Montag, 16. Mai 2022

 

Trouvaillen

 

Mäitli unserer Schulklasse auf Fotos

 

Mit heutiger Email-Post kamen die drei folgenden Fotos aus den fünfziger Jahren geflogen.

 

Blauringlager in Echternach (Luxemburg) (fünfziger Jahre)

Vordere Reihe: v.l.n.r.: Rösli Elber,  Lina Leiser, Sara Eberle, Rosemarie Murer.

Hintere Reihe: v.l.n.r: Yvonne Birk, Elisabeth Rusterholz, Blauringführerin, Berteli Fischli, Dorli Fink, Vikar Johannes Baur, Laura Fischli,  Rita Gallati (Foto: Lina Leiser).

Schulausflug Petersinsel (1953)  2. Sekundarklasse.

v.l.n.r.:  unbekannt, Rita Gallati, Sara Eberle, Silvia Schärer, unbekannt, Berty Fischli,  Elfriede Hauser, Oberurner Mädchen, Virginia Landolt, Oberurner Mäd-chen,  Huberta Hauser,  unbekannt,  Bernadette Landolt,  Anita Feldmann, Beat-rice Müller, Max Landolt, Albert Fischli, Lina Leiser, Erwin Reding (Foto: Lina Leiser).

600 Jahrfeier Glarus im Bund der Eidgenossen 1352-1952 (Übungslauf durch Näfels)

v.l.n.r.: Oberurner Mädchen, Frau Begg Bühler am Eingang zum Hirschen, Frau mit Kinderwagen unbekannt, Virginia Landolt,  Dorli Fink, unbekannt, Lina Leiser, Rös Elber, Reinhild Brunner, Ramona Filschli, Alice Tschudi. (Foto: Lina Leiser)


Montag, 8. Mai 2022

 

Trouvaille

 

Flatus

 

In den letzten Tagen verabschiedete ich mich von einem Bekannten, den ich schon aus meiner Bubenzeit kenne, nach einem Kaffetratsch in einem einschlä-gigen Café in Näfels. Dabei fiel am Ende des Gesprächs bei der Verabschiedung ein sehr burschikoses geflügeltes Wort "Ä gruäz dähäimä und ä Furz i g Chuchi".

(Honni soit qui mal y pense!)

Dieser Gruss wurde von der Gattin des Genannten postwendend per Email be-antwortet. Natürlich war ich nun wieder an der Reihe und grub eine alte Glosse aus, die ich unter der Rubrik "Dies und Das". Diese Rubrik durfte ich von den neunziger Jahren bis zum 9. April 2013 im "Fridolin" publizieren. Dabei ging es darum, das oben erwähnte nicht überall salonfähige Wort "F..." in einer Geschichte zu beschreiben, ohne es auch nur ein einiges Mal zu verwenden. Hier ist die Geschichte, und sie spielt sich in einer Kirche ab.

 

 

Kirchenlatein... einmal anders

 

oder

 

Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein kleiner Sprung

 

Nichts stört die fromme Andacht mehr, als eine plötzliche Welle schlechter Luft in den gedrängten Reihen einer Kirchenbank. Diese Fragestellung ist eine durchaus ökumenisch, das heisst interkonfessionell. Auch ein noch so frommer Kirchgän-ger kann nach dem Genuss von Kabis, Röslikohl, Erbsen oder zu vielen Eiern gewissen Blähungen unterworfen sein. Bei unkontrollierten, raschen Bewegun-gen, wenn sich zum Beispiel jemand abrupt erhebt oder hastig setzt oder uner-wartet hustet, kann die Kontraktion der Muskeln dazu führen, dass dem Körper Luft entweicht. In der Regel ist dieses Entweichen mit einem knarrenden Ge-räusch verbunden, das man mit einem Fachbegriff beim Namen nennt, aber hier nicht schreibt.

