Sonntag, 7. August 2022

 

175 Jahre Bahn in der Schweiz  1847-2022

 

Schulreise mit der Spanisch-Brötli-Bahn 1947

 

Archivbild: 100 Jahre Spanisch-Brötli-Bahn 1847-1947

 

Meine erste Schulreise mit Lehrer Arnold Krieg 1947

 

Ich erinnere mich an Vieles aus der 1./2. Primarklasse beim herzensguten Lehrer Arnold Krieg im Zimmer 2 des Dorfschulhauses in Näfels. Genau neben dem Zimmereingang war das "Fundkästchen". Wir sassen in langen, bleichen Vierer-bänken mit einer Klappe. "Klappe auf, Klappe ab!" war das oft gehörte Komman-do. Erinnerungsfetzen sind noch da an die erste Schulreise. Offenbar hatte Ar-nold Krieg davon gehört, dass es Sonderfahrten für Schulen gab. Es war wunder-bares Wetter. Mein erster Eindruck auf dem Bahnhof Näfels war wie ein Wunder. Zuerst hörte man mehrere laute langgezogene Pfiffe, dann fuhr ein Zug mit einer wunderbaren Lock in braunem Holz, einem Kamin. Schnaubend und stampfend und rauchend fuhr sie ein und hielt langsam unter fürchterlichem Kreischen und Quietschen der Bremsen. Fein herausgeputzt, mit seitlich grossen Triebrädern, die von einem langen Stahlbalken angetrieben wurden, die nun stillstanden, stand sie da die Lock mit dem grünen Kohleanhänger und der angehängten Personenwagen.

 

"Etz chänd'r iischtiigä, abr passed uff  dr Schtägä!" Dann stürmten wir los und kletterten mit unsern kurzen Beinen die Eisenbahntreppe hoch und alle rannten wir, um einen Fensterplatz zu erwischen. Ich erinnere mich, wie plötzlich jemand mit einer Glocke läutete, der Bahnhofvorstand mit der roten Kappe und der Kelle mit dem weissen schrägen Strich, grün für die Abfahrt und rot für Anhalten, stand auf dem Bahnsteig und winkte, worauf nach einem grässlichen Stampfen und Zi-schen und sich mit Lock-Pfiff die Welt von links nach rechts bewegte. Erst der Bahnhof, dann der "Mulliser Bahnhof", lies: das Aborthäuschen, dann die Bar-riere, die grossen Gaskessel und dann der Blick auf vorbeischwebende Tele-fonstangen, breite Wiesen und im Hintergrund der Bärenstich, der sich nach rechts bewegte. Plötzlich hatte einer entdeckt, dass am Fenster ein Lederriemen heraushing, der mit Hilfe des Lehrers gezogen, das Fenster nach unter verschob, so dass herrliche Luft hereinstob und unsere Haare verstrubelten. Doch, aufge-passt, so der Lehrer, es könnten mit dem Rauch feine Kohle- oder Russkörnchen

ins Auge fliegen. Der Rauch roch nicht gut, wie nach faulen Eiern oder wie der Gestank aus Dohlendeckeln bei Föhndruck.

 

Natürlich schrien und jubelten wir mit dem Gesicht im WInd. In Netstal standen Leute auf dem Bahnhof, die uns zuwinkten und lachten. Leider verlangsamte unter fürchterlichem Gekreische die Spanisch-Brötli-Bahn ihr Tempo bald und viel zu früh fuhren wir bei den schattigen, ausladenden Hallen des Stadtglarner Bahn-hofs ein, der mir riesenmächtig  vorkam. "Hee, uufpassä, bim Uusschtiigä, uff dr Schtägä" mahnte Lehrer Krieg beim Aussteigen besorgt.

 

Dann war die Herrlichkeit des Bahnfahrens zu Ende. "Iischtellä!", dann ging's in Zweierkolonne dem Lehrer nach Marsch! Wir schlenderten durch den Volksgar-ten, wo ein hoher Springbrunnen wie ich noch nie einen gesehen  hatte, hoch in die Luft Wasser schleuderte und dann in einem Bogen wieder herunterplät-scherte. Ich hab das seltsam zischende Geräusch des Springbrunnens noch im Gedächtnis. Dann begann der mühsame Aufstieg, der Strasse nach Schwändi hinauf. Es war brütende Hitze. Nach einer Ewigkeit kamen wir in Schwändi an und durften in einem Hotel einkehren. Dort  sah man einen imposanten Berg, der  wie uns der Herr Lehrer sagte, "Tödi" hiess. Wow! War das eine schöne Aussicht. Dann durften wir an Tisch im Freien unsere Lunchtasche auspacken mit Proviant, den die Mütter eingepackt hatte, "Anggäbrüüt", "Öpfel", vielleicht noch ein Pärli "Landjeger". Dazu konnten wir ein "Elmerzitroo" bestellen und dazu den mitge-gebenen Rappen hervorklauben. Vor uns war noch ein Bassin, "aber da gah-p-mer niämer inä, hä! Sust chlepft's!" Nach einiger Zeit rief der Lehrer wieder zum Aufbruch. Wieder in Zweierformation schritten wir talwärts, ziemlich steil. Plötzlich waren wir auf dem Bahnhof, der "Mitlödi"  hiess. Doch die Enttäuschung war gross, als nach dem Tingeltangel der grossen Stehglocken nur ein gewöhnlicher Zug einfuhr, dabei hätten wir uns auf die Rückfahrt mit der "Spanisch-Brötli-Bahn" nach Näfels mächtig gefreut.  Die letzte Strecke, so der Lehrer, "müänd dr rächt tuä, wänn'r moorä ä halba Taag frii wänd!". Diese Tradition wurde bis in die obersten Klassen gepflogen, weil Schulreisekinder auf der letzten Strecke meist müde und ausgelassen herumtobten. Die Aussicht auf einen freien halben Tag war ein probates Mittel, uns Schreihälse etwas im Zaum zu behalten... immerhin waren wir ja rund 40 Kinder...

Ein Requisit von 1947. Lehrer Arnold Krieg hatte allerdings ein Kollektivbillett.

Das waren noch Zeiten, als es noch Fünfermarken brauchte!

