren Episoden im Leben des "Gässerli Edi" be-fragen.

Sein Chef war viele Jahre Meisterknecht Robert Bamert-Landolt, er ist aber hoch-betagt vor vielen Jahre verstorben.

 

Aus meiner Erinnerung:

Edi war immer ausgebüxt, wenn es ans Heuen ging. Offenbar mochte er das im Altersheim. wo ein behäbiger Gutsbetrieb geführt wurde, gar nicht.

 

Eines Tages kam eine Telefonanruf aus dem Tessin. Die Polizei hatte ihn aufge-griffen und sich erkundigt, was dieser „Landstreicher“ vorhaben könnte. Die hie-sige Polizei beruhigte die Anrufe: „Der ist harmlos, schicken Sie ihn per Schub wieder nach Hause.“ Tags darauf war er wieder wohlbehalten im Altersheim.

 

Edi spazierte oft im Dorf herum, ein schlanker, spindeldürrer Mann mit einem klei-nen Kopf. Er bewegte sich leutselig und freundlich, sprach mit den Leuten, und im Dorf kannte man ihn und nahm ihn so wie er war. Ein Original, stets aufgestellt und fröhlich. Wir vermissen ihn wirklich.

 


Dank freundlicher Bemühungen des Pfarramtes und Martin Böni, ehem. Sigrist, wurde das Grab von Edy Feldmann gefunden. Wir haben Glück, in Bälde wird dieses Grabfeld geräumt.

Dieser schlichte Stein erinnert an den einfach Mann "Gäisselri Edi", der als Ein-zelgänger und freundliches Original und als Näfelser Bürger auf dem südlichen Friedhofteil in Näfels ruht. (Foto: 5. Januar 2022)

 

 Gäisserli Edis Stammbaum

 

Wie der Stammbaum verrät ist der Beiname „Gäisserlis“ ein Familienbeinahme, weil mehrere Vorfahren Geisser waren, siehe unten. Geisser mussten jeweils mit der Ziegenherde bergäwrts fahren und äzten an viel Plätzen (Wiggis, Platten, Haslensee, sogar am Obersee).

Edis Ururgrossvater Kaspar Fridolin, sein Urgrossvater Jakob Fridolin und sein Grossvater Fridolin Josef waren Geisser.  Bei der Vielfalt gleicher Namen und Vornamen, war "ds Gäisserlis" ein typisches Unterscheidungsmerkmal..

 

Die ersten nachweisbaren Vorfahren sind Metzgermeister Fridli Feldmann (ca. 1620-1685) und dessen Bruder Balthasar. Fridlis Sohn Mathäus war ebenfalls Metzgermeister und wurde in Sargans geboren. Er war der dritte von sieben Kindern. Er lebte von 1658 bis 1721 und hatte in zwei Ehen zwölf Kinder. Sein drittjüngster Sohn, ebenfalls in Mathäus. Dessen drittjüngster Sohn, Wacht-meister Mathäus Feldmann (1711-1761), offenbar in fremden Diensten, hatte ebenfalls aus zwei Ehen acht Kinder. Sein fünftes Kind, Johann Josef, (1755-1817) hatte aus drei Ehen zehn Kinder. Sein vierte Sohn Fridolin Josef (1775-1842) erzeugte mit zwei Frauen sechszehn Kinder. Dessen zweiter Sohn Kaspar Fridolin (1807-1865) hatte in einer Ehe elf Kinder. Er war Taglöhner und Geisser am Herrenweg und am Platz (Fahrtsplatz). Sein zweiter Sohn Jakob Frido-lin (1833-1889) hatte in drei Ehen 13 Kinder. Dessen fünfter Sohn Fridolin Josef (1864-1915) war in zwei Ehen sieben Mal Vater. Dessen dritter Sohn Balthasar Josef, (1891-1963) war der Vater von Edi, er hatte fünf Kinder. 1914 Emma, 1915 Josef, 1917 Edwin (Edi), 1919 Christian und 1920 Fritz.

 

 Fridli Feldmann und  Balhasar Feldemann

.

Mathäus Feldmann, Metzgeremeiser

.