 

Das Thema ist ohnehin sehr delikat. Es bedarf der behutsamen Wortwahl, damit das Ganze nicht zur peinlichen Geschmacklosigkeit ausartet. Immerhin ist der Täter - solange der gemeinte Vorgang als Geräusch wahrgenommen wird, ganz klar zu orten. Die frommen Mitlandleute in seiner Umgebung werden mit steifen Hälsen ihren Kopf drehen und bohrende, vorwurfsvolle Blicke auf den Verur-sacher der im kirchlichem Kult verpönten akustischen Einlagen werfen. Dieser durch Unvorsicht, Missgeschick oder mangelnde Körperbeherrschung unfreiwillig zum Zentrum der Aufmerksamkeit gewordene Gläubige wird, wenn er ein anstän-diger Christ ist, zu Recht rot anlaufen und sich gehörig schämen. Das Grinsen und belustigte Augenzwinkern der ihn umgebenden Glotzer ist aber gewisser-massen wieder die Versöhnung und Verzeihung der akustischen Entgleisung und geruchlichen Zumutung.

 

Viel schlimmer ist dagegen die Situation, wenn alle Gläubigen, erhobenen Haup-tes und inbrünstig auf das Wort des Pfarrers konzentriert, strammstehen, keine Miene verziehen und  plötzlich eine Duftwelle übelster Konsistenz tonlos die Na-sen der Anwesenden umschleicht und diese als fürchterlicher Gestank beleidigt. Das Schlimme dabei ist aber, dass der Täter, dem diese Duftwolke entwichen ist, mit der gleichen Inbrunst und Konzentration nach vorn schaut, so tut, als ob nichts gewesen wäre und so nicht erkannt wird. Jeder verdächtigt jeden, und kei-ner ist es gewesen. Dennoch ist die üble Wolke unmittelbare, unausweichliche Realität. Kommt dazu, dass bei vorsichtigem Mustern mit leichtem Kopfdrehen und Augenrollen eine Welle der Verdächtigungen aufkommt.

 

Der Gemeinderat im neuen Veston und dem wackeren Genick, der sonst wie ein Parfümladen riecht, kann es nicht gewesen sein. Sein Nebenmann, der studierte Doktor der Rechte, ein angesehener Anwalt im Dorfe, würde so etwas nicht ma-chen.

Der ehemalige Kirchenpräsident kommt nicht in Frage, weil es von Amtes wegen unter seiner Würde wäre. Der braungebrannte Landwirt, der schon naturgemäss eine gewisse ländliche Duftnote mitgebracht hat, würde wohl eine solche Tat ge-räuschvoll und ehrlich vollbringen. Da ist noch der Dorfarzt, der mit seinem schö-nen Tenor, die ganze Umgebung mitreisst, aber wohl schon aus hygienischen Gründen von solchem Gebaren Abstand nähme. Bleibt noch der hochbetagte Rentner, dem es zwar zuzutrauen wäre, weil er es selber nicht merkt. Dieses ist aber wieder zu verwerfen, weil er - seit vielen Jahren schwerhörig - nicht auf eine tonlose Erleichterung, sondern wahrscheinlich auf eine mit kräftigem Knarren an-gewiesen wäre und dadurch nichts ahnend von der Umgebung klar identifiziert werden könnte. Dies ist im vorliegenden Fall nicht möglich. Also ist es niemand gewesen. Auch der Schreibende selber hätte niemals mit diesen Verdäch-tigungen begonnen, wäre er der Täter. Da sich mittlerweile die schlechte Luft wieder verflüchtigt hat, sind weitere Nachforschungen zwecklos. Allerdings ist der Gedanke nicht weniger eklig, so viele Menschen würden die Umgebungsluft ein-atmen, die Duftwolke in ihre Lungen aufnehmen, dort im Austausch in den Lun-genbläschen, sauerstoffarm und kohlestoffgetränkt wieder ausatmen und, der-gestalt „neutralisiert“, wieder in die allgemeine Atemluft der Kirchen zurückgeben. Die Stickigkeit durchnässter Mäntel und das Dazutun der Wiederholungstäter des Beschriebenen sorgen für eine Atmosphäre, die jegliche Frömmigkeit abtötet.