Mit der Spanisch-Brötli-Bahn gings 1947 auf die Schulreise von Näfels nach Glarus


Samstag, 6. August 2022

 

Pater Dr. Albert Ziegler SJ verstorben

 

Noch am 10. Juni 2017 war P. Dr. phil., lic. theol Albert Ziegler mit von der Partie als die Altherren-Vereinigung der bekannten grosse Studentenverbindung "Turicia" ihren Ausflug nach Näfels (Freulerpalast und "Schwert") machte. Er war Ehrenphilister der Turicia und hatte den Studentenvulgo "Magnus". Ich hatte die Ehre beim Mittagsmahl im Schwert zu seiner Rechten zu sitzen. Zum ersten Mal begegnet bin ich dem eloquenten, originellen und direktherausredenden Jesu-itenpater in den sechziger Jahren an einem Jugendfestival in Sempach. Später verkam ich ihm als er als Ethik-Unternehmens-Berater bei Walter Feldmann sen. im "Fridolin" Schwanden referierte. Feldmann hat ihm sogar ein Buch gewidmet. Nun ist er nach schwerer Krankheit am 4. August verstorben. Ich verweise auf die Nekrologe weiter unten.

                                             11. Juli 1927 bis 4. August 2022

Trauerbotschaft der Jesuiten Schweiz

 

 

Trauer in der Schweiz um Pater Albert Ziegler SJ

Am 4. August ist Pater Albert Ziegler SJ im Pflegeheim St. Franziskus in Menzin-gen ZG gestorben. In der Schweiz hatte er eine grosse Bedeutung, viele Men-schen haben ihn als Prediger in prägender Erinnerung.

Pater Albert Ziegler SJ wurde am 11. Juli 1927 in Zürich geboren. Nach der Matura am Benediktinergymnasium in Disentis in Graubünden und einer kurzen Studienzeit in Fribourg trat er am 11. November 1948 in das Noviziat in Rue FR ein.

Von 1950-1953 studierte er Philosophie im Berchmanskolleg in Pullach.

Es folgte das Magisterium im Noviziat in Rue, von wo aus er zugleich in Fri-bourg am Internationalen Institut für Sozialwissenschaft und Politik promo-vierte. Von 1956 bis 1960 studierte er Theologie in Löwen. 1959 wurde er in Zug zum Priester geweiht. Das Tertiat in St. Andrä im Lavanttal (Öster-reich) folgte unmittelbar auf das Studium. Die letzten Gelübde legte er am 2. Februar 1966 in Zürich ab.

Ab 1961 bildete Zürich sein Lebensmittelpunkt. Bis 1989 wirkte er als Studen-ten- und Akademikerseelsorger im katholischen Akademikerhaus aki. Ab 1979 verantwortete er als Rektor den sogenannten „Theologischen Kurs für Laien“.

Er hat den Zürcher Katholizismus bei dessen Übergang von der vorkonziliaren in die nachkonziliare Zeit entscheidend mit seinen Predigten, Zeitungsartikeln und Vorträgen geprägt. In Deutschland und der Schweiz hat er Unternehmen beraten, Rhetorik unterrichtet, Studierende klettern gelehrt und u.a. als Mitglied der Ethischen Kommission der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften in umstrittenen medizinethischen Fragen Orientierung gegeben.

Ab Mai diesen Jahres verbrachte er aufgrund einer schweren Erkrankung seine letzten Lebenstage im Pflegeheim St. Franziskus der Schwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen, wo er am 4. August im Alter von 95 Jahren starb. 

Die Jesuiten danken Gott für das reiche und gesegnete Leben von Albert Ziegler SJ.

R.I.P.

Quelle:

https://www.jesuiten.org/news/trauer-in-der-schweiz-um-pater-albert-ziegler-sj

Leseswerter Nekrolog von Franz-Xaver Hiestand SJ

Leiter des aki, der katholischen Hochschulgemeinde, Zürich

 

Albert Ziegler SJ   r.i.p.

Annäherungen an eine katholische Legende

 

«Er referiert und informiert, er gestikuliert und polemisiert, er frotzelt und witzelt, er beschwört und betört, er erzählt über griechische Götter und Walliser Berg-führer, über eine in Kandersteg lebende Italienierin oder über mangelnde Erfolgs-erlebnisse einer Zürcher Bar-rierenwärterin. Und wenn er als virtuoser Wander-prediger für ethische Werte in der Wirtschaft und im Leben schlechthin auftritt, bringt er die Leute andauernd zum Schmunzeln und zum Lachen – und gleich-zeitig auch dazu, sich lustvoll, ernsthaft und selbstkritisch Gedanken über Gott und die Welt, über Veranwortlichkeiten und – vor allem – auch über sich selber und ihr eigenes Verhalten zu machen.»

So schilderte der national bekannte Journalist Walter Däpp im Jahre 2000 im «Bund» einen Vortrag des damals 73jährigen Jesuiten Albert Ziegler SJ anläss-lich des «Kreativ-Symposiums für zukunftsgerichtete Unternehmensführung» in Interlaken.

 

So kannte man den ebenso kantigen wie charmanten Zürcher Jesuiten. Im Laufe der Jahrzehnte ist er, das Wort sei erlaubt, zur Legende geworden. Kaum eine Zürcher Katholikin, ein Zürcher Katholik über 50, die ihm nicht begegnet sind! Bis kurz vor seinem Tod reiste, predigte und hörte er unermüdlich Beichte und emp-fing Besuche.

 

Nun ist Ziegler nach seinem 95. Geburtstag gestorben. Geboren wurde er am 11. Juli 1927 in Zürich. Nach der Matura am Benediktinergymnasium in Disentis in Graubünden und einer kurzen Studienzeit in Fribourg trat er am 11. November 1948 in das Noviziat der Jesuiten in Rue im Kanton Fribourg ein. Nach dem ordensinternen Philiosophiestudium in Pullach bei München promovierte er in Fribourg am Internationalen Institut für Sozialwissenschaft und Politik. Von 1956 bis 1960 studierte er Theologie in Löwen. 1959 wurde er in Zug zum Priester geweiht.

 

Ab 1961 war Zürich sein Lebensmittelpunkt. Von hier aus bereiste er den ganzen deutschen Sprachraum für Vorträge, Kongresse und Kletterkurse; nicht zuletzt auch die damalige DDR und sehr regelmässig Zermatt. Bis 1989 wirkte er an der Limmat als Hochschulseelsorger im aki (kurz für «Akademikerhaus»), dem Haus der katholischen Hochschulgemeinde. Ab 1979 verantwortete er als Rektor den sogenannten „Theologischen Kurs für Laien“. Er hat den Zürcher und den Deutschschweizer Katholizismus bei dessen Übergang von der vorkonziliaren in die nachkonziliare Zeit mit seinen Predigten, Zeitungsartikeln und Vorträgen ent-scheidend mitgeprägt.