Mathäus Feldmann, Metzgermeister

.

Wachtmeister Mathäus

.

Johann Josef,  ?

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Fridolin Josef, Holzer

.

Kaspar Fridolin, Geisser, Taglöhner

.

Jakob Fridolin, Geisser, Feldarbeiter

.

Fridolin Josef, Geisser, Spinner, Mechaniker, Bergführer 

.

Balthasar Josef, Handlanger, Ziegeleiarbeiter

.

Emma - Josef - Edwin - Christian - Frittz

 

Im ganzen Stammbaum sind 90 Kinder erwähnt,  17 Ehen wurden geschlossen.

 

...und noch ein Nachtrag

 

Im Gespräch mit dem früheren Altersheimverwalter Walter Lndolt-Rhyner kam heraus, dass er sich sehr wohl an den "Gäisserli"-Edi erinnere. Sintemalen gin-gen beim ihm Anrufe von Polizeiposten von überall her ein, die den "Gäisserli"-Edi aufgegriffen hatten und dies auf dem Polizeiposten Näfels oder beim Alters-heim selber meldeten. Oft musste Walter Landolt-Rhyner mit seinem Auto aus-rücken, um den Ausreisser nach Hause zu holen. Ein bevorzugter Ort soll für Edi das schwyzerische Illgau gewesen sein, wo er immer wieder auftauchte, um ein paar Tage auf einem Bauerngut verbrachte und gegen Kost und Logis mithalf. Schnell er dort aufauchte, war er wieder verschwunden, wenn ihn der "Wander-trieb" wieder packte.  Einmal kam eine Meldung aus dem Zürcher Oberland, aus Wetzikon, mitten im Winter bei schwierigen Schneeverhältnissen, so dass Edi per Taxi zurückgebracht werden musste.

 

Eine Ursache seines Ausreissen im Altersheim waren bestimmte Arbeiten. Mei-sterknecht Robert Bamert-Landolt führte den Altersheim-Gutsbetrieb mit straffer Hand. Was Edi nicht mochte, war sein Einsatz mit Karst und Spaten im grossen Altersheimspaten oder bei strengem Heuet. Dann musste damit gerechnet wer-den, dass Edi Karst und Spaten oder die Heugabel einsteckte und spurlos ver-schwand. Wurde er etwas energisch zu ergiebigerem Arbeiten aufgefordert, wur-de Edi wütend und er brach auf, um auf Schusters Rappen, meistens über das Klöntal, den Pragelpass, ins Muotathal zu gelangen.

 


Montag, 1. Januar 2022

 

Lasst uns das neue Jahr mit Applaus empfangen!

 

Applaus, Applaus, Applaus...!

 

oder

 

Der schönste Fall ist der Beifall !

 

 

Erinnern Sie sich an den letzten Applaus, den Sie gehört haben? War es nicht im Fernsehen, in einer der unzähligen Talkshows, in denen gestörte Leute über ihre Probleme quatschen, einem Konfliktpartner gegenübergestellt werden, bis sie einander in die Haare geraten. Je nachdem wie der einzelne punktet, geht eine Garbe von Applaus durch die Zuschauerreihen.

 

Applaus war ein fester Bestandteil der Samstagabendsendung „Wetten dass...“. Stellen Sie sich vor, ein Mitspieler hat mit einem brenzligen Akrobatikstück seine Wette gewonnen und keiner klatscht!

 

Im Theater, in der Oper, im Konzert, oder einfach im zweiten Teil des Turner-chränzlis, wenn ein Schwank aufgeführt wird...ohne Applaus wäre der Abend im Eimer, die schönste Aufführung für die Katz. Rollt nach turbulentem Flug ein Jet auf den Tarmac, brechen die Passagiere in erleichtertes Applaudieren aus.

 

Es gibt frenetischen, starken, donnernden, begeisterten, rauschenden Applaus. Höchst selten kommt er in der Mehrzahl vor und hiesse dann „Applause“. Tönt ungewohnt.