 

Während man in reformierten Kirchen seit der Reformation dieser Brauchluft ausgesetzt ist, pflegen die Katholiken mit der segensreichen Einrichtung von Weihrauchfässern das probate, seit Jahrhunderten aus dem Orient übernom-mene Weihräuchern. Die würzig-aromatischen Rauchwolken übertönen sämtliche anderen Gerüche oder versetzen die tief einatmenden Gläubigen in einen trance-artigen Zustand, in dem Gasentweichungen einzelner Anwesender wahrneh-mungslos untergehen. Nicht umsonst hat ein Greenhorn von Christ bei einer Prozession das Weihrauchfass eines Ministranten für einen rauchenden „Brää-mächessel“ gehalten, die man früher im Sommer den Pferden zur Bekämpfung der lästigen Biester an den Leib gehängt hatte.

 

So werden wir denn dieses leidige Kapitel luftverpestender Kirchgänger mit dem unbefriedigenden Gefühl, ohne Antwort dazustehen, wieder verlassen müssen. Wir werden weiterhin der Heimtücke der Verstellungskünstler ausgesetzt sein, die mit der frömmsten Miene und der Unverfrorenheit umweltsunbewusster Rück-sichtslosigkeit die erhabenen Gefühle verletzen und den frommen Ausrichtungen des Herzens und der Seele während der Predigt oder während des Kirchen-gesangs den Garaus machen.

 

Es gibt allerdings eine infame Methode der Selbstverteidigung solcher lautloser Kultraumverpester, die gesetzlich verfolgt und geahndet werden müssten. Damit sie der Gefahr, berechtigter Verdächtigungen aus dem Weg gehen können, grei-fen sie mit Daumen und Zeigfinger zur eigenen Nase, drücken diese zu und geben mimisch ihrer Umgebung zu verstehen, hier sei schlechte Luft. Darauf reagieren einfache Gemüter, indem sie automatisch die anderen anstarren und sie verdächtigen. Das kann soweit führen, dass unschuldige, harmlose und für eine solche Tat unfähige Christen für mögliche Delinquenten gehalten, sehr ent-rüsteten, strafenden Blicken ausgesetzt werden und sich für etwas schämen, was sie nie begangen haben.

 

Was wunder, wenn ein anständiger Christ, geriete er in solchen Verdacht, inner-lich erzürnt zum Racheakt ausgleichende Gerechtigkeit griffe und seinerseits einen gewaltigen Kracher fahren liesse. Genau so wie früher ein Steuersünder, der in der Gemeinderechnung wegen seiner Rückstände öffentlich angeprangert wurde, einsah: „Ich bin eh auf der Liste der Steuerschuldner. Mein Ruf ist dahin. Wieso soll ich noch künftig steuern zahlen?“, ganz im Sinne der altbekannten Volksweisheit: „Ist mein Ruf mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“.

 

Sie aber, verehrte Kirchgängerinnen und Kirchgänger, mögen sich Ihre Nachbarn beim nächsten Kirchgang ganz genau merken. Wer weiss, vielleicht gelingt es Ihnen doch noch einmal, einen in flagranti zu erwischen. Der Triumph wäre Ihnen zu gönnen.                                                                             Bis bald. Ihr Pankraz.

 


Dienstag, 3. Mai 2022

 

Landsgemeindegast Bundesrätin Viola Amherd sprach in Glarus

Landsgemeinde-Einzug: Bundesrätin Viola Amherd, flankiert von Kkdt Thomas Süssli, Chef der Armee  und Divisionär Peter Merz, Kommandant der Luftwaffe.    ( Foto: M. Hauser, Zug)

 

 

«Miteinander reden ist nichts anderes als die Quelle der direkten Demokratie und des Föderalismus.»