 

Zuerst in der Schweiz und zunehmend im ganzen deutschen Sprachraum hat er Unternehmen beraten, Rhetorik unterrichtet, Studierende klettern gelehrt und in umstrittenen medizinethischen Fragen wie Empfängnisverhütung, Abtreibung, ak-tive und passive Sterbehilfe Orientierung gegeben. Einsätze bei Volksmissionen in jungen Jahren vertrauten ihm die Oberen ebenso an wie das Verfassen von Film-Kritiken. Nach eigenem Bekunden habe er bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts über 600 Kurzkritiken geschrieben. Später widmete er sich dem Zürcher Reformator Ulrich Zwingli und wurde Mitglied der Ethischen Kommission der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften.

 

Zahlreiche Zeitungsartikel, Vorträge und Predigten entlang der Konfliktlinien ge-sellschaftlicher Entwicklungen und etliche Buchveröffentlichungen begleiteten seine Präsenz im akademischen Milieu. Im Zentrum standen berufsethische und moraltheologische Fragen, später zunehmend Aspekte des Älterwerdens.

 

Ab Mai dieses Jahres verbrachte er aufgrund einer schweren Erkrankung seine letzten Lebenstage im Pflegeheim St. Franziskus der Schwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen. Hier starb er am Abend des 4. August 2022.»

 

Siehe auch auch kath.ch

 

Die Trauerfeier:

Freitag, 12. August, um 15.00 Uhr in der Liebfrauenkirche Zürich.

P.  Dr. Albert Ziegler, vulgo "Magnus" links und alt Regierungsrat  Dr. Hans Holenstein, vulgo "Päpe", beide Ehrenphilister der Turicia, am 19. Juni 2017 im Hof des Freuler-palastes. (Foto Markus Hauser, Zug)


Freitag, 5. August 2022 

 

Kleiner Trip

 

zur Ausstellung "Sagenhafter Alpenraum"

 

im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz

 

siehe auch Bild der Woche vom 5. August 2022

 

Hintergrundinfos

 

 

 

Sagenhafter Alpenraum

Wer sie hört, bekommt Gänsehaut.

Sagen verkünden von aussergewöhnlichen, übernatürlichen oder wunderbaren Ereig-nissen. Sie erzählen Geschichten, in denen Geister, Hexen und Teufel auftreten oder sie handeln von historischen Vorkommnissen und Figuren.
Sagen kommen in allen Regionen der Schweiz vor, besonders sagenreich ist die Zentralschweiz. In der Ausstellung werden bekannte Sagen wie Wilhelm Tell, die Teu-felsbrücke, die schwarze Spinne, der Pilatusdrache, die Blüemlisalp, das Sennen-tuntschi und das Toggeli ins Zentrum der Betrachtung gerückt.

 

Impressum

  • Gesamtleitung Denise Tonella
  • Projektleitung und Konzept Pia Schubiger
  • Wissenschaftliche Mitarbeit Magdalena Bucher
  • Öffentlichkeitsarbeit und Marketing Karin Freitag-Masa (Leitung), Conny Lüönd
  • Bildung & Vermittlung Isabelle Marcon Lindauer
  • Szenografie Martina Nievergelt / Ralph Nicotera
  • Grafik Clavadetscher Gestaltung für Kultur und Wirtschaft, Schwyz
  • Ausstellungsbau Alder Stahl und Schweiss, Atelier S&G, Bubu AG, formenformen gmbH, marty schreinerei gmbH, Luziferro AG, Perplex Plus AG, Utiger Maler AG, Roland Reichlin
  • Lichtplanung Marc Hägeli
  • Leihwesen Maya Jucker, Laura Mosimann, Angela Zeier
  • Konservierung und Objektmontage Markus Leuthard (Leitung), Jürg Mathys (Projektleitung), Charlotte Maier
  • Objektlogistik und Objektmontage Christian Affentranger, David Blazquez, Simon D’Hollosy, Reto Hegetschweiler, Markus Scherer
  • Fotografie Jörg Brandt, Zvonimir Pisonic
  • Bildarchiv Andrea Kunz, Fabian Müller, Remo Sidler
  • Lithografie und Scans Georg Sidler
  • Animation und Tonkulisse Movl GmbH Charlotte Germann und Tweaklab AG Kaspar Hochuli
  • Mediaplanung, Installation und Programmierung René Vogel (Leitung), Thomas Bucher, Pasquale Pollastro
    Tweaklab AG Hanspeter Giuliani, Dominik Schläpfer, Nica Giuliani, Remo Hobi
  • IT, Web und Audio René Vogel (Leitung), Thomas Bucher, Pasquale Pollastro, Danilo Rüttimann
  • Übersetzungen Marie-Claude Buch-Chalayer, Giovanna Planzi, Nigel Stephenson
  • Lektorat Apostroph Luzern AG
  • Wir danken Hans Steinegger, Schwyz

Leihgeber

  • Annina Arter Textile & Surface Design, Zürich
  • Burgerbibliothek Bern, Grafische Sammlung
  • Gotthelf-Zentrum Lützelflüh
  • Grimm-Sammlung der Stadt Kassel
  • Sabine Hertig, Stampa Basel
  • Historisches Museum Luzern
  • Historisches Museum Obwalden,
  • Sammlung Hanspeter Niederberger
  • Historisches Museum Uri, Altdorf
  • Hans Jörg Leu, Baden
  • Liechtensteinisches LandesMuseum, Vaduz
  • Museum der Kulturen Basel
  • Museum Schloss Thun
  • Natur-Museum Luzern
  • Öffentliche Bibliothek der Universität Basel
  • Rätisches Museum, Chur
  • Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde Basel
  • Staatsarchiv Uri
  • Tell-Museum Bürglen
  • Pierre-Yves Tribolet, Le Mont-Pèlerin
  • Verkehrshaus der Schweiz, Luzern
  • Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung
  • ZHB Luzern Sondersammlung

Gespenstische Stimmung - gekonnte Präsentation von Profis

Unheimliche Sagen, die für Gänsehaut sorgen

en lassen einen erschauern, staunen und faszinieren gleichzeitig. Gibt es Geister, Dra-chen, Hexen und Teufel? Was sind Schutzzeichen? Und wie wahr sind Sagen? Die Aus-stellung «Sagenhafter Alpenraum» widmet sich  bis zum 2. Oktober 2022 im Forum Schweizer Geschichte Schwyz den Erzählungen aus dem zentralen Alpenraum und be-leuchtet deren Ursprung sowie Verbreitung.           