 

Freiherr Johann Wolfgang von Goethe meinte: „Beifall lässt sich, wie Gegenliebe, nicht erzwingen.“ 

 

Es muss etwas geben, was den Applaus auslöst. Denn Applaus ist Zustimmung, Begeisterung, Billigung, Anerkennung, Antwort auf etwas, was gefällt oder be-lohnt werden soll.

 

Applaudieren geschieht durch Zusammenklatschen der Handinnenflächen und erzeugt ein knallartiges Geräusch. Ganze Menschenmengen schlagen individuell oder im Takt die Hände zusammen. Das Ganze ist aber recht dynamisch. Wenn die Mimen auf der Bühne erscheinen und sich vor dem Publikum verneigen, schwillt der Beifall an und verebbt wieder fast, um wieder aufzuflackern, wenn der Lieblingsdarsteller auftaucht. Applaus reisst mit; in jedem Konzert gibt es einen „Claqueur“, der den Startschuss gibt und den Applaus auslöst. Von jenseits des grossen Teichs ist die Angewohnheit der „standing ovations“ gekommen, wonach die Leute zu klatschen beginnen und sich gleichzeitig erheben. Stehender App-laus will durch den Einsatz der Sprunggelenke und schwungvolles Aufstehen besondere Wertschätzung ausdrücken. Mag sein, dass es auch stehende App-laudierende gibt, die nur besser gesehen werden möchten.

 

Nicht geklatscht wird in der Kirche, wenn der Pfarrer seine Predigt mit einem „Amen“ beschliesst. Keinen Beifall erhält der Verleser des „Fahrtsbriefes“ auf der Kanzel, wenn er die Ereignisse vor über 630 Jahren vorträgt und die 55 Namen der in der Schlacht bei Näfels gefallenen Glarner kundtut. In spontanen Applaus brechen die Fahrtsbesucher am Schluss des schön gestalteten Fahrtsgottes-dienstes mit der Orchester-Messe aus.

 

In der Gemeindeversammlung und an der Landsgemeinde ist Klatschen so eine Sache. Nach der Tradition sind würdevolle Stille und respektvolle Aufmerksam-keit höher einzuschätzen, als spontane Beifallskundgebungen. An der Lands-gemeinde wird die Einführungsrede des Landammanns mit Applaus quittiert. Mich friert jeweils im hehren Moment, wenn der Landammann vereidigt wird, wenn ich selber mit meinen Mitlandleuten den Eid leisten darf und das Raunen des Schwurs durch den Ring vernehme. Danach herrscht sekundenlange Stille, so intensiv, dass man sogar das Rauschen der Luft wahrnimmt.

 

Die Tatsache, dass der erste Mann in unserem Lande vor versammelter Lands-gemeinde schwören muss, ist sein Bekenntnis zum Dienst an diesem Volk. Ebenso werden aber alle Stimmberechtigten im „Ring“ durch den gemeinsamen Schwur in die Verantwortung und Loyalität für die Gemeinschaft genommen. Die Landsgemeinde wird so lange Bestand haben, als diese Werte standhalten und gelebt werden.

 

Eine Unsitte ist aber aufgekommen. Wenn bei den einzelnen Voten der Red-nerinnen und Redner applaudiert wird, geschehen gewissermassen vorent-scheidende zustimmende Reaktionen. Ich erwartete eigentlich vom Landam-mann, der besonnen und mit sicherer Hand die Versammlung führt, dass er den „Ring“ ersucht, man möge die Hand zum Abstimmen und nicht zum Klatschen benutzen, was er auch schon öfters gemacht hat. Auch wenn es immer wieder mal emotionelle Ausbrüche, Unmutsäusserungen „Höörä!“, „Abä!“ geben mag, die Fähigkeit des Zuhörens und die erforderliche Ruhe sind noch immer die wichtigste Voraussetzung für eine kluge Entscheidung. „...der söll daas dur Handuufhebä bezüügä!“ ist die Aufforderung des Landammanns, die Entscheidung zu fällen und anzuzeigen.