 

Bern, 01.05.2022 - Tischrede von Bundesrätin Viola Amherd, Chefin des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), anlässlich der Landsgemeinde Glarus, Sonntag, 1. Mai 2022.

 

 

Sehr geehrter Herr Landammann

Sehr geehrte Frau Regierungsrätin, sehr geehrte Herren Regierungsräte

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident des Kantons Basel-Landschaft

Sehr geehrte Damen und Herren Regierungsräte des Kantons Baselland

Sehr geehrter Herr Ständeratspräsident Thomas Hefti

Sehr geehrte Damen und Herren Ständeräte

 

Ich freue mich sehr, als Ehrengast an Ihrer Landsgemeinde teilzunehmen. In be-wegten Zeiten wie den heutigen ist mir das wichtig, weil eine Landsgemeinde einer unserer ältesten Orte der Begegnung ist, an der man seit jeher eben: die Gemeinschaft pflegt.

 

In solchen Momenten ist man sich näher als sonst und wird deshalb immer wie-der daran erinnert, dass man miteinander reden muss.

 

«Miteinander reden» ist ja nichts anderes als die Quelle der direkten Demokratie und des Föderalismus.

 

Wir sind jeweils stolz darauf, müssen uns aber immer wieder bewusst werden, dass das nicht ein Automatismus ist, sondern dass zum «Reden» auch «Zu-hören» gehört.

 

Das haben die letzten zwei Jahre eindrücklich und manchmal auch schmerzlich gezeigt, z.B. wenn der Respekt vor der Meinung der andern ab und zu etwas vergessen wurde. Auch dieser Respekt ist ein starker Charakterzug unserer Demokratie, häbe wer mu also Soorg!

 

Die Corona-Pandemie als grosses und rasch über uns hereinbrechendes Er-eignis hat uns und unsere Einrichtungen in Bund, Kantonen und Gemeinden vor grosse Herausforderungen gestellt. Wir haben früh eingestanden, dass wir Fehler machen werden und daraus Lehren ziehen wollen. Auch die Glarner Regierung ist selbstkritisch zum Schluss gekommen, dass sie auf eine Pandemie nicht vorbereitet war, und sie will deshalb ihre Grundlagen optimieren.

 

Bleiben wir dran, denn wir wissen nicht, ob die Pandemie nur eine Pause einlegt!

Bei der Pandemie hat sich der Föderalismus manchmal als zu langsam erwiesen, weshalb sich wohl Änderungen aufdrängen. Wir sind uns jedoch einig, dass es nicht darum geht, das System als Ganzes in Frage zu stellen, sondern nur den Mecano zu optimieren.

 

Die Bevölkerung hat den vom Bundesrat und vom Parlament vorgeschlagenen Weg zwei Mal eindrücklich bestätigt, was in keinem anderen Land möglich war.

Vergessen wir deshalb nicht, dass wir Volksentscheide auch respektieren. Das gehört seit jeher zu unserem Demokratie- und Staatsverständnis. Halten wir also am Bewährten fest!

 

Das gilt umso mehr, als uns die Welt gleich um die Ecke so stark erschüttert hat wie seit Generationen nicht mehr:

 

Wer hätte gedacht, dass sich der von meinem Departement am 24. November 2021 routinemässig vorgelegte Sicherheitspolitische Bericht genau drei Monate später in einen realen Bericht über die Situation in Europa verwandelt?

 

Mir wäre lieber, dem sei nicht so, aber die Passagen zu Russland lesen sich heute wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Mit dem Ukraine-Krieg sind praktisch alle im Bericht formulierten Ziele nicht mehr Abbild eines teilweise belächelten Wunschkatalogs, sondern liegen wie hinter einem Vergrösserungs-glas vor uns.

 

Wir müssen Bedrohungen, Gefahren und Krisen früh erkennen und uns verstärkt darauf ausrichten, dass Konflikte nicht nur konventionell ausgefochten werden, sondern zunehmend hybride Formen annehmen und auch im Cyberraum geführt werden.