Die Teufelsbrücke, das Sennentuntschi und natürlich Wilhelm Tell: Diese Beispiele zeigen, wie reich der zentrale Alpenraum an bekannten Sagen ist. Sagen werden im Gegensatz zu Märchen für «wahr» gehalten und weisen stets einen Bezug zu einem Ort, einer Person, einem Ereignis oder einer bestimmten Zeit auf. Sagen berichten von aussergewöhnlichen, übernatürlichen oder wunderbaren Ereignissen; Geister, Hexen und Teufel finden darin ebenso Eingang wie historische Vorkommnisse und Figuren. So wundert es nicht, dass Sagen faszinieren, erschauern lassen und oftmals auch erzieherische, gesellschaftskrit-ische sowie moralisierende Funktionen ausüben.

 

Doch warum und wie entwickelte sich das Sammeln von Sagen? Steckt hinter den kurzen Erzählungen Aberglaube, Volksglaube oder gar ein Stück Geschichte, wie wir sie von Wil-helm Tell zu kennen glauben? Und was kann man darunter verstehen, wenn Sagenmotive «wandern»?

 

Die Schwarze Spinne und der Pilatusdrache

 

Diese und zahlreiche weitere Fragen zum Thema «Sagen» beantwortet die Ausstellung «Sagenhafter Alpenraum», die bis zum 2. Oktober 2022 im Forum Schweizer Geschichte Schwyz zu sehen ist. Im Vordergrund stehen die Entstehung und die Weiterverbreitung, aber auch die Funktion und die Wirkung von Sagen. Die Ausstellung widmet sich den mündlich wie schriftlich überlieferten Sagen, aber auch den unzähligen Bildern, die Sagen hervorgebracht haben. Bekannte Erzählungen wie die Schwarze Spinne, der Pilatusdrache, oder auch die Blüemlisalp werden dabei ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Die Be-sucherinnen und Besucher können zudem an Hörstationen vielen weiteren Sagen aus dem Alpenraum lauschen, tauchen ein in unheimliche Geschichten – und realisieren nach der Ausstellung, welche Bedeutung und Wirkung Sagen auch für die heutige Zeit oder die eigene Person haben.

 

Erzählabende und Führungen für Gross und Klein

 

Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm lädt Interessierte dazu ein, sich vertieft mit unterschiedlichen Aspekten zum Thema «Sagen» auseinanderzusetzen: Spannende Füh-rungen mit Expertinnen und Experten geben Einblicke und interessante Hintergründe zu deren Rezeption, Herkunft und verschiedenen Motiven der Sagen. Familienführungen und Amulett-Ateliers lassen Gross und Klein in die Sagenwelt eintauchen. An den «Erzählabenden» können typische Sagen aus den Kantonen Uri, Tessin, Wallis oder Schwyz hautnah erlebt werden.

 

Die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde freut sich Leihgeberin für diese Ausstellung zu sein. Sie konnte ein Manuskript aus der Sammlung «Sagen aus Uri» von Josef Müller (1870-1929) beisteuern.

 e Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde freut sich Leihgeberin für diese Ausstellung zu sein. Sie konnte ein Manuskript aus der Sammlung «Sagen aus Uri» von Josef Müller (1870-1929) beisteuern. 

Sagen sind kurz, man kann sie über Kopfhörer geniessen

 

BIlder. Forum Schweizer Geschichte Schwyz


Mittwoch, 3. August 2022

 

Ein prominenter Glarner

 

Der Schlattstein in Netstal

Der älteste Netstaler und gleichzeitig das Wahrzeichen von Netstal ist der rund sieben Meter hohe Schlattstein, nordöstlich des Dorfes auf einer Anhöhe von 490 Meter ü. m.

 

Auf der ausgezeichneten Homepage von Pro Netstal (www.pronetstal.ch) heisst es;

"Die Auswärtigen kennen ihn, weil er weit herum zu sehen ist und als Findling unter Naturschutz steht. Dies ist er aber erst seit 1908. Zweimal wollte man ihn schon als Baumaterial nutzen. Zum Glück fanden die Sprengmeister 1784 das Objekt als zu wenig lohnenswert und zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Ein Gesuch zur Sprengung des Steins, das 1890 auf der Gemeinde eintraf, wurde vom Gemeinderat abgelehnt. So blieb uns der grosse Felsblock erhalten."

 

Die jüngste, kompetente Beschreibung des Schlattsteins ist am vergangenen Freitag, 29. Juli 2022, Seite 7, in den "Glarner Nachrichten" erschienen unter dem Titel "Der Schlattstein - eine Reise in die geologische Geschichte". Autor: Dr. Mark Feldmann, Geologe und Geschäftsführer von GEO-LIFE. Verfasser des Buches "Ausflug in die Glarner Geologie", Glarus 2018,  216 Seiten, reich illustriert.

"...Wahrscheinlich bildete sich vor 350-340 Millionen Jahren in der Region des damaligen Glarnerlandes, das etwas südlich des Äquators lag, ein ausgedehnter Graben, der sich allmählich mit umliegendem Sediment und vulkanischen Bestandteilen füllte. In der Folgezeit entstanden in tieferliegenden Magmen riesige Granitkörper und mit der Zeit brachen auch Vulkane aus. Dadurch wurden frühere, lockere Gesteine in neue, feste Gesteine umgewandelt..."

 

"..Viel, viel später, erst vor rund 2,5 Millionen Jahren, begannen durch den Zu-samenschluss  von Nord- und Südamerika die grossen Eiszeiten, die sich in ver-schiedenen Phasen mehr oder weniger weit ausdehnten. Dies betraf auch den Linthgletscher, der seinen Ursrpung im Tödigebiet hatte und zeitweilig bis in den Kanton Aargau vorstiess. Seit dem Abschmelzen der Gletscher am Ende der letzten Eiszeit kommt nun alles Material, das sie während ihrer "aktiven" Zeit transportiert hatten,  als Findlinge zum Vorschein..

Ein Beispiel dafür ist der Schlattstein in Netstal, der aus den seltenen Gesteinen der "Bifertengärtli-Serie" besteht. Er brach einst aus der Bifertengärtli-Serie aus, fiel auf den Linthgletscher und wurde von diesem bis zu seinem Abschmelzen bis nach Netstal getragen. Dies dürfte vor etwa 12'000 Jahren geschehen sein. So ist der Schlattstein nach meinem Wissen der Einzige bisher bekannte Findling vom Bifertengärtli, in  dem man  die ältesten Gesteine der Schweiz bequem auf dem Talboden bewundern kann..."

 

Nach Feldmann sind danach die bisherigen Annahmen, es handle sich um einen "Verrucano" und der Stein sei vor 25'000 in Netstal liegen geblieben, unrichtig.

Inschrift: "Schlattstein. Seit 1908 unter Naturschutz gestellter Linthglet-scherfindling vom Tödi. GEH. 1941 J. O. E." (Fotos: Pro Netstal und Wikipedia)

 

Zweimal sollte er gesprengt werden, um aus ihm Baumaterial gewinnen zu können. 1784 fanden die Sprengmeister den Block zu wenig lohnenswert und zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Ein Gesuch zur Spren-gung des Steins wurde 1890 vom Gemeinderat abgelehnt.