Das Vertrauen in den Landammann, der die Mehrheit durch Abschätzen ermitteln darf und muss, zwingt die Leute im „Ring“ möglichst klar Farbe zu bekennen. Es ist Sache des Bürgers zu entscheiden, ihr erster Mann hat lediglich festzustellen. Ist das Mehr ungewiss oder knapp, holt der Landammann vier Ratskollegen zu Hilfe, die ihm das Feststellen erleichtern. Wer diese Funktion des demokratischen Instrumentes „Landsgemeinde“ versteht, wird erkennen, dass Applaus ein frem-des Element der Entscheidungsfindung ist und den Entscheidungsprozess eigentlich stört oder beeinflusst.

 

Einst liess ich mich durch eine schöne Aufführung der Johannes Passion von Bach ergreifen und erfreuen. Der Kammerchor unter Leitung von Kurt Müller Klusmann verkündete im Programm, die gastgebende Kirchgemeinde wünsche, dass in diesem Gotteshaus nicht applaudiert werde.

 

In der Tat - als der wunderbare Schlusschoral mit „Herr Jesu Christ, erhöre mich, ich will dich preisen ewiglich!“ ausgeklungen war, verharrte der Dirigent in seiner letzten Pose, eine unendlich tiefe Stille und durch und durch gehende Schwin-gung erfüllte den Raum. Das Publikum blieb diszipliniert, niemand zerstörte diese beredte Stille durch Applaus. Dann wurden Respekt und Anerkennung zum Aus-druck gebracht, indem sich die Zuhörerschaft erhob. Die ganze Künstlerschar erhob sich auch, bedankte sich mit einer Verneigung und ging still hinweg. Keine frenetischen Beifallsstürme, kein Herausklatschen, keine Euphorie wie ich sie vor vielen Jahren im Bolschoi-Theater in Moskau bei der Ballett-Uraufführung von „Anna Karenina“ erlebt hatte, als man die Künstlerinnen und Künstler zwanzig Minuten (!) lang immer wieder auf die Bühne holte und sie mit wahren Begeis-terungsstürmen feierte.

 

Gewiss gibt es da die Künstler, die durch Beifall belohnt werden möchten. Der schönste und grösste Beifall aber ist die Ergriffenheit des Zuhörers. Wenn er sich dazu erhebt (vielleicht sogar noch leicht verneigt), ist diese Stille lauter als jeder Beifall. Deshalb wäre es schicklich, in Kirchen den stummen Beifall zu pflegen und die Stille umso lauter werden zu lassen. Finden Sie nicht auch?

Bis bald! Ihr Pankraz 

  

Diese Glosse ist am 12. April 2001 im «Fridolin» erschienen und leicht angepasst hier wiedergegeben. Ob sich die Schlussfolgerung heute noch vertreten lässt?

 

Sei dem wie dem wolle!  Empfangen Sie das Neue Jahr mit Applaus als Ausdruck der Zuversicht und erwartungsvoller Freude!


Sonntag, 2. Januar 2022 (Nachneujahr)

 

Die Näfelser Weihnachtskrippe - ein Juwel

 

Erstmals in der Geschichte der Pfarrei Näfels steht die Weihnachtskrippe an einem neuen Standort. Seit 1920 wurde sie auf dem Marienaltar, für den sie zentimeergenau angemessen war, aufgestellt. Zu Weihnachten 2021 schmückt sie südseits die Aufgangstreppe zum Chor. Ich blende zurück auf die Entste-hungsgeschchte, die auf Initiative von Pfarrer und Kanonikus Blasius Braun ge-schaffen und durch den Näfelser Unternehmenr Jean Landolt (später Gewürz-mühle und Landolt, Hauser & Cie) finanziert wurde.

 

Die 102-jährige massgeschneiderte Weihnachtskrippe steht erstmals am Fusse des Chors.
Die 102-jährige massgeschneiderte Weihnachtskrippe steht erstmals am Fusse des Chors.
Hochalterbild Geburt Christi von Johann Melchior Wyrsch (21. August 1832 in Buochs, bis  9. September 1798 in Buochs, erschossen von französischen Truppen) Biografische Daten siehe w.u.
Hochalterbild Geburt Christi von Johann Melchior Wyrsch (21. August 1832 in Buochs, bis 9. September 1798 in Buochs, erschossen von französischen Truppen) Biografische Daten siehe w.u.