 

Davon betroffen sind neben kritischen Infrastrukturen wie die Strom- und die Energieversorgung auch grosse sowie mittlere und kleinere Unternehmen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft und unseres Wohlstandes bilden.

 

Ich bin froh, dass die Glarner Regierung unsere Vorschläge für eine Meldepflicht für kritische Infrastrukturen begrüsst und darüber hinaus die Frage aufwirft, ob nicht auch Spitäler oder die Plattform für das elektronische Patientendossier als kritische Infrastrukturen zu betrachten sind.

 

Indem staatliche wie nichtstaatliche Akteure im Cyberraum systematisch und auf perfide Art Informationen verfälschen oder gar erfinden, beeinflussen sie die freie Meinungsbildung. Davon sind wir alle betroffen.

 

Wir verstehen die künftige Sicherheitspolitik im Landesinnern als Verbundauf-gabe.

Wie der unselige Krieg zeigt, ist kaum davon auszugehen, dass wir nur aus eigener Kraft für die Sicherheit und Stabilität unseres Landes sorgen können. Wir kommen also nicht darum herum, die Zusammenarbeit mit all jenen Ländern zu stärken, die unsere Werte teilen.

Mit anderen Worten: auch hier zämestaa!

 

Euch Glarnerinnen und Glarnern muss man ja nichts vormachen, Resilienz und Versorgungssicherheit sind seit jeher Teil eurer Geschichte:

Ihr habt eure Wirtschaft früh auf den Export ausgerichtet, und Pioniere haben früh auf die Industrialisierung gesetzt.

 

Krisen habt ihr dank Qualitätsprodukten, innovativer Marktforschung, einem grossen Netz an Handelsniederlassungen und nicht zuletzt dank Innovation gemeistert.

 

Deshalb erstaunt nicht, dass der Kanton Glarus zu den am stärksten industriali-sierten Kantonen gehört.

 

Reden, Zuhören und Mitbestimmen an der Landsgemeinde haben auch dazu bei-getragen, dass man allen Sorge trägt.

 

Davon zeugen das erste Fabrikgesetz der Schweiz, die früh eingeführte Alters- und Invalidenversicherung oder die erste Arbeitslosenversicherung.

 

Kein Wunder, hat der Glarner Regierungsrat nur Tage nach dem Angriff auf die Ukraine Hilfsgelder gesprochen und sich auf die Aufnahme von Flüchtlingen vorbereitet.

 

Dabei mögen eigene Erinnerungen eine Rolle gespielt haben, wurde doch das Glarnerland selbst zum Kriegsschauplatz fremder Heere und musste befreit werden. So wie heute Frauen und Kinder aus der Ukraine zu Tausenden ge-flohen sind, mussten damals rund 1200 Kinder in anderen Kantonen um Unter-kunft, Nahrung und Hilfe bitten.

 

Erlauben Sie mir zum Schluss eine freundeidgenössische Bemerkung: Mir ist zu Ohren gekommen, dass die Tourismusorganisation «Visit Glarnerland» an der Krimiserie «Wilder» Justierungen vornehmen musste, damit Bundespolizist Kägi bei Szenen im Glarnerland auch «glannerdeutsch» spricht.

Machen Sie’s künftig wie früher und so wie die Macher des Walliserdeutsch-kur-ses «Tschugger»: Produzieren Sie alles selbst, exportieren sie es und lassen die Übersetzung andere machen.

Als Vorspann könnte sich der Slogan «ds Wort isch fry» eignen, mit dem jeweils die Landsgemeinde eröffnet wird und mit dem auch die Glarner Briefmarke im kantonalen Reigen des kürzlich lancierten Briefmarkenbogens «Mein Kanton – unsere Schweiz» glänzt.