Auf Antrag der Naturschutzkommission des Kantons Glarus wurde der Findling 1908 unter Naturschutz gestellt.

Am 31. Mai 1942 wurde dies im Auftrag der Naturforschenden Gesellschaft in den Stein gemeisselt. (Pro Netstal)


Montag, 1. August 2022

 

Die Schweizer Kantonswappen

Aargau     Appenzell                             Baselland     Baselstadt     Bern          Freiburg          Genf           Glarus

                Ausserhoden   Innerrhoden   

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Graubünden  Jura         Luzern        Neuenburg  Nidwalden  Obwalden   Schaffhausen      Schwyz      St. Gallen

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Solothurn        Tessin       Thurgau           Uri            Waadt        Wallis              Zug              Zürich

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20 Kantone und 6 Halbkantone AR und AI / BL und BS /  Nid- und Obwalden)


Montag, 1. August 2022

 

Eine aussergewöhnliche Klassenkollegin

 

Laura Gallati, Berlin

  

Aus unserem Klassenjahrgang 1939 aus Näfels, einst über 60 Mädchen und Bu-ben, sind heute noch 29 am Leben. Wir bilden uns ein, ein ganz besonderer Jahrgang zu sein. Einer der berühmtesten Mitschüler war Louis Menar, Sänger und Musikproduzent "Ds Müäti" oder "Gäissäpeter" etc., einer war Unternehmer der Lebensmittelbranche Bertram Hauser, die Berufe waren weit gestreut: Matrose auf Weltmeeren, Zahnarzt, Architekt, Musikprofessor, Lehrer, Schriftsetzer, Lastwagenunternehmer, Schreinermeister, Postzustellbeamter, Sportzentrumsleiter. Gemeindepräsident, Krankenschwestern, Mechaniker, SBB-Angestellter, etc. etc.

Von den 29 "Überlebenden" trafen sich anlässlich der letzten Klassenzusammen-kunft noch 18.

Aber eine Schülerin, Laura Fischli,  war schon in der Primar- und Sekundarschule eine ganz besondere Persönlichkeit, für mich einer der ersten emanzipierten Frauen war, die schon als Kind ein Klaviergenie war und später zur dissidenten internationalen Künstlerin aufstieg, einen Klassenkollegen Karl Gallati, "Karim", Architekt, heiratete, zwei Söhne hatte und zeitweilig engagierte Politikerin bei der POCH in Luzern war. Durch ein Naturereignis nahm ihr Leben eine einschnei-dende Wende, nämlich als eine Überschwemmung praktisch ihr bisheriges Le-benswerk zerstörte. Sie wanderte nach Berlin aus und startete mit ihrer ebenfalls genialen Lebenspartnerin Prof. Dr. Christina Thürmer-Rohr, die ihr auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sieht, eine neue Karriere als Künstlerin und Feministin.

 

Unsere letzte Begegnung war in Luzern an der Trauerfeier für ihren Ex-Mann Karl Gallati-Fischli (Karim), Architekt, der unerwartet an einem Herzinfarkt verstorben war.

 

In den Medien ist sie weit verbreitet bekannt. Eine markante Präsenz hat sie bei Wikipedia und vielen anderen Homepages.

 

Diese Aufnahme ist als 2015 Postkarte erschienen unter dem Motto "Freundinnen" von ida (Dachverband deutschsprachiger Lesben/Frauenarchive, - bibliotheken und dokumentati-onsstellen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, und Italien)) u.a.m. folgendem Text:

 

"...Prof. Dr. Christina Thürmer-Rohr, Psychologin, Philosophin und Musikerin mit ihrer Freundin, der Komponistin und Pianistin Laura Gallati... Christina Thürmer-Rohr galt in den 1980er Jahren als "Ikone der feministischen Wissenschaft".

 

Wikipedia stellt Laura Gallati vor:

 

"Laura Gallati (*10. August 1939 in Näfels GL), geborene Laura Fischli/-Fur-manik, ist eine Schweizer Musikerin, Pianistin und Politikerin.

 

Sie gilt als eine der ersten feministischen Parlamentarierinnen eines Schweizer Kantonsparlaments (Luzern).

Inhaltsverzeichnis

 

Leben und Werk

Laura Gallati kam 1939 im Kanton Glarus als zweites von fünf Kindern auf die Welt. Der Vater war Pole, die Mutter Schweizerin. (Direktor der Seidendruckerei Mitlödi).

 

Als 17-Jährige besuchte Laura Gallati den Vorkurs an der Kunstgewerbeschule Zürich, bevor sie 1958–63 am Konservatorium Zürich und an der Musikakademie Zürich Klavier und Musiktheorie studierte. Zu ihren Lehrern zählten Hans Eduard Steinbrecher und Adrian Aeschbacher.

Schon vor Abschluss ihres Studiums gab sie regelmässig Konzerte mit zeitge-nössischer Musik (z. B. in der Galerie «Bohémia» Glarus, dem Gemeindehaus Glarus und im Rahmen «Jazz und Klassik» in Zürich und Basel).

1973–94 unterrichtete sie am Gymnasium Immensee und an der städtischen Musikschule Luzern.

 

Seit den späten 1960er Jahren bewegte sich Laura Gallati in der nonkonformi-stischen linken Szene in Luzern. In den 1970er Jahren veranstaltete sie zusam-men mit der Architektin Marianne Burkhalter als Vorstandsmitglied des Schwei-zerischen Werkbundes die Reihe «Verstand und Vernunft».

Als unabhängige Kandidatin wurde sie auf der Liste der Progressiven Organi-sationen der Schweiz (POCH)in den Luzerner Grossen Rat (Kantonsparlament) gewählt, dem sie 1982–91 angehörte.

 

1987 gründete sie zusammen mit anderen Feministinnen die Unabhängige Frauenliste Luzern (UFL). 1991–93 vertrat sie die UFL im Luzerner Stadtparla-ment und kandidierte für den Luzerner Regierungsrat.

 

In ihrer politischen Arbeit engagierte sich Laura Gallati vor allem im Bereich Raum- und Verkehrsplanung sowie für Grundsatzfragen der Gesellschafts- und Kulturpolitik. Zu ihren Forderungen gehörten unter anderem eine kostenlose, öffentliche Musikschule, innerstädtische Tempo-30-Zonen und Gleichstellungs-institutionen – darunter nicht nur eine Stelle zur Gleichstellung der Frauen, son-dern auch eine analoge Stelle zur expliziten Auseinandersetzung mit männlichen Defiziten. Viele dieser Postulate wurden damals belächelt. Sie sind bis heute virulent, wenn auch manche der Intention nach umgesetzt.