 

...Blasius Braun...schrieb schon früh, dass das Hochaltarbild von Wyrsch wohl das Weihnachtsgeheimnis malerisch unvergleichlich darstelle. Um aber auch die Kinder vom Weihnachtsereignis zu begeistern, sei eine figürliche Darstellung zu schaffen...“[1]

 

Die Adressaten und Auslöser zur Anschaffung einer Weihnachtskrippe waren al-so die Kinder.

Die Krippe wird seit 1920 jedes Jahr auf Weihnachten auf dem Marienaltar auf-gestellt und speziell beleuchtet. Auf Epiphanie  (6. Januar, Dreikönigen) werden auch die heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar hinzugefügt.

 

Sehr beträchtlich war der Anschaffungspreis. Er wurde mit den anderen Daten in der Tagespresse veröffentlich:[2]

 

 

1920 hergestellt von Bildhauer Karl Kuolt in München.,

Auftrag durch Pfarrer Blasius Braun.

Kostenvoranschlag Fr. 20'000.-

Rechnung Fr. 25'000.-, weil 11,5 % Ausfuhrkosten und Kisten als Verpackungsmaterial dazu kamen.

Die Krippe wurde massgeschneidert auf die Verhältnisse des Josefsaltars angepasst.

Pfarrer Blasius Braun wollte ca. 90 cm hohe Figuren. Der Künstler riet ab und wollte höchstens 50 cm hohe Figuren schaffen.

Bestelldatum: 23. März 1920.

Lieferdatum;: 25. November 1920.

 

Die Krippe wurde gespendet!  Aus einem Brief [3] an die Freunde der Geschichte von Näfels geht hervor, dass die Krippe von der Witwe des Unternehmers Jean Landolt und dem engsten Verwandtenkreis gestiftet wurde und Familienbezie-hungen nach Süddeutschland reichten. Pfarrer Braun, der offenbar in dieser Fa-milie wohlgelitten war, war seinerseits mit dem Künstler Karl Kuolt befreundet, der mitunter im Pfarrhaus zu Gast war.

Der bärtige Hirte mit der Kräze auf der rechten Seite der Krippe sei wahr-scheinlich nach einer Zeichnung von Fridolin Anton Schwyter geformt. Eine Rötelzeitung, die als Vorlage gedient haben könnte, ist heute noch in Privatbesitz der Nachkommen Landolts.

 


[1] Näfelser Brauchtum im Jahresablauf...Seite 85

[2] Glarner Volksblatt, 28. Dezember 1920

[3] Brief Marie Therese Landolt-Hauser an den Präsidenten der Freunde der Geschichte

     von Näfels vom 14. Dezember 1998.

Die Familie des Jean Landolt, Unternehmer, war Stifterin der für damaligen Zeit sehr kostspieligen Krippe.
Die Familie des Jean Landolt, Unternehmer, war Stifterin der für damaligen Zeit sehr kostspieligen Krippe.
Hirten
Hirten
Heilige Familie
Heilige Familie
Der Engel mit Schlamei soll angeblich Pfarrer Blasius Braun sein; eine gewisse Ähnlichkeit ist verblüffend.
Der Engel mit Schlamei soll angeblich Pfarrer Blasius Braun sein; eine gewisse Ähnlichkeit ist verblüffend.

Professo Karl Kuolt (1879-1937)

 

Geboren am 3. April 1879 in Spaichinen (D), war Student an der Münchner Kunstschule und dann von 1910 bis 1914 an der Münchner Akademie.

Neben einer VIelzahl bekannter Denkmäler und Gedenk kapellen in ganz Süddeutschland schuf er unzählige kleinere Werke, die sich heute im Besitz von Museen und privaten Sammlern befinden.

 

Der Name Kuolt ost seit langem weltweit ein Synonym für geschickte Krippenschnitzzentren. Seine Figuren sind von Einfachheit und stgrener Frömmigkeit geprägt. 

 

Biografische Daten zu Johann Melchior Wyrsch

 

Johann Melchior Wyrsch (* 21. August 1732 in Buochs; †  9. September 1798  ebenda) war ein Schweizer Porträtmaler des 18. Jahrhunderts.