 


Donnerstag, 28. April 2022

 

Sepp Ochsners Kalenderblatt

 

Mai

 

Am Samstag, 13. März, gastierte der Abt von Einsiedeln, Urban Federer, in der Sendung Samschtig Jass.  Da hatte ich mich gedanklich bereits mit dem Kalen-derblatt vom Monat Mai befasst und ganz konkret mit den Eisheiligen. Pankraz, Servaz, Bonifaz und besonders die Kalte Sofie sind uns allen geläufig. Also schwenkte ich schnell auf Urban (25. Mai) um. 

 

Urban hat es mit den Winzern und dem Wein. Über das Leben und Wirken von Papst Urban ist kaum etwas bekannt. Sicher ist nur, dass er von Geburt Römer und der 17. Papst gewesen sowie im Mai des Jahres 230 gestorben ist. Zur Amtszeit Urbans gab es nämlich unter Kaiser Alexander Severius keine weiteren Christenverfolgungen. Auch der Begräbnisort von Urban in Rom ist nicht gesi-chert. Wahrscheinlich ist er mit dem in den Katakomben des Callistus bestatteten Urban identisch, obgleich dieser dort nicht mit dem Bischofstitel genannt wird. Der Überlieferung nach soll Urban eine Verordnung erlassen haben, wonach der Kelch beim Abendmahl stets aus Silber oder Gold gefertigt sein müsse. Urban geniesst heute noch grosse Verehrung in den Weinbaugebieten, vor allem  auch im Elsass. Vielerorts steht sein Bild in den Weinbergen und wurde früher, aber auch heute noch, in Prozessionen durch die Rebberge getragen. Die Ursache dafür, dass Urban zum Patron der Winzer, der Weinberge und des Weines wurde, ist wohl, dass sein Gedenktag vom 25. Mai nämlich in der Zeit liegt, in der die Weinbauer die Bestellung der Weinberge im Frühjahr beenden. „Hat der Urbans Tag viel Sonnenschein, verspricht er viel und guten Wein!“

 

Papst Urban I. wird meist in päpstlichen Gewändern dargestellt. Bei sich hat er ein Buch und den Krummstab und oft trägt er die Tiara, die ehemalige Papst-krone. Nur im deutschen Sprachraum wird er mit einem Weinstock oder mit einer Traube dargestellt, als Sinnbild für sein Patronat der Winzer und Reben. Vor allem in Franken, aber auch im Elsass gibt es unzählige Darstellungen Urbans als Winzerpatron. Eine Skulptur aus der Zeit um 1470 in der katholischen Kirche im fränkischen Kitzingen zeigt Urban mit einer Traube auf einem Buch.

 

In der Schweiz sind das Kloster und die Klosterkirche von St. Urban im Kanton Luzern die bekanntesten Urban-Stätten. Früher, als die Polizei noch „Transporte“ machte, sind wohl viele von uns mit Klienten dorthin gereist. Oberwil, Littenheid, Burghölzli, „Sankt Urbä“ und einige mehr waren uns allen (von aussen) wohl-bekannt.

 

Ich müsste kein Einsiedler sein, käme ich, ausser dem aktuellen Abt, nicht noch auf einen anderen Urban zu sprechen. Hensler Urban, 1898, aus dem Hause der „Länze“, war in den 50er Jahren Bezirksammann und eine bekannte Dorfgrösse. Er hatte den rechten Arm in jungen Jahren verloren und trug eine Prothese. Man nannte ihn daher „Die hölzerne Gewalt!“ Seine Söhne Franz und Josef waren ebenfalls dorfbekannt: Der eine, Franz, als Musiklehrer und Josef als Postver-walter und späterer Landschreiber. Letzterer war auch ein ausgezeichneter Pisto-lenschütze. Die politischen Tätigkeiten von Urban riefen logischerweise auch Oppositionelle auf  den Plan. Einer davon war der Bäckermeister und Pferdelieb-haber Thomas Wickart.  Als Urban Bezirksammann (Gemeindepräsident) wurde, kaufte sich Wickart flugs einen Esel und taufte diesen – wie wohl – richtig: Urban! Bei jeder sich bietenden Gelegenheit rief Wickart nach seinem Esel, am liebsten, wenn der Bezirksammann in der Nähe war.