 

Laura Gallatis Art zu politisieren wurde von den Medien gerne als «angriffslustig, laut, masslos und unbotmässig» bezeichnet. Medienwirksam verabschiedete sie sich 1993 von der aktiven Politik: Auf ihren Platz im Luzerner Stadtparlament, zwischen den Sozialdemokraten und den Grünen, setzte sie eine Schaufenster-puppe, die mit Perücke und schwarzer Kleidung an sie selbst erinnerte. Die Pup-pe sei so, wie man sich ein Mitglied der Politikerkaste vorstelle, wird Gallati in der Luzerner Zeitung zitiert: «Sie denkt nicht, spricht nicht und ist manierlich, also vollwertiges Mitglied ihres Vereins.»

 

Seit den 1980er Jahren intensivierte Laura Gallati auch ihre experimentellen mu-sikalischen Projekte, u. a. mit der Rock-Vokalistin Magda Vogel, der Komponi-stin Mela Meierhans, der Mezzosopranistin Gabriela Stocker, auch mit der Im-provisatorin Dorothee Schürch oder der Jazzpianistin Irene Schweizer.

 

Es folgten gemeinsame Projekte und Auftritte mit der Sozialwissenschafterin, Autorin und späteren Lebensgefährtin Christina Thürmer-Rohr (klassische und experimentelle Musik für zwei Klaviere). 1993 erhielt Gallati einen ersten Lehr-auftrag an der Technischen Universität Berlin zum Thema Hörgewohnheiten.

 

Zwischen 1994 und 2004 schrieb Laura Gallati regelmässig für die Kolumne „world of music“ in der WOZ Die Wochenzeitung. 1996 erhielt sie den Werkbei-trag des Kantons Luzern für ihre elektro-akustische Komposition „Quer zur Zeit“. Im selben Jahr wurde ihre Wohnung und Atelier in Luzern durch eine Schlamm-lawine komplett zerstört. In der Folge zog sie nach Berlin.

 

Im Jahr 2003 gründen Gallati und Thürmer-Rohr den Verein Forum Akazie 3 als „Forum zum politischen und musikalischen Denken“. 2006 rief sie mit dem mo-natlichen «Musikologie-Seminar» einen weiteren Ort für hauptsächlich zeitgenös-sische Musik ins Leben. Laura Gallati hat zwei erwachsene Söhne. Seit Mitte der 1990er Jahre lebt sie in Berlin."

Quelle: Laura Gallati (31424332586) - Laura Gallati – Wikipedia

Bild: https://l-wiki.ch/Laura_Gallati#/media/Datei:LauraGallati.jpg

Fotos: https://www.bing.com/images/search?view=detailV2&ccid=v8qYQFhe&id=B6F77CACFC4ADC286AF91DF433BCC596F05F1EAE&thid=OIP.v8qYQFhedFJZ3rzCbnOemwAAAA&mediaurl=https%3a%2f%2fth.bing.com%2fth%2fid%2fR.bfca9 

 

Siehe auch: SRF Reportage

https://www.srf.ch/play/tv/schweiz-aktuell/video/uff-bsuech-laura-gallati?urn=urn:srf:video:ed886a69-1b4d-4b6a-be10-da99a65145b9

 

Laura Gallati (links) und Christina Thürmer in concert bei der Heinrich Böll-Stiftung 2016

Foto:

https://www.flickr.com/photos/boellstiftung/31424333116/in/album-72157676131630590/

Grabtafel von Ex-Ehemann Karim Gallati (1939-2010), Luzern


 

Sepp Ochsner's Kalenderblatt

 

AUGUST

 

Am Laurenzitag hört das Holz zu wachsen auf. Der Name Laurentius (10. August) hat einen lateinischen Ursprung und heisst „der aus der Stadt Laurentum Stammende“. Laurentius ist eigentlich schon früh durch das volkstümliche „Lo-renz“, in Anlehnung an das lateinische „laurum“, das bedeutet Lorbeer oder Lor-beerkranz in „der Lorbeerbekränzte“ umgedeutet worden. 

 

Die Basilika „San Lorenzo fuore le mura“ in Rom gehört zu den sogenannten sieben Pilgerkirchen dieser Stadt. „San Lorenzo“ ist unter Kaiser Konstantin um das Jahr 350 herum über dem Grab des Märtyrers errichtet worden. Laurentius war einer der sieben Diakone der Stadt Rom, also für die Finanzen und die So-zialarbeit der Kirche von Rom zuständig. San Lorenzo wird deshalb auch immer in der Amtstracht der Diakone dargestellt, so  auf der rechten Seite des Taberna-kels in der Pfarrkirche St. Martin in Schwyz, dazu mit einem rechteckigen Rost, seinem Marterwerkzeug. 

 

Er gilt als Patron der Armen und all jener, die einen Beruf haben, der etwas mit Feuer zu tun hat, so unter anderem der Köche, Bäcker, aber auch der Feuer-wehrleute. Laurentius soll aber auch vor den Qualen des Fegefeuers beschüt-zen.  Auf dem grossartigen Gemälde „ Das Jüngste Gericht“ von Michelan-gelo in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan ist er unmittelbar unter dem Weltenrichter zu sehen. Im Zweiten Weltkrieg, am 19. Juli 1943, wurde die Ba-silika bei einem Bombenangriff beschädigt,  ab  1944 – 1948 wieder restau-riert/aufgebaut.

 

Laurentius ist Patron vieler Kirchen, im Kanton Schwyz ist mir aber nur gerade Reichenburg bekannt. Die älteste Sakralbaute in der Gemeinde Ingenbohl, die 1595 erbaute Laurentius-Kapelle, steht in Wylen und überblickt von da den Talkessel von Schwyz.

 

Die Legende erzählt vom besonderen Widerstand von Laurentius gegen kaiser-liche Anordnungen. Als der damalige römische Bischof, also Papst Sixtus II., unter Kaiser Valerian festgenommen und enthauptet worden sei, sollten die Schätze an den Kaiser übergeben werden. Laurentius erbat sich drei Tage Be-denkzeit und verteilte in dieser Zeit alles unter die Armen. Daraufhin habe der er-boste Kaiser Laurentius martern und auf einem Eisenrost rösten und verbrennen lassen. Dieser Rost taucht auch in zahlreichen Stadt- und Gemeindewappen auf.