Leben

Johann Melchior Wyrsch begann seine 1745 Ausbildung zum Maler. Diese tätigte er bei Johann Michael Suter in Luzern und Franz Anton Kraus in Einsiedeln. Zwischen 1753 und 1754 hielt er sich auf einer Studienreise in Italien auf, hierbei vor allem in Rom und. Neapel. Anschliessend kehrte er in die Schweiz zurück und nahm seine Tätigkeit als Porträt- und Kirchenmaler auf.

1768 zog er nach Besançon, wo er viele Porträts angesehener Leute malte. Zusammen mit dem Bildhauer Luc Breton, den er in Rom kennengelernt hatte, gründete er 1773 eine Akademie für Malerei und Zeichnen (Académie de peinture et de dessin) in Besançon. Im Jahr 1777 reiste er nach Paris und kehrte nach Besançon zurück, wo er 1784 zum Ehrenbürger ernannt wurde.

Im selben Jahr zog er nach Luzern und gründete dort wiederum eine Schule für Kunstmaler, deren Nachfolger heute die Fachklasse Grafik Luzern und die Hochschule Luzern – Design & Kunst sind. Infolge einer zunehmenden Erblindung, die er dem Grauen Star zuschrieb, zog er sich nach Buochs zurück, wo er bei der Eroberung Nidwaldens durch die Truppen Napoleon Bonapartes ermordet wurde.

Im Übergang von Barock und Rokoko einerseits zu Klassizismus und Romntik ander-seits vollzog Wyrsch die Entwicklung vom Standesporträt zur differenzierten Charakterisierung eines einzelnen Individuums. Er war im „aufgeklärten Patriarchalis-mus“ der Alten Eidgenossenschaft verankert, sein Werk weist jedoch bereits auf das liberale bürgerliche Zeitalter. Als Sakralmaler – zahlreiche Altäre in Innerschweiz und in der Franche-Comté sind heute noch mit seinen Gemälden geschmückt – blieb der Innerschweizer Maler der spätbarocken Tradition verhaftet. Dennoch ist ihm in seiner Heimat kein zeitgenössischer Kirchenmaler als gleichwertig an die Seite zu stellen.

Ehrungen

Als Ehrenbürger der Stadt Besançon wurde eine Strasse nach ihm (Rue Jean Wyrsch) benannt.

·         Tapan Bhattacharya: Melchior Wyrsch. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. Januar 2018.

·         Paul Fischer: Der Maler Johann Melchior Wyrsch von Buochs, 1732–1798. Sein Leben und Werk. Kommissions-Verlag, Buchhandlung C. Bachmann, Zürich 1938.

·         Johann Kaspar FuessliJohann Melchior Joseph Würsch. In: Geschichte der besten Künstler in der Schweiz. Orell, Gessner, Füsslin, Zürich 1779, S. 102–109.

·         Karl Jost (Hrsg.): Biographisches Lexikon der Schweizer Kunst. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1998, S. 1150 f.

·         F. Marbach: Beiträge zum Werk des Malers Johann Melchior Wyrsch von Buchs. In: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 1, 1939, Heft 3, S. 176–178 (Digitalisat).

·         Johann Melchior Wyrsch. Ausstellungskatalog, Nidwaldner Museum, Stans 1998, ISBN 3-7965-1085-X.

·         Matthias Vogel, Regine Helbling, Marianne Baltensperger (Hrsg.): Gepudert und geputzt. Johann Melchior Wyrsch 1732–1798. Porträtist und Kirchenmaler. Schwabe, 1998, ISBN 3-79651085-X.

Weblinks[

Hans-Peter Wittwer: Wyrsch, Johann (Jean) Melchior Joseph (Josef). In: Sikart

Normdaten (Person): GND120663171 | LCCNnr99011649 | VIAF7656531 | Wikipedia-Personensuche

 

 

 

Melchior Wyrsch, Lithographie in Alfred Hartmann: Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit. Bd. 1, Zürich 1868, Nr. 47. aus: Wikipedia