 

Besonders für die Einsiedler habe ich ein Bild ausgegraben: Es zeigt rechts in der hellen Kleidung Dr. Carl Birchler, „Sunne-Kari“, damals Landschreiber und Vater vom „chline Beck Birchler“. Links von ihm den damaligen Regierungsrat und Baudirektor Stefan Oechslin, euch allen auch bekannt als „Erbauer vom Ste-fansdom“ in der „Holzrüti“,  Strecke Einsiedeln – Biberbrugg, bzw. Bahnüberfüh-rung der SOB. Links neben Oechslin dann eben der gute Urban Hensler. Nur der Kopf ist sichtbar von Sek-Lehrer (techn. Zeichnen) Anton Wickart, genannt „Böckel“ und als solcher der Bruder vom Eselhalter Thomas.

Gruess und bliibed gsund

Sepp

 

Stramme Einsiedler "Grössen":

Der zweite von rechts ist Dr. Carl Birchler, genannt "Sunne-Kari"; links von ihm Regierungsrat und Baudirektor Stefan Oechslin, den Einsiedlern bekannt als Er-bauer des "Stephansdom" in der "Holzrüti", Strecke Einsiedeln-Biberbrugg, SOB-Bahnüberführung; links von ihm Bezirksrat und Bezirksammann Urban Hensler (Vater von Musiklehrer Franz Hensler und Landschreiber Josef Hensler); im Hintergrund Anton Wickart, langjähriger Zeichnungsleher und später mein Lehrmittelverwalter für die Schulen des Bezirks Einsiedeln im Schulhaus "Brüel", genannt "Böckel".

 

Zu Toni Wickart

Es war anno 1972, als meine erste Schulratssitzung in Einsiedeln als Rektor der Bezirksschule, im Saal des Hotel-Restaurants St. Georg stattfand. Ein Traktandum war: "Entlassung von Zeichnungslehrer Anton Wickart"

Oberstufenlehrer hatten ihm vorgeworfen, er sei eine ganze Woche absent ge-wesen wegen einer Reise nach Moskau und dies wurde dem Schulrat gemeldet. Offenbar war Wickart bei vielen Lehrern wegen seiner etwas ruppigen Umangsformen unbeliebt und seine unentschuldigte Abwesenheit ein Vorwand, ihn loszuwerden.

Als ich ihn vor der Schulratsstizung danach befragte, erklärte mir Toni WIckart, er sei nach Moskau gereist, aber er habe sich beim Schulhausvorsteher Albert FInk

offiziell abemeldet. (Das hätte er allerdings beim Schulpräsidenten Hans Oechs-lin tun sollen, der ihm diese private Absenz mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht bewilligt hätte.) Das Ganze wurde von verschiedenen Seiten dramatisiert und der Antrag (woher auch immer) lag vor, ihn aus dem Schuldienst zu entlassen. Als der Vorsitzende das Wort frei gab und nachdem mehrere Schulräte ihrer Ent-rüstung Ausdruck gegeben hatten, wagte ich zu fragen, wie lange denn Anton Wickart schon im Dienst der Einsiedler Schulen sei. Irrtum vorbehalten, hiess es etwa 26 Jahre. Danach doppelte ich nach, das sei aber eine reichlich lange Zeit, bis man bemerke, das Wickart "nichts tauge". Wenn er mit diesem kritisierten Verhalten so lange wirken konnte, hätte es an der Aufsichtsbehörde gelegen, ihn nicht zur Verantwortung zu ziehen. Der Mann sei, sofern ich mich nicht irre, da-mals 56 Jahre alt und würde - bei diesem Entlassungsgrund - kaum mehr eine Arbeit finden. Ich hätte einen Gegenvorschlag, der sowohl dem allgemeinen Wunsch, ihn aus der Schultätigkeit zurückzuziehen, als auch der sozialen Kom-ponente, ihn nicht zum Arbeitslosen zu machen, entsprechen könnte. In einer Schule von insgesamt 2500 Kindern, damals 90 Lehrern und 16 Schulhausorten,

sei eine zentrale Lehrmittelausgabe dringlich und allen sehr zweckdienlich, bis-lang sei alles sehr zeitaufwendig und kompliziert und oft ärgerlich und mühsam.