 

Tränen des Laurentius am Himmel. Die „Laurentiustränen“, eigentlich „Persei-den“, sind ein jährlich in der ersten Augusthälfte wiederkehrender Meteorstrom, der in den Tagen um den 12. August zu sehen ist und ein deutliches Maximum an Sternschnuppen aufweist.

 

Nicht ganz zufällig habe ich für dieses Kalenderblatt Laurentius oder eben „Lo-renz“ ausgewählt. Wir wollen doch bei dieser Gelegenheit eines lieben Kamera-den gedenken, der leider schon früh von uns gegangen ist: Gwerder Lorenz. Ohne despektierlich zu sein denke ich, dass Lorenz den meisten von uns – sagen wir mal – etwas „kauzig“ rüber gekommen ist. Beruflich hatte ich mit Lo-renz nicht allzu viele Berührungspunkte, sportlich dafür umso mehr. Lorenz war ein guter Wintersportler. Als Alpiner und nachher, dank grossem Trainingsfleiss, auch als Langläufer. Von Haus aus war er ein exzellenter Schütze und daher ein prädestinierter Wintermehrkämpfer. Von seiner Schaffenskraft profitierten nicht nur die Schützengesellschaft  Ried/Muotathal, sondern auch jahrelang die kanto-nalen Schützenveteranen als umsichtiger Schützenmeister und Vizepräsident.  Lorenz, du fehlst uns!

 

Ende August ist aber auch noch Einsiedler Chilbi. Nebst Siebnen die grösste Chilbi im Kanton Schwyz. Da kommen mir Erlebnisse als Knirps in den Sinn. Da wurde eine stark übergewichtige Frau gegen einen minimen Obolus zu Schau gestellt: „Die dicke Berta!“ Bei gleicher Gelegenheit auch noch zwei Klein-wüchsige: “Liliputaner“, die sich behände über die Bühne trollten. Und auch noch ein Schwarzer im Bastrock: „Mueter lueg – e Neger!“  Tempi passati – in dieser Hinsicht nicht nachzutrauern.

   

Gruess und bliibed gsund

Sepp

 

 

„Regnets am Lorenzentag, gibt es grosse Mäuseplag“                     

 

Ein paar Bemerkungen aus meiner eigenen Erinnerung

 

Die "Einsidler Chilbi" durfte  ich selber wohl ein Dutzend Jahre erleben. Drei Tage war in der Waldstatt eine Budenstadt rund um das alte Schulhaus und auf dem grossen Brüel-Schulhausplatz. Auch in diesem Jahre ist von Sonntag, 28. August bis Dienstag, 30. August traditionell Chilbi. Einsiedeln war punkto Feiertage ein ein Wunderland. Die Schulkinder und Lehrerschaft, (nicht mehr sicher bin auch, ob auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bezirksverwaltung) hatten insgesamt 15 Tage mehr frei als anderswo: (praktisch drei Arbeitswochen Zusatz-ferien ohne Lohneinbusse!)

 

6. Januar: Dreikönigen

21. Januar: Meinradstag

die "hochheiligen" Fasnachtstage  Mo., Di  (Güdismäändig und Güdisziischtig)

19. März: Josefstag

Karfreitag

Christi HImmelfahrt

Fronleichnam

11. Juli: Benediktstag (meist in den Sommerferien)

15. August: Maria HImmelfahrt

September Viehausstellung auf der Brüel-Wiese 

Gallämärt  (Markt auf dem Adlermätteli)

Martinsmärt (Markt auf dem Adlermätteli)

1. Nov.: Allerheiligen

8. Dez.: Maria Empfängnis

 

 

A propos "Dicke Berta"

Ich habe die schwergewichtige Dame als Sechstklässer auch an der "Näfelser Chilbi" gesehen. Erstens war ich zufällig beim Bahnhof, als sie dem Zug entstieg und sich dann ins Taxi ("Taxi Elsy") zwängte. Beim Einsteigen senkte sich das Auto "toing!" und glich sich wieder aus, als die Dame in die Mitte des Hintersitzes gerückt war. Das Taxi fuhr sehr langsam und behutsam zum Hotel Schwert, wo sie offenbar nächtigte.

 

Als "ä-n-eeländs Gwünder" schaffte ich es an der Kilbi, ins kleinen Zelt mit grosser Affiche "Die dicke Berta" für 50 Rappen an eine "Vorstellung" zu ge-langen. Auf einige schlichten Holzbänken nahm, praktisch ausschliesslich männliches Publikum teil. Ich setzte mich auf die hinterste Bank, dann folgten mehrere leere Bänke und auf den vordersten zwei-drei Bänken war es geragelt voller junger Burschen, die um die Wette die Hälse reckten.

 

Plötzlich erklang ein Gong. Ein Zauberer in Frack und Zylinder und langem weis-sem Schal trat auf, begrüsste und zauberte aus dem Zylinder eine oder zwei weisse Tauben. Nach anderen Zauberstücken kündigte er die Dicke Berta an. Der Vorhang öffnete sich und die füllige ausserordentlich beleibte Dame er-schien, begleitet von Grammophonmusik, in langer Robe. Sie wackelte auf der Bühne etwas schwerfällig umher und stellte sich wieder in der Mitte auf, schob ihren langen Rock beiseite und meinte "Damit sie meine Oberschenkel sehen" - in den Zuschauerrängen wurde geklatscht und gepfiffen... mit grossen Augen erblickten wir ein dickes, trämmelartiges Bein, an dem der Speck nur so wa-ckelte. und dann war bereits Ende der Fahnenstange. Die Vorstellung, sie moch-te vielleicht eine  Viertelstunde gedauert haben, war zu Ende. Mit einem "schaad um deer huärä Füfzger Iitritt!" verliess man wieder das kleine Zelt, um eine zwar nicht lebenswichtige Lebenserfahrung reicher.

Im "Tagblatt" vom 23. September 2021 schrieb Peter Eggenberger ein Kurzportrait der "dicken Berta" wie folgt:

 

"Vor 50 Jahren verstarb die Dicke Berta, eine vielbegaffte Attraktion auch am Buchser Jahrmarkt

 

Am 17. September 1972 verstarb mit der dicken Berta eine aussergewöhnliche Frau. In den 1940er- und 50er-Jahren wurde «die schwerste Frau der Schweiz» auf Jahrmärkten, Kilbenen und Messen im In- und Ausland schamlos zur Schau gestellt.

 

Drüsenleiden? Stoffwechselerkrankung? Oder ganz einfach Vererbung? Angehö-rige, Naturärzte, Schulmediziner und heilkundige Frauen im Kloster Grimmen-stein waren ratlos, als die am 24. Oktober 1910 in Oberegg geborene Paula Sonderegger in der Pubertät immer schwerer wurde. Letztlich aber vermochte niemand zu helfen, und als Appenzeller Frohnatur machte Paula das Beste aus ihrer misslichen Situation." (Text und Bild: Tagblatt, Buchs SG)

 

Die dicke Berta wagm sich auf dem Bahnhof Schwarzenbach auf die Waage.  Illustration von Ernst Bänziger.

 

Peter Eggenberger publizierte eine weitere Geschichte über die dicke Berta an 21. Juli 2020 wieder im Tagblatt

 

Gewichtiger Besuch:

Wie die dickste und schwerste Frau der Schweiz für Aufsehen in Schwarzenbach sorgte

 

Die dicke Berta sorgte in den späten 1950er-Jahren in Schwarzenbach und in Jonschwil für riesiges Aufsehen. Ein Blick zurück.

Als dicke Berta und schwerste Frau der Schweiz wurde Paula Sonderegger ab den 1940er-Jahren auf Jahrmärkten, Kilbenen und Messen im In- und Ausland zur Schau gestellt. Ein Besuch in Schwarzenbach und Jonschwil vor rund 60 Jahren sorgte für riesiges Aufsehen.

 

Niemand vermochte zu helfen

Eine Stoffwechselerkrankung? Drüsenleiden? Oder vielleicht Vererbung? Angehörige, Naturärzte, Schulmediziner und heilkundige Klosterfrauen waren allesamt ratlos, als das am 24. Oktober 1910 in Oberegg (AI) geborene Mäd-chen in der Pubertät immer dicker und schwerer wurde. Niemand vermochte zu helfen, und als Appenzeller Frohnatur machte Paula das Beste aus ihrer miss-lichen Situation. So akzeptierte sie denn auch ohne langes Überlegen das An-gebot eines St.Galler Marktfahrers, der auf der Suche nach einer neuen At-traktion war. Mit Paula hatte er sie gefunden. Und da fast jeder Schweizer wusste, dass im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Deutschen eine Riesenkanone mit dem Namen «Dicke Berta» im Einsatz stand, hatte Paula diese Bezeichnung sozusagen als Künstlernamen anzunehmen.

 

150 Zentimeter gross, 468 Pfund schwer

Paula alias Berta war wenig über 150 Zentimeter gross und 468 Pfund schwer. Auf Jahrmärkten landauf und landab und auch in Wil, Uzwil und an der Olma sorgte jener Budenwagen für Furore, auf dem weithin sichtbar das Transparent «Besuchen Sie die schwerste Frau der Schweiz!» prangte. Es waren fast aus-schliesslich Männer, die das Eintrittsgeld von 50 Rappen entrichteten und Berta besuchten. Sie lächelte allen freundlich zu, hielt ihnen die Arme entgegen und hiess sie zupacken. Wenn dann aber in ihrem fahrbaren Stübchen ein Gedränge herrschte, forderte sie die vordersten Gwundernasen mit einem barschen «Jetzt reicht’s! Macht endlich Platz und verschwindet, lasst die andern auch etwas sehen!» unmissverständlich zum Gehen auf.

Es war in den späten 1950er-­Jahren, als auf fast allen Schweizer Bahnhöfen mo-derne Personenwaagen Aufstellung fanden. Eine fortschrittliche Sache, spuckte doch die Neuerung nach dem Wägen ein Zettel mit der Angabe des genauen Gewichts aus. Sogar der Bahnhof von Schwarzenbach wurde mit dieser Neuerung ausgerüstet, für die sich Berta nach dem Verlassen des Zugs lebhaft interessierte.

 

Verwandt mit Pfarrer Carl Bischofberger

Weshalb aber kam die gewichtige Dame ausgerechnet nach Schwarzenbach? Grund für ihre Bahnreise war der legendäre, ebenfalls aus Oberegg stammende Pfarrer Carl Bischofberger, der von 1881 bis 1920 in Jonschwil gewirkt hatte. Berta war mit ihm verwandt, und sie wollte dessen Grab aufsuchen. Zahlreiche Neugierige bestaunten die schwere Frau, die vor der Waage stehen blieb. «Das wäre doch eine gute Gelegenheit, mein Gewicht zu überprüfen und schriftlich festzuhalten. Bitte helft mir», wandte sich Berta kurz entschlossen an die Umste-henden. Gesagt, getan, und dank der Unterstützung von Martin Trunz, dem Wirt des nahen Gasthauses Schwarzenbacher Brücke, und eines Bahnwärters vermochte sie beim dritten Versuch auf die kleine Plattform zu steigen.

 

Berta stand doch ganz alleine auf der Waage

Kaum hatte sie das Zwanzigrappenstück durch den Schlitz geworfen, begann es im Innern der Waage zu rumoren, zu rasseln und zu ächzen, und der grosse Zei-ger schien ausser Rand und Band geraten. Gebannt verfolgten Berta und ihre Helfer das Geschehen, und was niemand erwartet hatte, trat mit einiger Verzö-gerung doch noch ein: Ein Zettel erschien, auf dem die eindringliche Mahnung zu lesen stand: «Bitte nicht in Gruppen auf die Waage stehen!»

 

Die Frau schüttelte ungläubig den Kopf, um dann in lautes Gelächter auszu-brechen. Das kleine Papierstück machte anschliessend bei den Helfern und Zu-schauern die Runde, und noch nie wurde auf dem Bahnhofareal von Schwar-zenbach dermassen gelacht.

 

Auf 125 Kilogramm abgemagert

Dann bestieg Berta das wartende Fuhrwerk von Wirt Trunz. In Jonschwil ver-weilte sie nur kurz im Bereich von Friedhof und Kirche. Trotzdem aber wurde sie von Dorfbewohnern gesehen und begafft, und auch hier war das Staunen über den schwergewichtigen Besuch enorm. Dann erfolgte die Rückkehr nach Schwarzenbach.

Nach einem ausgiebigen Zvieri in der «Schwarzenbacher Brücke» trat die schwerste Frau der Schweiz mit der Bahn die Heimreise an.

 

Die Jahre gingen ins Land, und längst war die Schaustellerei für die mittlerweile mit Bauarbeiter Emil Gosteli verheiratete und in Zürich wohnende Frau alltägl-ich geworden. Plötzlich aber traten ernsthafte gesundheitliche Störungen auf, die sie zur Aufgabe der Marktfahrerei zwangen. Auf 125 Kilogramm abgemagert, verschied Berta am 17. September 1972 und wurde auf dem Friedhof Sihlfeld zur letzten Ruhe gebettet.

(Peter Eggenberger hat dieses Thema in -zig Publikationen platziert, sogar im Appenzeller Kalender und vielen lokalen Blättern.)