Ich beantragte, für Toni Wickart ein Pflichtenheft zu erstellen, sein Salär neu ein-zustufen und ihn als Lehrmittelverwalter in grossen Kellerräumen (einem ehe-maligen Schulzimmer) anzustellen. Der erste Schulrat, der auf diesen Vorschlag positiv eintrat, war Schulrat Oskar Bisig, ein rechtschaffener, gewissenhafter und tüchtiger Berufsmann (Elektrobranche EWZ), er sprach freimütig, er hätte ein Ge-wissensproblem, einen Mann in diesem Alter auf die Strasse zu stellen. Dies schien in der Runde Eindruck zu machen und nach kurzem Für und Wider wurde meine Vorschlag zugestimmt und ich erhielet den Auftrag, entsprechende Vor-schläge einzureichen.

Toni Wickart war dann noch etwas zehn Jahre ein umsichtiger Lehrmittelverwal-ter, der im Brüel-Schulhauskeller sein Reich aufbaute und der ganzen Schule diente. Wohl gab es gelegentlich etwas Knatsch, wenn er mit seinem etwas cho-lerischen und aufbrausenden Temperament mit einzelnen Lehrerkollegen oder -kolleginnen in die Haare geriet, aber man fand immer wieder Massnahmen und Wege der Zusammenarbeit. Er war auch wöchentlich der Drucker der schulinter-nen Nachrichten "abäck". Als grosser Sammler sicherte er der Schule manche historischen Schriftstücke, Bilder oder Gegenstände und war mit von der Partie, als ich für die Lehrer eine USA-Reise organisierte. Toni Wickart führte auch sehr kompetent, Leute durch das Kloster oder durch Einsiedeln zu führen, da er über beachtliches Wissen über Leben und Geschichte des Klosterdorfes verfügte.

Wickart starb unerwartet zu Hause, als er damit beschäftigt war, Krippenfiguren aufzufrischen. Seine in Kalifornien lebende Schwester, die auf Heimaturlaub war, bot die Polizei auf, als sie ihren Bruder tot in der Stube fand. Ein aufwändiges Untersuchungsverfahren, ob er nicht Opfer eines Verbrechens geworden sei, verursachte ein Verschiebung der angesagten Beerdigung. Toni Wickart erklärte mir gegenüber öfters, er wolle weder eine Todesanzeige, noch eine Nachruf, noch irgendwelches Tamtam, sondern in Bescheidenheit bestattet werden. Diesem Wunsch entsprach die Wirklichkeit nicht, die eingeleiteten polizeilichen Untersuchungsmassnahmen waren aufsehenerregend und kaum einem anderen verstorbenen Einsiedler wurde mehr Aufsehens zuteil.

Der Einsiedler Schulratsentscheid ist eine Erinnerung dessen vornehmer Huma-nität und einer menschlichen Problemlösung.

Ich selber halte Toni als zwar etwas kauzigen, aber treuen Mitarbeiter mit viel kulturellem Hintergrund in lieber Erinnerung.


Dienstag, 26. April 2022

 

Drei prominente Glarner

- Hilari, Martin & Fridolin -

den Einheimischen in Erinnerung gerufen von ubo, Freizeitglarner mit Zürcher Dialekt*

 Angela Schwitter "Was die Augen sehen", Mischtechnik

Der folgende Text ist ein Schreibmaschinenmanuskript von Pfarrer Urs Boller (ubo), das Bild von dessen Lebenspartnerin Angela Schwitter (einer ursprünglichen Näfelser Bürgerin).

 

Hilarius von Poitiers (www.wien.karmel.at)